willkommen
kontakt
impressum
suchen

Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 1.–2. 2004
nachgeführt 2018-10-26
ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

Aus presse und internet

26. 2. 2004

: Zur «Rechtschreibreform». Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 47, s. 9, Briefe an die NZZ (104 wörter)
«Die Auflösung dieses Gremiums [der Zwischen­staatlichen Kommission] ... tut not. Es hingegen durch Machtzuwachs zu adeln, wäre ein Witz.» Nein. Es wäre keiner […]. Es wäre ein Bubenstreich, ein Skandal, nicht im geringsten weniger grotesk als die Ernennung, mit der Caligula sein Pferd zum Senator machte […].
Hoppla! züritipp (beilage Tages-Anzeiger), , s. 5 (86 wörter)
Manchmal fragen wir uns schon, wie zukunftsorientiert das Wissen ist, das an den Unis im deutsch­sprachigen Raum gelehrt wird. Insbesondere dann, wenn 50 Professoren nichts Gescheiteres zu tun haben, als die Rückkehr zur alten Rechtschreibung zu fordern.
: Der Mensch ist frei. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 48, s. 42, Briefe an die Herausgeber (599 wörter)
Die Verfassungsrichter räumen darüber hinaus auch ein, daß es mit der rechtlichen Verbindlichkeit der Rechtschreib­reform nicht weit her ist […]. Zumindest volljährige Schüler der oberen Klassen wird niemand zum Gebrauch der reformierten Ortho­graphie zwingen können.

Das war schon nach der reform von 1892/1903 so. Unsereins hat schon in jüngeren jahren die eigennamen­grossschreibung angewendet, andere haben dissertationen in fraktur abgeliefert; damals (und hier zu lande) sah man das nicht so verbissen.

25. 2. 2004

: Ungeheuer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 47, s. 40, Briefe an die Herausgeber (61 wörter)
Wie Ihre Zeitung am 30. Januar berichtet, nannte ein Amtschefkommissionsvorsitzender der Kultusminister­konferenz die Rechtschreibungsregelung durch eine zwischen­staatliche Kommission "ungeheuer demokratisch". […] Demokratisch ist eine derartige Rechtschreibungsregelung nämlich keineswegs, dafür aber ungeheuer.

24. 2. 2004

: Nicht gewählt, nicht befugt und konkurrenzlos unfähig. Ein dubioses Gremium, das ein dubioses Gremium kontrollieren soll: Der Beirat zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 46, s. 35, Feuilleton (1005 wörter)
Mit seiner knappen, kaum zwei Seiten umfassenden Stellungnahme zum vierten Bericht der Kommission, der trotz strengster Geheimhaltung bekannt wurde, erweist sich der Beirat aufs neue als besonders diensteifrig. Er übernimmt sogar die verhüllende Sprache der Kommission, die es nicht wagen darf, alle geplanten Änderungen der Rechtschreib­reform als Änderungen zu bezeichnen. […] Man könnte also über den Beirat hinweggehen wie über einen schlechten Witz, aber das wäre ein Fehler. Im Kalkül der Kultus­minister spielt er nämlich eine wichtige Rolle. Sie behaupten, in diesem Beirat seien die "professionell Schreibenden" vertreten, also vor allem die Schrift­steller und die Journalisten. Jeder weiß, daß nahezu alle namhaften Schrift­steller und die meisten Journalisten die Rechtschreib­reform ablehnen, aber durch ihre Zwangs­vertretung im Beirat, vor der sie gar nichts wissen, haben sie ihr zugestimmt. […] Der Beirat ist also eine wichtige Hilfskonstruktion, um die Änderungs­wünsche und das Macht­streben der Rechtschreib­kommission gegen jede Kritik zu immunisieren.

21. 2. 2004

: Helvetische Restensuppe. Walliser Bote, , s. 5,
Mehr als fünfzig Rechts­professoren fordern, dass die Rechtschreib­reform, die am 1. August 2005 endgültig verbindlich werden soll, sofort beerdigt wird. Irgendwie würde man sich freuen, wenn die Gämse wieder als Gemse am Stengel und nicht mehr am Stängel behende statt behände knabbern kann.
: Rechtschreibprotest. Offener Brief der Akademien. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Feuilleton (162 wörter)
In einem Offenen Brief an die Kultusminister­konferenz haben zehn deutsche Akademien einen sofortigen Eingriff in die Rechtschreib­reform gefordert. Insbesondere wenden sie sich dagegen, dass künftig die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung in bestimmten Fällen die alleinige Zuständigkeit für die in Wörterbüchern niedergelegte deutsche Orthografie übernehmen soll.
: Gesicht der Machtarroganz. Süddeutsche Zeitung, , s. 33, Leserbriefe (457 wörter)
Die so genannte Rechtschreib­reform ist nicht nur eine Kulturschande, sondern auch eine Demokratieschande. Man weiß nicht, was man mehr verachten soll: die Inhalte der „Reform“ oder die Art ihrer staatsstreichartigen Durchsetzung.
: Mehrheit ist überfordert. Süddeutsche Zeitung, , s. 33, Leserbriefe (248 wörter)
Thomas Steinfeld hat aber nicht Recht, wenn er behauptet: „Nie waren in modernen Zeiten die Bildungs­unterschiede zwischen den Schreibenden so erkennbar, wie sie es heute sind.“ Nicht Bildungs­unterschiede zeigen sich, sondern wer sich mit der Rechtschreib­reform eingehend befasst hat und wer sich nur oberflächlich informiert hat. Man sollte endlich zu der Einsicht kommen, dass Rechtschreibung etwas Gemachtes ist, das auch verändert werden kann, dass man bei jeder Festlegung irgendwelche „Kröten schlucken“ muss, dass man aber nicht die neue Rechtschreibung aus der Erwartungshaltung beurteilen darf, die man mit der alten gelernt und „verinnerlicht“ hat.
: Schreibfehler in einem vorher unbekannten Ausmaß. Süddeutsche Zeitung, , s. 33, Leserbriefe (398 wörter)
Der Vorgang als Ganzes droht der vielleicht undemokratischste Vorgang in der Geschichte der Bundes­republik zu werden, obwohl das Thema geradezu absurd ist. Daran sind paradoxerweise nicht allein die Urheber schuld, sondern daran hat auch die Bevölkerung ihren Anteil: Hätte jeder den Mut, auch in der Öffentlichkeit so zu schreiben oder schreiben zu lassen, wie er es für richtig hält, hätten wir das Problem längst vom Hals […].

