1880 erschien schließlich das erste Vollständige orthographische Wörterbuch im Verlag des Bibliographischen Instituts Leipzig. […] Es dauerte allerdings bis zum 1. Januar 1903, bis sie im Deutschen Reich, in Österreich und der Schweiz in Kraft trat. Der Umgang mit der deutschen Sprache war schon vor einem Jahrhundert mindestens so kompliziert wie die Sprache selbst. Das zeigt sich auch heute wieder in den Jahren der permanenten Rechtschreibreformreform seit 1995. Die Experten überbieten sich gegenseitig mit immer neuen Vorschlägen. […] Otto Normalschreiber hat die Reform längst seinem Computer-Rechtschreibprogramm überantwortet oder folgt mal dieser und mal jener Regel. […] Schriftsprachliche Veränderungen werden sowieso stärker von der Praxis als von Kommissionen bestimmt: Im Internet […] tippt jeder auf seine Tastatur ein, wie es ihm gefällt. Ganz abgesehen von verkümmerten SMS-Meldungen, die den Gymnasialrektor Duden vermutlich hätten erschauern lassen.
Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)
Aus presse und internet
2002-12-31
2002-12-30
Weil der kleine Wahrig aber eine "Rechtschreibung" sein will, stellt er dem Wörterverzeichnis "Grundregeln der deutschen Orthografie" voran. Auf 54 eng bedruckten Seiten wird dargestellt, wie die neue Rechtschreibung funktioniert. Verfaßt hat sie der renommierte Linguist Peter Eisenberg, ausführlich kommentierend zeigt er die Stärken und Schwächen der Reform. […] Entstanden ist ein Text von akademischen Interesse für Orthografen. […] "Wahrig. Universalwörterbuch Rechtschreibung" ist etwas für Fortgeschrittene, für aktive Freunde oder Gegner der reformierten Orthografie, für Liebhaber von Wörterbüchern, für Spezialisten.
2002-12-29
Der Widerstand gegen die am 1. August 1998 in Kraft getretene jüngste Rechtschreibreform hat den Geschäftsführer der zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, Klaus Heller, nicht überrascht. Das sei auch vor hundert Jahren nicht anders gewesen, als am 1. Jänner 1903 erstmals eine einheitliche Regelung der deutschen Rechtschreibung für die Behörden im Deutschen Reich, in der Schweiz und in Österreich eingeführt wurde, so Heller.
2002-12-28
Dass übrigens uns ganz neu erscheinende Lieder schon vor langer Zeit gesungen wurden, stellte jetzt unser Mitarbeiter Ferdinand Schlickel fest. Er entdeckte den folgenden Beitrag in der "Speierer Zeitung" vom 2. Januar 1903": "Amtlich wird mitgeteilt, dass die neue einheitliche Rechtschreibung vom 1. Januar 1903 ab bei allen Ausfertigungen und Veröffentlichungen amtlicher Behörden im Zivil- und Militärdienste Bayerns, namentlich in allen Amtsblättern, zur Anwendung gelangt. Für die Einführung der neuen Rechtschreibung in den deutschen Schulen wurde als Zeitpunkt der Beginn des Schuljahres 1903/1904, das ist der Herbst 1903, in Aussicht gestellt." Welches Leid sich daraus entwickeln kann, haben wir am eigenen Leib erlebt und erleben es noch.
Auch im Text hatte sich die Theater-AG einige Aktualisierungen einfallen lassen: Vor allem die Anspielungen auf die Rechtschreibreform beim nutzlosen Versuch des Philosophie-Lehrers, dem tumben Jourdain Sprachunterricht zu geben, ernteten einen großen Lacherfolg.
Die Rechtschreibreform, ja ja! […] Wie man mittlerweile weiß, hat die gute Absicht eine Missgeburt hervorgebracht, indem nur ein Teil der Neuerungen akzeptiert und richtig angewendet wird. Der andere Teil hingegen verursacht fortzeugend ständig neue Fehler Fehler, die es vorher überhaupt nicht gab und die man auch gerne in die Büchse der Pandora zurückstopfte, wenn man nur wüsste, wie. Saudumm, die ganze Sache, wirklich Sau dumm.
Vor allem die Rahmenrichtlinien von 1972, mit denen die Regierung Lernziele statt Lehrpläne festschreiben wollte, riefen erbitterte Diskussionen hervor. Literatur würde damit in den Mülleimer geworfen, befürchtete der Historiker Golo Mann […]. Andere frohlockten, dass endlich die Rechtschreibung als Repressionsinstrument verschwinden würde.
Der Widerstand gegen die Rechtschreibreform in den 90er Jahren hat Klaus Heller nicht überrascht. Das sei auch vor 100 Jahren nicht anders gewesen […]. Nach Angaben der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung erscheinen mittlerweile 80 Prozent der neu verlegten Bücher in der neuen Rechtschreibung. "Jenseits aller heißen Debatten und scharfen Polemik haben vor allem nach der Umstellung der deutschsprachigen Presse die Leser und Schreiber erkannt, dass die Neuregelung im Schriftbild kaum Auswirkungen hat", sagt Heller.
2002-12-26
In der Eisenacher Zeitung war vor 100 Jahren zu lesen: Nachdem zwischen den Bundesregierungen Vereinbarungen über die Einführung einer einheitlichen Rechtschreibung getroffen worden sind, ordnen wir hiermit an, daß vom 1. Januar 1903 alle Behörden des Großherzogthums sich im amtlichen Verkehre und bei amtlichen Veröffentlichungen der neuen Rechtschreibung bedienen. Maßgebend für diese Rechtschreibung sind die im Weidmannschen Verlage Berlin erschienenen "Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis".
2002-12-24
In Sammy Drechsels Jugendbuch "Elf Freunde müßt ihr sein" (der Titel wird respektvoll in alter Rechtschreibung gesetzt) ist das Damals auf jeden Fall sehr lange her, was man unter anderem an der Bagatelle merkt, dass sich vier Buben im Lokal eine einzige Zitronenlimonade teilen, während sie auf einen Freund warten; mehr ist einfach nicht drin.
2002-12-23
Wenige Lebensbereiche sind von dieser Primitivierung der Sprache so unmittelbar und einschneidend betroffen wie das Recht, die Jurisprudenz und alle juristischen Berufe. Es bleibt eine Schande für unseren Berufsstand, dieses Übel nicht früher erkannt und nicht leidenschaftlicher bekämpft zu haben.
Der professor emeritus führt uns auf einer vollen FAZ-seite eine wahre apokalypse vor augen: Die sprache verfällt, die kultusminister verüben einen staatsstreich und die hüter von recht und kultur schlafen. Siehe stellungnahme.
Viele Feiern unterschiedlichster Gruppen finden im Roßstall statt jener Theater- und Veranstaltungseinrichtung in Germering, die auch über die Rechtschreibreform hinaus ihre Namensschreibweise beibehalten hat.
2002-12-22
Der "Nahme" Gottfried Keller ist eines der schlagendsten Beispiele dafür, was orthografische "Modernisierung" heißt und wie relativ diese "Kathegorie" ist. […] Die Kellersche Orthografie-Chaotik ist in der Tat so unterhaltsam wie instruktiv. Schon seit der Mitte des Jahrhunderts sah sich Keller zum Beispiel mit den Abgründen des Dehnungs-h bei langen Vokalen konfrontiert. Bei "Muth" und "Gemüth", "Fluth" und "That", "nahmentlich" aber beim "Urtheil" sollte es gestrichen werden. Und Keller war im Prinzip reformierten Willens. Um keinen Preis jedenfalls wollte er "den Augen des aufwachsenden Geschlechtes als zopfig und ungeschickt erscheinen" […]. Aber das alte Dehnungs-h war noch in ihm und drang mit der Macht der Gewohnheit, die der "augenblicklichen Eingebung" des Poeten Gesetz und Regel gab, in seine Niederschriften ein. Freilich war auch eine gehörige Portion Gleichgültigkeit, ja, eine klammheimliche subversive Freude am Regelwidrigen mit im Spiel, zumal bei den Mysterien der Groß- und Kleinschreibung, wenn der Schreiber sah, dass er unversehens wieder einmal unreformiert geschrieben hatte. Es gibt eben kein wahres orthografisches Leben im valschen.
