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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 2021
nachgeführt , 2021-09-29
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Aus presse und internet

2021-10-06

neu : Als «Majonäse» und «Filosofen» die Gemüter erhitzten. 25 Jahre Rechtschreibereform. (Schweizer Radio), , Kultur
Vor 25 Jahren erschien der Duden mit der neuen deutschen Recht­schreibung. […] Die Deutsche Sprache drohte vor die Hunde zu gehen – glaubt man der 1996 erschienen «Frank­furter Erklärung zur Rechtschreibe­reform». […] Manche Änderungen wurden auf­grund des Wider­standes zurück­gezogen. Die Gegner konnten den «Filoso­fen» und die «Majonäse» ver­hindern.

«Filoso­fen» wurden (leider) gar nicht vorgeschlagen (stichwort ph) und «Majonäse» stand 1942 bis 2013 im duden.

neu : Sedlaczek am Mittwoch: Gendern - eine unaufgeregte Zwischenbilanz. , , Glosse
Das Binnen-I, die Gender­sterne, die Unter­striche und die Doppel­punkte im Wort­inneren werden sich nicht durch­setzen. Zu kompli­ziert und auch di­vergierend sind die Lösungs­ansätze.

2021-10-05

neu : 25 Jahre Sprachverhunzung. Ein wehmütiger Rückblick auf die Proteste gegen die Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , 77. jg., nr. 230, s. 9, Feuilleton (959 wörter)
Initiiert wurde die Erklärung vom Weil­heimer Gymnasial­lehrer Friedrich Denk, der die Reform als „Terrorismus durch Orthographie“ bezeichnete, eine Be­zeichnung, die Menschen wie ich jederzeit unter­schreiben würden, aller­dings auch ganz ohne Reform. Wie groß die Proteste waren, wie heftig die Debatten, die in den Feuilletons der Republik aus­getragen wurden, wie ernst­gemeint die Erklärungen in renommierten deutschen Zeitungen, dieses Neu­deutsch niemals ab­zudrucken, wie erbarmungs­los man sich über Sprache streiten kann, all das kann man sich heute fast nicht mehr vor­stellen.

2021-10-02

neu : Deutsch: Schon immer eine Sprache im Werden. Ein neuer Lagebericht zeigt viele Facetten zur Situation an unseren Schulen – und verrät dabei auch den Fehler Nummer eins. Rhein-Zeitung, , s. 30, Kultur (728 wörter)
„Unter historischer Perspektive haben Grund­schüler mit Gymnasial­empfehlung heute einen größeren Wort­schatz und flexiblere Ausdrucks­möglichkeiten, während die Sicherheit in der Rechtschreibung eher zurück­gegangen ist“, sagt Projekt­leiterin Ursula Bredel von der Stiftung Universität Hildes­heim. Der Ludwigsburger Sprach­wissen­schaftler Dirk Betzel hat das genauer untersucht – mit 1000 Texten von Grund­schülern aus Nord­rhein-West­falen von 1972 bis 2012. Der Fehler­quotient bei der Groß­schreibung stieg darin deutlich von 3,1 auf 11,2. Aber Betzel sagt, daraus könne man keine generelle Tendenz zur Ver­schlechterung ableiten, da dies nur eine Facette sei.

2021-09-30

neu : Deutschlands Rechtschreibfehler Nummer eins. Berliner Morgenpost, , s. 27, Ratgeber & Wissen (146 wörter)
Der häufigste Rechtschreib­fehler in Deutsch­land ist das falsche „das“ oder „dass“.
neu : Vernachlässigt, obwohl gut lesbar. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Rhein-Main (1027 wörter)
Über das Erlernen der deutschen Recht­schreibung hat sich der Vorstands­vorsitzende der Stiftung Poly­technischen Ge­sellschaft Gedanken gemacht. Ein Gast­beitrag. […] Liegt es vielleicht an der Rechtschreibung selbst? Ist sie möglicher­weise nur schwer erlernbar? Das würde gut zu dem Vorurteil passen, das viele Deutsch­sprachige selbst gern pflegen […], dass nämlich das Deutsche eine furchtbar schwierige und kaum zu er­lernende Sprache sei. […] Ein Wort zur Getrennt- und Zusammen­schreibung, einem Kapitel, das die un­glückliche Rechtschrei­breform durch weit­gehende Getrennt­schreibung stark ver­einfachen wollte: Auch sie ist über­wiegend ver­nünftig ab­zuleiten. […] Recht­schreibung kann man verstehen. […] Aber auch die Zivil­gesellschaft ist auf­gerufen, hier tätig zu werden. Deshalb hat die Stiftung Poly­technische Gesell­schaft im Jahr 2012 nach französi­schem Vorbild gemeinsam mit der F.A.Z. und weiteren Partnern das Projekt "Deutsch­land schreibt! Der Große Rechtschreib­wettbewerb" ins Leben gerufen.

Dass sich der vorstands­vorsitzende gedanken gemacht habe, ist übertrieben. Die rechtschreibung ist unnötig schwer erlernbar, was nichts mit der frage zu tun hat, ob deutsch eine schwierige sprache ist.

2021-09-29

neu : "Das Semikolon stirbt aus." (Zeit Online), , Gesellschaft (1267 wörter)
Alle vier Jahre ver­öffentlicht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihren "Bericht zur Lage der deutschen Sprache". In diesem Jahr geht es um den Sprach­gebrauch in deutschen Klassen­zimmern, um Groß- und Klein­schreibung in der Grundschule, den Einfluss der Digitali­sierung und die zu­nehmende Mehr­sprachigkeit. Der Bonner Linguist Kristian Berg erklärt im Interview, dass das Komma nicht ausstirbt. Abiturienten setzten sogar manchmal zu viele Kommas.
neu : "Isch hab Geistesblitz": Die deutsche Sprache verändert sich, das/dass-Fehler immer noch am häufigsten. , , Inland, Bildung (695 wörter)
Experten halten den Wandel in der Sprache für weder gut noch schlecht. […] In das all­gemeine Jammern stimmen die Wis­senschafter in dem am Mittwoch in Berlin vor­gestellten Sammel­band über die Situation in Deutsch­land nicht ein, der Daumen geht weder rauf noch runter.

2021-09-24

neu : «Angela Merkel wurde ohne Stern Kanzlerin.» , , Gesellschaft (1565 wörter)
Einige denken, der Gender­stern wie etwa bei «Politi­ker*innen» fördere Frauen. Andere hoffen, er möge rasch verglühen. Was meint Ni­coletta Wagner, Schweizer Ver­treterin im Rat für deutsche Recht­schreibung? […] [Wagner:] Das amtliche Regel­werk – also die Grammatik – ist ver­bindlich für Schulen, Behörden und Justiz. [Beobachter:] Die Stadt Zürich stellt Schilder auf mit dem Wort «Be­wohner*innen». Als Behörde dürfte sie das also nicht? [Wagner:] Nein.

Doch! Das amtliche regelwerk – also die rechtschreibung, nicht grammatik – ist verbindlich für die schulen.

2021-09-21

neu : Orthografie. Mannheimer Morgen, , s. 24, Kultur (305 wörter)
Laut Erhebung einer Uni­versität haben viele Stu­dentinnen und Studenten, darunter auch künftige Deutsch­lehrer, Probleme mit der Recht­schreibung. […] Gegen die Rechtschreib­reform zu wettern, hilft nicht – sie wird seit einem Viertel­jahrhundert unter­richtet, weshalb die meisten Studierenden nie anderes gelernt haben als diese […].

2021-09-18

neu : Kampf dem Bhagwahn. Süddeutsche Zeitung, , s. 22, Feuilleton, Literatur
So referiert er [Philipp Sarasin, «1977: Eine kurze Geschichte der Gegenwart»] durchaus zweifelnd Baudril­lards Graffiti-Theorie, die Tags als Aufstände der Zeichen gegen jeden Sinn liest, die sich nicht auf reale Personen und Ver­hältnisse beziehen ließen. So stehen bei Sarasin dieser Aufstand und seine Unverständlich­keit in die Welt setzenden Separierungen und die Relativierung von Baudrillards Dar­stellung neben­einander: Wollten die, die sich per bizarre Tag-Pseudonyme auf U-Bahn-Wagen eintrugen, nicht vielleicht doch ganz klassisch von sich und ihrer Existenz reden? Müsste man aber nicht viel weiter gehen? Baudrillard hat nicht nur über­trieben und zu­gespitzt, er liegt grund­falsch. Solche Graffiti-Writer sind eben gerade nicht auf dem von Sarasin immer wieder be­schriebenen Exodus aus dem Allgemeinen, sondern definieren als immer schon Aus­geschlossene ihre Beitritts­begründungen: Erst mal brauchen wir eine neue Orthografie. Sie machen sich lesbar, aber zu ihren Bedingungen, die nicht das Wissen des weißen französi­schen Soziologen sein können.

2021-09-16

neu : Schweizer Fahne oder Schweizerfahne? (blue News), , Leben (372 wörter)
[…] die Schweizer Fahne. Oder Schwei­zerfahne? Der Sprach­pfleger über Ab­leitungen von geografischen Eigen­namen. […] Niemand würde wohl Hamburger direkt mit Hafen ver­binden: «Hambur­gerhafen»? […] Der Hambur­ger Hafen ist der Hafen von Hamburg, nicht der Hafen der Hambur­ger […]. Man kann sich somit bei solchen Fügungen nicht auf eine ein­heitliche Form einigen. Das eine steht sinnvoller­weise neben dem andern […]. Für geografi­sche Eigen­namen sind die oben­genannten Regeln nur bedingt an­wendbar. Da gibt es den Genfer­see (obwohl es eigent­lich der See von Genf ist und nicht jener der Genfer) […].

Eigent­lich sind die regeln unbedingt an­wendbar. Die falsche meinumg, dass die rechtschreibung für eigen­namen nicht gelte, führt zu einer kollektiven ver­weigerung der regeln, sogar bei der NZZ. Ein ähnlicher fall: Berlin-Neukölln statt Berlin Neukölln analog Zürich Wollishofen; es handelt sich um eine unter-, nicht eine beiordnung. Lustig ist, dass die gleichen leute, die hier die natürliche grammatische unterscheidung verwischen, aufschreien, wenn eine rechtschreib­reform die künstliche und völlig unnötige unterscheidung frischgebacken / frisch gebacken in frage stellt.

