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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 2019
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Aus presse und internet

9. 6. 2019

neu : Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise. , , Kultur (1499 wörter)
Die alte Wendung »heute früh« lautet re­formiert „heute Früh“. Soll man also auch schreiben: „heute ganz Früh“?

Im reform­duden von 1996 steht nur «heute früh». 2017 heisst es «heute früh, bes. österr. auch heute Früh», weil es ein stichwort «Früh, die» gibt: «südd., österr. für Frühe».

Stellungnahme.

6. 6. 2019

neu : Deutsche haben immer noch Probleme mit neuer Rechtschreibung. , , Zeitfragen
Die Deutschen haben 23 Jahre nach der Rechtschreib­reform von 1996 immer noch Schwierig­keiten mit Recht­schreibung und Zeichen­setzung. Das zeigt eine Auswertung von tele­fonischen und schrift­lichen Sprach­anfragen der letzten 30 Jahre, die die Gesell­schaft für deutsche Sprache (GfdS) Ende des letzten Jahres durch­führte.

23. 5. 2019

neu : Die ewigen Entwicklungshelfer. Mannheimer Morgen, , s. 2, Politik, Kommentar
Rund 238 000 Fälle sind in Karlsruhe seit Gründung gelandet. Die meisten werden innerhalb eines Jahres erledigt und sind Verfassungs­beschwerden. Damit wird die Rechtmäßig­keit von Gesetzen geprüft, bestätigt oder verworfen. Wie prägend die Ent­scheidungen aus Karlsruhe sind, zeigt sich an vielen weiteren Beispielen. […] Oder die Rechtschreib­reform, die Ende der 1990er Jahre Gegner rückgängig machen wollten und das Bundesverfassungs­gericht anriefen – erfolglos.

20. 5. 2019

neu : Volksentscheide in Schleswig-Holstein. (Kieler Nachrichten), , Schleswig-Holstein
Ist eine Volks­initiative zulässig, dann darf ein Volks­begehren beantragt werden. Gibt es für das Volks­begehren genügend gültige Unterschriften von Bürgern, findet ein Volksentscheid statt. […] Das Volks­begehren "Rettet die Polizei-Reiterstaffel Schleswig-Holstein" erreichte 1996/7 nicht genügend gültige Unterschriften. […] Anders beim Volks­begehren "WIR gegen die Rechtschreib­reform" 1997/8: Die Beteiligung war groß und beim anschließenden Volks­entscheid votierte die Mehrheit gegen die Rechtschreib­reform. Daraufhin wurde das Schulgesetz geändert. Doch schon ein Jahr später wurde das durch Landtags­beschluss wieder rückgängig gemacht und die „neue“ Rechtschreibung auch in Schleswig-Hol­stein eingeführt.

29. 4. 2019

neu : Analphabeten in Deutschland. Autokraten schätzen keine Schriftgelehrten. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton, Hoch/Schule
In Deutschland und anderen europäischen Ländern laufen Programme zur Förderung der Literalität […]. Dass die Schreib- und Lese­kompetenz gleichwohl oft nicht ausreicht, hat viele Ursachen. Große Klassen und Viel­sprachigkeit in den Schulen gehören dazu, aber ebenfalls Lehr­methoden, die auf dem Irrtum beruhen, anspruchs­volle Kultur­techniken wie Lesen und Schreiben könnten rein spielerisch und ohne systematisches Training erworben werden.

26. 4. 2019

neu : Die Genderfrage ist in der Phonetik angekommen. , , Panorama, Zeitgeist
Seit Kurzem hört man in der gender­gerechten Sprache einen Laut, den es an dieser Stelle bisher noch nicht gab: Es ist der stimmlose glottale Plosiv. […] Nehmen wir das Französische: Wenn dort zwei Vokale aufeinander­treffen, die nicht in einem Laut aus­gesprochen werden sollen, markiert man das, indem man den zweiten Vokal mit zwei Punkten versieht, dem so­genannten Trema. Dass also das "a" und das "i" in "naïve" getrennt gesprochen werden und nicht wie in "Flair", erkennt man an den zwei Punkten über dem i. Das ließe sich nun leicht ins Deutsche übertragen, um den glottalen Plosiv zu markieren, für den es im Deutschen noch kein Schrift­zeichen gibt. Das wäre dann nicht nur linguistisch begründbar, sondern auch ästhetisch ein erheblicher Gewinn: Künstlerïnnen. Redakteurïnnen. Seglerïnnen.