2002-12-21
Die deutsche Sprache ist voller Brüche und das nicht erst seit der Rechtschreibreform.
Der Theaterwissenschaftler […] bedient sich einer angenehmen Sprache ohne jeden Schwulst und nach der alten Rechtschreibung.
2002-12-19
Mit sieben Jahren habe ich meine ersten Geschichten geschrieben. Mit der Rechtschreibung nahm ich es nicht so ganz genau, und die Themen waren auch nicht abwechslungsreich.
Aufschlussreich ist die reihenfolge.
2002-12-18
Es ist nicht neu, dass über zu erwartende Karlsruher Urteile spekuliert wird, und zwar häufig durchaus zutreffend. Gar manches Mal ist über Richter und Mitarbeiter am Gericht schon etwas "durchgesickert". […] Vorzeitig bekannt wurde auch, dass das Gericht die Rechtschreibreform als verfassungsgemäß beurteilen würde. Die Vorberichte führten übrigens dazu, dass die klagenden Eltern ihre Verfassungsbeschwerde kurz vor der offiziellen Entscheidung zurückzogen. Das konnte die Richter an der Urteilsverkündung aber nicht mehr hindern.
2002-12-17
In den vergangenen Jahren nahmen solche teils richtigen, teils falschen Vorabveröffentlichungen wieder zu. Mal ging es um Überhangsmandate, mal um Rechtschreibreform oder Wehrpflicht.
"Die Berliner Morgenpost wird an dem alten Namen Lehrter Bahnhof festhalten." Basta. Das kann sich ziehen, weiß man seit der Rückkehr der FAZ zur alten Rechtschreibung.
Kabarettist Ulf Annel schwängerte leidenschaftlich eine berauschte Zuhörerschaft. […] Und Annel fuhrwerkt gnadenlos weiter durchs Programm, lässt keine Federn an niemandem und äußert sich über die rustikale Rechtschreibreform, die böhmische Flugente mit fünf Buchstaben, also Papst, dann die in ganz Thüringen solidarisch verstreuten Schluchtendialekte.
Es geht um ein Gesetz, das die Duma akzeptiert hatte, gegen das aber nun die Vertreter Kareliens und Tatarstans protestieren. Es dekretiert nämlich, dass es in der russischen Föderation nur ein Alphabet geben soll: das kyrillische. […] Duma wie Föderationsrat bescherten Präsident Putin damit wieder einmal ein Problem, bei dem er nur das Gesicht verlieren kann. Unterschreibt er das Gesetz, bricht er die Verfassung. Lehnt er es ab, hat er beide Kammern brüskiert.
2002-12-16
Die Leitglosse "Eine Revision" […] weist zu Recht darauf hin, daß die Entscheidung über die Aufnahme der Türkei in die EU jetzt schon gefallen ist. […] Die Politik in Deutschland verliert in den Augen der Bevölkerung die Legitimität. Die Politik veränderte in den letzten Jahren die Sprache mit der umstrittenen Rechtschreibreform. Die Währung wurde gegen den bekannten Mehrheitswillen verschlechtert.
Schließlich sind es drei Lehrer des Ludwigsgymnasiums, die bei der Diskussion in der Saarbrücker Kneipe "Feuchter Ludwig" über die Rechtschreibreform unserem Privatdetektiv die zündende Idee zum Dechiffrieren der geheimnisvollen Briefe geben.
Als erbitterter Gegner der Rechtschreibreform wurde der Studiendirektor in den 90er Jahren bundesweit bekannt. […] Den Kampf für eine bessere deutsche Sprache hat er aufgegeben, denn es lohne sich nicht, gegen Windmühlen zu kämpfen. Vorausgegangen waren neben der von ihm initiierten Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform unzählige Anzeigen in Zeitungen und Protestaufrufe. Mehrere 10000 Mark hat er dafür investiert.
Bei der Feier zum 60. Geburtstag von Friedrich Denk […] trug Hans Krieger folgendes Gedicht vor: […] Der Schreibreformer-Klüngel kriegt die Kränk, / erblickt er Sie, greift schlotternd ans Gemächt sich / und alpträumt, daß man bald mit Fug ihn henk’, / zumindest in den Orkus ihn versenk’. / Die feige Bande ängstigt ganz zu Recht sich, / denn wer die Sprache schändet, der erfrecht sich / nicht lange ungestraft: der Frevel rächt sich.
2002-12-13
Die Dudenredaktion in Mannheim zeichnet verantwortlich, dass die Rechtschreibung in geordneten Bahnen ausgeübt wird. Professoren, Lehrer, Schüler und Familien sowie die ganze Deutsch sprechende Bevölkerung ist damit eingebunden. Vor wenigen Jahren setzte die Dudenredaktion Reformen in Kraft. Erst in der Anwendung wurden Unzulänglichkeiten festgestellt und als Folge regte sich Widerstand.
Oder umgekehrt: Der widerstand war schon immer da, und die kompromisse führten zu unzulänglichkeiten. – Übrigens lässt diese stimme aus dem volk erkennen, dass in der Schweiz rechtschreibung und duden synonyme sind und eine reform nicht zu einem legitimationsproblem des dudens hätte führen müssen.
7. 12. 2002
In seinem Briefkasten findet Peter Härtling täglich einen dicken Stapel Kinderbriefe. Seit nunmehr 30 Jahren. Und neuerdings in der allerneuesten Rechtschreibung.
Wer hätte das gedacht!
In der Bayerischen Akademie der Schönen Künste diskutierten am Dienstag Literaten und Pädagogen über die neue Rechtschreibung. Den Anfang machte Reiner Kunze, der aus seiner Denkschrift "Die Aura der Wörter" las. […] "J'accuse!" rief der Literaturwissenschaftler und Lyriker Peter Horst Neumann und rief zur fortdauernden öffentlichen Empörung auf. Wie kann man das Falsche betreiben, obwohl man weiß, daß es falsch ist? Der Literaturkritiker Albert von Schirnding nannte das schlicht kriminell.
Es ist schön, wenn man so genau weiss, was richtig ist und wem man gehorchen muss. Wir wissen natürlich auch, was richtig ist, aber vielleicht nicht ganz so schlicht.
2002-12-04
Die Veranstaltung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste mit Reiner Kunze, Hans Krieger, Wolfgang Illauer, Peter Horst Neumann, Herbert Rosendorfer und, als Moderator, Albert von Schirnding ist vor wenigen Stunden zu Ende gegangen. Was dort stattgefunden hat, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen getraut. […] Wir dürfen uns niemals mit dieser demokratischen und intellektuellen Bevormundung und Demütigung abfinden! Und: Es werden weitere Veranstaltungen dieser Art und öffentliche Verlautbarungen unterschiedlichster Art folgen, die Talibane in Mannheim, Berlin und in den Kultusbehörden werden keine Ruhe finden!
2002-12-03
Literatur. Die Aura der Wörter. Zur neuen Rechtschreibung. Lesung von Reiner Kunze; Referat Hans Krieger Selbstdemontage der Rechtschreibreform; Diskussion mit Reiner Kunze, Hans Krieger, Wolfgang Illauer, Peter Horst Neumann und Herbert Rosendorfer; Moderation Albert von Schirnding, 19 Uhr, Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Pl. 3.
2002-11-29
geneigte leser: dieser text ist in kleinschreibung. wir müssen sparen! […] ladies, gents: that's it! der rest der rundschau geht mit groß- und kleinschreibung weiter!
2002-11-28
Der karelische Abgesandte sagte, dem kyrillischen Alphabet fehlten gewisse Symbole für Laute, die Bestandteil der Sprachen von mehreren Völkern in der Föderation seien. Die Verabschiedung des Gesetzes werde autochthone Sprachen zerstören. Unangenehm ist das neue Gesetz, falls es von Präsident Putin unterzeichnet wird, vor allem für Tatarstan, wo ein Republiksgesetz zur Umstellung auf ein modifiziertes lateinisches Alphabet bereits in Kraft getreten ist.