Genau, und für richtig halten wir bekanntlich die eigennamengrossschreibung.

: Innovatives und modernes Image. Süddeutsche Zeitung, , s. 33, Leserbriefe (419 wörter)
Mit schöner Regelmäßigkeit macht die SZ die Rechtschreib­reform zum Thema. Dabei fällt auf, dass es zwei erklärte Gegner der Reform sind, denen hier die Möglichkeit gegeben wird, ihre Standpunkte zu veröffentlichen. […] Die Regeln werden von den Redakteuren der SZ oft nur halbherzig, häufig sogar falsch angewendet. Hier sind andere Zeitschriften und Zeitungen sehr viel korrekter und damit leserfreundlicher. […] Meine Erfahrungen decken sich auch nicht mit denen, die Steinfeld in seinem Artikel und in seinem Kommentar beschreibt. Die neue Rechtschreibung wird nicht nur „an Schulen und wenigen Ämtern“ praktiziert, sondern inzwischen auch von vielen Firmen und Unternehmen. Für diese ist die Anwendung der neuen Rechtschreibung nicht eine lästige Pflicht, sondern mit einem innovativen und modernen Image in der Kommunikation verbunden.

19. 2. 2004

: Weder Mafia noch Metternich. Deutsche Dichter, Politiker und Juristen fühlen sich bedroht — von einer Rechtschreibkommission; dabei verweigern sie sich allen vernünftigen Argumenten. die tageszeitung, , nr. 7288, s. 11, Meinung und Diskussion, Kommentar (945 wörter)
Wenn es um die Muttersprache geht, scheint der Absturz ins Irrationale unvermeidlich. […] Konservative Sprach­puristen, ein querulantischer Lehrer aus Bayern und ein paar Hochschul­linguisten befeuern die Pseudo­debatte in regelmäßigen Abständen mit an den Haaren herbei­gezogenen Beispielen, die die Reform je nachdem als überflüssig oder gefährlich hinstellen. Sollte es, was die Ultras stets suggerieren, um Sein oder Nichtsein des Deutschen gehen, ob wir "grünlich blau" oder "grünlichblau" bzw. "Recht haben" oder "recht haben" schreiben? Den "meisten" (alt) wie den "Meisten" (demnächst) ist das egal, auch wenn einer der Rührigsten unter den Reform­kritikern diese Neuerung in ganz alter Theologen­manier als Rückfall in den "vorsintflutlichen Zustand" (Theodor Ickler) beschwört.

17. 2. 2004

: Justitia soll richtig schreiben. Appell gegen die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 39, s. 35, Feuilleton (154 wörter)
Am 1. August 2005 wird, sofern die Politik sich nicht besinnt, die Rechtschreib­reform verbindlich […]. Derweil versucht die Reformkommission ihr Werk durch Herumdoktern am System über die Zeit zu retten — vermehrt aber dabei die Schar der Kritiker. […] Die Juristen verlangen die Kündigung der «Wiener Erklärung» von 1996 (was durchaus möglich wäre, denn sie ist kein völkerrechtlich bindender Vertrag) und eine Rückkehr zur alten Orthographie […].
: 50 Professoren wollen alte Rechtschreibung. Tages-Anzeiger, , 112. jg., nr. 39, s. 45, Kultur (129 wörter)
Zudem «könne von den Menschen erwartet werden, dass eine kompliziertere Rechtschreibung beizubehalten sei, wenn sie zum Kulturgut gehört», sagte Manfred Rehbinder […].
: Brüske brüskiert nicht. ... und gewinnt so das Publikum für sich. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Starnberg, , s. R6
Nimmt blödelnd überflüssige Anglizismen auf die Schippe, übersetzt „Location-Freelancer“ mit Penner, dann folgen die Rechtschreib­reform – „heute schreiben wir Cholera wie Kohl-Ära“– die Fahrrad­discounter, das Dosenpfand, das Auto-Navigationssysteme, […].

16. 2. 2004

: Fünfzig Juristen verlangen Rücknahme der Rechtschreib­reform. "Gravierende Mängel, unausgewogene Formelkompromisse"; Appell an die Parlamente. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 39, s. 4, Politik (492 wörter)
Die Professoren verweisen darauf, daß die meisten Menschen durch die überraschende Einführung der Rechtschreib­reform den Eindruck einer demokratisch nicht legitimierten Bevormundung durch die Exekutive gewonnen hätten. Das Bundesverfassungs­gericht habe zwar im Blick darauf, daß das neue Regelwerk grundsätzlich keine rechtlichen Wirkungen entfalte, einen Verstoß gegen das Demokratieprinzip nicht angenommen. Dies ändere aber nichts daran, daß die Aktivitäten der Kultus­verwaltungen dem Vertrauen in die demokratisch legitimierte Staatsgewalt erheblichen Schaden zugefügt hätten. In einem mehrseitigen Anhang nennen die Rechts­wissenschaftler Beispiele für Defizite der Reform.