2021-09-10

: CDU Schleswig-Holstein ist gegen Gendern: Sternchenkrieg in Kiel. (tageszeitung), , Nord
Auch […] Tobias Koch, Chef der Kieler CDU-Landtags­fraktion, blieb nicht so milde […]: Privat­leute sollen es mit dem Gendern halten, wie sie mögen […]. Nicht so aber die Verwaltung, das staatliche Bildungs­wesen oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk […]. Ermitteln soll diesen Mehrheits­willen ein Volks­entscheid nach dem Vorbild eines anderen durchaus kontrovers ver­handelten Sprach­themas: „In den 1990er-Jahren gab es einen Volks­entscheid in Schleswig-Holstein zur Rechtschreib­reform“, so Koch. „Zumindest von der politischen Debatten­kultur her war das muster­gültig.“ […] Der Volks­entscheid zur Rechtschreib­reform […] blieb übrigens seinen eigenen Worten nach ohne Folgen: weil „Schleswig-Holstein sonst einen Sonder­weg gegangen wäre“.

2021-09-08

: Teufelskreis der Rechtschreibschwäche. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 208, s. N4, Forschung und Lehre (1134 wörter)
Die ortho­grafischen Kenntnisse von Lehramts­studenten werden immer schwächer. […] „Die Situation ist dramatisch, wir sind mitten in einer Rechtschreib­katastrophe“, sagt Fabian Bross von der Uni­versität Stuttgart. […] Nach­haltig anheben lässt sich das Rechtschreibniveau wohl nur durch eine enge Zusammen­arbeit der Bildungs­bereiche, die vom Kinder­garten bis zur Uni­versität reichen müsste. Das aber würde voraus­setzen, dass der kontinuier­liche Rückgang schrift­sprachlicher Fähig­keiten in der Gesell­schaft als das Politikum begriffen wird, das er tatsächlich ist. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen, aber wir können es wieder heraus­holen“, meint Fabian Bross. An­gesichts der Tiefe des Brunnens klingt das ziemlich opti­mistisch.

Zum politikum gehört auch die frage, «ob die gesellschaft wirklich will, dass ein viertel bis die hälfte des sprach­unterrichts durch übung der gross/klein­schreibung, der dehnung, bzw. kürzung und des /s/-lautes vertan werden soll, oder ob man sich nicht doch zu einer reform dieser drei bereiche ent­schliessen will.» (Hans Messelken, 1974)

2021-09-07

: Wirklich Erleichterung und mehr Einfachheit beim Kommasetzen? , , Wissenswert
Mir, dem Schreiberling dieser Zeilen, gefällt diese neue Schreib­weise mit dem Weg­lassen des Kommas bei durch und verbundenen Hauptsätzen nicht. Obwohl sie jetzt gang und gäbe ist. Wenn Sie Zeitung lesen, werden Sie sehr häufig darauf stoßen. Und wenn Sie ganz ehrlich sind, müssen Sie einen ganz klitze­kleinen Moment, also wirklich kaum messbare Bruch­teile von Mikro­sekunden, nach­denken, um zu erkennen, dass der Gedanke des ersten Haupt­satzes zu Ende ist und dass nun ein neuer Gedanke kommt. […] Wir waren bisher, vor der Reform, gewöhnt, dass das Binde­wort und eine weitere Komponente eines Satz­gliedes, sozusagen eine Ergänzung, anschließt. Und wir kennen alle, die die Schule besucht haben, noch die Regel, dass bei Auf­zählungen vor und kein Komma steht. In Analogie dazu haben vielleicht die Autoren der Rechtschreib­reform 2000 gemeint, dass das dann auch für die Hinter­einander­reihung von Sätzen gelten könne.

Dass alle, die die schule besucht haben, die regeln kennen, ist eine gewagte annahme. Eine weitere annahme (die auch wir weder bestätigen noch widerlegen können): Der schreiber tut alles, um die regeln einzuhalten, aber nichts, um dem leser das verständnis zu erleichtern.

2021-09-07

: Deutschstunde: Die „Schlossstadt“ ist recht s-haltig, aber richtig. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung (555 wörter)
Wörter mit drei gleichen Buch­staben hin­tereinander gab es bereits vor der Reform, zum Beispiel „fetttrie­fend, Sauer­stoffflasche, Papppla­kat, Aus­puffflamme“ oder „Bal­letttruppe“, was einige Reform­verweigerer nicht wahr­haben wollen.

2021-09-02

„MM“-Sommerquiz. 6. Synonym für Energie. Mannheimer Morgen, , s. 12, Mannheim
Wie heißt dieses Unter­nehmen am Neckarauer Rheinufer? Bitte die Original­schreib­weise verwenden, die sich als Eigen­name nicht von so neu­modischen Er­scheinungen wie der Rechtschreib­reform hat be­einflussen lassen.

2021-08-31

: Der wütende Herr Krämer. Eine Polemik verteidigt geschlechtergerechte Sprache gegen den Sprachnationalismus. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 201, s. 6, Politik (1161 wörter)
Der Untertitel seines Buches schützt Lobin davor, sich allzu große Mühe mit den Argumenten zu machen, die Gender­sprache kritisieren. Sie kommen nur in ebender schlichten Form vor, dass sie in die Nähe der AfD gerückt werden können […]. Wo immer Lobin kann, stellt er eine Ver­bindung her zwischen Kritikern der Rechtschreib­reform, der Gender­sprache oder „politi­scher Korrekt­heit“ und „neu­rechten“ bis rechts­extremistischen Kreisen inklusive natürlich der Rück­verfolgung ent­sprechender Versatz­stücke in die Zeit des National­sozialismus.

2021-08-26

: »Die wirklichen Ekel sind in der Minderzahl.« Interview mit Gerhard Polt. Galore, , s. 8 bis 15 (3520 wörter)
Manche fordern wiederum, das Gendern zu verbieten, so wie Friedrich Merz kürzlich. [Polt:] Also, Ent­schuldigung, das ist ja nun wieder komisch. Wenn ein Politiker glaubt… (unter­bricht sich) Schauen Sie, was war das doch für ein Irrweg, ein teurer Irrweg mit der seitens der Kultus­minister von oben herab ge­stalteten Recht­schreib­reform. Für mich war das ein grober Unfug. Dass ich jetzt zum Beispiel drei »fff« schreiben soll. Ich schreibe natürlich weiterhin zwei »ff«. Sie greifen in etwas ein, das ihnen nicht zusteht! Die Kultus­minister sind keine Sprach­besitzer. Sie sind es nicht! Das war unnütz wie ein Kropf. Ich bin jetzt 79 Jahre und ich werde so schreiben, wie ich schreibe….

Die schul­behörden sind «besitzer» der schul­rechtschreibung – im unter­schied zu einem 79-jährigen.

2021-08-21

: In der Volksschule hat das Volk immer weniger zu melden. (NZZ am Sonntag), , Meinung
Kürzlich hat die Stadt­zürcher Fachstelle für Gleich­stellung einen Leit­faden für gender­gerechte Sprache in der Schule heraus­gegeben […]. Darin wird […] auch angeregt, im Unterricht Gender­sternchen zu verwenden. Alle Umfragen, die seither öffentlich wurden, haben eine klare Ablehnung solch un­geregelter Schreib­weisen ergeben. […] Trotz­dem werden diese Falsch­schreibungen in Zürcher Schul­zimmern bald Pflicht sein.

2021-08-16

: Die Menschen sind mundfaul. Rheinische Post, , leserbriefe (157 wörter)
Vor einigen Jahren gab es eine groß angelegte Rechtschreib­reform. Die hatte das Ziel, dass so ge­schrieben wird, wie man spricht. Ein hehres, hoch­gestecktes Ziel. Doch die seit einigen Jahren um sich greifenden Schreib­weisen mit "*", ":", "_" […] bringen uns wieder von diesem Ziel ab.
: Oberlehrer. Südthüringer Zeitung, , s. 12, Leserforum (97 wörter)
Es reichte schon die un­sinnige Rechtschreib­reform vor Jahren, und nun geht das mit dem Gendern los.

2021-08-07

: Wie Baerbock weiter Minuspunkte sammelt und warum Söder gefesselt ist. Focus, , nr. 32, s. 122, Tagebuch (502 wörter)
Den Wahl­kampf hat das Thema bisher kaum erreicht. Manche träumen von der Rechtslage in Frank­reich, wo die Regierung das Gendern zum Schutz der französi­schen Sprache kurzer­hand verboten hat. In Deutsch­land ist der Streit um die Novitäten der Rechtschreib­reform noch in un­angenehmer Erinn­erung.
: Sprachlabor. Süddeutsche Zeitung, , 77. jg., nr. 180, s. 14, Forum (303 wörter)
Die Liberalisie­rung bei der Komma­setzung, eine leicht ver­derbliche Frucht der Rechtschreib­reform, brachte zwar „etwas von dem alten rhetorisch-intonatori­schen Prinzip“ (Peter von Polenz, Deutsche Sprach­geschichte) zurück, hat aber auch die Zügel so gelockert, dass manchen Schreibern die Pferde durch­gehen.

2021-07-26

: „Ich mag nicht gendern.“ Frankfurter Rundschau, , s. 18, Feuilleton (1849 wörter)

Berliner Zeitung, 2021-07-23

2021-07-25

: 25 Jahre Rechtschreibreform: „Einheitlichkeit sieht anders aus.“ , , Panorama
Ein­heitlichkeit sieht anders aus“, sagt Pro­fessor Walter Krämer, Vor­sitzender des Vereins Deutsche Sprache. Natürlich an­gewendet würde die Rechtschreib­reform nur von denen, die jünger als 30 Jahre sind, „für viele Ältere ist sie immer noch ein Buch mit sieben Siegeln“.

Es wäre schon ein erfolg, wenn die recht­schreibung wenigstens für die jüngeren kein buch mit sieben siegeln wäre.

2021-07-24

: Konrad Duden setzte auf einheitliche Rechtschreibung. (Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung), , Niederrhein
1998 gab es eine grund­legende Rechtschreib­reform.

Nein. Leider ist in den letzten jahr­zehnten die vor­stellung abhanden gekommen, wie eine grund­legende rechtschreib­reform aussehen könnte.