In fetten Zeiten wurde geprasst und Geld für eine Rechtschreibreform ausgegeben, die so sinnvoll ist wie ein Kropf. Die Finanzierung der rechtschreibreformierten Schulbücher stellte offenbar kein Problem dar. Heute könnten sinnvoll neue Bücher angeschafft werden.
2002-11-23
Die Schifffahrt kennt Friedrich Müßig aus dem "effeff" und genau so schreibt er sie weiterhin: "Nach wie vor nur mit zwei f". Da ist der langjährige Chef der Hafenmeisterei im Haus Oberrhein nicht mehr umzustimmen: Die neue Rechtschreibung nimmt er zumindest in diesem Fall nicht ins Boot.
2002-11-21
Die von Innenminister Fritz Behrens (SPD) geplante Staffelung nach Einkommen fällt weg […]. Behrens sagte, dass nach der Rechtschreibreform und der Einführung des Fachs Englisch allein an den Grundschulen der Schulbuchbestand komplett erneuert werden müsse.
[…] in der Fassung des Erstdrucks, der einzigen von Thomas Mann korrigierten, von der dann alle folgenden abwichen bis hin zu jüngsten Ausgaben mit dem Etikett "In neuer Rechtschreibung". […] Nun muss die Literaturgeschichte nicht gleich umgeschrieben werden, weil man uns jahrzehntelang das "Privatbüreau", die "Roccoco-Façade" und den Plural "die Bursche" vorenthielt zugunsten von "Privatbüro", "Rokoko-Fassade" und "die Burschen". Aber es wurden ja nicht nur drei, sondern hunderte solcher Details im Laufe der von Mann nicht mehr durchgesehenen Ausgaben verschliffen. Es sind Feinheiten, die neben den im Roman beschriebenen Zeitläuften auch jene Zeit spiegeln, in der der Text entstand. Von einigen Schreibweisen hat sich Mann selbst noch auf dem Weg vom Entwurf zum Korrekturabzug getrennt, etwa von "Hülfe" und dem "C" der "Consulin", aber die "Thür" fällt bei ihm, zwei Jahre vor der Reform von 1903, noch mit hohlem "h" ins Schloss, und ein Messer ist so "grifffest" wie offiziellerweise erst wieder seit der Reform von 1999. Das alles sind Farben, die nicht etwa Patina erzeugen, sondern den Text konkreter werden lassen.
2002-11-20
Als Ronald M. Schernikau sein Debüt 1979 an den »Rotbuch«-Verlag schickte, wollte die Lektorin nicht glauben, daß der Autor gerademal so alt war wie sein Protagonist, nämlich Abiturient. Zu gekonnt wirkte das alles, durchgehend ohne Absatz in Kleinschreibung verfaßt, atemlos geschrieben, zugleich aber pointiert formuliert.
2002-11-19
Seit 25 Jahren gibt es die bayerische Folklore-Band Schariwari. […] In der Region hört und sieht man sie immer wieder gern, wenn sie in der Vorweihnachtszeit mit dem Mystical "Bayerische Rauhnacht" tourt ("Raunacht" müsste es jetzt eigentlich heißen, das gebietet die Rechtschreibreform).
2002-11-18
"Wir haben schon die Leistungs-Anforderungen zurückgeschraubt", sagt Heinz Engels, Sprecher der Feuerwehr. Woran die meisten Bewerber scheitern: nicht nur am Praxis-Test, sondern an Rechnen und Rechtschreibung.
[…] und viele dieser Wörter sind heute nicht mehr im Sprachgebrauch, teilweise auch nicht mehr verständlich, denn Sprachen sind dauernden Veränderungen unterworfen die jüngste Rechtschreibreform bestätigt dies.
2002-11-15
Thelma von Freymann, früher akademische Oberrätin finnischer Herkunft am Institut für angewandte Erziehungswissenschaft und allgemeine Didaktik an der Universität Hildesheim, hielt gestern im Heinrich-Pesch-Haus einen Vortrag mit dem Thema "Was kann Deutschland vom Sieger Finnland lernen?" Finnland belegte nach der Pisa-Studie Platz eins, Deutschland Platz 21 unter 31 nach den Schulleistungen verglichenen Ländern. […] Es gibt eine Reihe Faktoren. Finnland hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die geringste Zahl von Analphabeten. Finnland hat lange, kalte dunkle Winter, in denen viel gelesen wird. Die finnische Orthographie, nht die Grammatik, ist unvergleichlich viel leichter.
2002-11-14
Während der Eskimo allein 30 Wörter für weiß hat, schöpft Krawczyk aus 80000 Wortschöpfungen („Rechtschreibreform“), die der runderneuerte Duden anbietet.
2002-11-13
Ein von Jürgen Dietz im Anschluss an die Rechtschreibreform getextetes Publikumslied fehlte ebenso wenig wie das Mottolied "Denkmal ... drüber nach" von Karl-Heinz Werner.
Zuerst die Rechtschreibreform, dann die Euro-Umstellung und jetzt noch eine neue Normschrift: Immer wieder müssen die Schulen ihre Unterrichtsmaterialien anpassen. Angesichts leerer Kassen allerorten stellt das die Schulen immer wieder vor Probleme. […] Die Lenggrieser haben so lange wie möglich mit Neuanschaffungen abgewartet, wohlwissend, dass nach der Rechtschreibreform weitere Änderungen auf sie zukommen.
Nein, beteuert Harry Rowohlt immer wieder. Mit dem gleichnamigen Verleger habe er nichts zu tun. […] Vor allem lebt der bekennende Gegner der Rechtschreibreform, der nach eigenem Bekunden die Innenräume einer Universität für ganze zweieinhalb Stunden betreten hat und nicht einmal bis zur Mensa durchgedrungen ist, fast ausschließlich von einer vergleichsweise seriösen Tätigkeit, der belletristischen Übersetzung von amerikanischer Literatur ins Deutsche.
2002-11-12
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Historiker Christian Meier, der der Akademie vor allem durch die Diskussion um die Rechtschreibreform Profil zu geben vermochte, will Reichert der Institution in literarischer Hinsicht mehr Gewicht verleihen, indem er die schriftstellernden Mitglieder, die gegenüber der eloquenten professoralen Übermacht zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten waren, mehr einbezieht.
2002-11-11
Schmerzlich vermisst wird seine inzwischen eingestellte Zeit-Kolumne "Pooh’s Corner", von der er drei Beispiele zum Besten gibt. Da geht es um leicht veraltete Themen wie die Atomversuche am Mururoa-Atoll oder die Rechtschreibreform. Rowohlt ist sowieso ein absoluter Sprachpurist.
2002-11-10
Zu "Deutsche Sprache fremde Sprache" von Hans Riebsamen (27. Oktober): Alle Bemühungen um eine Steigerung der Lesekompetenz unserer Schülerinnen und Schüler werden mit Sicherheit scheitern, solange die Kultusminister sich nicht entschließen können, die unsägliche Rechtschreibreform vollständig zurückzunehmen.
2002-11-08
Ultradoitsh, das war Zé do Rocks radikaler, aus der unbestechlichen Außensicht des Fremdspachigen geborener Entwurf einer sich Schritt für Schritt steigernden Reform der deutschen Sprache. Das traf kurz vor der umstrittenen Rechtschreibreform einen wunden Punkt, und war umso erfolgreicher, weil es nicht bierernst daherkam, sondern als die überkandideltste anarchische Sprachspielerei seit Mark Twains Über die schreckliche deutsche Sprache. Inzwischen ist die Rechtschreibreform Geschichte, doch dass Zé do Rocks sprachliche Eskapaden so heiter, frisch und schlüssig wie eh und je wirken, davon konnte man sich am Dienstag Abend bei einer Lesung in der Gemeindebibliothek Taufkirchen überzeugen.