Wie viele jahrzehnte hätten denn die professoren gebraucht, um die defizite der reform zu untersuchen? Ihre «überraschung» fügt dem vertrauen in die professoren schaden zu.

: Beschädigtes Deutsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 39, s. 12, Zeitgeschehen (171 wörter)
In ihrer Sachkritik ist der Petition der fünfzig Rechtswissenschaftler gegen die Rechtschreib­reform ausnahmslos zuzustimmen. […] Juristen sind auf sprachliche Feinheiten angewiesen, deshalb ist ihre Kritik — ähnlich wie die der Dichter und Schriftsteller — nicht zu unterschätzen.

In der tat, «ähnlich wie die der Dichter und Schriftsteller». Dazu ist auf diesen seiten einiges zu finden, z. b. stellungnahme zu «Willkür in den Worten».

: Homo politicus. Aus der Antike in die Gegenwart und wieder zurück: Der bedeutende Münchner Althistoriker Christian Meier wird heute 75 Jahre alt. Frankfurter Rundschau, , s. 12, Feuilleton, Porträt
Seinen Einsatz für sprachliche Disziplin und angemessenen Stil machte der glänzende Rhetoriker in seiner ebenso unermüdlichen wie un­erbittlichen Kritik an der Rechtschreib­reform deutlich.

13. 2. 2004

: Sewald will Marienstift verkaufen. Stadträte suchen nach Auswegen aus der kommunalen Finanzkrise. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Erding, , s. R4
Vizebürgermeister Gisbert Becker (CSU) verlangte Stellen­kürzungen im Landratsamt. Darüber hinaus rechnete er mit der Rechtschreib­reform ab, die Millionen Euro gekostet habe.

12. 2. 2004

: Dem guten Beispiel folgen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 36, s. 8, Briefe an die Herausgeber (256 wörter)
Und dann gäbe es ja noch den zivilen Ungehorsam. Wenn die deutschen Verlage und Zeitungsredaktionen dem Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung folgen würden und einfach wieder richtiges Deutsch schrieben, würde sich der ganze Spuk von selbst erledigen.

10. 2. 2004

: Althistoriker mit politischem Engagement: Christian Meier wird 75. Frankfurter Neue Presse Online,
Der Streit um die Rechtschreibung hat bei Meier tiefe Narben hinterlassen. «Mein Glaube an die Demokratie ist erheblich erschüttert worden», sagt er und findet deutliche Worte: «Ich ärgere mich nicht nur über die schlechte Reform, noch schlimmer ist die Anmaßung unfähiger Minister, über die Sprache bestimmen zu wollen.» Die Sprache habe sich über Jahrhunderte bestens ohne politische Einmischung entwickelt.
: Handelsbeziehungen. Zehn Tage Havanna: Ein Tagebuch von der XIII. Internationalen Buchmesse. junge Welt, , Feuilleton
Einen schweren Stand hat Rolf Dieter Hasse. Er vertritt den Verlag Klett-Pons, dessen Wörterbücher in Havanna enorm gefragt sind. Hasse jedoch präsentiert nur Ausstellungs­exemplare. […] Im nächsten Jahr will der Verlag nun alte Wörterbücher anliefern, die in Deutschland nach der Rechtschreib­reform nicht mehr verkäuflich sind.
: Diktat nach Version 4.3 (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Leserbriefe (118 wörter)
Nun ist es offensichtlich! Nach kurzer Zeit ist das Gebäude der Rechtschreib­reform wieder einmal reparaturbedürftig.
: Diktat nach Version 4.3 (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Leserbriefe (160 wörter)
Die hat dazu geführt, dass die Orthografie inzwischen freigegeben ist — und wir uns ungefähr auf dem Orthografie-Status Goethes und Schillers wiederfinden — was ja, bei Lichte betrachtet, vielleicht kein Nachteil sein müsste, wenn wir dazu nur die Goethes hätten . . .

Abgesehen davon, dass eher das gegenteil richtig ist (oder gab es zu Goethes zeit eine rechtschreibkommission?), sehen komma- und gedankenstrichsetzung in diesem beitrag tatsächlich nach freigabe aus.