2021-07-23

: „Ich mag nicht gendern.“ Berliner Zeitung, , Feuilleton (1859 wörter)
Die Schrift­stellerin Jagoda Marinic ist Gast­geberin eines Podcasts mit dem Titel "Freiheit deluxe". [… Marinic:] Wenn zum Beispiel eine Aktivisten­gruppe auf Twitter verlangt, dass man bestimmte Eigen­bezeichnungen zu ver­wenden hat, dann stoße auch ich an Grenzen. […] Jede Figuren­rede wird zum Bekenntnis. Mir geht es zum Beispiel bei meinem jetzigen literari­schen Schreiben so: Ich mag nicht gendern. [… Geißler:] Waren Sie damals auch gegen die Rechtschreib­reform? [Marinic:] Ach ja, der Vergleich wird gern gebracht. Das war eine Kleinig­keit, es ging ums ß und ein paar Kommas.
: Links ist man höflich, rechts wird gekämpft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 168, s. 12, Neue Sachbücher (1295 wörter)
Der Direktor des Insti­tuts für Deutsche Sprache leistet sich eine überaus frag­würdige Streitschrift. […] Die Neue Rechte – ein unklar definiertes Spektrum, das bei Lobin von konservativ-demokrati­schen bis zu rechts­extremisti­schen Positionen reicht – kämpft in diesem Szenario mehrere sprach­politische „Schlachten“. Zu ihnen zählt der Autor die Forderung, Deutsch ins Grund­gesetz auf­zunehmen, die Ablehnung des Genderns, die Kritik an der politischen Korrektheit, den Widerstand gegen die Anglisierung des Deutschen sowie den – inzwischen weitgehend erlahmten – Kampf gegen die Rechtschreib­reform.

2021-07-22

: Postleitzahl: 1205. Die Zeit (schweizer ausgabe), , nr. 30, s. 20, Alles außer Zürich (400 wörter)
Die Genfer FDP will kein ein­facheres Französisch. […] ich appelliere deshalb an euren Sinn für Gerechtig­keit: Ich möchte euch dran erinnern, das wir, eure Deutsch­schweizer concitoyens und concitoyennes, unsere Recht­schreibung bereits reformiert haben. Ja, wir haben auch gestritten. Und wie! Aber vom Ergebnis profitiert ihr schon seit Jahren.

2021-07-21

: Es gibt kein richtiges Gendern. (WELTplus), , Kultur (1808 wörter)
Auch kleine Eingriffe im Sinne der "geschlechter­gerechten Sprache" sind zer­störerisch. Dennoch betonen Politik und manche Linguisten, das Gendern sei unaufhalt­sam und notwendig. So ist die Sprach­gemeinschaft schon mal über­rumpelt worden - mit katastropha­lem Ergebnis. […] Die beunruhigende Parallele zur Rechtschreib­reform besteht aber darin, dass gerade wieder dieselbe manipulative Über­rumplung der Sprach­gemeinschaft stattfindet wie damals und dass die Kultus­bürokratie erneut Millionen­beträge ausgibt, um in öffentlichen Institutionen Vor­schriften zu erlassen, die die Sprach­gemeinschaft weder hervor­gebracht hat noch versteht oder zu akzeptieren bereit ist. Lehren aus der Vergangen­heit sehen anders aus!

2021-07-19

: Rechtschreibung oder Unrechtschreibung? (Goethe-Institut), , Sprechstunde – die Sprachkolumne (779 wörter)
Mittlerweile herrscht weitgehend „Rechtschreib­frieden“. Nur ge­legentlich wird an die ver­gangenen Kämpfe erinnert und auch an manche Ungereimt­heiten, die die Reform hervor­gebracht hat.

Wir erinnern an manche ungereimt­heiten der neuen und der alten rechtschreibung.

2021-07-17

: Mein Abschied von Deutschland. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 163, s. 16, Literarisches Leben (1930 wörter)
Die Sprache ist mein Handwerks­zeug, aber was ihr gerade widerfährt, ist für mich schwer erträglich. Deshalb weiche ich aus an einen Ort, der noch sprach­liberal ist: Wien. […] Kann man in der Sprache, wie sie der Zeitgeist fordert, überhaupt noch […] literarische Texte ver­fertigen? Nämlich als einer, der noch immer in alter Recht­schreibung schreibt, einfach weil sie klarer und schöner ist, und der aus den­selben Gründen erst recht nicht vom generischen Maskulinum lassen will?

2021-07-16

: Mit Buchstaben Schwarz oder weiss malen. Der Bund (), , 172. jg., nr. 163, s. 10, Meinungen, Sprachlupe (536 wörter)
«Das ‹Schwarz› formuliert sie mit grossem S, als Ausdruck einer politischen Haltung […]». Nach […] Am­nesty Inter­national sind sowohl das gross­geschriebene «Schwarz» als auch «People of Color (PoC)» Selbst­beschreibungen von «Menschen, die von Rassismus betroffen sind». Als Gegen­begriff wird gemäss Amnesty weiss verwendet, kursiv und klein­geschrieben […]. Mit den Schreib­weisen aus­zudrücken, wie ein be­stimmter Ausdruck gemeint ist, trägt nur dann zur Klärung bei, wenn die Definition gleich mitgeliefert wird. Der Versuch, mit typo­grafischen Besonder­heiten den all­gemeinen Sprach­gebrauch an­zureichern, übergeht Regeln und überlädt das Fuder.

2021-07-09

: Die Sprache gehört allen Menschen als Gottes Geschenk. Höfner Kirchenblatt (), , nr. 27, s. 1 (485 wörter)
Ich mag die Sprache alter Bibel­übersetzungen. Ich mag die Sprache der Märchen der Brüder Grimm im Original und alte Gedichte. Ich mag auch manche alte Schreib­weisen, wie sie vor der Rechtschreib­reform üblich waren, von «Photo­graphie» bis «Delphin».

2021-07-06

: Ein "Kuß" wie kein anderer. Thüringische Landeszeitung, , s. 13, Lokalnachrichten (188 wörter)
Dabei war die Rechtschreib­reform kein Schnell­schuss. Tatsächlich gab es bereits Jahr­zehnte davor Versuche, die Ortho­grafie zu ver­einfachen. Zur Debatte stand auch lange, Substantive ein­heitlich klein­zuschreiben, wie es fast jede andere Sprache vor­schreibt.

Genauer: jahrhunderte, nicht jahr­zehnte, und jede andere, nicht fast jede andere.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. 25 Jahre Rechtschreibreform. (pressemitteilung des Vereins Deutsche Sprache e.V.), (257 wörter)
Traurig ist es um Worte, die durch die neue Recht­schreibung nicht mehr auf ihren Ursprung hin verfolgt werden können, wie z. B. Portmonee (alt: „Portemonnaie“ […]), dass der Aus­sprache angepasst wurde. „So geht ein Stück weit Geschichte, Tradition und das Ver­ständnis für die Ver­flechtungen von Sprache verloren“, bedauert Krämer.

Wir dürfen fröhlich weiterhin meubel und paquet schreiben. Gut gemeint ist nicht einmal immer gut gemeint.

2021-07-05

: FDP-Vize Nantermod nimmt sich aus dem Rennen. Gespräche über ein mögliches Co-Präsidium am Rande der Delegiertenversammlung. Neue Zürcher Zeitung, , 242. jg., nr. 152, s. 8, Schweiz
Die Positions­bezüge der West­schweizer FDP geben freilich zu reden. Zuletzt haben sich die Romandie-Kantonal­parteien mit ihrem Wider­stand gegen eine Rechtschreib­reform und die inklusive Sprache hervor­getan – Themen, über die in der West­schweiz derzeit kontrovers diskutiert wird.
: Streit um Sprache. (Goethe-Institut), , Sprechstunde, die Sprachkolumne
In den fünf Beiträgen, die ich in den nächsten Wochen für Sie schreiben werde, möchte ich einige Aspekte genauer dar­stellen. […] Zuerst werde ich mich der Recht­schreibung widmen, oder besser gesagt: der Reform der deutschen Recht­schreibung. Sie hat in den 1990er-Jahren zu einer besonders heftigen Auseinander­setzung geführt hat, die bis heute nachklingt. Warum das so ist, ist nicht ganz einfach zu ver­stehen – in kaum einer anderen Sprache führt dieses Thema zu derartigen Emotionsaus­schlägen wie im deutsch­sprachigen Raum.
: Wo Gendern wirklich UNFUG ist. Die Welt, , nr. 153, s. 22, Feuilleton (1726 wörter)
„Geschlechter­gerechte Sprache“ ist nicht pauschal abzulehnen. Es gibt Bereiche, in denen wir problemlos damit experimentie­ren können. Andere sollten tabu bleiben. Viele haben verdrängt, was die letzte politisch verordnete Sprach­reform an­gerichtet hat. […] Im Übrigen gilt, was Hans Zehetmair, ehemaliger bayerischer Kultus­minister und Vorsitzender des Rechtschreib­rates in Erinnerung an die Rechtschreib­reform festhielt: „Nie wieder eine politisch verordnete Reform!“

2021-07-02

: Der Dauerkampf um die Schreibregeln. Eine Expertin erklärt, warum trotz der Reform vor 25 Jahren die Probleme groß sind. Münchner Merkur, , nr. 149, s. 3, Im Blickpunkt, Interview (1128 wörter)
Dr. Sabine Krome ist Geschäfts­führerin des Rats für deutsche Recht­schreibung am Leibniz-Institut für deutsche Sprache und war seit 1996 Mitglied im Beirat der Zwischen­staatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, die die Reform konzipiert hatte und das neue Regelwerk ver­antwortete. Im Interview erklärt Krome, was falsch lief und warum die Rechtschreibung immer wieder Thema heftiger Kontrover­sen ist. […] Die Kommission bestand tatsächlich ausschließlich aus Wissenschaftlern […]. Der allgemeine Schreibgebrauch wurde zu wenig einbezogen.

Eigentlich wurde fast nur der allgemeine schreib­gebrauch einbezogen.

: Wilhelm II. bestand auf seinen Thron. Schon seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs wird um eine einheitliche Rechtschreibung gerungen. Münchner Merkur, , nr. 149, s. 3, Im Blickpunkt (311 wörter)
Die „Frankfurter Allgemeine“ und der „Spiegel“ kehrten zur alten Orthografie zurück, während sich die neue Schreibweise in Schulbüchern immer mehr durchsetzte […]. Die „Reform der Reform“ 2006 nahm die umstrittensten Änderungen zurück, Majonäse war wieder Mayonnaise.

Journalismus heute: Irrtümer („Spiegel“, Majonäse) werden in alle ewigkeit ab­geschrieben statt recherchiert.

2021-07-01

: Delfin statt Delphin. , , Campus & Karriere
Andere hatten sich damals auch einfach mehr erhofft von der großen Reform. Annette Sickeler war Lehrerin an einem Gymnasium in Stuttgart. Bis heute findet sie: "Was ich so lese, wenn Groß- und Klein­schreibung beherrscht würde und die Komma­setzung wären, glaub ich, 90 Prozent der Rechtschreib­fehler bei meinen Schülern zumindest weg. Ich wäre für eine konsequente Klein­schreibung."
: Debatte 25 Jahre nach Rechtschreibreform: Was bringt der Streit ums „richtige“ Deutsch? (Kölnische Rundschau), , Politik (831 wörter)
Aus einer gut gemeinten Reform der deutschen Recht­schreibung ent­wickelte sich vor 25 Jahren eine wahre Schlacht, die heute immer noch nicht aus­gestanden ist.