24. 4. 2019

neu : Lehrmethoden: Fehler sollen wieder korrigiert werden. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Inland
„Lesen durch Schreiben“ ist hoch um­stritten. […] Nur der reform­pädagogischen Methode die Schuld für mangelnde Rechtschreib­kenntnisse anzulasten, wäre zu kurz gesprungen. Schon in den siebziger Jahren haben hessische Rahmen­lehrpläne die Regeln der Ortho­graphie nur unter der Perspektive gelehrt, dass sie kritisiert werden müssen. […] Schließlich gibt es auch immer mehr Menschen, die glauben, die Ortho­graphie werde schon von den Rechtschreib­programmen der Computer erledigt. […] Es kamen also mehrere Neuerungen zusammen, die das Rechtschreib­desaster gefördert haben.
neu : Streit um “Lesen durch Schreiben”: Kritiker der Methode räumen nun ein, dass Probleme mit dem Rechtschreiben daher kaum rühren können. , , Titelthema
Auch Bildungs­forscher Hans Brügel­mann sieht viele Ursachen des Rechtschreib­dramas. «Seit Jahr­zehnten wird über die Rechtschreib­katastrophe geklagt», sagt er. «Schon frühere Studien haben immer wieder schlechte Rechtschreib­leistungen erbracht.» Relativieren will Brügel­mann nichts. «Aber die Illusion, wenn wir wieder so unter­richten würden wie früher, dann hätten wir das Problem nicht, die müssen wir uns ab­schminken.»

22. 4. 2019

neu : „Das Gendersternchen ist nicht die richtige Lösung.“ , , Hauptsache: Gendern
Die Linguistin Luise F. Pusch forscht seit 40 Jahren zu geschlechter­gerechter Sprache. […] Luise F. Pusch: […] das Gender­sternchen ist nicht die richtige Lösung. Mein Kompromiss­vorschlag ist, dass wir den Gender­stern auf das kleine i setzen. Das löst alle Probleme: Das Wort hat immer noch eine weibliche Anmutung, das Sternchen ist da, zerreißt aber nichts. Ein i mit Stern gibt es auf den Tastaturen noch nicht, aber wir haben auch das @-Zeichen irgendwann auf die Tastaturen bekommen. Als Übergangs­lösung habe ich das Ausrufe­zeichen vor­geschlagen, anstelle des großen I, wie bei der Sängerin P!nk. Ich finde, das ist eine sehr praktische Lösung.

16. 4. 2019

: Deutschstunde: Treueeid auf die Bioeier aus den Donauauen. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Treffen drei gleiche Kon­sonanten aufeinander, so fällt keiner von ihnen weg: Schifffahrt, Schlossstadt, Bal­letttrup­pe, Aus­puffflamme, Sauer­stoffflasche, fetttrie­fend oder helllila. Bevor Sie nun auf diese Er­rungen­schaft der Rechtschreib­reform schimpfen wollen, sei gewarnt: Vier dieser sieben Beispiele schrieb man bereits vor der Reform so – amtlich, korrekt und dreifach.

9. 4. 2019

: Auf der Suche nach dem verlorenen h. Berner Zeitung, ausgabe Burgdorf und Emmental, , s. 3, Region (940 wörter)
«Kommt in’s Emmenthal» – der Titel der neuen Sonder­ausstellung im Langnauer Regional­museum Chüechli­hus brachte die Frage wieder einmal aufs Tapet: Wann und warum hat das Emmental sein h ver­loren? […] «Vor oder nach der Jahrhundert­wende gab es eine Rechtschreib­reform, bei der das h abgeschafft wurde.»

4. 4. 2019

: Gender-Sprache. Neue Zürcher Zeitung, , 240. jg., nr. 79, s. 11, Zuschriften
Plötzlich neu auf­gezwungene Regeln können wir zum Teil nicht begreifen, und wir bleiben des­halb bei der alther­gebrachten Sprech- und Schreib­weise. Ein Beispiel: Seit zwei Jahr­zehnten soll man nach Duden «auf­wändig» sprechen und schreiben und nicht «auf­wendig». […] Also, ich schreibe weiterhin «aufwendig» – die NZZ ist auch dieser Meinung.