5. 2. 2004

: Das deutsche Schreib-Amt. Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 29, s. 4, Meinungsseite, Leitartikel (722 wörter)
„Die grundlegenden Verbesserungen im Vergleich zur alten Regelung werden allgemein anerkannt“, heißt es im vierten Bericht der „Zwischen­staatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“ […]. Dass diese Behauptung eine Lüge ist, weiß jeder Leser: In weiten Bereichen […] ist die deutsche Orthographie de facto freigegeben. Ein solches Durcheinander hat es seit der ersten Reform zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gegeben. […] Denn mit ihrem vierten Bericht verbinden sich wieder mehrere tausend Veränderungen der Schriftsprache […]. Die Unsicherheit der Schreibenden wird sich durch die neuesten Veränderungen weiter vergrößern. […] Mit dem vierten Bericht verbindet sich nun allerdings noch etwas Gravierenderes als die neueste Variante der Reform, nämlich das Ansinnen, die Kommission von ihrer Aufsicht durch die Kultus­ministerien zu befreien und sie zur „zentralen Anlauf- und Schlichtungs­stelle für Probleme der Orthografie“ zu erklären.
: Wenn einer Pleite geht, dann grünlich blau. Was, um Himmels willen, steht im vierten Bericht der Rechtschreibkommission? Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 29, s. 11, Feuilleton (833 wörter)
Der vierte Bericht der Zwischenstaatlichen Kommisson für deutsche Rechtschreibung ist unveröffentlicht, enthält aber vieles, was die Öffentlichkeit interessieren muß. Zum einen geht es um die „Ermächtigung“ der Kommission, künftig nicht nur Vorschläge für weitere Eingriffe in die deutsche Orthographie zu unterbreiten, sondern solche Eingriffe jederzeit auf eigene Verantwortung vornehmen zu können. […] Von den 12 500 Wörtern der amtlichen Liste waren bisher rund 1030 durch ein Sternchen als reformbetroffen gekennzeichnet, also rund acht Prozent des Wortschatzes (mit Silbentrennung etwa 15 bis 18 Prozent). Die neuen Vorschläge verändern wiederum zwei bis drei Prozent der Wörterbucheinträge. Folgenreicher ist, daß inzwischen so gut wie niemand mehr weiß, wo es Veränderungen gegeben hat oder bald geben wird und warum das alles sein muß.
: Reform ohne Freunde. Das Gezänk um die deutsche Rechtschreibung geht weiter. Die Zeit, , 59. jg., nr. 7, s. 41, Literatur (410 wörter)
Freilich muss auch gesagt werden, dass sich jede systematische Orthografie in Widersprüche verstrickt; weil Sprache nun einmal nicht vollständig systematisch ist. Auf der sicheren Seite sind nur rein phonetische Systeme (wie im Italienischen oder Portugiesischen); dann müsste man sich allerdings entscheiden, ob man lieber Hühnerai oder Keiser schreibt. Die Reform hat, indem sie den Blick für solche Kalamitäten schärfte, der Rechtschreibung die Autorität genommen. […] Wunderbarerweise ist damit nur ein Zustand erreicht, den in den siebziger Jahren, als die Reformdebatte begann, ein kluger Germanist empfohlen hatte: auf die Lösung verzwickter Einzelfälle zu verzichten und nur das Gros der Schreibweisen festzulegen. Mit einigen wenigen Regeln lassen sich nämlich neunzig Prozent aller Wörter erfassen; den Rest, hieß es damals, könne man getrost freilassen. So ist es gekommen. Jetzt müssen sich nur noch die Schulen an die neue Toleranz gewöhnen.

4. 2. 2004

: Böcke zu Gärtnern. Neues von der Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 28, s. 46, Feuilleton (590 wörter)
Die Böcke wollen Gärtner werden: So muss muss man wohl die jetzt bekannt gewordenen Ambitionen der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Recht­schreibung kommentieren. Wenn am 31. Juli 2005 die Übergangsfrist endet […], dann soll nicht nur das missratene und bereits stillschweigend modifizierte Reformwerk in Schulen und Amtsstuben endgültig verbindlich sein. Obendrein wünscht sich die Kommission grössere Machtfülle. […] Die Auflösung oder zumindest Neubesetzung dieses Gremiums tut not. Es hingegen durch Machtzuwachs zu adeln, wäre ein Witz.

Siehe stellungnahme.

: Demokratie noch nie direkt. Keine Berliner Initiative kam bis zum Volksentscheid. Neues Deutschland, , . jg., nr. , s. , Berlin/Brandenburg
Bis dahin schaffte es nur der Berliner Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege. Beim Versuch, die Rechtschreib­reform zu kippen, scheiterte er aber. Nur 108000 Bürger forderten den Volksentscheid. Etwa 250000 (zehn Prozent der Wahlberechtigten) hätten es sein müssen.

3. 2. 2004

: Der Tollpatsch bleibt. Die Rechtschreibreform geht in die nächste Runde. Sächsische Zeitung, , s. , Kultur (326 wörter)
Die zwölf Halbweisen der Zwischenstaatlichen Kommission haben die Vorschläge ausgearbeitet. […] Die jetzt angekündigten „Anpassungen“ sorgen erneut für Unmut. Es gehe mitnichten um leichte Variationen, so Theodor Ickler, Oberkritiker der Rechtschreib­reform […]. Künftig soll die Zwischenstaatliche Kommission allein über die deutschen Rechtschreibregeln befinden dürfen, ohne politische Kontrolle. […] Die Kommission ist weder demokratisch legitimiert, noch hat sie durch ihr Treiben bisher von ihrer Qualifikation überzeugt.
: Wahlfreiheit. Sächsische Zeitung, , Kultur, SZ-Kommentar (188 wörter)
Die schleichende Revision, die mit jeder Duden-Ausgabe einhergeht, wird mit den jüngsten Vorschlägen offensichtlich. Was 1996 als Regulierung der deutschen Rechtschreibung geplant war, gerät zur Deregulierung. Die Halbherzigkeiten werden immer halbherziger. Die Kommission muss den Begriff Wahlfreiheit falsch verstanden haben. So war das nicht gemeint!
: Lustige Selbstbefriedigung der „Experten“. Süddeutsche Zeitung, , s. 17, Leserbriefe (347 wörter)
Der kontinuierliche Strom geistiger Diarrhö, der sich als Ausfluss in der Sache überflüssiger Schlechtschreibreformen seit Jahren über den deutschsprachigen Raum ergießt, ist doch letztlich ein Glücksfall für die Freiheit. Was ist denn so schlecht an der „faktischen Deregulierung der Rechtschreibung“? […] Und im Ergebnis ermöglicht es eine weitere Stratifizierung der Gesellschaft in ganz neuartige Soziolekte: Schon jetzt kann man auf Anhieb zwischen obrigkeitshörigen Trotteln auf der einen und ihrer eigenen Sprache noch mächtigen, freien Bürgern auf der anderen Seite unterscheiden.
: Valentins Regel. Süddeutsche Zeitung, , s. 17, Leserbriefe (187 wörter)
Thomas Steinfeld scheint für eine andere Zeitung denn die SZ zu arbeiten, wenn er feststellt, dass die neue Rechtschreibung „kaum praktiziert“ werde, gehört diese Zeitung doch zu den hervorragenden Apologeten eben dieser Schreibung. Dabei zählt sie zu den Anhängern der „Mischformen“, die sich dadurch auszeichnen, dass sie weder die alten noch die neuen und auch nicht die eigenen Regeln einhalten.