2021-06-30

: Als die Gemse zur Gämse wurde. Basler Zeitung (), , 179. jg., nr. 148, s. 3, Thema (840 wörter)
Vor 25 Jahren wurden unter heftigem Protest neue Sprach­regeln ein­geführt. Was ist daraus ge­worden? Antworten aus der Schule, dem Korrekto­rat – und von unserem Deutsch­experten. […] Es war die erste Reform seit 1901 – wobei sie dann längst nicht so grund­sätzlich ausfiel wie geplant. Radikale Vorschläge wie die kon­sequente Klein­schreibung oder die Ver­wandlung des «Bootes» in ein «Bot» wurden schon früh gebodigt.

Radikal? Das wäre einigermassen radikal: «bund fyr fer­ainfaxte rext­šraibuŋ».

: Erfahrungen eines Literaturredaktors. Basler Zeitung (), , 179. jg., nr. 148, s. 3, Thema (387 wörter)
Der deutschen Sprache hat die Reform mehr genützt als geschadet, behaupte ich immer noch; die Literatur hat nicht gelitten (dank sorg­fältiger Lektoren), und dass sich Schüler und Er­wachsene heute vielleicht sogar schwerer tun, den Artikel «das» von der Konjunktion «dass» zu unter­scheiden, hat nichts mit der Reform zu tun, sondern mit einer zu­nehmenden Schlampig­keit im Umgang mit der Sprache über­haupt.
Die neue deutsche Rechtschreibung: Eine Erfindung der DDR. (Mitteldeutscher Rundfunk), , MDR Zeitreise (991 wörter)
Wäre es nach den rechtschreib­päpsten der ddr gegangen, würden unsere zeitungen, schul­aufätze, briefe und e-mails und selbst­verständlich auch diese webseite heute alle so aussehen. Generationen von schülern hätten es der forschungs­gruppe orthografie an der akademie der wissen­schaften vermutlich gedankt, hätte sie sich mit ihrer "gemäßigten klein­schreibung" auch im westen durch­gesetzt. Hat sie aber nicht. Und so schreiben wir als die letzten Europäer nach wie vor alle Substantive groß. Vielleicht wäre diese Reform auf breitere Zustimmung gestoßen, als die Rechtschreib­reformen, die sich durch­gesetzt haben.
Interview mit Dieter Nerius: "Die Welt hätte eine DDR-Rechtschreibung nicht angenommen." (Mitteldeutscher Rundfunk), , MDR Zeitreise (863 wörter)
Aber es war unser Verdienst, dass die Ortho­grafie über­haupt wieder auf eine wissen­schaftliche Ebene gehoben wurde. […] Es gab häufig Be­hauptungen von west­deutscher Seite, dass die DDR eine eigene Orthografie-Reform durch­führen würde. Das stimmt einwand­frei nicht.
: Seelenloses Bastelkonstrukt. Mannheimer Morgen, , s. 16, Leserforum (304 wörter)
Sprachwandel verläuft grund­sätzlich evolutionär und ungesteuert, das heißt von unten. In letzter Zeit gab es zwei größere Ansätze des ge­steuerten Wandels: zuerst die Rechtschreib­reform und nun der Versuch, Gender­sprache durch­zusetzen.
: Ketschub und Majonäse haben keine Liebhaber. Stuttgarter Nachrichten, , nr. 147, s. 3, Die Seite Drei (538 wörter)
Die ganze Republik war in Aufruhr, als vor 25 Jahren die Rechtschreib­reform verabschiedet wurde. […] Einige besonders um­strittene Änderungen wurden zurück­genommen oder als optional deklariert. Aus Ketschub wurde wieder Ketchup, und auch die Majonäse schmeckt falsch. […] Ein Waffen­stillstand. Zugleich zeigt der Konflikt um Gender­sternchen, geschlechter­gerechte Sprache und die Aufnahme von Fremd­wörtern in den Duden, dass der Streit um Sprache und Rechtschreibung jederzeit wieder aus­brechen kann.

Es war nicht Ketschub, sondern Ketschup, und Majonäse hat mit der neuregelung von 1996 nichts zu tun.

: Was Migranten zum Gendern sagen: "Lehrer*innen, das gibt es doch nicht." (WELTplus), , Kultur
Was halten Menschen mit Migrations­hintergrund eigentlich vom Gendern? Wir haben in Offen­bach nach­gefragt – beim Rapper, im Döner-Imbiss oder im Beauty-Salon, wo man schlimme Erinnerungen an die Rechtschreib­reform hat. […] "Wenn man das einem Erst­klässler von Anfang an so beibringt, dann ist es für ihn einfacher als für jemanden in der siebten Klasse. So war das bei uns mit dem scharfen S. Auf einmal mussten wir alles mit Doppel-S schreiben, und ich schreibe heute noch alles so, und das wurde dann wieder umgeändert. Das hat nichts mit Diskriminie­rung zu tun, aber das ist das Schwierige, Menschen auf dem Laufenden zu halten und sie nicht durch neue Sprach­regelungen durch­einanderzu­bringen."

2021-06-27

: In der Romandie tobt ein Streit um die Grammatik: Heisst es goût oder gout? NZZ am Sonntag, , nr. 26, s. 1, Schweiz (236 wörter)
Die West­schweizer Kantone wollen die Recht­schreibung anpassen. Nun verlangt die FDP den Abbruch der Übung, notfalls per Volks­entscheid.
: Mit circonflexe, s’il vous plaît! NZZ am Sonntag (), , nr. 26, s. 13, Schweiz (712 wörter)
Willkommene Er­leichterung oder reine Idiotie – ein allègement (statt allégement) oder eine pure imbécilité (statt imbécillité)? Darüber streitet die Romandie nun seit zwei Wochen […]. Am 9. Juni haben die West­schweizer Bildungs­direktoren ent­schieden, die orthographe rectifiée per 2023 in der Schule ein­zuführen. […] In einer Protest­note kritisierte die vereinte West­schweizer FDP diese Woche, die Liebhaber der französi­schen Sprache seien zu Recht er­schüttert ob dieser Reform. Die Kantone müssten die Übung sofort stoppen. […] Jean Romain, Professor der Phi­losophie, Autor und Genfer FDP-Grossrat. «In der Sprache spiegelt sich unsere Geschichte», sagt er. Und die dürfe man nicht einfach rücksichts­los entfernen.
: «Der Genderstern ist Sprachverhunzung.» Sonntagszeitung (), , 35. jg., nr. 26, s. 10, Schweiz (757 wörter)
Pascal Frey, Präsident der Deutsch­lehrkräfte, ist gegen das trendige *, Kantons­schulen wenden die Schreib­weise trotzdem an. […] Beim Gender­kampf in den Schulen geht es nicht um abgehobene Grammatik-Dispute. Es geht um eine zentrale Aufgabe der Schule: Den Schülerin­nen und Schülern bei­zubringen, wie man richtig schreibt. Und es geht letztlich vor allem auch um die Frage: Schafft eine ver­meintlich ge­rechtere Sprache auch eine gerechte Welt? Pascal Frey, Präsident des VSDL, sieht das kritisch. «Selbst­verständlich bin ich für Gleich­stellung. Aber sie ist eine politische und gesellschaft­liche Aufgabe, die man nicht über die Sprache lösen kann» […].
: Warum das Gendersternchen in der Schule noch nichts zu suchen hat. Sonntagszeitung (), , 35. jg., nr. 26, s. 23, Standpunkte (570 wörter)
Im Unterricht soll den Kindern geschlechter­neutrale Sprache bei­gebracht werden. Das sorgt mehr für Aus­grenzung als für Gleich­stellung […]. Es hat zwar viele Vorteile, dass unsere Schulen weit­gehend selbst über ihre Unterrichts­methoden bestimmen dürfen. Was hingegen nicht angeht, ist, dass jede ihre eigene Recht­schreibung lehrt. Da müssen sich alle an die offiziellen Vorgaben halten, keine kann selbst­ständig etwa die konsequente Kleinschreibung einführen. Dasselbe gilt im Prinzip auch fürs Gendern.

2021-06-19

: Griff nach dem Stern. Süddeutsche Zeitung, , nr. 138, s. 2, Thema der Woche (1287 wörter)
Spätestens seitdem Unions­politiker das Gendern attackieren, ist der Streit um Geschlechter-Asterisk und Binnen-I Wahlkampf­thema. Warum die Deutschen sich so über Schreib­weisen ereifern. […] Klar ist, dass die Debatte von keiner Seite un­aufgeregt geführt wird. […] Es ist nicht das erste Mal, dass in Deutsch­land erbittert über eine Ver­änderung der Sprache ge­stritten wird. Mitte der Neunziger­jahre beschlossen die Kultus­minister der Bundes­länder eine Reform der deutschen Rechtschreibung – und gegen den Sturm der Ent­rüstung, der in Verlagen, Feuilletons und bei manchen Politkern dadurch ausgelöst wurde, ist die Debatte ums Gender­sternchen ein laues Lüftchen.
: Alles, was recht ist. Wer in Deutschland offiziell über die Sprachregeln entscheidet. Süddeutsche Zeitung (), , nr. 138, s. 2, Thema der Woche (492 wörter)
Richtig oder falsch bezieht sich bei der Sprache auf Grammatik, Recht­schreibung – und natürlich auf die Defini­tion der Wörter. Letztere lässt sich in Lexika nach­schlagen […]. Anders ist es bei Grammatik und Recht­schreibung. Diese sind zumindest für Schulen und Behörden offiziell festgelegt. Wer hier für richtig oder falsch zuständig ist, lässt sich anhand der Rechtschreib­reform zeigen, die 1996 be­schlossen wurde.
: Zwei Punkte zu viel. Süddeutsche Zeitung (), , nr. 138, s. 2, Thema der Woche (547 wörter)
Die Rolle des Sterns übernimmt im Französi­schen der Punkt. […] Aus „électeurs“, Wähler, wird dann: „électeur.rice.s“. Ein aus „électeur“ und „électrice“ (Wählerin) zusammen­gebautes Wort, das den Regeln der „inklusiven Schreib­weise“ folgt, wie gendernde Sprache in Frankreich genannt wird.

