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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 1980–1994
nachgeführt , 2020-04-02
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Aus presse und internet

28. 12. 1994

: Lustobjekt oder Regelwerk? Tagesspiegel, , Literaturspiegel
Schreibregeln sind keineswegs heilig, sondern unterliegen wie alle sprachli­chen Phänomene dem Wandel. Wie schnell man sich an zuvor Unvorstell­bares gewöhnt, ist fünf Jahre nach dem Mauer­fall und ein Jahr nach der Um­stellung der Postleit­zahlen jedem klar. Wir hätten auch die totale Klein­schreibung überlebt. […] Die Experten wollten halt niemandem weh tun, die Gebildeten nicht verprellen und auch die nicht völlig enttäuschen, die angesichts zunehmender Schwierigkei­ten von Schülern mit der Rechtschreibung für eine radikale Vereinfachung plädierten.

3. 12. 1994

: Wer den Fortschritt liebt, darf sich freuen ... (I). "Der Geküsste büßte den Kuss an der Küste" (26. November). Die Presse, , nr. 14.03, s. XIV, Spectrum, Tribüne der Leser
Bisher gehörte es zum Unterricht, die gewohnte Rechtschreibung zu lehren; die Schüler konnten mit Aufmerk­samkeit und Fleiß bis auf den heutigen Tag die Rechtschreibung unserer Väter erlernen. Im übrigen kommen Wirtschaft, Wissen­schaft, Gerichtsbar­keit und Presse mit der bisher geübten Rechtschreibung vortrefflich aus.
: Wer den Fortschritt liebt, darf sich freuen ... (II). "So oder auch anders" (23. November). Die Presse, , nr. 14.03, s. XIV, Spectrum, Tribüne der Leser
Einfacher wird die Rechtschreibung da­durch nicht — ganz im Gegenteil. Die Kinder müssen sich statt bisher eine nun mehr zwei Möglichkeiten der Recht­schreibung merken, und es wird immer noch unzählige Schreib­weisen geben, die nicht gestattet sind.

2. 12. 1994

: Bitte nicht lachen. Die Zeit, , nr. 49, s. 63
Es handelt sich also nicht um eine große Vision besessener Sektierer, die sich des Allgemein­guts Sprache bemächtigen wol­len, sondern um eine bescheidene Unfugbereinigungs­aktion. So empfiehlt es sich, den Plan jetzt nicht kaputt­zulachen. So bald gäbe es keinen anderen.

28. 11. 1994

Zu-cker für Theo. Der Spiegel, , nr. 48, s. 221 bis 222, Wissenschaft
So schrumpfte das allumfassend ge­plante Reformwerk, das Mentrup als Haupt­bearbeiter und Koordinator zu ver­wirklichen trachtete, auf einen ortogra­fischen Minimalkonsens — was vor allem jene bedauern, die keine Erinnerung mehr an häßliche Diktatzensuren haben. Immerhin aber ist das neue Regelwerk die erste Reform seit dem Jahre 1901, als auf der Berliner Orthographischen Konferenz die alt­hergebrachte Thür abgeschafft und das Wörterbuch des Hersfelder Gymnasial­direktors Konrad Duden zum Wachorgan über die deutsche Sprache bestellt wurde.

26. 11. 1994

: Der Geküsste büßte den Kuss an der Küste. Die Presse, , nr. 14.025, s. 3, Die Seite drei
Umstrittenster Punkt der Reform war die Groß- und Klein­schreibung. Gegen die einstimmige Empfehlung der Kommis­sion wird die gemäßigte Kleinschreibung […] nicht eingeführt. Vielmehr kommt die „modifizierte Groß­schreibung“. Zu deutsch: Noch mehr Wörter als bisher wer­den groß geschrieben. Die Klein­schreibung scheiterte letztlich politisch, und zwar am Widerstand einiger BRD-Länder. So bleibt das Deutsche die einzige Sprache mit Substantiv­groß­schreibung.