2002-11-07
Sehr belustigt war das Publikum von einer Kurzgeschichte aus seinem neuen Buch mit dem Titel „My unfair Lady“, ein Dialog zwischen Mann und Frau über das Essen oder über die Rechtschreibreform, dargestellt an dem Wort Kuss und was daraus geworden ist.
Gut, wir haben immer noch alle […] Probleme mit der Fantasie, dem Delfin […] und dieser duseligen Doppel-S-Regelung. […] Aber der Rheinisch-Bergische Kreis? Diese vorletzte Instanz des Staates auf der kommunalen Ebene den juckt die staatliche Anordnung vom 1.August 1998, mit der uns allen die neue Rechtschreibung verodnet wurde, nicht die Bohne […]. Der Kreis schippert auf seiner Internetseite zwischen "ß" und "ss" (läßt, lässt) hin und her und vergisst beim 64-Jährigen den Bindestrich. Und noch schlimmer: Im Heider'schen Heimatkalender […] lässt er "seine" Redakteurin Ursula Schmidt-Goertz bis auf ein paar Ausrutscher in der alten Rechtschreibung agieren. […] Die Redakteurin schmunzelte bei der Vorstellung des Buches: Ja, sie habe die alte Rechtschreibung in die Autorenbeiträge hineinredigiert. Der Fragesteller solle mal abwarten: In zehn Jahren sei die Phase der neuen Rechtschreibung vorbei. Und übrigens: Bedeutende deutsche Schriftsteller zeigten der neuen Rechtschreibung doch auch die kalte Schulter. Upps! Willkommen im Club der (un)toten Dichter!
Auch in der Vergangenheit gab es gelegentlich Indiskretionen, zuletzt vor der Wehrpflichtentscheidung im Frühjahr, davor beim Urteil zur Rechtschreibreform 1998.
2002-11-06
members.aol.com/apostrophs, „Die Apostroph-S-Hass-Seite“; www.sprache.org, „Bund für vereinfachte rechtschreibung“; www.canoo.net, Deutsch-Wörterbuch; www.ids-mannheim.de/grammis/reform, zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung; www.ki37.fernuni-hagen.de/neuschreiber, Sprachkonverter.
In die Antiquaschrift scheint das "ß", das im romanischen Fundus nicht vorkam, aber im Deutschen erforderlich war, um 1800 als Fraktur-Anleihe gelangt zu sein. Ein Trojanisches Pferd, doch die Krieger waren müde, sie krochen nicht hervor, um die Antiqua-Traditionalisten zurückzuschlagen. Im Gegenteil, der verbogene Sonderling lebt heute in Reservaten hinter langen Vokalen und wird möglicherweise eines Tages (wenn das Latein am Ende ist) auch dort noch wegreformiert.
Ein "flotter Dreier" ist bei Z-é do Rock was anderes als landläufig angenommen. Er meint damit die Wichtigkeit der neuen deutschen Rechtschreibung bezogen auf drei aufeinanderfolgende Konsonanten. Beispiel: Suff-Alte (eine Alte, die säuft zwei f) und Sufffalte (eine Hautfalte, die man vom vielen Saufen bekommt drei f).
2002-11-04
Der "Merkur" wäre nicht Deutschlands führende Kulturzeitschrift, wenn er sich seinem Thema nicht systematisch und historisch mit deutscher Gründlichkeit widmen würde, übrigens unbeirrt in der alten Rechtschreibung.
2002-11-03
Interessant Rang 22: der Rechtschreib-Duden. Erstaunlich die von Käufern dieses Standardwerkes vorgenommene Bewertung: durchschnittlich drei Sterne. Wurden Rechtschreibfehler gefunden? Mißfiel der Wortschatz? Für den Rechtschreibreform-Kritiker Professor Theodor Ickler ("völlig neu und sehr überraschend die Großschreibung bei heute Früh") ist das Buch "leider unbrauchbar". Ein Stern. Eine Kundin aus St. Blasien im Schwarzwald meint dagegen, "man kann dieses Standardwerk der deutschen Sprache nicht genug loben. Fünf Sterne sind hier fast zuwenig."
2002-11-02
Aus dem TV Haßloch wurde nach Fusion und Rechtschreibreform die TSG Hassloch, derzeit Tabellenzweiter.
11. 2002
Das deutsche Feuilleton hat soeben seinen Geist aufgegeben. Es verschied nach langem Siechtum und hinterlässt nun Millionen degenerierter Leser, die mit den Stempeln „PISA“ und „Rechtschreibreform“ bereits vorher schon deutlich in ihren Zeugnissen gekennzeichnet wurden. […] Dieter Bohlen auf der Frankfurter Buchmesse. Und natürlich vorher seitenweise in der BILD-Zeitung. Und jeden Tag im TV-Boulevard bei RTL. Und nun auch noch im deutschen Feuilleton.
2002-10-31
Andrea Lipka als fränkische Putze Elfriede Rumpler macht sich spritzig und äußerst temperamentvoll über menschliche Schwächen her. […] Sie ärgert sich über unzählige fehlgeschlagene Versuche, abzunehmen, regt sich auf über die Unfähigkeit von Sachbearbeitern im Landratsamt, und bemerkt ganz nebenbei, dass die fränkische Sprache eigentlich die Endstufe der deutschen Rechtschreibreform ist.
2002-10-30
Christian Wallners Sternbild ist "Lachsersatz" mit Aszendent "falscher Hase". Das seltene Wesen […] lässt kein gutes Haar an Zeitgeistströmungen, wie der "Postmoderne" und ihren Auswüchsen. So belächelt er böse die biederen "Madrigale des Augenblicks", die er in Volksweisheiten erkennt, und stellt sich zur Rechtschreibreform die Frage "Komma oder Koma?".
2002-10-29
Die Nachricht vom Tode Siegfried Unselds hatte schon die Runde gemacht, und man durfte von der Akademie einige angemessene Worte zum Tod des legendären Verlegers erwarten. Statt mit einer Verneigung vor dem grossen Toten begann Meier die Feierstunde mit Prahlereien über den vermeintlich heroischen «Kampf» der Akademie gegen die Rechtschreibreform. Ohne Gespür für die intellektuelle Dimension von Debatten verglich Meier das hysterische Gezänk um die Rechtschreibreform mit der «Schlammschlacht» des Historikerstreits: «Der Historikerstreit war angenehmer.» Es blieb dem deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau vorbehalten, die peinliche Verblendung Meiers durch einige würdige Gedenkworte zum Tod Unselds zu kompensieren.
2002-10-28
Allein: Der scheidende Akademiepräsident Christian Meier zog es vor, wieder einmal über den nun schon sechs Jahre und ohne sichtbaren Erfolg währenden Kampf seiner Institution gegen die Rechtschreibreform zu berichten. Kein Wort über Unseld.
"Jenseits von Pisa" hieß das Motto der Herbsttagung der Akademie […]; und Meier, stets ein Gegner der Rechtschreibreform, verkündete, die Akademie habe einen Kompromissvorschlag erarbeitet, damit es in Deutschland "wieder eine einheitliche und vernünftige Rechtschreibung" gebe. Das klingt spontan überzeugend, überzeugender jedenfalls als der gewagte Vergleich: "Der Historikerstreit war angenehmer."
Ein Beispiel für die habituelle Trägheit dieser Akademie bot der Rückblick Meiers auf seine Arbeit als Präsident. Die hatte er zu einem großen Teil dem erfolglosen Kampf gegen die umstrittene Rechtschreibreform gewidmet. Auf Nachfragen musste er eingestehen, dass der Kampf erst mit seiner Amtsübernahme und also nach offizieller Verkündung der Reform aufgenommen worden ist. An der Akademie, die von sich behauptet, für Sprache zuständig zu sein, sind also die jahrelangen Vorarbeiten zu diesem massiven politischen Eingriff in die Sprache samt Staatsvertrag mit Österreich und der Schweiz unbemerkt vorübergezogen. Nie ist die Akademie, bevor die Reform in Kraft trat, von sich aus aktiv geworden, nie wurde ein Brief, in dem man sie um Stellungnahme bat, in ihrer Poststelle gefunden. Kein Wunder, dass die Kultusminister wenig Lust verspürten, auf Proteste einer Akademie einzugehen, die sich erst zu Wort meldete, als das Kind längst im Brunnen war.