Aha, die sache ist doch nicht auf­gezwungen. Dazu passt, sich mit einer «alther­gebrachten Sprech­weise» zu blamieren.

: Le français goes féminin. Die Académie française wacht seit 400 Jahren über das Französische – und begleitet dessen Sprachwandel. Neue Zürcher Zeitung, , 240. jg., nr. 79, s. 40, Feuilleton
Zudem muss die Académie française zur Kenntnis nehmen, dass just in dem Augen­blick, da sie ihren Wort­schatz dem Internet anvertraut, dieses zum neuen Gegner der französi­schen Ortho­graphie wird. […] Ausser­dem hat das Befragungs­unternehmen Opinion Way – schon wieder ein un­erwünschter englischer Begriff – heraus­gefunden, dass die Generation der unter Dreissig­jährigen, die mit SMS, Internet und sozialen Netzwerken aufgewachsen ist, Schaden an ihren Orthographie­kenntnissen genommen hat. Dreissig Prozent von ihnen gestehen ein, dass sie Schwierig­keiten mit der korrekten Schreib­weise der Wörter und Sätze haben und dass diese Schwäche «ein Hindernis bei der Entwicklung ihrer Karriere» sein kann.
Das „s“ am Haken. Mitteldeutsche Zeitung, , s. 7, SaaleKurier (122 wörter)
Das Genitiv-S mit Apostroph war auch im Deutschen bis 1901 geduldet, nach einer Recht­schreib­reform dann ver­boten. Bis 1996: Seitdem ist es in Einzel­fällen sogar erlaubt.

2. 4. 2019

: Ü-Pünktchen bleiben Zürich erhalten. Angebliche Abschaffung des Umlauts ist bloss ein Aprilscherz. Neue Zürcher Zeitung, , 240. jg., nr. 77, s. 19, Zürich und Region
Es ist wahr, dass Zürich in diversen Zusammen­hängen um seine ü-Pünktchen gebracht wird: Das geschieht etwa, wenn das Zurich Film Festival, die Greater Zurich Area und andere Anlässe sowie Organi­sationen sich einen welt­läufigen Anstrich geben wollen. Zum Glück sind wir aber (noch) nicht so weit, dass die Behörden den Umlaut ganz aus­radieren möchten […].

1. 4. 2019

: Es droht ein Umlaut-Massaker. Zürich soll ü-Pünktchen verlieren. Neue Zürcher Zeitung, , 240. jg., nr. 76, s. 15, Zürich und Region
Die im Präsidial­departement angesiedelte Abteilung Stadt­entwicklung will auf Antrag der Standort- und der Tourismus­förderer in allen amtlichen Dokumenten, Publikationen – nach innen wie aussen – und Be­schilderungen einzig noch die Schreibung «Zurich» akzeptieren. Nur so könne man sich im globalen Kontext als Brand po­sitionieren, heisst es dazu in einem internen Papier.

4. 2019

: Sind fiele Feler schädlich? NZZ-Folio, , nr. 333, s. 32 bis 36, Thema: Die Leser (2412 wörter)
Es tobt ein Krieg um die Methode, wie Kinder in der Schule lesen und schreiben lernen sollen. […] Wollte man wirklich nach Ursachen für Rechtschreib­schwäche fragen, kämen andere Faktoren zuerst in Betracht: Lehrer­mangel, Lehrer­ausbildung, Aufgaben­zuwachs der Schulen, Geld. Ihren Teil trug sicher auch die Rechtschreib­reform mit «alter­nativen Schreib­weisen» bei. […] Es wundert einen in dieser zugigen Diskussion dann nicht mehr, dass noch nicht einmal erwiesen ist, ob es überhaupt eine Rechtschreib­katastrophe gebe.

Ein faktor wäre da noch: die reformbedürftige rechtschreibung; stellungnahme.