25. 11. 1994

: Reform für lange Zeit. Viele Reaktionen auf die neue Rechtschreibung. Stuttgarter Zeitung, , 50. jg., nr. 272, s. 18, Feuilleton
Das neue Regelwerk, das in Deutschland erst nach Zustimmung der Kultus­mi­nister und des Bundes­innen­ministeriums in Kraft treten wird, „ist unantastbar für lange Zeit“, sagte der deutsche Pro­fessor Gerhard Augst. Eine weitere Reform der Rechtschreibung würde bei den Bürgern nur Verunsicherung schaffen.

Da schweizer bürger weniger angst vor verun­sicherung haben, halten wir es mit Gallmann.

28. 8. 1993

: Wie sanft ist die geplante Orthographiereform? Neue Zürcher Zeitung, (2551 wörter)
Die Vorschläge, die der Internationale Arbeitskreis für Orthographie in bezug auf die Zeichensetzung vorlegt, krempeln das bisherige Kommasetzungs­system um: Sie verwerfen heutige feste Regeln und stipulieren neue, die dann aber wieder mit einer Kann-Vorschrift relati­viert werden. Solch vage Regelungen helfen nun aber bloss dem Schreiber; dem Leser helfen sie nicht, erschweren vielmehr das Verstehen und führen wohl zu einer weiteren Abkehr von den Print­medien. Man kann sich aber vorstellen, dass "das Schulsystem" mit solchen "Regeln" sehr gut arbeiten kann. Der "Entscheidungs­spielraum" des Schrei­bers/Schü­lers wird grösser, seine Aus­bildung darf geringer bleiben: Die "Entscheidung" ist so ein blosses Ignorieren dehnbarer Regeln . . .

stellungnahme

7. 1993

: Der Bindestrich – Regelausweitung, heutiger Gebrauch, Reformbestrebungen. Deutsch als Fremdsprache, , nr. 3, s. 163 bis 166
Abstract: Der Beitrag beschäftigt sich nach einer allgemeinen Einführung mit der Entwicklung der Regeln zum Ge­brauch des Bindestrichs von 1876 bis zum heutigen Tage. Der Vf. geht dabei vor allem auf die Regel­auffächerung seitens der „Duden"-Rechtschreibung ein. Beschrieben wird zudem der heutige Gebrauch und die daraus entstehende Problematik. Vorgestellt werden ab­schließend die Neuregelungs­bestrebungen.
: Graphische Varianten bei der substantivischen Komposition. Deutsch als Fremdsprache, , nr. 3, s. 167 bis 171
Abstract: Der Beitrag behandelt substan­tivische Komposita (Typ Tomaten Ketchup), die weder zusammen­geschrie­ben noch durch Bindestrich gekoppelt werden. Diese „diskontinuier­lichen Kom­posita" verbreiten sich zunehmend. Die Vfn. zeigt, unter welchen Einflüssen sie entstehen und wie sie sich funktional in die deutsche Gegenwarts­sprache einordnen.

4. 1992

: Zu den Bemühungen um eine Reform der deutschen Rechtschreibung. Deutsch als Fremdsprache, , nr. 2, s. 72 bis 84
Abstract: Die Vf. erläutern Vorschläge zur Neuregelung der deutschen Recht­schreibung, die von Experten­gruppen aus den deutsch­sprachigen Ländern an die Regierungen übergeben wurden. Veränderungen soll es in folgenden Be­reichen geben: Laut-Buchstaben-Zu­ordnungen, Getrennt- und Zusammen­schreibung, Schreibung mit Binde­strich, Groß- und Kleinschreibung, Zeichen­setzung und Worttrennung am Zeilen­ende.