2. 2. 2004

: Rechtschreibreform, Folge 117. Gutes Deutsch? Tut uns Leid! Basler Zeitung, , s. 2, Zweite (248 wörter)
Und wieder ist eine Debatte um die Rechtschreib­reform entbrannt. Es ist die ungefähr 117. von allen und nicht die letzte. […] Nun also wird wieder ein bisschen zurückgerudert (zurück gerudert?). Wer fortan gutes Deutsch lernen, lehren und schreiben soll, kann einem angesichts der immer grösser werdenden Verwirrung leid tun (leidtun? Leid tun?).

2. 2004

neu : Leserbrief zu «Fehlkonzept Rechtschreibreform». Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (387 wörter)
Die Reformer haben in unseren Wort­schatz eingegriffen. […] Wem die lebendige Sprache ein Anliegen ist, der muß sich gegen die Reform stellen.
neu : Benachteiligung rechtschreibschwacher Schüler. Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (263 wörter)
Konnte sich früher ein schwächerer Schüler darauf verlassen, im Duden oder mit Hilfe seines Rechtschreib­programms eine sinnvolle Trenn­stelle zu finden, so kann er heute entweder Atmo-sphäre oder auch – der Wort­struktur zuwider­laufend – Atmos-phäre trennen – und damit sowohl regel­konform schreiben als auch seine Unkenntnis der Zusammen­hänge demonstrieren.

«Atmos-phäre» gab es nur anfänglich bei wahrig und in den duden-zwischen­auflagen 22 und 23. In kenntnis der zusammen­hänge plädieren wir für «atmos-färe».

neu : Komplexe Phänomene sind nicht zu steuern. Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (500 wörter)
Sprachen sind genauso wie Märkte als spontane Ordnungen nicht das Ergebnis mensch­lichen Entwurfs, wohl aber menschlicher Handlungen. Der Sprach­wissenschafter Rudi Keller nennt Sprache in Anlehnung an Hayek ein «Phänomen der dritten Art», das weder künstlich noch natürlich ist. […] Sprache ist somit eine kollektive Ordnung und ein evolutionäres System, das stetem Wandel unterliegt und organisch gewachsen ist. Ein Ziel kennen evolutionäre Prozesse jedoch nicht. Und gleiches gilt für die Recht­schreibung als Teil der Sprache.

Der denkfehler kommt im letzten satz zum ausdruck: die gleichsetzung von sprache und schreibung. 1. Die deutsche rechtschreibung ist nicht in jeder hinsicht teil der deutschen sprache. 2. Die rechtschreibung ist das ergebnis mensch­lichen entwurfs, und sie hat ein ziel: die buchstaben­schrift.

neu : Wo bleibt die Fähigkeit, Fehler zu berichtigen? Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (224 wörter)
Angesichts der Tatsache, daß wir offenbar wieder einmal nicht in der Lage sind, uns aus eigener Kraft von ver­derblichen, ideologisch gefärbten politischen Be­strebungen zu befreien, ist es tröstlich und erfreulich, aber auch wieder beschämend, daß wir in­zwischen vor allem auf Widerstand gegen die «Missstand-Schreibung» aus dem Ausland hoffen müssen. Vielleicht werden also aus­ländische Autoren mit ihrem Protest gegen die «Rechtschreib­reform» erreichen, was deutschen Schrift­stellern bisher nicht gelungen ist.

Vielleicht kommt hilfe vom Mars.

neu : Die Folgen für die Praxis sind verheerend. Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (376 wörter)
Die im Druck- und Verlags­wesen Tätigen – also die Haupt­betroffenen – wurden bei der Er­arbeitung der Reform ge­flissentlich fern­gehalten und alle ihre Warnungen in den Wind geschlagen. […] Sie müssen sich mit drei Schreibvarianten herum­schlagen: mit der alten Ortho­graphie (die viele Autoren weiter­hin ver­langen), der offiziellen neuen Duden-Schreibung sowie deren Variante gemäß dem Duden-Praxis­wörterbuch […].

Und leider viel zu wenig mit einer vierten: substantiv­kleinschreibung.