2002-10-27

Schon seit 1993 gibt es im Hotel "Drei Rosen" ein Buch, in dem sich jedermann verewigen kann. "Das gehört einfach dazu", meint Waltraut Lungwitz. Voll ist es zwar noch nicht, dafür haben sich aber schon zahlreiche Prominente eingeschrieben und Autogrammkarten signiert. Allerdings darf längst nicht jeder Hotelgast zum Stift greifen und einen Vers hinterlassen. "Wir müssen schon aufpassen, wer da kommt, schon allein wegen der Rechtschreibung." Schließlich soll das Gästebuch nicht vor Fehlern wimmeln.
2002-10-26
Im Streit um die Rechtschreibreform erhob die Akademie unter Meier ihre Stimme, auch zur Anglizismenflut bezog sie Stellung, jedoch blieben das ihre einzigen Voten von öffentlicher Bedeutung, und mit beiden kam sie reichlich spät.
Mag sein, dass das Empfinden der Wirkungslosigkeit auch mit Meiers Amtszeit zu tun hat. Das gewiss ehrgeizigste Projekt des Präsidenten war der Versuch, die Rechtschreibreform zu verhindern. Zwar war er letztlich erfolglos, doch waren es Jahre, in denen die Akademie nach außen hin so rege wirkte wie selten zuvor.
Hatte die 1949 gegründete Akademie […] in den vergangenen Jahrzehnten teilweise ein Schattendasein gefristet, verhalf ihr der Widerstand gegen die Rechtschreibreform zu neuer Blüte. […] Das Ergebnis der Reform sei eine "Steigerung des Chaos", so Meier, der mit seinem Protest unterlag: "Wir haben jetzt mehrere Rechtschreibungen in Deutschland."
Immerhin hat die reform das chaos nur gesteigert. Wer hat es denn verursacht? Vielleicht die alte rechtschreibung?
Zu gut hat eine Druckerei die neue Rechtschreibung eingesetzt. Am Freitag wurde Bundespräsident Johannes Rau vom Verleger sein neues Buch "Dialog der Kulturen Kultur des Dialogs" samt Weinflaschen mit dem Konterfei des Präsidenten überreicht. Beim Etikett der Flasche ist der Druckerei ein peinlicher Fehler passiert: An den Namen des Präsidenten wurde ein "h" angehängt und offenbar hat's keiner gemerkt.
2002-10-25
Reichert dankte Meier, unter dessen Ägide die Akademie wieder Profil gewonnen habe, namentlich mit Äußerungen zur Rechtschreibreform, deren Eingriffe in die Sprache damit der Öffentlichkeit bewusst geworden seien. […] Meier bekräftigte seine Ablehnung der Reform, bei der er „Dummheit am Werke“ sah und Unbelehrbarkeit seitens der Kultusministerkonferenz. Im Frühjahr soll ein Kompromissvorschlag der Akademie in Buchform vorgelegt werden, samt Listen, in denen die Worte in alter Schreibweise, in der ursprünglich neuen, in der inzwischen veränderten jetzigen sowie in der, wie sie die Akademie vorschlägt, dargestellt werden. Meier, leicht resigniert: „Ich hoffe, dass sich dadurch etwas bewegen lässt.“

Der scheidende Präsident Meier rechnete erneut mit den Kultusministern ab. Mit der Rechtschreibreform hätten sie in nie da gewesener Weise in die Sprachentwicklung eingegriffen. «Das ist ein Zeichen der Arroganz der Macht.» Das Ergebnis zeige, dass dabei große Dummheit am Werke gewesen sei. Durch die Verweigerung, die Reform zu reformieren, demonstrierten die Minister nun auch noch Unbelehrbarkeit. Meier gestand zu, dass die Akademie erst spät mit seinem Amtsantritt 1996 zur Rechtschreibreform Stellung genommen habe. «Das ist ein Versäumnis.» Allerdings habe es bereits zu diesem Zeitpunkt keine Gesprächsbereitschaft mehr auf der Gegenseite gegeben. Die Akademie werde im Frühjahr 2003 ihre Reformvorschläge in Buchform vorlegen. «Das ist unser Beitrag zu einem Kompromiss. Ich hoffe, dass sich dadurch noch etwas bewegen lässt», sagte Meier.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung will weiter gegen die Rechtschreibreform kämpfen. Bei der Vorstellung des neuen Akademiepräsidenten Klaus Reichert in Darmstadt übte sein Vorgänger Christian Meier noch einmal harsche Kritik an dem Reformwerk. Im kommenden Februar werde die Akademie eine Liste mit etwa 1000 uneinheitlich geregelten Wörtern vorlegen.

Als zweites großes Thema seiner sechsjährigen Amtszeit nannte Meier den Kampf gegen die Rechtschreibreform: „Der aktuelle Zustand ist lästig. Jeder benutzt eine andere Rechtschreibung.“ Der Präsident bedauerte, dass sich die Kultusminister bislang allen vernünftigen Lösungen widersetzten. Lügen, Scheinheiligkeit und Ignoranz bestimmten die Debatte: „Es ist, als ob wir gegen eine taube Mauer reden würden.“ Die Akademie als unabhängige Institution werde sich jedoch weiterhin für eine vernünftige Lösung einsetzen und in Kürze ihre Vorschläge zur Reform der Reform veröffentlichen.
Gedrängt und feindlich starren sich die Fünfziger-Jahre-Mietshäuser in der Hessstraße an […]. Spott gibt es obendrein. Bei Heßstraße, der eigentlichen Schreibweise, da raunen viele: Ohh, Rudolf Heß? Wie peinlich! […] Nein, nein, nein. Nicht Rudolf, sondern Carl Ernst Christoph Heß gab den Namen, Zeichner und Kupferstecher, Professor an der Akademie der bildenden Künste und von 1755-1828 unter den Lebenden. Er dürfte im Grab rotieren, denn der neuen Rechtschreibung zum Dank hat sie jetzt auch noch orthografisch etwas zischend Bedrohliches, die Hessstraße.
Mit "amisiert euch" wollen Lothar Bölck und Hans-Günther Pölitz nicht um unsere Lesekompetenz fürchten lassen, denn "amisiert euch" ist weder der Beweis für Platz 23 in der Pisa-Studie noch der Vorgriff auf die dritte Rechtschreibreform, sondern der Titel des 10. Programms der beiden Vertreter eines politisch-satirischen Kabaretts.
2002-10-24
Meier übernahm 1996 das Präsidentenamt der Akademie. Sein Name steht vor allem für den Widerstand der Institution gegen die Rechtschreibreform.
2002-10-21
"Leute, now wird es ernst! Das neue unwerk vo Zé do Rock "Deutsch gutt sonst Geld zurück"" is raus! Quick caufe go, bevor de buk-shoppy merkt, de buk is shrott!" So kündigte der Brasilianer sein neues Buch an. Der Rechtschreibreform setzt er seine Linksschreibreform entgegen: Das Ultradoitsh. Zu erleben ist er Donnerstag 19.30 Uhr im Kirms-Krackow-Haus.
2002-10-20

Vor 25 Jahren: Horst Bubeck bewacht die RAF-Gefangenen in Stammheim. […] Was die eigentlich wollten? Er hat das nie richtig verstanden. Sieg im Volkskrieg, gegen Vietnam, das ging ja noch. Der ganze Rest war dem Beamten chinesisches Kauderwelsch, die Verlautbarungen in penetranter Kleinschreibung vor allem.