21. 9. 1990

: Reform oder Rewoluzjon. Siebenhundert Experten warnen vor dem "Analphabtentum". Die Zeit, , nr. 39, s. 85 (563 wörter)
Wo die Herrschenden stur jede Reform verhindern, wo mit dem Druck von außen die Unzufriedenheit im Inneren wächst, da, lehrt uns die jüngste Geschichte, ist die Revolution nicht weit. Das gilt auch in der Rechtschreibung. […] Wie es tat­sächlich um den äußeren Druck auf die Rechtschreibung steht und wie um unsere Fähigkeit zur Bewahrung der alther­gebrachten Orthographie, lehrt uns eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur. „UNESCO: Analphatentum eine Heraus­forderung an das Welt­gewissen.“ dpa schreibt diesen Satz Federico Mayor zu, dem General­direktor der Organisa­tion. Vielleicht war dem Mann ange­sichts von 42 Millionen Analphabeten allein in den reichen Ländern der Welt die Orthographie wirklich schnuppe; viel­leicht hatte auch nur ein Redakteur keine Lust mehr zum Dienst nach Vorschrift des Dudens. Beides würde auch erklären, wieso trotz der „Fortschritte in der Schulbildung“ für Mayor laut dpa „der Analphetismus Anlaß zur großer Sorge“ bleibt.

15. 3. 1990

: Rechtschreibreform und kein Ende. print, , nr. 11, s. 844, Magazin, Leserbriefe (473 wörter)
Die angebliche Kleinschreibung im Eng­lischen und Französischen ist in der Praxis viel problematischer als die viel­geschmähte Regelung im Deutschen. Die «gemässigte Kleinschreibung» für das Deutsche einzuführen wäre wahrlich ein Schildbürger­streich, wie ihn nur praxis­ferne (druckerei­ferne) Theoretiker aus­hecken können. […] Die anscheinend un­aufhaltsame «Aufweichung» der Recht­schreib­regeln […] und EDV-Neuerungen wie Text­übernahme ab Disketten und Desktop-Publishing untergraben die Stellung des Druckerei­korrektors. […] Man mag es bedauern, aber es scheint unaus­weichlich: Das Ende einer mehr als 500jährigen Tradition der Sprach- und Rechtschreib­pflege durch die Buch­drucker ist absehbar.

«Aufweichung» und verbesserung ist nicht dasselbe. — Kurz nach den profetischen schlussworten begann die tradition der sprach- und rechtschreib­pflege durch die internetuser.

21. 2. 1989

: "das/daß": Trennung seit 1333 nachweisbar. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Briefe an die Herausgeber
Man muß sich damals wohl etwas ge­dacht haben, als Artikel/Pronomen "das" von der neuen Konjunktion "daß" rechtschreib­lich geschieden wurde.

13. 1. 1989

: Wozu Rechtschreibung, wozu Rechtschreibreform? Nicht die Orthographie, sondern der Unterricht bedarf der Reform. Bayerische Staatszeitung,
Der Sinn einer Rechtschreib­regelung ist nämlich nicht, daß sie möglichst leicht zu lernen ist, und sie ist auch nicht dazu da, daß möglichst alle Leute im Sinne der Regeln völlig korrekt schreiben. […] Es ist keineswegs notwendig, daß jedermann die deutsche Rechtschreibung mit all ihren Raffinessen völlig beherrscht.

6. 12. 1988

: Minister lassen "Keiser" sterben. Kernstück der Rechtschreibereform gekippt. Mannheimer Morgen,
Während die Reform der Laut-Buch­staben-Beziehung definitiv vom Tisch ist, wird über die vier anderen Teile des Reform­pakets noch weiter­beraten.

28. 10. 1988

: Duden ade? Vom falschen Fummeln an der deutschen Sprache. Die Zeit, , nr. 44
Auf fünf Gebieten haben die vom In­stitut angeheuerten Doktoren und Pro­fessoren Änderungen für nötig gehalten. Noch einmal wieder auf der Groß- und Kleinschreibung herum­zureiten, hat man ihnen vorerst glücklicher­weise untersagt.