31. 3. 2019

: Es geht um den Sprachfluss. Kölner Stadt-Anzeiger, , s. 3, Thema des Tages
Die Argumente finden sich gebündelt im Aufruf: „Die sogenannte gender­gerechte Sprache beruht erstens auf einem Generalirrtum […]. Und viertens ist sie auch kein Beitrag zur Besser­stellung der Frau in der Gesellschaft.“ […] Kein Wunder: Einer der Initiatoren ist der große Journalistenlehrer Wolf Schneider. Allerdings hat die Rechtschreib­reform gezeigt, dass Aufrufe Sprache nicht regulieren können.

28. 3. 2019

: Kleines Komma, große Wirkung. Drei Grundregeln reichen, um Kommas richtig setzen zu können – meint Christina Noack. Neue Osnabrücker Zeitung, , 52. jg., nr. 74, s. 28, Kultur
Kommas […] sind nicht einfach nur Schikane. Sie helfen dabei, einen Satz lesbarer zu machen und Miss­verständnisse zu vermeiden. […] Dennoch tun sich Kinder, Erwachsene und sogar Studien­anfänger für das Lehramt laut einer Studie von 2016 oft schwer mit der Komma­setzung, machen dabei mehr Fehler als auf anderen Feldern der Rechtschreibung. Die Rechtschreib­reform mit ihrer merk­würdigen Toleranz hat noch dazu bei­getragen.
: Der Krieg gegen die Sprache zeugt vom Chaos in den Köpfen. Die Presse, , nr. 21872, s. 31, Debatte, Quergeschrieben (628 wörter)
Ein Schelm hingegen ist der irakische Schriftsteller Abbas Khider. Er lebt seit 19 Jahren in Deutschland und beherrscht die deutsche Sprache so perfekt, dass er sich eine migranten­kompatible Rundum­vereinfachung aus­gedacht hat („Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch”, Hanser 2019). Das sieht dann so aus: „Ali Baba ist sehr glucklich, weil er kann verzichten jetzt auf de Verb an de Ende von de Nebensatz.” Scherz, Satire, Ironie oder tiefere Bedeutung? […] In den 1990er-Jahren wurde die sinnlose Rechtschreib­reform mit dem Argument oktroyiert, die Schüler machten zu viele Fehler. Kommt man uns bald damit, dass Deutsch für die Zuwanderer zu schwer ist?

26. 3. 2019

: "Ich finde die Auslassungspunkte am tollsten." , , Kultur
Macht das Online-Kommunikations­verhalten die Zeichen­setzung kaputt? Nein, meint der Linguist Jannis Androutso­poulos, im Gegen­teil: Es ent­stehen neue Regeln. […] Die Leute schreiben in der Schule so, wie sie das dort lernen. Daneben eignen sie sich aber für ihre Freizeit neue Kon­ventionen an. […] Wir haben im vernetzten Schreiben diese un­glaubliche Freiheit, experimentell zu schreiben und Er­wartungen zu durch­brechen.

Zum beispiel die unbegründete erwartung, dass substantive gross geschrieben werden.

20. 3. 2019

: Gendergerechte Sprache: "Es muss nicht die eine Lösung für alle geben." , , Praxis, Verlage
Die Leiterin der Duden-Redaktion, Kathrin Kunkel-Ratzum [Kathrin Kunkel-Razum], be­kommt täglich Anfragen von Unter­nehmen und Behörden, wie denn nun richtig ge­gendert wird. [… Kunkel-Razum:] Ich bin seit 22 Jahren in der Duden-Reaktion, eine dermaßen große Empörung erlebe ich nun – nach der Reform der Recht­schreibung – zum zweiten Mal. Natürlich freuen mich als Linguistin die vielen Dis­kussionen über Sprache, aber die Aggression, mit der diskutiert wird, finde ich verstörend.
: Rolf Waldvogel liest im Seniorentreff. Schwäbische Zeitung, , s. 19, Friedrichshafen (108 wörter)
Seit 2006 befasst sich Waldvogel […] in seinen wöchentli­chen „Sprach­plaudereien“ auf der Kultur­seite mit Fragen rund um die deutsche Sprache. Dabei geht er zum einen auf Grammatik oder Orthografie ein und streift die Folgen der Rechtschreib­reform. Zum anderen widmet er sich dem Bedeutungs­wandel, dem Sprache unterliegt.