Unter dem Titel "Neue deutsche Literatur" stellen sich von Ende Oktober bis Anfang Dezember vier Autoren im Weimarer Kirms-Krackow-Haus vor, die in Brasilien, Bulgarien, Japan und Polen geboren sind und ihre Schreib- und Lebensgründe in Deutschland gefunden haben. Den Auftakt bestreitet am 24. Oktober, 19.30 Uhr, der Brasilianer Zé do Rock. Seine Lesungen sind kabarettreife literarische Performances. Der Rechtschreibreform setzt er seine Linksschreibreform entgegen, das "Ultradoitsh".
2002-10-18
Bei der Auswertung zeigte sich, dass diejenigen, welche in der Rechtschreibung umlernen müssen[,] größere Schwierigkeiten haben, als jene, die das Schreiben erst lernen.
2002-10-14
Ich will nicht das Gras vom allmählich überwucherten Streit um die neue Orthographie fressen. Aber da ist jemand in einem Manuskript von mehr als 450 Seiten tätig geworden und hat, ohne mich, den Autor, zu informieren, die Kommata umverteilt. […] Kampf um Korrektur der Korrektur? Ich werde wohl kapitulieren. Der Geist mannhafter Anti-Reformer beseelt mich nicht. Eher neige ich dazu, einiges für nützlich, anderes für überflüssig und nicht allzu viel für ärgerlich zu halten. Aber ich plädiere für die Freiheit der Autoren. Hat nicht Heinrich Heine geschrieben, wie ihm die Worte in die Feder flossen, und war nicht ein gewisser Goethe großherzig genug, es Sekretären zu überlassen, wie sie seine Werke zu Papier brachten? Das geschah bekanntlich, bevor Konrad Duden die Regelungswut einläutete.
Drei Bücher sind in jüngster Zeit von Reiner Kunze entstanden. […] In einem machte er sich Gedanken zur neuen Rechtschreibung, doch dieses spielte in der Lesung am Sonntag im Greizer Sommerpalais keine Rolle. Im Mittelpunkt stand sein neuestes Werk "Der Kuß der Koi" […].
2002-10-13
Legasthenie ist erblich und gleichzeitig häufiger in England als in Italien: Wie geht das zusammen? Die Hirnforschung kommt der Sache auf die Spur. […] Denn unserem Hirn fällt das Lesen schwer. Die Schrift ist ein hoch künstliches System, dessen Beherrschung nicht angeboren ist. […] Das lässt sich sogar an den anatomischen Strukturen erkennen: Für die Sprache existieren klar definierte Zentren im Hirn für Lesen und Schreiben gibt es nichts dergleichen. […] Im englischsprachigen Raum gibt es besonders viele Legastheniker. Wie eine letztes Jahr in der Wissenschaftszeitschrift «Science» publizierte Studie nachgewiesen hat, liegt das nicht etwa daran, dass dort mehr Kinder mit Dyslexie geboren werden. Verantwortlich ist vielmehr die englische Sprache selbst. Sie macht es den Betroffenen schwer: Meist ist es ganz unmöglich, aus dem Geschriebenen die Aussprache abzulesen. Das Wort für Zunge wird «tongue» geschrieben und «tong» ausgesprochen, das gleich endende «argue» aber nicht «arg», sondern «argiu». […] Einfacher zu erlernen für Dyslexiker sind Sprachen, bei denen Aussprache und Schreibweise logisch übereinstimmen zum Beispiel Italienisch oder Finnisch.
2002-10-10
Rund 50 Mütter und Väter mühten sich am Dienstagabend in der Kirchardter Grundschule mit der neuen deutschen Rechtschreibung ab, um ihren Kindern helfen zu können. […] Gar so schwierig sei die neue Rechtschreibung nicht. Zwar nicht immer logisch, "aber logischer als die Vorige".
So berichtete die Leipziger Illustrirte Zeitung am 24. Juni 1854: "Bei lauem Wetter belebt sich der Strom und das Meer des Abends durch Boote, welche mit bunten Laternen illuminirt sind […]". Dem aufmerksamen Leser mögen hier nebenbei noch die altertümlichen Schreibweisen "illustrirt" und "illuminirt" aufgefallen sein sie waren 1902, anlässlich unserer ersten Rechtschreibreform, jeweils mit einem "Dehnungs-E" ergänzt worden.
2002-10-09
Ganz genau nahm es an der letzten Sitzung im Innerrhoder Grossen Rat Gewerbepräsident Emil Koller. In einem Standeskommissionsbeschluss fand er ein orthographisches Haar in der Suppe. Süffisant stellte er die Frage, ob denn die Behörden nicht verpflichtet seien, die neue Rechtschreibung anzuwenden. Daraufhin sprach Landammann Carlo Schmid mit seiner ganzen Autorität als kantonaler Erziehungsdirektor ein kurzes, aber klares Machtwort: Nein!
Es ist unverzeihlich, dass es immer noch Autoren gibt, die schreiben. Und dies in einer Zeit, in der den Verlagen die Leser wegbrechen, in der die ohnehin schwache Lesekompetenz der Mittelstufler noch zusätzlich von den Folgen der Rechtschreibreform belastet wird, in der zwei von drei Schulanfänger dem Unterricht ohne zusätzliche Sprachförderung nicht folgen können und in der dem deutschen Schulsystem im Leistungsvergleich von 31 getesteten Industriestaaten ein Platz im unteren Drittel zugewiesen ist.
Ein kleiner Trost: Die neue Rechtschreibung gibt es gar nicht mehr! Die Reformkommission arbeitet schon länger am Rückbau ihrer misslungenen Reform […].
2002-10-07
In einer Feierstunde würdigte […] Wissenschaftsminister Professor Dr. Dr. h.c. Peter Frankenberg die Verdienste Stickels um das hohe Ansehen des Instituts im In- und Ausland. "Das IDS ist das Forschungszentrum für deutsche Sprache in Deutschland, das gleichzeitig weit über den deutschen Sprachraum hinaus ausstrahlt und international hohes Renommee besitzt", betonte der Minister. […] Zu den Meilensteinen jüngster Zeit zählte der Minister nicht nur die bedeutende Rolle des IDS in der Diskussion um Rechtschreibreform und Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache, sondern auch die […] "Mannheimer Erklärung" über die Rolle der Hochsprachen und der Mehrsprachigkeit in Europa.
2002-10-05
Die Rischbachschule hat eine Bücherei mit 1176 Büchern. Leider sind aber 1106 Bücher in alter Rechtschreibung.
Also 70 nicht in alter rechtschreibung. Davon vermutlich ein paar fremdsprachige, ein paar wenige in fraktur und vielleicht gar, was für die erweiterung des horizonts auch nicht schlecht wäre, ca. 1 in kleinschreibung oder sonst was altem oder neuem. Da bleiben in der tat nicht viele in neuer rechtschreibung.
Den Stängel sollen wir mit ä schreiben, weil er von Stange kommt, und aufwändig, weil es vom Aufwand kommt, aber dass der Schaffkopf vom Schaff, also dem Fass abstammt, auf dem unsere Vorfahren die Karten klopften, das hat in der Rechtschreibkommission keine Sau interessiert. Andererseits sollen wir aber die Maß (die Maß Bier) jetzt plötzlich mit Doppel-s statt mit scharfem ß schreiben, weil nach den neuen Regeln das stimmlose s nach kurzem Vokal eben als Doppel-s geschrieben wird. Wir schreiben die Maß aber trotzdem weiter mit ß, aus dem ganz einfachen Grund, weil wir es schon immer so gemacht haben und so eine Rechtschreibreform uns da überhaupt nichts dreinzureden hat.
Das mit dem schaffkopf hat anscheinend schon 1901 keine sau interessiert; die heutige rechtschreibkommission trägt an diesem doch sehr regionalen problem keine besondere schuld. Im gegenteil, wie das beispiel Mass zeigt. 21. (= 1. nachreformatorische) auflage des dudens: "Maß." Süddeutsche Zeitung vom 12. 10. 1999: "[…] dass 'die Maß' richtigerweise 'die Mass' heißen müsste […]. Der Duden und Konsorten werden das wohl weiterhin ignorieren." 22. auflage des dudens: "Maß, bes. bayr. auch Mass." Aber nun ist es auch wieder nicht recht!