4. 1988

: Ein neues wissenschaftliches Ja zur Rechtschreibreform. Sprachspiegel (), , 44. jg., nr. 2, s. 34 bis 38
Jetzt liegt ein Kompendium der Ortho­grafiereform vor, in dem rund 1000 einschlägige Arbeiten und ins­besondere rund 80 Reform­programme mit Umsicht und Scharf­sinn aus­gewertet sind: Doris Jansen-Tang gibt in ihrem Werk „Ziele und Möglich­keiten einer Reform der deutschen Ortho­grafie seit 1901“ einen historischen Rück­blick und analysiert alle Ergebnisse, ins­besondere zur Klein­schreibung und Inter­punktion. […] Vielen Politikern, die letztlich über eine Recht­schreib­reform zu ent­scheiden haben, war bis jetzt an­gesichts des Wider­standes in sprach­fundamentalistischen" Kreisen stets das will­kommene Argument zur Hand, die Wissen­schaft wisse selber nicht, was sie wolle. Das läßt sich heute nicht mehr sagen.

19. 9. 1987

: Wohin steuert die deutsche Rechtschreibung? Zum Stand der Reformbemühungen. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 217, s. 25 bis 26, Zeitfragen, scan (3736 wörter)
Weitgehend unbeachtet von der öffent­lichen Diskussion ist in den letzten Jahren die wissen­schaftliche Arbeit an einer Reform der deutschen Recht­schreibung voran­getrieben worden. […] Aus lebhaften Reform­diskussionen (in der Schweiz hat sich hierbei besonders der Bund für vereinfachte rechtschreibung hervorgetan) entstanden zahlreiche Reform­vorschläge. […] Die Fortschritte in den gemeinsamen wissen­schaftlichen Bemühungen legten den Grund für die Möglichkeit politischer Vor­entscheidun­gen, wie sie in Wien getroffen worden sind; und diese wiederum geben den Wissen­schaftern die Möglichkeit zu sinnvoller Weiterarbeit. […] Der erste Block der Reform­vorschläge soll von den Fachleuten bis Ende 1988 verabschiedet sein. Dann werden die politischen Instanzen entscheiden, ob es eine Reform geben soll – eine zweite Wiener Konferenz ist für Dezember 1988 geplant. Auch wenn dieser Zeitplan vielleicht nicht ganz eingehalten werden kann: Die Chancen für eine positive Entscheidung – wir haben es am Anfang aus­gesprochen – sind nicht schlecht.

9. 7. 1984

neu „Eine unsäglich scheußliche Sprache.“ Die westdeutschen Industriegesellschaft verliert ihre Schriftkultur. Der Spiegel (), , nr. 28, s. 126 bis 136, Titel (5828 wörter)
Mit der Recht­schreibung wird es immer schlechter, das Ausdrucks­vermögen nimmt mehr und mehr ab. […] Ist das Deutsche auf dem Wege zum Kauder­welsch? […] Die Suche nach dem treffenden Ausdruck ist weitgehend aufgegeben worden. Wort­brocken entheben der Mühsal, ganze lange Sätze hersagen zu müssen, und in der gymnasialen Oberstufe befassen sie sich, wie etwa die nieder­sächsischen Richtlinien vor­schreiben, lieber mit den „Problemen einer heutigen Rechtschreibe­reform“ und „äußern sich dann“, sagt ein Lehrer, „hoch­gelehrt über den Repressions­charakter der deutschen Recht­schreibung, und kein Satz ist ortho­graphisch und grammatisch korrekt“.

21. 5. 1984

: Wie ein Minister den Kleinschreibern auf den Leim ging. Sonderbare, aber erfolgreiche Methoden eines österreichischen Vereins. Die Welt,
Sowohl der Verein als auch das Institut kämpfen seit Jahren um die Kleinschreibung. Dieser Kampf ist an sich nicht unehrenhaft. Er hatte in der Vergangen­heit hervor­ragende Geister auf seiner Seite, allen voran Jacob Grimm. Freilich hatte er zu allen Zeiten auch mindestens ebenso prominente Gegner, von Johann Christoph Gottsched bis zur Dichter­prominenz unserer Zeit.