2021-06-17

: 120 Jahre verbindliche Rechtschreibung, Duden und Gendern (17. Juni). (Projekt von Journalisten zumeist aus dem Bereich Rundfunk), , Auch das noch (2531 wörter)
Kaum zu glauben, aber wahr: auf den Tag genau heute vor 120 Jahren entstand so etwas wie unsere ver­bindliche Recht­schreibung. […] Bislang kann ich nur Nachteile an diesem „vom Gender­volk“ gewünschten neuen Regel­werk der Sprache erkennen. Denn das, was uns Menschen zum Menschen werden lässt, was durch bisherige Reform­bemühungen vereinfacht werden sollte, wird nun erschwert. […] Warten wir es ab, ob eine kleine, sehr aktive Minderheit der großen, eher trägen Mehrheit ihre Ideologie auf­drücken kann oder nicht. In ähnlicher Weise ist ja auch schon einmal der Vorstoß, die Groß­schreibung grund­sätzlich ab­zuschaffen, krachend gescheitert.

Gendern und gross­schreibung gleich­zusetzen, ist natürlich unfug; sprache und schreibung sind nicht dasselbe (schichten­modell). Abgesehen davon, ging auch die substantiv­grossschreibung von einer kleinen, sehr aktiven minderheit aus und wurde der grossen, eher trägen mehrheit nie ganz akzeptiert, wie die schreib­kompetenz der deutsch­sprachigen, alle anderen sprachen und unsere ununter­brochenen bemühungen zeigen.

2021-06-08

: Professor Schnase. Süddeutsche Zeitung, , 77. jg., nr. 128, s. 31, Medien (1531 wörter)
Im Juli wird Stefan Aust 75 Jahre alt. Aus diesem Anlass ehrt sich der ehemalige „Spiegel“ Chef und heutige „Welt“ Heraus­geber selbst mit einem mächtigen Memoir. […] Man kann sich wahn­sinnig gut vorstellen, wie Schirrma­cher, der alte Unruhe­stifter, seine zwei Machtmänner­kollegen da auf­stachelte, gegen diese idiotische Reform vor­zugehen. Dabei ignorierte seine FAZ sie sowieso, Austs Spiegel machte nur halbherzig mit. Nur die Welt war voll auf Reformkurs, aber „zum Leidwesen Döpfners“, wie Aust schreibt.

2021-06-07

: Schlimmer Schaden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 128, s. 21, Briefe an die Herausgeber (128 wörter)
Ich bin Lehrer und daran interessiert, dass möglichst viele Nicht­mutter­sprachler Deutsch lernen. Ich erinnere mich, dass seiner­zeit die „Rechtschreib­reform“ zu massiven Ein­brüchen bei der Zahl der Lerner führte.

2021-06-03

: alles klein. Die Südostschweiz, ausgabe Glarus, , nr. 126, s. 15, Meinung, Der Junge (in eigennamen­gross­schreibung, 471 wörter)
Die diskussion über sinn- oder unsinn der gross- und klein­schreibung in der deutschen sprache ist nicht neu. Angesichts der digitalen kommunikations­formen sollten wir aber einen neuen anlauf nehmen und uns fragen, ob der alte hut, der generatio­nen von schul­kindern das leben erschwert und erwachsene zuweilen in erklärungs­not bringt, nicht ab­geschafft werden sollte.
: Hauptsache oben bleiben. Der Tagesspiegel (), , s. 27, Medien
In Stefan Austs Auto­biografie werden sich nicht alle Freunde und Gegner an­gemessen dargestellt finden. […] „Zeitreise“ ist ein zeit­geschichtliches Lesebuch, und das macht einen Gutteil seiner Faszination aus. Mit großer, manchmal zu großer Freude am Detail evoziert er Meilen­steine nicht nur der deutschen Politik. Filbinger, Strauß, Barschel-Affäre, 9/11, Hitler-Tage­bücher, Mauer­fall, Rechtschreib­reform – fast nichts fehlt, und immer ist Aust in irgend­einer Weise als Reporter oder Kommenta­tor mit von der Partie.

2021-06-02

: Die Sprachwächter und der Genderstern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 125, s. 4, Politik (1335 wörter)
41 Fachleute aus sieben Staaten: Was der Rat für deutsche Recht­schreibung empfiehlt – und wie er dazu kommt. […] Der Rat ist für das ver­bindliche amtliche Regel­werk zuständig. Dass er eigentlich auch die miss­glückte Rechtschreib­reform reparieren soll, sagen die Kultus­minister nicht. Die heute amtierenden Minister haben die Rechtschreib­reform ohnehin nicht beschlossen. Sie haben allerdings die Lektion gelernt, sich an diesem Thema besser nicht zu verheben.

2021-05-30

: Sprache soll verbinden, nicht spalten. Der Tagesspiegel, , s. 14, Leser-Meinung
In dieser kontro­versen Debatte kommt nach meiner Auf­fassung ein wichtiger Aspekt zu kurz: die Schwierig­keiten für Ausländer und Schüler beim Erlernen der deutschen Sprache. Denn die Rechtschreibreform und das glücklicher­weise wieder ab­geschaffte „Schreiben nach Gehör“ haben ver­heerende Fehl­entwicklungen bei mehreren Schüler­generationen ver­ursacht. Es hat den Anschein, dass eine forcierte geschlechts­spezifische Sprache die viel beklagte Bildungs­misere noch weiter verschärft […].

2021-05-26

: Deutsch ist zu „Schluckauf-Sprache“ geworden. Braunschweiger Zeitung, , s. 18, Braunschweig, Kolumnen
Ich habe das Gefühl, dass jeder Mensch in Deutsch­land für sich ent­scheiden kann, wie deutsch ge­sprochen werden soll. Ich erinnere mich an meine Anfänge in Deutschland. Nachdem eine Kom­mission mehrere Jahre getagt hatte, wurde eine neue Rechtschreib­reform ver­abschiedet. In meinen ersten Deutsch­stunden schrieb ich „daß“, ein paar Jahre später ist „dass“ die neue Schreib­weise geworden. Der Normal­bürger weiß nicht immer, wie in einer Sprache die Regeln entstanden sind. Warum schreibt man vor Substantiven „der“, „die“ oder „das“? Fachleute haben diese Regeln so festgelegt, und wir wenden sie an.

2021-05-25

: Der Preis der Geschlechtergerechtigkeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 118, s. 1, Politik, kommentar (653 wörter)
Verständlich­keit und Einheitlich­keit einer Sprache sind ein hohes Gut, zumal beim Deutschen. Anders als fast alle anderen euro­päischen Sprachen umfasst es noch heute ver­schiedene Kultur­räume, landes­weit oder regional ist das Deutsche Amts­sprache in sieben Ländern. […] Dass Sprache geschlechter­sensibel gebraucht werden soll, ist mittler­weile weithin unstrittig. […] Eine rote Linie über­schritten wird mit Veränderungen von Ortho­graphie und Typo­graphie – zumal die eher harm­losen Eingriffe wie Schräg­strich­varianten mit oder ohne Binde­strich von neuen Formen der Wort­bildung verdrängt werden, etwa mit Binnen-I oder Binnen-Doppel­punkt sowie dem Asterisk („Gender­stern“).

2021-05-15

: Hat man die Lektion gelernt? Ein Vierteljahrhundert Desaster: Theodor Ickler resümiert seine Eindrücke vom Rat für deutsche Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 111, s. 12, Literatur und Sachbuch (968 wörter)
Welche Lehren lassen sich aus Icklers Bericht für den Rechtsschreibrat ziehen? Drei Punkte bedürfen der Korrektur: die Zusammen­setzung des Rates, seine Finanzie­rung und die Ab­hängigkeit von den Kultus­ministerien. Die Delegierung aus Verbänden ist zwar billig, aber nicht sach­gerecht. Sie führt zu Unaus­gewogenheit und be­einträchtigt die Eigen­verantwortung der Mitglieder. Heute ist das IDS mit drei Professoren sowie der Geschäftsführung vertreten, das Münchener Goethe-Institut und das viel­versprechen­de Potsdamer Digitale Wörter­buch der deutschen Sprache fehlen dagegen ebenso wie die reform­kritischen Sprach­vereine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ja, und dann wären da noch die reform­freundlichen vereine!

: Der Kampf um den Genderstern. Hamburger Abendblatt, , s. 6, Thema (1693 wörter)
Bei den öffentlich-rechtli­chen Medien läuft es bereits auf den Gender­doppelpunkt hinaus. Dieser wird, anders als der Stern, von Sprach­programmen als Spiegel-ei-Pause mit­gelesen. Sogar Moderatoren wie Claus Kleber, Anne Will und Linda Zervakis sprechen sie mit. Die Städte Hannover, Flensburg und Kiel nutzen hingegen den Stern. Wären die beiden Formen nicht mit der Recht­schreibung zu vereinen, würden öffentliche Stellen darauf ver­zichten. Vielleicht müssen die amtlichen Regeln zurecht­gezurrt werden. Aber wofür gibt es Rechtschreib­reformen, wenn nicht dafür?

2021-05-12

: Linguist Peter Eisenberg: „Die Genderfraktion verachtet die deutsche Sprache“. , , Kultur, Debatte
Was halten Sie denn vom Binnen-I, Unter­strich, Gender­sternchen? [Eisen­berg:] Ich bin ja Mitglied im Rat für deutsche Recht­schreibung und halte das alles für unzulässig. Beim Wort Lehrer*in zum Beispiel steht der Stern vor der Feminin-Endung. Bei gutwilliger Inter­pretation bedeutet es, dass sich die feminine Form durch den Stern auf Personen beliebigen Geschlechts bezieht. Würde man den Stern vor das -er setzen, also Lehr*er, könnte das ebenfalls bedeuten, dass sich das Wort auf Personen be­liebigen Geschlechts bezieht. Warum muss man erst die feminine Form bilden, wenn sich das Wort auf Personen beliebigen Geschlechts beziehen soll?

2021-04-27

: "Wir alle können schon einmal üben, uns nicht über den Genderstern aufzuregen." , , Interview der Woche
Kaum etwas kann Menschen so in Rage bringen wie der Streit über die Sprache und ihren Gebrauch. Warum ist das so? Ein Interview mit dem Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. [… Lobin:] Sprache ist schon immer ein Mittel der politischen Auseinander­setzung gewesen […]. Die sprach­politische Auseinander­setzung hat jedoch in Deutsch­land keine sehr lange Tradition. Vor allem der Streit um die Rechtschreib­reform wurde in den 1990er Jahren auch politisch und juristisch aus­getragen. Die aktuelle Debatte um gender­gerechte Sprache unter­scheidet sich davon deutlich: Hier prallen grund­legende Überzeugungen zu sprachlicher Identität aufeinander, die kaum zu einer ein­vernehmlichen Lösung geführt werden können.

2021-04-26

: Institut für Deutsche Sprache – Sprachkampf gegen Rechts. (Tichys Einblick), , Meinungen (1460 wörter)
Bei der Darstellung der Rechtschreib­reform von 1996 klammert Lobin deren „über­geordnetes politisches Ziel“ aus sowie die Rolle des IDS.