2002-10-01
Die Erfahrungen, die in Schleswig-Holstein bisher gemacht wurden, gehören in der Tat nicht zu den besten. Der erste Entscheid scheiterte 1997, als die Kirche auf diesem Weg den Buß- und Bettag wieder einführen wollte. Der zweite fand zwar die nötige Mehrheit. Doch die bundesweit einmalige Abkehr von der gerade erst eingeführten Rechtschreibreform hatte nur zwölf Monate Bestand. Dann kippte der Landtag den Volksentscheid. Der Beschluss bewahrte den Norden zwar vor einem bildungspolitischen Sonderweg. Dass Volkes Wille aber einfach wieder einkassiert werden konnte, sorgte bei vielen Bürgern für Unverständnis.
Was Sozialdemokraten und Grüne seit drei Jahren auf der politischen Seele brannte, war die Rechtskraft von Volksentscheiden. Anlass war das erfolgreiche Plebiszit gegen die Rechtschreibreform 1998. Damit Schleswig-Holstein nicht zu einer "Insel" mit alter Rechtschreibung wird, hatte der Landtag diesen Volksentscheid kurze Zeit später wieder aufgehoben. Das soll in Zukunft nicht mehr so einfach sein. Innerhalb einer Frist von zwei Jahren, so die Vorstellungen der Koalition, kann das Ergebnis einer Volksabstimmung nur noch durch Zweidrittelmehrheit oder durch einen neuen Volksentscheid geändert werden.
Den Volksentscheid, die Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein auszusetzen, hatte der Landtag wenig später per Gesetz aufgehoben. Künftig soll dies erst zwei Jahre nach einem Volksentscheid oder in dieser Frist nur mit einer Zweidrittelmehrheit im Landtag möglich sein.
2002-09-28
Die Lesung des Mombacher Ortsteilchronisten Heinz Schier lockte in die Stadtteilbibliothek Mombach […]. Seinen Vortrag startete Heinz Schier mit einer hintergründigen Betrachtung des "El Dorado der Irritationen" wie er die Rechtschreibreform bezeichnete.
2002-09-27
Auf das ß im Titel wird ausdrücklich Wert gelegt.
Auf das h auch, denn die internetdomäne toesstaler.ch hat die Tösstaler Schinkenräucherei AG drei jahre vorher weggeschnappt. Der «Zeitung im und fürs Tösstal» bleibt toessthaler.ch.
Weg vom "Schwerdeutsch" zum "Wunschdeutsch" bis hin zum "ultradoitsch" ist sein Wunsch. "Die Kommas setzten wir hier nach Gefühl also so wie immer", sagt er. Dehnungsbuchstaben wie "e" im Artikel die oder "h" im Wort Jahr fallen weg. Als nächstes wird nur noch nach dem gesprochenen Wort geschrieben und Fremdwörter eingedeutscht "know-how" wird nach Wunsch des Autors folglich zu "no-hau".
Weniger schön anzusehen ist auf den neuen Seiten dagegen die Tatsache, dass die Rechtschreibreform an diesen offensichtlich spurlos vorbei gegangen ist. Das gefiel auch Dagmar Treger nicht. Ihr berechtigter Hinweis, man solle doch nach Möglichkeit versuchen, die neue Rechtschreibung als Rat keineswegs zu ignorieren, solche Fehler hingegen vielmehr besser schnell abstellen, brachte Bürgermeister Moormann doch ein wenig in Erklärungsnot.
2002-09-24
So führt einer ihrer Spaziergänge auf den Monte Verita, zurück ins Jahr 1899 zu Ida Hofmann und Henri Oedenkover. „Gemeinsam nehmen sie den Kampf auf gegen die verlogene Zivilisation: Sie sind gegen Heirat, Hüte, Korsetts, Orthografie und Sonntagsbraten.“
Dagegen hat Harald Joos, Chef der Waiblinger Stihl AG & Co., offenbar noch Hoffnung: Die Wirtschaft erwarte jetzt einen deutlichen Ruck nach vorne […], erklärt Joos. "Es kann nicht sein, dass Deutschland seinen Ruf als das Land von Dosenpfand und Rechtschreibreform fortführt."
"Ich werde aus diesem Buch etwas abgeschlossenes herauslösen […]", begann Ralph Giordano. "Ich kann nur eine unvollständige Panoramasicht bieten. Den Rest müssen sie sich selbst erlesen", machte der Schriftsteller den Mendenern Appetit auf das gerade erschienene Buch "in der alten Rechtschreibung".
«Etwas abgeschlossenes» ist aber sehr alte rechtschreibung.
2002-09-22
Wen wählen? Wer es immer noch nicht weiß, dem mag diese Gegenüberstellung als Entscheidungshilfe dienen […], [5] Name, Alter, Geburtsort: Gabriele Zimmer, 47, Berlin. […] Bewunderte Reform: Die Rechtschreibreform, "weil sie so danebengegangen ist".
Ortsnamen widerstehen den Wirren der Geschichte und der Rechtschreibreform. "Wenn sie einmal amtlich festgehalten sind und das ist bei den meisten Ortsnamen mit der Einführung des Katasters im 18. und 19. Jahrhundert passiert , ändert sich nichts mehr", stellt Heinz-Dieter Pohl, Universitätsprofessor und Namensexperte, zufrieden fest.
2002-09-19
Ob wir nun eine neue Regierung bekommen oder die alte behalten ich erwarte eine Rechtschreibreform der Rechtschreibereform für erneute hundert Millionen Mark, diesmal in Euro, aus dem Fenster zu werfen […].
In der Reihe "Rätsel des Alltags" soll heute ein bedrohter Buchstabe gewürdigt werden: Das Ö. […] Noch rätselhafter ist, dass, während das Ö ungeliebt dahinsiecht, das Ä einen starken Fanklub gefunden hat. So ist es der Rechtschreibreform gelungen, eine Menge Ä zu säen: Gämse, Stängel, Quäntchen.
2002-09-18

[…] die Rollenklischees funktionieren noch. Und das Wort Kanzlerin hält der Duden auch nach der Rechtschreibreform nicht parat.
Wehmut schwang in der Schilderung heißblütiger Jugendschwärmereien von Brigitte Bardot, die "schon vor der Rechtschreibreform 'Schmolllippen mit drei l'" besaß […].
2002-09-17
300 Besucher kamen am Montagabend zum Stimme-Wahlforum. […] Bei allem Respekt vor der Länderkompetenz müsste der Wechsel eines Schülers von einem Bundesland in ein anderes leichter werden, sagte Michael Link (FDP). Er fordert einheitliche Standards. Der Einfluss der <Kultusministerkonferenz müsse aber zurück gefahren werden. Nicht zuletzt mit der Rechtschreibreform habe sie die staatliche Überreglementierung übertrieben.
Etwas zu übertreiben, was selbst schon «über» ist, wäre natürlich schlimm. Aber was ist heute mehr reglementiert als vorher?
2002-09-16
Buchheim grenzte tatsächlich ab 1850 an das Königreich Preußen mit dem Ort Thalheim. Schuster erklärte, dass dies das einzige Thalheim weit und breit sei, das sich mit "Th" schreibe, da die Preußen an der damaligen Rechtschreibreform nicht teilgenommen hatten.
2002-09-13
Zu Hochform läuft der Lehrer dann doch noch auf, wenn es um die seiner Ansicht nach unzureichende Ausstattung der Schulen geht. Mit den derzeitigen Geldern brauche es sieben lange Jahre, bis die Euro-Umstellung und die Rechtschreibreform in den Lehrmitteln realisiert ist, wettert Wilken.
2002-09-12

Höhere Kosten fallen in der Grundschule Wölkau bei den Lehr- und Unterrichtsmitteln an, weil wegen der Rechtschreibreform und der Einführung des Euro neue Lehrbücher nötig wurden.