18. 3. 2019

: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. , , Politisches Feuilleton
Studierende, BürgerInnen, Journalistixs und Facebook­nutzer*innen: Viele halten solche neue Schreib­weisen für Sprach­verhunzung. Alles halb so schlimm […]: Sprache hat sich im Lauf der Zeit schon immer gewandelt. […] Denn die Vorstellung, was zu einer Sprache passt und was nicht, ist hochgradig variabel. […] Ferner wurde unser ästhetisches Empfinden in der Vergangen­heit immer wieder von Rechtschreib­reformen herausgefordert – und verändert: Heute schreibt man Schifffahrt mit drei fff. Das wurde zunächst als sehr hässlich empfunden. Das große Eszett […] sieht nach Ansicht vieler Bundes­bürger ebenfalls sehr hässlich aus.

16. 3. 2019

: Auf in die Geschlechtslosigkeit. Masüger sagts. Südostschweiz am Wochenende, , s. 20, Region
Der deutsche Rechtschreib­rat will noch eine «Erprobungs­phase» abwarten, bis er diesen Stern ver­bindlich vorschreibt. Nach der krass in die Hosen gegangenen Rechtschreib­reform der letzten Jahre will er nun beim Gender-Thema Punkte beziehungs­weise Sternchen holen. […] Wie geht es wohl weiter? Mit einem Verbot von männlichen, weiblichen und sächlichen Artikeln in der deutschen Sprache? (Der deutsche Rechtschreib­rat wäre auch dazu fähig.)

14. 3. 2019

: Von Bäckern, Lehrerinnen und Flüchtlingen. Süddeutsche Zeitung (), , 75. jg., nr. 62, s. 11, Feuilleton
Als Eduard Engel, amtlicher Stenograf im Berliner Reichstag, im Jahr 1917 das Büchlein „Sprich Deutsch! Zum Hilfs­dienst am Vaterland“ ver­öffentlichte, war die Reinigung der Sprache von ihren romanischen Anteilen zu einem politischen Programm geworden […]. Von allen Versuchen, die deutsche Sprache einem ent­schlossen politischen Programm zu unter­werfen, war ihre „Ent­welschung“ bis vor Kurzem ein Unter­nehmen, das in Umfang und Intensität einzig­artig war (die Rechtschreib­reform gründete auf einer Fantasie von Rationali­sierung).

12. 3. 2019

: Der Schwachpunkt der selbsternannten Sprachwächter. (SZ-Magazin) , , Politik
Erstaunlich dabei ist: das Un­vermögen der Deutsch­beschützer*innen, ihrer eigenen Sprache Schönheit zu schenken. Im Grunde fing es menetekel­haft an, als Martin Walser sich im Oktober 1996 im Spiegel beim Protest gegen die Rechtschreib­reform in einem Sweat­shirt mit der Auf­schrift »Hodge Podge Fuerte« foto­grafieren ließ. Wer solch austausch­baren Wortmüll bis an seinen Körper lässt und ihn froh und ungeniert vor einem Millionen­publikum spazieren­trägt, liebt womöglich nicht Sprache, sondern erstens keine Veränderung und zweitens sich selbst in der Pose dessen, der diese Ver­änderung aufhält.

10. 3. 2019

: "Kein Verlottern der Sprache." , , Wissen
In den sozialen Medien wird ohne Punkt, Komma und Konventionen ge­schrieben. Trotzdem sei die Schrift­sprache nicht bedroht, sagt ein führender Sprach­forscher.

9. 3. 2019

: Die Debattenkultur steht unter keinem guten Gender*stern. Augsburger Allgemeine (), , s. 2, Meinung & Dialog, Leitartikel
Die Geschlechter­frage polarisiert. […] Es ist einfach, nahe­liegend und billig, sich in der Gender­debatte kopf­schüttelnd zu mokieren. […] Es könnte also diskutiert werden – zur Sprache haben schließlich alle etwas zu sagen, weil jeder damit klar­kommen will und muss. Wir wissen das spätestens seit den Schar­mützeln um die Rechtschreib­reform. Seither schreibt Deutsch­land übrigens divers.