2021-04-24

: Gendern als Missverständnis. Jürgen Trabant über Sprache. , , Reflexionen, Zeitgenossen
Der deutsche Sprach­wissenschafter über die gender­sensible Über­arbeitung des Duden, Anglizismen - und die Gefahr für die deutsche Sprache, zum Dialekt zu verkommen. [… Trabant:] Wann immer der Staat in die Sprache eingreift, kommt Mist raus! Denken Sie nur an die Rechtschreib­reform. Daraus ist ein Misch­wesen entstanden, das niemanden glücklich gemacht hat.

2021-04-23

: Ein schwangerer Chirurg. (liberaler Meinungsblog), , Gesellschaft (1337 wörter)
Während der Rechtschreib­reform 1996 wurden korrekte Schreib­weisen, im schulischen Kontext, von heute auf morgen zu Fehlern. Das zog Probleme für Schüler:innen, Studenten:innen und Lehrer:innen nach sich. Auf Regeln gänzlich zu verzichten, also das „Schreiben nach Gehör“, stieß auf ähnlichen Protest in der Bevölkerung.

Ist das eine liberale auffassung, die unter­scheidung von richtig und falsch als haupt­zweck von normen zu sehen? – «Schreiben nach gehör» oder «lesen durch schreiben» bedeutet nicht, «auf regeln gänzlich zu verzichten», im gegenteil. Die metode macht regeln sichtbar. Die schreibweise «fogel» ist regelhaft, «Vogel» richtet sich nach zwei un­begründeten ausnahmen.

2021-04-22

: Die deutsche Sprache bedankt sich. (Die Achse des Guten), (2425 wörter)
Gerade erschien das Werk Sprachkampf. […] Lobins Grundthese ist, dass der Kampf der Neuen Rechten gegen die Gender­sprache, gegen die Rechtschreib­reform, gegen den wachsenden Einfluss des Englischen, gegen den schwindenden Einfluss des Deutschen in der EU und auf der Welt und gegen die leichte Sprache nicht aus inhaltlichen Gründen geführt wird sondern in erster Linie, um ein anti­demokratisches, reaktionäres, rassistisches, frauen­feindliches und EU-feindliches politisches Programm zu fördern. Dies gelänge in Sprach­kämpfen besonders gut, weil die Öffentlich­keit durch Eingriffe in die Sprache leicht zu erreichen und zu emotionali­sieren sei. […] Rechtschreibung? Ohne den Vorteil der neuen Recht­schreibung benennen zu können, räumt Lobin ein, dass sich immerhin die Verlage damit gut ab­gefunden hätten (S. 33). Was für ein Pluspunkt, möchte man da ausrufen. Martin Doerry berichtet allerdings im Spiegel von den katastropha­len Aus­wirkungen dieser Reform, die sich leicht empirisch nach­weisen ließen.

2021-04-20

: Deutschstunde: Es war ein Alb, der uns im Schlaf die Luft nahm. Berliner Morgenpost, , s. 4, Meinung (609 wörter)
Leider wurde die Reform von 1996/98, angeführt von einem großen Berliner Zeitungs­haus, 2006 ihrerseits einer (über­flüssigen) Reform der Reform unterzogen, die viele alte Schreib­weisen wieder aufleben ließ, ohne die neuen für ungültig zu erklären. Die Zahl der fakultativen Schreib­weisen nahm in be­ängstigender Weise zu. Seitdem darf man sich wieder mit einem „Alptraum“ im Bett wälzen. Der Duden empfiehlt jedoch den „Albtraum“.

Der vorwurf ist gerecht­fertigt, aber nicht im fall alb/alp. Schon der duden von 1996 führt „Alptraum“ als nebenform auf.

: Germanist Henning Lobin: Neue Rechte führt „Sprachkampf.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), , Kultur
Sprachliche Debatten, von der Rechtschreib­reform bis zum Gender­stern, werden heute mit einer Heftig­keit geführt, die einem „Sprach­kampf“ gleicht: So nennt es Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim – und warnt vor der Einfluss­nahme der Neuen Rechten.

2021-04-18

: Keine Oberginen. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 15, s. 20, Leserbriefe (176 wörter)
Weshalb die „Auberginen“ in den 1980er Jahren nicht zu „Oberginen“ reformiert worden sind, erzählt eine Anekdote […]. Der Schweizer Vertreter protestierte sofort, weil auf Grund der inner­schweizerischen Gesetz­gebung die vier im Lande geltenden National­sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Räto­romanisch gleich­wertig zu behandeln seien, weshalb Wörter der einen auch in den anderen Sprachen identisch ge­schrieben werden müssten.

Stellungnahme

: English Spelling Society: New rools to make language more predictable for pupils. (The Sunday Times), , Education (692 wörter)
The new system, Traditional Spelling Revised (TSR), will now be promoted in the hope that if it gains support “it will eventually become the new norm, thereby accelerating access to literacy”, the International English Spelling Congress said. The congress was set up by The English Spelling Society, a UK-based group that has campaigned to “repair our broken spelling” for 113 years, and the American Literacy Council. The society argues that English spelling has been so “chopped and changed” by invaders, scribes and printers over the centuries that the result is “crazy”. […] TSR changes up to 18 per cent of words in the language: wash becomes wosh, love is luv and educate becomes edducate.

2021-04-12

: Neues Konzept: Britische Universitäten glauben, es sei elitär, wegen schlechter Rechtschreibung schlechtere Noten zu vergeben. , , Kultur
In Großbritannien wurde ein ein­schneidender Entschluss gefasst: An Uni­versitäten sollen weder schlechte Ortho­graphie noch gebrochenes Englisch im Ausdruck Gründe dafür sein, dass Studenten eine schlechtere Benotung bekommen. Diese Entscheidung gilt für Fächer, in denen die Sprache gegenüber dem Inhalt zurücktritt. […] Aus den Lehr­körpern der Unis werden jedoch Stimmen laut, die sich massiv gegen diese Art von Weiter­entwicklung wehren. Sie vertreten die Meinung, Prüfungen seien genau dazu da, zwischen denen, die in der Lage sind, aus­zudrücken was sie meinen, und jenen, die es nicht sind, zu unter­scheiden.
: Als der Duden die deutsche Schrift ABSCHAFFTE. Die Welt, , nr. 84, s. 21, Feuilleton (1726 wörter)
Der Duden galt lange als neutrale sachliche Instanz. Doch an Ideologie und Zeitgeist wurde das Wörter­buch schon vor der jüngsten Gender-Offensive oft angepasst. 1941 musste schnell eine alte Tradition abgeschafft werden, weil ein Mann eine einsame Ent­scheidung getroffen hatte. […] Ein solcher hitlerscher Spleen führte dazu, dass der Duden innerhalb nur eines guten Jahres noch einmal wort­gleich in einer ganz anderen Schrift gesetzt werden musste: Die Fraktur, die bis dahin als die „deutsche Schrift“ schlecht­hin gegolten hatte, wich in den Neudrucken der zwölften Auflage ab November 1942 der Antiqua, die wir bis heute benutzen.

2021-04-07

: Warum der sprachreformierte „Schlossgarten“ als Straße auch mal „Schloßgarten“ heißen darf. , , Donnersbergkreis
Zwar ist die Zeit scharfer Boykotte vorüber, doch wider den Stachel zu löcken, regt die trotz mehrfacher Korrektur wenig geliebte Reform noch immer sprachliche Frei­geister an. Und sei es aus Ehrfurcht vor dem eigenen Erbe, wie wir dem Kirch­heimbolander Stadtrat gern zugestehen wollen. Im Baugebiet an der Neumayer­straße haben gerade die ersten Bewohner ihre Häuser bezogen. […] Vor reichlich einem Jahr beschloss der Rat, der Erschließungs­straße den Namen „Am Schloß­garten“ zu geben. So, wie das ganze Gebiet laut Bebauungs­plan von 2018 heißt. Nur dass es darin, korrekt nach Duden, mit doppeltem „s“ geschrieben wird.

2021-04-06

: Deutschstunde: Was hat das Eszett in der Dreißig zu suchen? Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung (627 wörter)
Nun stellt sich die Frage, warum wir nicht „dreissig“ schreiben. Nach der ss/ß-Regel der Rechtschreib­reform steht „ss“ nach kurzem Vokal (Fluss), „ß“ aber nach langem Vokal (Fuß) […]. Vor 1996 wurde uns zugemutet, vom „Fluß“ in die „Flüsse“ zu springen. […] Auf einen Diphthong (Doppel­vokal) folgt nie ein „ss“, sondern dann stets ein Eszett (heiß, außer, fließen).

2021-04-01

: Nachtfalter: Heisse Esel im Stüssihof. Neue Zürcher Zeitung, , 242. jg., nr. 76, s. 11, Zürich und Region
Abend für Abend fänden sich Altstadt­bewohnerinnen und -bewohner draussen auf der Stüssi­hofstatt ein, als Theke diene der Brunnen­rand und als Treib­stoff das Take-away-Angebot des be­nachbarten Kinos Stüssihof. «Dort treffen wir uns jeden tag bei jedem wetter um 17 uhr (natürlich mit abstand)», schrieb der Mann, ein vehementer Verfechter der Klein­schreibung […].

2021-03-28

: Rat für deutsche Rechtschreibung: Genderstern wird nicht ins amtliche Regelwerk übernommen. (Tichys Einblick), , Kolumnen
Aus einer empirischen Erhebung des „Rates“ geht hervor, dass die „Gender“-Schreib­varianten weniger als 0,01 Prozent (ent­sprechend 15.000 Treffern) aus­machen und nach wie vor das „generische Maskulinum“ mit mehr als 2 Mio. Treffern dominiert.
: Rechtschreibrat: Gendern ja, aber weiter ohne Regeln. , , Kultur
Christine Pabst, Herausgeberin des Öster­reichischen Wörter­buchs, sitzt in dem Gremium. Am aktuellen Statement zu gender­gerechten Schreibungen betont sie besonders das zu den Punkten sachliche Korrektheit, Les­barkeit, Vor­lesbarkeit, Ver­ständlichkeit, Rechts­sicherheit und Ein­deutigkeit neu hinzu­gekommene Kriterium Erlern­barkeit. Kol­leginnen aus mehr­sprachigen Ländern hätten dies in die Diskussion ein­gebracht.