2002-09-11
Der erst kürzlich komplett neu gestaltete Webauftritt der kantonalen CVP überzeugt mit Sicherheit auch Nichtparteimitglieder. […] Weniger gut: […], wenig nützliches […] auch über die Frauengruppe […]. […] Bei der Rechtschreibung haperts zum Teil noch.
Zum teil nicht nur bei der CVP (Christlichdemokratische volkspartei).
Ich beauftragte eine Suchmaschine, im Netz nach meinem Namen zu suchen […]. […] auch beim "Bund für vereinfachte Rechtschreibung" (mit der Besprechung eines Kabarettabends) bin ich nicht ungern verzeichnet.
Womit die zahl der belege um 1 vermehrt sei.
Die Schriftstellerin kathrin röggla "musste 30 werden und den 11. september in new york erleben, um das gefühl zu haben: ich habe ein eigenes leben." Um sich der Eigenheit des eigenen Lebens zu vergewissern, besteht die Autorin auf Kleinschreibung.
2002-09-10
Vielleicht hätte es am 22. September ja gar keiner gemerkt. In der Wahlkabine konzentriert sich der mündige Bürger schließlich auf die Parteien und die Direktkandidaten und nicht unbedingt darauf, ob oben auf seinem Stimmzettel nun "Stimmzettel" oder "Stimmmzettel" steht. Und ein kleines "m" zu viel hätte man zur Not ja auch noch der Rechtschreibreform in die Schuhe schieben können.
2002-09-09
In der Nachbargarage präsentiert der Braunschweiger Hartmut Staats Polizeihelme und -Mützen. "Das ist die Mütze der Zukunft", zeigt er ein Cap mit der Aufschrift Politsei. "Rechtschreibreform", klärt er auf. Muss dann aber selber grinsen: "Nein, das ist ein Cap aus Estland."
2002-09-07
Kaum jemand wendet im privaten Umfeld die neuen Regeln an. Kaum ein Brief, der nach den neuen Vorgaben geschrieben wurde. […] Die oft als Durchbruch der deutschen Schriftsprache bezeichnete Luther-Bibel hat nicht einmal in sich selbst eine einheitliche Schreibweise. […] Wo Luthers Bibel einen ungeheuren Einfluss hatte, ist bei der Gross-Schreibung der Hauptwörter, die viele Nachahmer fand, zu denen übrigens der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli nicht gehörte. Seine Bibel ist in mittelalterlicher Kleinschreibung verfasst und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein so gedruckt. […] Um auf die viel kritisierte neue Orthografie zurückzukommen. So schlecht sind deren Vorgaben auch nicht, wie sie gemacht werden.
Wie viele privatbriefe werden nach den alten vorgaben geschrieben? Und woran erkennt man den unterschied bei einem schweizer privatbrief, wo sich die s-schreibung nicht ändert, trennungen oft vermieden werden und fremdwortschreibungen schon immer schwankten?
2002-09-06

Bei der Polit-Show in der Aloysius-Kapelle in Opladen war mehr gefragt als Wahlkampf-Floskeln. […] Beim anschließenden Quiz stellten sie doch glatt Fragen zur neuen Rechtschreibung. Ganz gemein. Da scheiterte Akbayir an der Schreibweise von Liechtenstein und Nowak an der Schifffahrtsgesellschaft. […] Und auch Anna Schönhütte, die Vorsitzende der Grünen-Jugend in NRW, […] musste trotz aller Erfolge auch Schlappen einstecken. Rhythmus wird nun mal immer noch mit zwei h geschrieben, auch unter einer Rot-Grünen-Regierung.
Belinda […] freut sich am meisten auf das Lesen und Schreiben […]. Jedoch freut sich die Mutti, mit ihren Kindern wieder mitlernen zu können. „Die neue Rechtschreibung zum Beispiel.“
2002-09-04
[…] es kam mir so vor, als hätten wir es hier mit einem craze, wie man in Kalifornien sagt, zu tun. Bei der Parlamentswahl ginge es nicht mehr um politische Grundrichtungen und die Selektion des Personals, das die Geschäfte führen soll. Vielmehr würde sich die Beseitigung von Schröder/Fischer umstandslos einfügen in die Reihe der anderen crazes, mit denen sich die Gesellschaft schon so lange vergnügt, die Rechtschreibreform und die Bildungskatastrophe ("nach Pisa …"), die bovine spongiforme Enzephalopathie und der Elektrosmog, die Kampfhunde und die Computerspiele (als Programmierung zum Amoklauf). Nach einer Saison pflegt der craze zu verfliegen; verblüfft wischt sich Der Wähler die Augen und versteht kaum, warum jetzt Dr. Stoiber und seine bayerischen Kader das Kanzleramt besetzen.
2002-09-02
Rechtschreibung ist eine sprachliche Praxis, die sich täglich neu vollzieht. Die Formulierung orthographischer Regeln ist der wissenschaftliche Versuch, sich auf den Usus einen Reim zu machen. Die Gewohnheit, im "Duden" etwa den Regelteil dem Wörterverzeichnis voranzustellen, stellt also die Verhältnisse auf den Kopf.
Die Rechschreibreform sorgt auch vier Jahre nach ihrer Einführung für Kontroversen in Ostdeutschland. Bildungspolitiker in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sprachen am Wochenende zumindest von Teilerfolgen und regten Veränderungen an. Dabei machten sie allerdings unterschiedliche Vorschläge, wie eine reformierte Reform aussehen könnte. Der Jenaer Rechtswissenschaftler Rolf Gröschner erklärte die neue Rechtschreibung für gescheitert.
Die 1901 festgelegte einheitliche Schreibung des Deutschen hatte damals zwar konkurrierende Regeln und Schreibweisen in den Ländern beseitigt, allerdings auf Kosten von Systematik und Einfachheit. Um dieses Problem zu beseitigen, das sich durch immer neu hinzukommende Unterregeln noch verschärfte, begannen in den siebziger Jahren Arbeitskreise in der Bundesrepublik und der DDR mit der Vorarbeit für eine neue Rechtschreibung.
Pisa-Test und Kultusministerkonferenz waren Schlagworte, die am Freitag im Hotel Bären öfters zu hören waren. Der Gesamtelternbeirat Tettnang hatte Bundestagskandidaten und -abgeordnete der Parteien zur Podiumsdiskusssion zum Thema Bildungs- und Familienpolitik geladen. […] Der FDP-Kreisvorsitzende Manfred Brugger vertrat FDP-Bundestagskandidat Heiner Schülke[…]. "Wir sind der Meinung, dass die gemeinsame Willensbildung das Problem der Kultusministerkonferenz ist", erklärte Brugger. Die Konferenz habe nötige Reformen wie die Rechtschreibreform blockiert.

Neuberlinern den Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu beschreiben, ist keine ganz leichte Aufgabe. Man könnte davon berichten, dass in der einen Hälfte (Schöneberg) der größte Teil der Berliner Schwulen-Szene zu Hause ist, während es in der anderen (Tempelhof) die im Stadtvergleich nicht unerhebliche Zahl von 4600 Kleingärten gibt. Oder, dass in Tempelhof eine berlinweite Rekordzahl von 7005 Bürgern das Volksbegehren Schluss mit der Rechtschreibreform unterzeichnet hat, während in Schöneberg Unterschriften zur Rettung des Stadtteilfestes in der Motzstraße gesammelt werden.
Die Praxis bestätige seine damalige Prognose, dass zwar Münzen einer Währung vom Staat geprägt würden, nicht aber die Schreibweisen eines Volkes, sagte Gröschner.
Deshalb: Wenden Sie die eigennamengrossschreibung in der praxis an!
2002-09-01
Einen ungewöhnlichen Gegenantrag mußte der Vorstandschef der IKB Deutsche Industriebank […] auf der Hauptversammlung am Freitag behandeln. Aktionär Jürgen Frielinghaus […] forderte, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Die Begründung: In der Kommunikation mit ihren Aktionären verwende die Bank "die bis jetzt noch nicht verbindliche neue Rechtschreibung […]. Besonders schlimm finde er die neue Schreibweise des Wortes "Genussschein".