31. 1. 2004

: Rechtschreibrebell greift Reformkommission an. Weilheimer Lehrer Denk fordert Abschaffung des Gremiums zur Regeländerung der deutschen Sprache. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Weilheim, , s. R1, Politik (278 wörter)
„Es ist ein Skandal, dass diese Kommission immer noch im Amt ist und weiter im Geheimen an der deutschen Sprache herumfummelt“, sagt der Deutschlehrer aus Weilheim. […] Kultusministeriums­sprecher Thomas Höhenleitner sagte, die neuen Vorschläge setzten die bisherige Regelung nicht außer Kraft. Sie ließen vielmehr in einigen Zweifels­fällen weitere Varianten zu. Damit werde man dem „diffizilen System der deutschen Sprache“ gerecht. Gleichzeitig betonte der Ministeriums­sprecher, dass die bayerischen Schüler mit der Umstellung auf die neuen Regeln gut zurecht­gekommen seien.
: Geheimes Kommando „D“. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Feuilleton (236 wörter)
Die Nachricht, dass mit dem vierten Bericht der Kommission für die Reform der deutschen Rechtschreibung wiederum Änderungen an der deutschen Schriftsprache verbunden sein werden (siehe SZ vom 29. Januar), hat in der deutschen Öffentlichkeit großen Unwillen und Verärgerung ausgelöst.

30. 1. 2004

: Sprachdiktat. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 25, s. 35, Feuilleton (744 wörter)
[…] zwölf Apostel, die bislang in Anbindung an die Kultusministerkonferenz eine Botschaft in die deutschsprachige Welt hinaustragen. Jetzt will sich die Kommission dieser Aufgabe völlig losgelöst von irgendwelchen lästigen Rückbindungen widmen können, Ergebnisse sollen nur noch alle fünf Jahre berichtet werden. Dieser absonderliche Plan […] führt den Gedanken der beratenden Kommissions­arbeit endgültig ad absurdum — und sorgt auf seiten derjenigen, die zualler­erst mit der deutschen Sprache umgehen, für Bestürzung. Der Lyriker Reiner Kunze […] hat sich jetzt mit einem offenen Brief quasi auf die Barrikaden begeben. […] Die eminent politische Frage nach dem Umgang mit der Sprache wird nach Enzensbergers Beobachtung "hinter verschlossenen Türen abgehandelt — wie zu Metternichs Zeiten". […] Die Berliner Schrift­stellerin Monika Maron fühlt sich durch die "Entscheidungsherrlichkeit" der Kommission gar an DDR-Zeiten erinnert […]. Siegfried Lenz, von Beginn an scharfer Gegner der Rechtschreib­reform, quittiert die Angelegenheit mit einer gewissen Fassungs­losigkeit.
: Ganz schön belemmert. Reform der Rechtschreibreform? Lassen Sie sich nicht verwirren! Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (301 wörter)
Doch stets wenn die Kommission einen Zwischenbericht vorlegte, erhoben sich die Gegner mit dem Erlanger Linguisten Theodor Ickler an der Spitze und proklamierten den Untergang des Abend­landes. Jetzt kursiert eine Vorlage für eine unter Umständen entscheidende Sitzung am kommenden Donnerstag durch die Kultus­ministerien, und die Feuilletons der deutschen Großblätter wittern Verrat. Die "Süddeutsche" bezeichnet die Kommission gar als "obskuren Kader", der sich selbständig machen möchte, "als bräuchte dieses Land eine Sonder­behörde für Recht­schreibung mit nahezu geheim­dienstlichen Kompetenzen".
"Babylonische Verwirrung." Münchner Merkur (merkur-online.de), , Politik
Wenn in kommenden Jahrhunderten einmal ein Synonym für eine fatale Patt­situation gesucht wird, braucht man nur ein Wort seufzen: Rechtschreib­reform.

29. 1. 2004

: 120 Phoneme auf ein Fonem. Die Mannheimer Rechtschreibkommission legt ihren vierten Geheimbericht vor. Berliner Zeitung, , Feuilleton (648 wörter)
Die Kommission ist von der KMK damit betraut worden, auf die "Wahrung einer einheitlichen Recht­schreibung im deutschen Sprachraum" hinzuwirken. Diese Aufgabe zu erfüllen ist unmöglich, da die zu Beginn des 20. Jahrhunderts herbei­geführte Einheit der deutschen Orthographie durch die Reform zerstört wurde […]. Was das mangelhafte Regelwerk selbst betrifft, so glaubt die Kommission ihrem Auftrag zur "Wahrung einer einheitlichen Rechtschreibung" durch die Einführung immer neuer Schreib­varianten gerecht zu werden. […] Für die nähere Zukunft fordert die Kommission, weniger ein­schneidende Änderungen auch ohne vorherige Konsultierung der politischen Gremien beschließen und durchsetzen zu können. Da in der genannten Vorlage nicht definiert ist, welche möglichen Eingriffe "von grundsätzlicher Bedeutung und Tragweite" und damit weiterhin zustimmungs­pflichtig wären, würde ein entsprechender Beschluß der KMK die Kommission ermächtigen, eine Vielzahl bisher gescheiterter Vorschläge sukzessive einzuführen. Der Weg wäre grundsätzlich frei für "Ältern, Apoteke, Flopp" und "Pitza" […].
: Das geheime Sprachamt. Die Rechtschreibreform darf sich bald verselbständigen. Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 23, s. 13, Feuilleton (924 wörter)
Durch die Amtsstuben der Kultusministerien wandert in diesen Tagen eine Entscheidungsvorlage. Sollte die „Amtschefkommission Rechtschreibung“ sie auf ihrer Sitzung am 5. Februar billigen, so wird die deutsche Orthographie wieder einmal auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Formell soll das Papier, das dieser Zeitung vorliegt, den vierten Bericht der „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Recht­schreibung“ absegnen – ein Vorgang, der ärgerlich und lästig genug ist, weil er eine große Zahl neuerlicher Änderungen an der Schriftsprache zur Folge haben wird. Institutionell aber werden die Konsequenzen noch gravierender sein: stimmen die Amtschefs zu, dann wird in Zukunft allein die Kommission über Änderungen der Rechtschreibung entscheiden. Bislang benötigte sie dazu immer noch die Zustimmung der Kultus- und Bildungs­minister.