2021-03-13

: Nach mir die Sinnflut. Der Spiegel, , nr. 11, s. 110 bis 114, Kultur (3232 wörter)
Stimmt die Behauptung, dass junge Menschen immer mehr Rechtschreib­fehler machen? Eine Auswertung von Abitur­klausuren zeigt: leider ja. […] Die früher gern verwendete Ausrede, man habe erst die alte und dann die neue Rechtschreibung erlernen müssen und wisse nun gar nicht mehr, was richtig oder falsch sei, können die Abijahrgänge 18 und 19 nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. […] Dennoch hat die Rechtschreib­reform die Schreib­kompetenz be­einflusst. Bei den s-Lauten nach kurzen und langen Vokalen (s, ss oder ß) gibt es zwar nur geringe Veränderungen zwischen den Achtziger­jahren und heute. Der Wegfall des »ß« bei »daß« hat jedoch offenbar Verwirrung gestiftet. Heute werden bei der Unter­scheidung von »dass« und »dass« etwa doppelt so viele Fehler gemacht wie früher bei »das« und »daß«. Die Fehler­zahl bei der Getrennt- und Zusammen­schreibung – einem Kern­bereich der Reform – hat sich sogar ver­dreifacht. Die von den Reformern ver­sprochenen Ver­besserungen sind also in Gaien­hofen nicht ein­getreten.
: Familienalbum: Spuren, 1954. Der Spiegel (), , nr. 11, Reporter (322 wörter)
An der Tafel steht unser Lehrer Peter Merks, der uns im Jahre 1954 die Kurz­schrift »Sprech­spur« beibringt. […] Ich kann die Schrift bis heute lesen. Sie ist eine Laut­schrift, die um 1930 der preußische General­major Felix von Kunowski erfunden hatte, der Stenografie ähnlich. Sie wurde Anfang der Fünfziger­jahre von einigen Pädagogen wieder­entdeckt, die annahmen, diese Schrift wäre für Kinder leichter zu lernen als die lateinischen Buch­staben.

2021-03-11

: “Sprachkampf” – Interview mit Autor Henning Lobin. , , Sprachpolitik
Könnte denn der Rat für deutsche Recht­schreibung nicht endlich mal das Gender­sternchen akzeptieren? [Lobin:] Meine persönliche Meinung: Er sollte es nicht tun. Die Frage des Gender­sterns ist eine Frage des Sprach­gebrauchs. Der Stern gehört nicht zum Bereich der Standardisie­rung von sprachlichen Formen und nicht zum Kernbestand der deutschen Orthographie […]. Wir müssen uns im Rechtschreib­rat darüber verständigen, dass es auch Formen schrift­sprachlicher Konventio­nen gibt, die außerhalb der Orthografie eher im Bereich der Typo­graphie liegen.

2021-03-10

: Der frühere NZZ-Chefkorrektor im Porträt. An unsere Akkusativfehler hat er sich gewöhnt. (Basler Zeitung), , Kultur (1046 wörter)
Zu Besuch beim ehemaligen Chef­korrektor der NZZ – dem 93-jährigen Berner Max Flückiger, der soeben die Rechtschreibe-Bibel «Richtiges Deutsch» neu über­arbeitet hat. […] Max Flückiger erinnert sich an internationale Konferenzen, die er früher besuchte. Dort diskutier­ten jeweils Fach­gremien aus Öster­reich, Deutsch­land und der Schweiz für mehrere Tage über ortho­grafische Neuerungen. An einer Tagung in Arbon etwa wurde entschieden, dass es fortan «Gämse» heisst und nicht mehr «Gemse». Gämse komme von Gams, lautete die Begründung. «Eine Gams gibt es aber für uns Schweizer nicht. Da wurden wir am Ende einfach überstimmt.»

2021-03-08

: Mach’s leichter, wenn es zu schwierig wird. Neue Zürcher Zeitung, , 242. jg., nr. 55, s. 32, Feuilleton
Pessimistische Hirn­forscher gehen davon aus, dass die anspruchs­volle Arbeit von Chirurgen um die Mitte des Jahr­hunderts nur noch von Asiaten ausgeübt werden kann, die durch das Erlernen der komplizierten Schrift­zeichen eine bessere Hand-Auge-Koordination ausbilden. Auch die Ein­führung des Lern­prinzips «Schreiben, wie man hört» führt an deutschen Schulen zu bleibenden ortho­graphischen Kalami­täten.

2021-03-06

: „Ich nutze den Genderstern.“ Mannheimer Morgen, , s. 23, Kultur
Duden-Preis­trägerin Christa Dürscheid spricht über ihre Forschung sowie Besonder­heiten der Schweiz […]. Die Rechtschreib­reform wurde öffentlich breit diskutiert, ähnlich ist es jetzt mit der „Genderisierung“, der gleich­berechtigten Be­rücksichtigung aller Geschlechter. Welchen Standpunkt vertreten Sie hierbei? Dürscheid: Die geschlechter­gerechte Sprache ist nun mal ein wichtiges Thema. Was in Stellen­anzeigen und anderen Texten schon länger gefordert und umgesetzt wird, das dokumentiert nun auch das Wörterbuch. […] Was die Schreibung angeht: Der Rat für deutsche Recht­schreibung hat ja seine Entscheidung noch zurück­gestellt. Offiziell zugelassen ist die Ver­wendung des Gender­sterns also noch nicht. In Texten setzt er sich aber immer mehr durch.
: Die Bösewichtin. Süddeutsche Zeitung, , s. 49, Gesellschaft (1895 wörter)
Der Duden steht massiv in der Kritik – weil er „Arzt“ neuerdings männlich definiert. […] Als Chefin des Duden ist man immer auch ein bisschen Blitz­ableiter. Aber so stark wie jetzt, sagt Kathrin Kunkel-Razum, war das Gewitter bisher dann doch eher selten. […] Vor 24 Jahren erlebte sie eine ähnliche Empörung. Es war 1997, damals ging es um die Rechtschreib­reform. […] Die Entrüstung war groß, dass man nun „Stängel“ schreiben sollte und „Fantasie“. Lange her. Aber nun ist die nächste Gewitter­front aufgezogen. Sie richtet sich gegen den Siegeszug der geschlechter­gerechten Sprache […].

2021-03-04

: Mundart als neue Schriftsprache – gaht’s no?. (blue News), , Lifestyle
Für die Digital Natives, die Generation, die von Kindes­beinen an täglich stunden­lang auf Smart­phone-Displays starrt, ist die Mundart die neue Hoch­sprache. Das Schreiben gehe leichter von der Hand, es sei authentischer. Man habe keine Scheu und tippe munter drauflos, denn Regeln gebe es ja keine. Und so zeigt sich nur schon innerhalb eines Dialekts eine riesige Band­breite von «innovativen» Schreib­varianten.
: Die zersetzende Kraft von Debatten. Berliner Zeitung, , s. 16, Feuilleton
Die Redaktion der Berliner Zeitung erhält regelmäßig Manuskripte, die voll und ganz und überaus akkurat nach den alten Rechtschreib­regeln abgefasst sind. Oft stammen sie von älteren Autoren. Die Unter­stellung, dass diese sich noch immer in einem längst vergeblichen Kampf gegen die 1996 vollzogene Rechtschreib­reform befinden, geht jedoch fehl. Die entsprechenden Korrekturen in ihren Texten nehmen sie in der Regel unkommentiert hin, sie scheinen lediglich für sich und ihr Schreiben befunden zu haben, sich nicht mehr an das neue Regelwerk anzupassen. Die Wirklich­keit der geschriebenen Sprache gibt ihnen recht. Was seit der sogenannten Rechtschreib­reform im all­täglichen Schrift­verkehr umgesetzt wird, ist wenig kohärent und folgt vielmehr dem Wildwuchs beliebiger An­wendungen. Das gilt nicht zuletzt auch für Versuche, der Geschlechter­diskriminierung in der Sprache Einhalt zu gebieten und sie durch Doppel­punkt, Stern oder andere schrift­symbolischen Setzungen nicht nur kenntlich zu machen, sondern gleich zu beheben.

2021-03-03

: „So geht es nicht weiter.“ Süddeutsche Zeitung, , s. 9, Feuilleton (2403 wörter)
Christian Kracht erzählt in seinem Roman „Eurotrash“ von einem Schrift­steller namens Christian Kracht. […] Aber warum beharren Sie dann auf der alten Rechtschreibung? [Kracht:] Achso, ja, ich habe vor fünfzehn Jahren einmal ein Manifest unter­schrieben gegen die Rechtschreib­reform, unter anderem übrigens mit Daniel Kehlmann zusammen. Und ich weiß nicht, ob ich da jetzt so einfach wieder heraus­komme aus dieser Ver­pflichtung.

Wir wissen es: so wie die wort­führer der gegner, z. b. der lehrerverbands­präsident, die nun einfach in neuer rechtschreibung publizieren.

2021-03-02

: Deutschstunde: Als sie aus dem Fenster sah, graute dem Morgen. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung (624 wörter)
Die Tages­zeiten nach Adverbien werden seit der Rechtschreib­reform als Substan­tive angesehen und groß­geschrieben: vor­gestern Nacht, gestern Abend, morgen Mittag, heute Nachmittag. Hängt an den Tages­zeiten jedoch ein -s, wandelt sich die Wortart zurück zum Adverb – und Adverbien werden klein­geschrieben: morgens, mittags, abends, nachts.

2021-02-24

: Swedish City Wants to Scrap Nordic Letters to Make Life Easier for Foreigners. (Sputnik International), , Europe
The Gothenburg City Culture Committee has proposed to remove the Nordic letters from certain street names to make it easier for foreign-born tenants who struggle with Scandinavian lettering, the news outlet Samhällsnytt reported. The Moderates, the Christian Democrats and the Liberals in the Gothen­burg City Culture Committee consider names such as Långfils­gatan and Kärnmjölks­gatan in the district of Kallebäck problematic for tenants with a foreign background. To accommodate them, it has been proposed to change the names that include the trademark Å, Ä and Ö letters. The initiative was vehemently opposed by the national-conservative Sweden Democrats.

2021-02-19

: Genderwahn. , , Leserbriefe
Die Sprache ist ein lebendiger Organismus, der sich nach seinen immanenten Struktur­gesetzen entwickelt. Jedweder künstliche Eingriff in diese sprachlichen Gesetz­mäßigkeiten ist von Übel, wie die sogenannte Rechtschreib­reform bewiesen hat, deren Auswüchse ja bis heute die Sprache schädigen.

Dazu: aktuelles zitat.

2021-02-13

: Elitäres Sprachgehabe. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe
Sprache entwickelt sich von unten, und das ist auch gut so. Jeder künstliche Eingriff hat ihr immer nur geschadet, wie die erste Rechtschreib­reform gezeigt hat.