8. 3. 2019

: Der Stern des Anstoßes. Hannoversche Allgemeine (), , s. 2 bis 3, Blick in die Zeit
Mit dem Asterisk* wollen Gender­aktivisten die Sprache auch für Geschlechter jenseits von Mann und Frau öffnen. Das schürt Grund­ängste um Identität und Freiheit. […] Die Sprache ist ein lebendiger Organismus. […] Jeder Eingriff in die Sprache kommt einem gefühlten Eingriff in die Freiheit gleich. Linguisten vergleichen Sprachen gern mit einem Wasser­strom, der sich stets dem Lauf der Dinge anpasst. Wer hier eingreift, will ideologischer Schleusen­wärter des Deutschen sein. Das ging zuletzt bei der Rechtschreib­reform schief. Deren Folgen sind ver­heerend: Aus­nahmen, Un­sicherheit, verwirrte Schüler.

Gewiss ist die sprache ein «lebendiger Organismus». Die rechtschreibung ist aber seit 1902 ein amtlicher organismus, und einigermassen lebendig ist er nur, wenn die, die ihn in kraft setzten, ihn wenigstens alle 100 jahre ein bisschen ändern dürfen.

21. 2. 2019

: Die Ersatzreligion der sprachlichen Anbiederung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 44, s. 7, Bildungswelten
Die Stadt Hannover hat auch dem Wort "Wort" eine neue Bedeutung gegeben. Ein Wort war bisher dadurch definiert, dass es durch Leer­stellen von seinen Nachbar­wörtern getrennt und dadurch identifizier­bar war. Innerhalb eines ge­schriebenen Wortes hatten Zeichen, die nicht zu seinem Buchstaben­bestand gehören, nichts zu suchen. Die amtliche Recht­schreibung lässt nur zu, dass innerhalb von Wörtern Klammern oder Schräg­striche verwendet werden dürfen (Förster(in), Förster/in). Das Binnen-I und der "Gender­stern" (FörsterIn, Förster*in) verstoßen gegen diese Regel.

20. 2. 2019

: Ludwig Boltzmann und das Ende der alten Physik. Der Standard, , s. 14, Forschung spezial
Vor 175 Jahren wurde mit Ludwig Boltzmann einer der bedeutendsten öster­reichischen Physiker geboren. […] Boltzmann war ein Universal­interessierter, neben den Natur­wissenschaften und der Philosophie widmete er sich auch begeistert der Literatur und Musik. Er verehrte Schillers Werke und nutzte, ganz seiner streitbaren Natur ent­sprechend, seine eigenen Schriften, um gegen die Rechtschreib­reform von 1901 zu protestieren, die eine gemeinsame Ortho­grafie aller deutsch­sprachigen Staaten festgelegt hatte: „durch schiller bin ich geworden, one in könnte es einen mann mit gleicher bart- und nasenform wi ich, aber nimals mich geben.“

19. 2. 2019

: Deutschstunde: Irgendwann stößt jede Zeile an ihr Ende. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Nehmen wir die kurzen deutschen Wörter hin und über, die eigent­lich auch ein Schüler ohne Mühe erkennen und also als hin-über trennen könnte – könnte, aber schon zu Groß­vaters Zeiten selten tat. Es hagelte Fehler im Diktat, sodass die Reformer auch die Trennung nach Sprech­silben erlaubten: hi-nüber, was mir noch immer einen ortho­grafischen Schock versetzt […].
Moderatorin Barbara Schöneberger nimmt es mit Rechtschreibung genau. Berliner Morgenpost, , s. 24, Stadtleben & Stil (64 wörter)
„Ich bin ein extremer Ortho­grafie-Freak, ich breche den Kontakt ab zu Leuten, die ‚das‘ und ‚dass‘ nicht unter­scheiden können […]“

15. 2. 2019

: Klassik und Krise. Der Historiker Christian Meier wird neunzig und arbeitet weiter. Süddeutsche Zeitung, , 75. jg., nr. 39, s. 13, Feuilleton
Als Präsident der Deut­schen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt stritt er aus Über­zeugung und mit Lust gegen die ver­murkste Rechtschreib­reform.