28. 1. 2004

: An den Pranger. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 23, s. 8, Briefe an die Herausgeber (195 wörter)
Sollte man in der Beurteilung dieses Wechselbalgs nicht einmal versuchen, nach straf­rechtlichen Gesichts­punkten vorzugehen? Der Katalog der in Frage kommenden Tatbestände ist lang und schwerwiegend. Er reicht vom öffentlichen Ärgernis über groben Unfug (zum Beispiel Schlussstrophe, Stofffetzen), Körper­verletzung am Sprachkörper der deutschen Sprache, Freiheits­beraubung (Zwang zur Getrennt­schreibung), Verschwendung öffentlicher Mittel bis zur Kollektiv­beleidigung aller Benutzer der deutschen Schriftsprache.

27. 1. 2004

: Deutschland, deine Apostroph's. Spiegel Online, , Kultur, Zwiebelfisch
Zähneknirschend nahm man es hin, dass im trüben Fahrwasser der Rechtschreib­reform mit einem Mal "Helga's Hähncheneck" und "Rudi's Bierschwemme" höchste Ehren erhielten und offiziell sanktioniert wurden. Der von vielen gescholtene so genannte Deppen-Apostroph war über Nacht salon­fähig geworden. Nun ja, vielleicht noch nicht salonfähig, aber zumindest imbissbudenfähig. […] "Was habt ihr denn? Ist doch richtig so! Steht sogar im Duden's!" Tatsächlich: dort […] heißt es in Überein­stimmung mit den neuen amtlichen Regeln: "Gelegentlich wird das Genitiv-s zur Verdeutlichung der Grund­form des Namens auch durch einen Apostroph abgesetzt." Man beachte die Wortwahl: Gelegentlich. Das klingt wie: "Einige können es eben nicht lassen."
: Der Gebrauch des Apostrophs im Überblick. Spiegel Online, , Kultur, Zwiebelfisch
Schluss mit den Apostrophen-Katastrophen! Der "Zwiebelfisch" verrät, wo im Deutschen ein Apostroph gesetzt werden muss, wo man auf ihn verzichten kann und wo er schlichtweg "nicht's" zu suchen hat.

26. 1. 2004

: Urlaubsreife Stars — doch die Hatz geht immer weiter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 21, s. 28, Sport
"Deutschland ist Handballland" — korrekt nach der Rechtschreib­reform formuliert, konnte Brand am Freitag schwarz auf weiß auf dem Fan-Transparent lesen[…].
: Nur Feuchtes fault. Durch die Brille einer fragwürdigen Übersetzung: Nagib Machfus’ Roman „Der Rausch“. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Literatur
Als zusätzliche Belastung der Lesefreundlichkeit erweist sich die Unterwerfung unter die Rechtschreib­reform. Durch die neue Sprach­bürokratie entsteht eine lächerliche Zweideutigkeit: „Was ist bloß los mit euch verheirateten Männern, ihr gebt den allein Stehenden keine Chance.“ Entweder gebe man den allein Stehenden Stühle oder stelle sie zumindest etwas näher zueinander! […] Jedes literarische Werk muss vielmehr als Maßstab verstanden werden können und jeder Verlag eine feste Burg zu sein trachten gegen den Verfall des sprachlichen Ausdrucks, zu dessen Zeichen die Rechtschreib­reform gehört, die unsere eigenen Literaten verdammen, der aber die fremd­sprachigen unterworfen werden.

24. 1. 2004

: Keine Chronik ohne einen Lektor. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Freising, , s. R4
„Die nächste Rechtschreib­reform wird das Werk des Lektors überflüssig machen.“ Mit dieser Prognose warb Karl-Heinz Zenker (FW) im Gemeinderat für einen Antrag des Arbeits­kreises „175 Jahre Hallbergmoos“: Die Entscheidung, für die Orts­chronik einen Lektor zu bemühen, sollte aufgehoben werden.

23. 1. 2004

: Aktuelles Lexikon. Goethe-Institut. Süddeutsche Zeitung, , s. 2, Themen des Tages
Die Pflege der deutschen Sprache im Ausland – das ist die Aufgabe des Goethe-Instituts. Keine leichte Aufgabe, hat das Deutsche doch den Ruf, besonders unpraktisch zu sein. Die Rechtschreib­reform hat daran wenig geändert.

22. 1. 2004

: Nie wieder Zahlendreher? , , Wissen
Im Deutschen werden Zahlen anders gesprochen, als sie geschrieben werden. Ein Bochumer Mathemati­ker will das ändern. Die Empörung war schon da, bevor der Vorschlag überhaupt aus­gesprochen war […]. Paulwitz witterte Gefahr: "Es wäre für die deutsche Sprache nur schwer zu ver­kraften, nach dem Rechtschreib­chaos jetzt auch noch ein solches Aussprache­chaos zu schaffen!"