2021-02-07

: Krieg der Stern*innen. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (teilausgabe), , nr. 5, s. 4, Politik (2552 wörter)
Im Gender­lager gilt der Sieg nur als Frage der Zeit. Der Wider­stand dagegen wird als Kultur­kampf gesehen, den die Kon­servativen verlieren werden, wie bei Homoehe, Wehr­pflicht und Rechtschreib­reform. […] Karin Kusterle […] ist eine Germanistin von der Uni­versität Graz […]. Heraus kam, dass die Leute bei „Studenten“ eher an Männer denken, nämlich zu 65 Prozent. Aber ver­schwindet das Problem durch „Studie­rende“? Kusterle hat auch das untersucht. Ergebnis: Bei „Studierende“ denken immer noch 60 Prozent an Männer […]. Das Ergebnis jahre­langer Debatten an Uni­versitäten und der Umbenennung von Studenten­ausschuss, Studenten­parlament, Studenten­kneipe, Studenten­ausweis und Studenten­wohnheim: fünf Prozent. Kusterle fordert seither das Binnen-I. Sie schreibt: StudentInnen.

2021-02-05

: Als Stadt und Kreis zusammen das Marienhospital retteten. (Iserlohner Kreisanzeiger), , Letmathe
Man muss dafür jedoch im Archiv 25 Jahre zurück­blättern, bis Anfang Februar 1996. Es ist das Jahr, in dem US-Präsident Bill Clinton wieder­gewählt wird und die deutsche Telekom an die Börse geht. Seit zwei Jahren wird über die Rechtschreib­reform gestritten, EU-Bürger protestieren gegen Sparpläne aus Brüssel.

2021-01-28

: Warten auf Kinder und Kinderinnen. Berliner Zeitung, , s. 12, Leserbriefe
Schon die un­sägliche Rechtschreib­reform hat der deutschen Sprache nicht gut­getan.
: Was ein Deutschlehrer sich fragt. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , Briefe an die Herausgeber (441 wörter)
Es steckt einem ja nicht nur die bis heute als unausgereift ein­zustufende Rechtschreib­reform in den Knochen; seit einigen Jahren leidet die Recht­schreib(un)si­cherheit zusätzlich unter den ver­heerenden Aus­wirkungen der Methode „Schreiben nach Gehör“, von der man inzwischen zwar abrückt, die aber wie ein Mühlstein um die Hälse ganzer Schüler­generationen hängt, was einem kaum wieder­gutzumachen­den Eingriff in das ortho­graphische Bewusst­sein gleicht. Wenn vor diesem Hintergrund fortan auch noch alles „durch­gegendert“ werden soll, dann empfehle ich vor­sorglich einen Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreib- und Grammatik­leistung aller Schüler […].

2021-01-27

: Das Recht auf Unsichtbarkeit. Süddeutsche Zeitung, , s. 9, Feuilleton (1446 wörter)
Wenn also der Duden das generische Maskulinum abschafft, wie es gerade in deutschen Medien heißt, ist das weder so gut, wie die Befürworter dieser Ent­scheidung glauben, noch so schlimm, wie die Gegner fürchten. Vor allem aber ist es nicht wahr. Der Duden kann das generische Maskulinum sowenig abschaffen, wie ein Hersteller von Landkarten Berlin abschaffen kann oder ein Taschen­rechner Nachkomma­stellen. Der Duden hat keine Macht über die Sprache, seit der Rechtschreib­reform hat er nicht mal mehr das Rechtschreib­monopol, das liegt beim Rat für Deutsche Recht­schreibung.

2021-01-26

: Typograf zum Genderstern: „Das grenzt an eine Verschwörungstheorie.“ , , Lesart
Der Genderstern in Texten ruft schnell heftige Reaktionen hervor. Der Typograf und Buchgestalter Friedrich Forssman lehnt dieses Zeichen ab. […] Der große Unterschied zu anderen Zeichen wie beispiels­weise Semikolon, Ausrufe­zeichen oder Binde­strich sei, dass der Gender­stern eine moralische Funktion haben solle […]. Dagegen wehrt er sich […]. Der Gender­stern sei auch anders zu beurteilen als die Rechtschreib­reform 1996. Diese Reform rief ebenfalls sehr viel Empörung hervor, ist aber inzwischen weit­gehend akzeptiert. Doch mit dem Gender­stern würden wir uns "von unserer Sprach­geschichte dramatisch abschneiden", meint Forssman.

2021-01-21

: Sprachlupe 287; Mieterversammlung: laut Duden ohne Frauen. , , Sprachlupe aus «Der Bund»
Der Duden hat seit der Rechtschreibe­reform keiner­lei amtliche Funktion mehr; er «darf» also alles. Er erhebt aber den Anspruch, den all­gemeinen Sprach­gebrauch wieder­zugeben.

2021-01-15

: „Wir betrachten diese Entwicklung mit Skepsis.“ Sabine Krome, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, über Gender-Sternchen, großes I oder Doppelpunkt. Berliner Zeitung, , s. 14, Feuilleton (1675 wörter)
In der ver­gangenen Woche wurde bekannt, dass die Duden-Redaktion die Definition männlicher Begriffe neu fest­geschrieben hat. […] Darf der Duden das einfach? Sabine Krome, Geschäfts­führerin des Rats für deutsche Recht­schreibung, klärt auf. [… Krome:] Man sieht daran, dass das „Duden-Monopol“ – also „ver­bindlich in Zweifels­fällen zu sein“ – nachwirkt, und zwar über den ortho­grafischen Bereich hinaus. Die im Rahmen der Gender-Thematik häufig vor­genommene Bewertung des generischen Maskulinums ist eigentlich keine Rechtschreib­frage, sondern eine grammatische und sprachpolitische. Hier vermischen sich unter­schiedliche Ebenen. In den deutsch­sprachigen Ländern ist nur die Orthografie amtlich und damit für einige Bereiche – Schulen und Behörden – rechtlich ver­bindlich, die Grammatik etwa folgt ebenfalls ver­schiedenen Regeln und Konventionen, sie ist aber nicht amtlich fest­gelegt. Für den Rat für deutsche Recht­schreibung wird die Frage erst dann zum Problem, wenn ortho­grafische Regeln durch­brochen werden […]. Das aktuelle Papier zur geschlechter­gerechten Schreibung ist gerade fertig geworden. Es muss jetzt noch von Mitgliedern des Gesamtrats, der am 26. März erneut tagt, gebilligt werden. […] Es handelt sich dabei um Empfehlungen des Rats, nicht aber um ortho­grafische Änderungen des Regel­werks. Diese müssen jeweils erst von den staatlichen Stellen aller im Rat ver­tretenen Länder be­schlossen werden.

2021-01-12

: Der Duden schafft sich ab. Berliner Zeitung, , s. 6, Meinung, Kolumne (459 wörter)
Vor genau 150 Jahren wurde das Deutsche Reich gegründet. […] Weil die staatlich geeinigten Deutschen in vielerlei Mund­arten redeten, herrschte auch in der Recht­schreibung blankes Durch­einander. Deshalb begann Konrad Duden […] 1871 damit, ein Wörter­buch zu schaffen. […] Weil sich der Duden nun – nach 140 Jahren – identitären Ob­sessionen relativ kleiner Gruppen unterwirft, büßt er jede Ver­bindlichkeit ein – er schafft sich selber ab. Ich gehe jeden­falls weiterhin zum Bäcker – nicht zum Backshop, zur Backenden oder zur Bäcker*in.
: Wenn Länder Schule machen. Das Image der Konferenz der Kultusminister war schon vor der Pandemie schlecht – ihre Mitglieder tun wenig dafür, es zu verbessern. Der Tagesspiegel, , s. 6, Agenda
Einen schlechten Ruf hatte die Kultus­minister­konferenz schon immer. […] Die Liste der Themen, bei denen der Einrichtung wahlweise Untätigkeit, Inkompetenz oder Eigen­brödlerei der Länder vorgehalten wird, ist lang. Seien es Lehrkräfte­mangel, vergleich­bare Noten, Schul­abschlüsse und Schulformen, Digitalisie­rung, aufeinan­der abge­stimmte Ferien­termine oder, wenn man weiter zurück­gehen will, die lange erbittert umkämpfte Rechtschreib­reform, die ebenfalls von den Kultus­ministern ausging und umgesetzt wurde.

2021-01-06

: Die Zerstörung der deutschen Sprache. (Stefan Hartmann), , blog (4418 wörter)
[…] ein gewisser Sprachelitismus, dem wiederum eine Fehl­konzeption von Sprache zugrunde­liegt, die eng mit der Vorstellung zusammen­hängt, dass Sprache statisch sei: nämlich die Idee, dass es ganz klar richtige und falsche Formen gibt. Auch hier sind wir teilweise durch den Schul­unterricht vor­geprägt: Wir denken über Sprache im Sinne von Normen nach. Wir fragen uns, was das standard­sprachlich Richtige ist. Und tat­sächlich gibt es ja auch Normen, die teil­weise verbindlich sind – sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir uns weit­gehend an ver­bindliche Regel­werke halten. Das gilt vor allem für die Schrift­sprache, wo es amtliche Rechtschreib­regeln gibt. Auch diese gelten aber natürlich nur in offiziellen Kontexten – wenn eine Privat­person beschließt, von nun an nur noch klein zu schreiben, dann kann sie das tun, und wenn ein privat­wirtschaftliches Unter­nehmen beschließt, ab sofort sein eigenes Regelwerk ein­zuführen, weil es die amtlichen Rechtschreib­regeln für doof hält, hindert es auch niemand daran.

«… sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir …» Wir? Für eine grosse mehrheit der bevölkerung gilt bezüglich der schule «mussten», und nur eine kleine minderheit arbeitet bei einer behörde. Für letztere ist auch nicht die behörde entscheidend, sondern der (ebenso freiwillige wie weit verbreitete) status als angestellter. Dass sich die behörden hin­wiederum an die schul­recht­schreibung halten, ist verständlich, aber nicht zwingend, wie Bismarck und mehrere schweizer gemeinden gezeigt haben.

2021-01-03

: Konrad Duden: Aus „Vieh“ wollte er „fi“ machen, aus „du wäschst“ „du wäscht“. , , Kopf des Tages
1871 legte Duden […] seinen ersten Vorschlag für eine Rechtschreib­reform vor. 1876 war er einer der führenden Köpfe auf der Berliner Konferenz zur „Her­stellung größerer Einigung in der deutschen Recht­schreibung“. Duden gehört zur Partei der Wissen­schaftler, die die Buch­staben f, v und ph durch einheitliches f ersetzen wollten. Das Dehnungs-h wollten sie auch weitgehend ab­schaffen. Dann hätte man nicht mehr Vieh, sondern fi geschrieben.