14. 2. 2019

: Diese Wörter schreiben auch Sie mit Sicherheit falsch - Duden-Quiz, Folge 1. , , Leben, Karriere
Auch im Joballtag können Rechtschreib­fehler ganz schön peinlich werden - erst Recht, wenn sich Fehler in wichtige Kunden­unterlagen einschleichen.
: Täuschen mit Ross und Rose. Südwest Presse, , 75. jg., nr. 38, s. 6, Südwestumschau
[…] harsche Kritik. Die brachte kürzlich Bernd Gögel vor, Fraktions­chef der Landtags-AfD. Er hat Grün-Schwarz „politische Roß­täuscherei“ vorgeworfen. […] Er meinte das „Ross“, das bis zur Rechtschreib­reform mit Eszett daher­ritt.

13. 2. 2019

: Zur Sache: Alle wollen mitreden. St. Galler Tagblatt (), , s. 2 (239 wörter)
Wenn es um Sprache geht, wird es schnell laut. Alle können mitreden. Dabei muss es gar nicht um geschlechts­neutrale Begriffe gehen. Das zeigt das Beispiel der Rechtschreib­reform, wo jedes Komma einen Streit auslöste.
: 14 Wörter, die wirklich jeder falsch schreibt - Sie auch? , , Leben, Karriere
Schließlich kann die richtige Recht­schreibung ganz schön schwierig sein - und spätestens seit der letzten Rechtschreib­reform ist bei vielen vollends der Wurm drin.

6. 2. 2019

: Zwischenruf aus Berlin: Blick zurück nach vorn. Stern, , s. 16, Kolumne
Zwei Jahrzehnte will sich Deutschland Zeit nehmen für den Ausstieg aus der Kohle. […] Ist der deutsche Ausstieg aus der Kohle bis Ende 2038 am­bitioniert oder mutlos? […] Ein Blick zurück mag helfen bei der Vermessung der Strecke, die so ratlos macht – ein Blick aufs Jahr 1998. Gerhard Schröder wird Kanzler […]. Die Rechtschreib­reform tritt in Kraft.

31. 1. 2019

: Erst jetzt sind die Brüder Grimm wirklich beerdigt. , , Kultur
Es wird kein Grimm’sches Wörterbuch fürs 21. Jahrhundert geben. Nun soll ein Zentrum für digitale Lexiko­graphie den deutschen Wortschatz beschreiben. […] Begraben wurde die Idee, irgendwas von Glanz und Größenwahn, Romantik und Traum der Germanistik des 19. Jahr­hunderts ließe sich ins neue Jahr­tausend retten. Erloschen scheint das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine, wenn auch kosten­günstig verzwergte und optimierte Fort­setzung des „Deutschen Wörter­buchs“ der Brüder Grimm. […] Seitdem gab es immer Gerüchte, Versprechen und wohl auch ernsthaftes Bemühen, einen „Grimm 21“ zu schaffen. […] Denn niemand glaubt, dass es zwischen dem jahrhunderte­langen Weiter­arbeiten im alten Stil und Tempo – das jetzt der Chef­wortforscher der Berliner Akademie, Wolfgang Klein, wieder beschwor – und dem totalen Grimm-Exit keinen Mittelweg gegeben hätte.

25. 1. 2019

: Trolls, die gern in Chors singen. Der Bund (), , s. 10, Meinungen, Sprachlupe
Den Babys und den Ladys hängen wir seit der Rechtschreib­reform einfach -s an, obwohl der engli­sche Plural «-ies» ge­schrieben wird.

Seit der rechtschreib­reform? stichwort baby.

24. 1. 2019

: Liebe Hannoveraner*innen. Süddeutsche Zeitung (), , s. 8, Panorama
An die Sternchen werde man sich gewöhnen wie an Euro-Zeichen oder Smileys, glaubt Gabriele Diewald, „das ist ein komplexer Prozess, wie alle sozialen Prozesse“. Siehe Rechtschreib­reform oder das Innen à la Kolleg Innen.

23. 1. 2019

: "Rechtschreibung ist nicht so wichtig." (Südwestrundfunk), , Wissen
In der Schule spielt Ortho­grafie eine wichtige Rolle: Kinder sollen richtig schreiben. Muss das wirklich sein? Der Anglist Dr. Werner Schäfer hat sich darüber Gedanken gemacht.