23. 1. 1984

: «Vereinfachung verbessert die Schriftsprache.» Basler Zeitung, , nr. 19, s. 23, Die Regin Basel
Seit 60 Jahren besteht der «Bund für ver­einfachte recht­schreibung» in der Schweiz. […] Die Baz sprach mit dem Prä­sidenten, Rolf Landolt.
: «kleinschreibung ist realität.» Basler Zeitung, , nr. 19, s. 26, Basel-Stadt
Etwas mehr als zwanzig Leute aus der deutsch­sprachigen Schweiz trafen sich am Samstag­nachmittag im Basler Bahnhof­buffet zur Jahres­versammlung des BVR. […] An der Ver­sammlung gab es Leute aus ver­schiedenen Generationen, sogar ein Gründungs­mitglied des 60 Jahre alten Vereins, war dabei.
: Tut’s doch! Kommentar. Basler Zeitung, , nr. 19, s. 26, Basel-Stadt
Auch wenn der BVR das «ph» etwa in «Photo­graph» durch ein «f» ersetzen will, so geht das nicht an die Substanz. Wer immer diese Ortho­graphie ver­wenden will, möge dies doch tun […].

19. 10. 1982

: Zurück zu den kleinen Buchstaben. Der lange Leidensweg der deutschen Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 243, s. 33, Inland, scan (1834 wörter)
Die Zeit ist also reif, die ganze Frage auf die diplomati­sche Ebene zu heben. Könnte nun nicht die Schweiz die Initiative ergreifen? Das würde nämlich die Gefahr, dass die Reform ver­politisiert würde – etwa zwischen BRD und DDR –, er­heblich mindern.
: Vorschlag zur Güte. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 243, s. 33, Inland, scan (646 wörter)
Von der Klein­schreibung ist wieder ein­mal die Rede; von der gemässigten. […] Man erklärt uns, die Regel, nach der wir Haupt­wörter gross schreiben, sei nicht zu halten: man wisse im Einzel­fall doch nicht, ob man es mit einem Haupt­wort zu tun habe. Also sollen wir nur noch Namen gross schreiben – und in jedem Einzel­fall wissen, ob wir es mit einem Namen zu tun haben. Am besten, wir ersetzen die 27 Duden-Regeln für Gross- und Klein­schreibung durch die 41 ent­sprechenden Regeln des «Guide du Typographe romand».

6. 8. 1982

: Kleinschreibung — Blödsinn oder eine gute Sache? Blick, , 24. jg., nr. 180, s. 5, Leserseite
Mit einem Postulat hat sich Grossrat und Sekundar­lehrer Ernst Bopp im Stile Winkelrieds in die Schlacht geworfen. Bedeutet sein Vorstoss eine Wende im Buchstaben­krieg?

31. 3. 1982

neu : Vereinfachung der neugriechischen Orthographie. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 75, s. 38, Feuilleton, scan (843 wörter)
Doch die Orthographie des Neu­griechischen weist immer noch einen konservativ-historischen Charakter auf. […] Im Laufe der Zeit sind zwar gewisse Ver­einfachungen der Ortho­graphie erfolgt. Die Regeln der Rechtschreibung sind aber immer noch kompliziert genug. Das heutige Griechenland hält an mancher historischen ortho­graphischen Regel fest, weil es darin «eine Brücke zum ruhmreichen alten Hellenen­tum» erblickt. Auch hierin zeigt sich, dass das Kulturerbe der Neugriechen gleichzeitig Würde und Bürde ist. Für die Schul­kinder in Griechenland stellt die traditionelle Orthographie eine erhebliche Belastung dar. Aus diesem Grunde hat man es in der griechischen Oeffentlich­keit grundsätzlich positiv gewürdigt, dass die Regierung Papandreou unlängst beschlossen hat, hinsichtlich der Akzente und der Spiritus­zeichen eine Orthographie­reform durchzuführen.