17. 1. 2004

: Propagandamärchen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 14, s. 9, Briefe an die Herausgeber (512 wörter)
Das bayerische Kultusministerium wirft den protestierenden Lehrern bezüglich des achtklassigen Gymnasiums (G 8) Desinformation vor. Leider ist es umgekehrt. Ich erinnere an die Einführung der Rechtschreib­reform. Da machte das Ministerium der Öffentlichkeit weis — und viele haben es geglaubt —, die Rechtschreib­fehler der Schüler würden nach Ein­führung der Reform um 50 Prozent zurückgehen. Das war Propaganda.

16. 1. 2004

: Besinnt euch! Preis für Reiner Kunzes Rechtschreibkritik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 13, s. 31, Feuilleton (133 wörter)
Der Schriftsteller Reiner Kunze ist in diesem Jahr einer der beiden Preisträger der Schweizer "Stiftung für Abendländische Besinnung". […] Kunze wird nach Angaben der Stiftung "für seinen Einsatz gegen die Unvernunft der Eingriffe in Sprache und Recht­schreibung" aus­gezeichnet und für seine "ebenso wert­vollen wie notwendigen Bemühungen im Umgang mit unserer Sprache und ihrer Schreibweise".
: Weite Wege zu weißer Pracht. Sächsische Zeitung, , Görlitz
Jedenfalls meldete Oybin gestern „keine Wintersportmöglichkeiten bei 20 cm Nassschnee“. Dank der Rechtschreib­reform übrigens wieder ein tolles Wort mit drei s: Nassschnee!

7. 1. 2004

: Autoren fordern «Auszeit» für Reform. St. Galler Tagblatt, (217 wörter)
Weitere knapp hundert Jahre später wird Dudens Werk immer lauter nachgetrauert. Der umstrittenen Reform der Recht­schreibung hat sich unlängst auch die Zeitschrift «Schweizer Monatshefte» gewidmet. Sie argumentiert unter der Regie des St. Galler Reformgegners Stefan Stirnemann durchwegs reform­kritisch.

3. 1. 2004

: So ist's recht. (Deutsche Welle), , Kultur
Niemand, der mit der deutschen Sprache zu tun hat, kommt am Duden vorbei. Pünktlich zum 175. Geburtstag seines Namens­gebers, Konrad Duden, am 3. Januar 2004 flammt eine alte Debatte wieder auf: Wie schreibt man richtig? […] Und wie zu Dudens Zeiten wird heftig gestritten über die Sprache - insbesondere seit der Einführung der Rechtschreib­reform 1998. "Kein schöneres Geburtstags­geschenk könnten wir Konrad Duden machen, als das Rechtschreib­chaos wieder zu beenden", erklärte der Schrift­leiter der Zeitung "Deutsche Sprachwelt", Thomas Paulwitz.
: Sprachverfall. Deutsche Linguistentagung in Rom. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 2, s. 32, Feuilleton
Die Universität "La Sapienza", das Istituto Italiano di Studi Germanici und die Casa di Goethe veranstalten am 6. und 7. Februar gemeinsam einen Kongreß, bei dem es auch um den ver­meintlichen Verfall der deutschen Sprache und die inkriminierte Rechtschreib­reform gehen soll.

1. 2004

: Duden – Namensgeber für ein Rechtschreibwerk. Konrad Duden zum 175. Geburtstag. Die deutsche Schrift (), , nr. 1, s. 3 bis 5
Wie Konrad Duden zu einer heutigen Rechtschreib­reform stünde, kann man nicht sagen. Gewiß ist allerdings, daß sich der „Vater der deutschen Einheits­schreibung“ mit den derzeit als Folge der „Reform“ zahlreich vorhandenen Haus­orthographien nicht anfreunden könnte.

Abgesehen davon, dass man wirklich nicht sagen kann, wie 175-jährige zum heute üblichen stehen, gibt und gab es hausortografien nicht nur wegen der reform.

: Zeitbombe Rechtschreib-„Reform“. Presseerklärung des Vereins „Lebendige deutsche Sprache“ vom 6. Januar 2004. Die deutsche Schrift (), , nr. 1, s. 12f.
Wie die erste Vorsitzende des Sprachvereins „Lebendige deutsche Sprache e.V.", Claudia Ludwig, durch unfassende Nach­forschungen herausfand, sind die Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung für die Kinder nicht zu erlernen. […] Und so müssen die Lehrer nun schlüssig erklären, warum „Kuss, Schluss, groß" und „Straße" den Regeln folgen, „was, bis, plus, Los, Mus“ oder „Preis“ aber nicht. Das können die Lehrer nicht, und deshalb können die Kinder nicht mehr richtig schreiben lernen, wie sehr sie sich auch anstrengen mögen. So steht immer häufiger in den Heften: wass, biss, Zeugniss … […] „Jeder, der einen inten­siveren Blick in das Regelwerk der neuen deutschen Recht­schreibung geworfen hat, ist entsetzt zur alten Recht­schreibung zurückgekehrt." Nur den Kindern lasse man keine Wahl. Die müßten sich jetzt mit dem völlig un­verständlichen, chaotischen und nicht lernbaren Machwerk der Reformer herumplagen.

Und wie haben die lehrer früher erklärt, warum „was, bis, plus, Los, Mus“ oder „Preis“ der regel nicht folgten, dass man also nicht „waß, biß, pluß, Loß, Muß“ oder „Preiß“ (und „Zeugniß“) schrieb? An der erklärung hat sich nichts geändert!