22. 1. 2019

: Die Sterndeuter. Hannoversche Allgemeine, , s. 25, Kultur & Leben
Man(n) kann verstehen, wenn Frauen es leid sind, sprachlich unter­repräsentiert zu sein. Als Ausdruck davon galt seit den Achtzigern das Binnen-I („Oberbürger­meisterInnen“). […] Es hat sich dann ja auch nicht durchgesetzt. Was man in zehn oder zwanzig Jahren hoffentlich auch vom Gender­sternchen sagen wird. […] Der sinnigste Umgang mit Sprache ist ein behutsamer, der ihr mehr folgt, als dass er ihr Wege vorgibt. Wie furchtbar gerade politisch motivierte Eingriffe ver­laufen können, hat die letzte Rechtschreib­reform gezeigt, die diverse Male nach­justiert werden musste und heute mehr aus Erschöpfung über die endlosen Debatten als aus Über­zeugung akzeptiert wird – und um den Preis, dass wir eine heillos zer­splitterte Schrift­sprache haben. Jeder Verlag verwendet seine eigenen Regeln, und der Duden ist aufgrund der Ausnahmen anderthalbmal so dick wie zuvor.

12. 1. 2019

: Mein Name ist Hase! Hamburger Abendblatt, , s. 17 bis 19, Titelthema
Rolf-Bernhard Essig hat zahlreiche Bücher über Sprichwörter und Redens­arten geschrieben. […] Was ihn umtreibt, ist auch die Sorge. „Unsere Sprache verkümmert zweifellos.“ Vor allem die korrekte, gute Sprache verschwinde nach und nach. „Zeitungen, Medien, Theater, Politiker, Lehrer, Beamte, so gut wie der ganze offizielle Bereich bemühte sich bis vor etwa 20, 30 Jahren darum, richtiges Deutsch zu verwenden“, sagt er. „Längst aber hat sich eine […] anbiedernde Lässigkeit auch dort eingebürgert […]. Hier fehlt etwas, das ich als Zone produktiver Kontraste zwischen Straßen­jargon und Hochsprache sehe, und das führt wirklich zu einer Unklarheit, Verwässerung, Un­deutlichkeit im Deutschen – viel mehr als jede Rechtschreib­reform.“

10. 1. 2019

: Von wegen amtlich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 8, s. 6, Bildungswelten (1590 wörter)
Der Duden folgt oft nicht mehr offi­ziellen Regelungen, sondern weicht viel zu häufig davon ab und pflegt eine eigene Duden-Schreibung, was seine Brauchbar­keit einengt. […] Die Grünen können so viele Gender­sterne, Unter­striche und Binnen-Is verwenden, wie sie möchten. Dasselbe gilt für die Heinrich-Böll-Stiftung, die "taz", Bayern München, die Evangeli­sche Kirche in Deutsch­land (EKD), den ADAC oder die SPD. Alle vergreifen sich damit aller­dings an der Einheits­orthographie. Nicht verwenden dürfen solche Gebilde die Gleichstellungs­beauftragten öffentlicher Ein­richtungen, Bundes­behörden, Lehrer und Schüler öffentlicher Schulen, die DFG, die ARD oder die KMK sowie der Senat von Berlin.

Die DFG ist ein verein, die ARD ist eine firma; die dürfen sich vergreifen.

3. 1. 2019

: Bildungsministerin Prien: „Rechtschreibung der Grundschüler ist inakzeptabel.“ , , Hamburg
Zu viele Grundschüler in Schleswig-Holstein haben nach Auffassung von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) Defizite beim Schreiben. „Zu viele Mädchen und Jungen verlassen die Grundschule nach vier Jahren, ohne richtig schreiben zu können – das können wir nicht länger zulassen“, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. […] Ein Schwerpunkt der Maßnahmen ist die Fortbildungsinitiative „Orthographie lehren und lernen an Grundschulen“.

Eine anregung: „Orthografie lehren und lernen.“

2. 1. 2019

: Rechtschreibreformen im Rückblick. , , Blog
Man konnte sich auf Dauer nicht den neuen Regeln verweigern, das war allen Beteiligten bewusst. Recht schnell war klar: Wir würden nicht jegliches Detail umsetzen, das in der neuen Recht­schreibung diskutiert wurde und wovon mittler­weile manches wieder aus den Wörter­büchern ver­schwunden ist.