9. 11. 1981

: "Der gefangene floh." Die letzte Schweizer Gemeinde gibt die Kleinschreibung auf. Stuttgarter Zeitung,
Ostermundingen im Kanton Bern, Wyssachen im Emmental und nun auch Binningen in Basel-Land haben kapitu­liert; nach sechs bis acht Jahren der gemäßigten Klein­schreibung sind sie reumütig zum Duden zurückgekehrt.

11. 2. 1981

: Der Duden ist wieder in Kraft. Schweizer Ort gab Kleinschreibung auf. Kölner Stadtanzeiger,
"Da sollte doch jemand endlich einen Anfang machen", dachte sich der heute 60jährige Gemeinde­schreiber Hans Min­der und tippte am 16. Februar 1972 ein amtliches Schreiben nach den Regeln der gemäßigten Kleinschreibung […] in die Maschine. Als der erwartete Protest­sturm ausblieb, wurde mit sechs gegen eine Stimme der Beschluß gefaßt, vom 1. März 1973 an den amtlichen Schrift­verkehr nur noch in Kleinschreibung zu veröffentlichen.

7. 2. 1981

: Das Ende der Kleinschreibung. Der Gemeinderat von Ostermundigen brach ein Experiment ab. Der Bund, , 132. jg., nr. 31, s. 22, Stadt und Region Bern
Obwohl die seither gesammelten Er­fahrungen mehrheitlich positiv ausgefal­len sind, hat der Gemeinderat […] das Experiment […] abgebrochen. Der Grund dafür liegt vorab darin, dass die erhoffte Signalwirkung weitgehend aus­geblieben ist.

11. 10. 1980

: Systemlose Rechtschreibung? Der Bund, , nr. 239
Wir sind ja allzumal Sünder, und ich möchte den sehen, der in Fällen wie dem folgenden immer ohne den Griff zum Duden auskäme: in bezug auf, aber: mit Bezug auf. Die Nummer, aber nume­rieren. Eine rotgestreifte Jacke, aber die Jacke ist rot gestreift. […] Die wenigen Beispiele begründen hinlänglich den Wunsch nach einer Ortho­graphieform. Aber eben: Wir sind noch lange nicht so weit – nicht nur Gottes Mühlen mahlen langsam …

11. 9. 1980

: Glossen zu Duden 80. Schweizerische Lehrerzeitung, , nr. 37, s. 1395f., Zum Jubiläums-Duden 1980
Niemand wird sich wundern, wenn in einer auf allen Gebieten so hoch­produktiven Zeit der Wortschatz ständig gesichtet und frisch registriert wird, denn die Sprache ist ja nicht etwas ein für allemal gleichsam in der Luft Prä­existierendes, sondern ganz im Gegenteil etwas, das sich in allen Aspekten laufend wandelt. […] Und zu guter Letzt auch noch das, was ich eigentlich einleitend hätte erwähnen sollen, weil es der Humanität der Duden-Leute ein so gutes Zeugnis ausstellt. Ich meine die im Vorwort enthaltene Anspielung auf den Wert (oder Unwert) einer «einheitlich geregelten Rechtschreibung». Diese sei, heisst es, «jedoch kein Selbstzweck, und sie ist erst recht kein Gradmesser für Begabung und Intelligenz. Lehrer wie Lernende sollten daher zu einer auf­geschlossenen Ein­schätzung gelangen, die Überbewertung von Rechtschreib­fehlern abbauen und Rechtschreibung als das betrachten, was sie aus­schliesslich sein soll: ein geeignetes Mittel zur Erleichterung der schriftlichen Kommunika­tion.»