Dass mich die Reform grundlegender beschäftigt hätte, daran erinnere ich mich nicht. Die Zeitung, für die ich heute schreibe, war deswegen hingegen auf der Palme, viele ihrer Leser auch. Es gab hitzige Debatten – und im F.A.Z.-Feuilleton eine Serie mit dem Titel „Überflüssige Reform“.
Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)
Aus presse und internet
2026-08-08
2026-07-23

Vor 30 Jahren beschlossen die deutschsprachigen Länder eine Reform der Rechtschreibung, welche jahrelang zu reden gab. Heute schwelt der Streit um die neue deutsche Rechtschreibung weiter – allerdings auf deutlich kleinerem Feuer. […] Nachfolgend in Form von Fragen und Antworten die wichtigsten Informationen zu dieser Reform, deren angepasste Fassung vor 20 Jahren, am 1. August 2006, in Kraft trat. […] 2006 wurde in der Schweiz «angesichts der alten und neuen Mängel» von Praktikern aus Verlagen, Sprachwissenschaft, Schule und Politik die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) gegründet. Sie meldete sich kürzlich zum zweifachen Jahrestag der neuen deutschen Rechtschreibung (erste Reform 1996, zweite Reform 2006) und zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum mit einer Medienmitteilung zu Wort. […] Der Leiter Kommunikation bei der EDK, Stefan Kunfermann, schreibt auf Anfrage: «Dem Generalsekretariat der Konferenz der 26 kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren sind weder Unruhen noch Klagen von Lehrpersonen bekannt. Auf Stufe der EDK gibt es hierzu aktuell keine Diskussionen.»
2026-07-18
Im Juli 1996, also vor 30 Jahren, wurde die hoch umstrittene deutsche Rechtschreibreform verabschiedet. Nicht zuletzt aufgrund heftigen öffentlichen Protests wurde sie später mehrfach überarbeitet. Um dieses historischen Moments zu gedenken, greifen einige (aber nur einige) Fragen in unserem heutigen Abc-Sprachquiz orthografische Probleme auf.
Die quizverfasser haben auch nicht ganz bestanden: fundsachen paariges komma.
2026-07-04

Dass der Widerstand in der Schweiz geringer ausfiel, hatte zum einen damit zu tun, dass man hierzulande die Öffentlichkeit über das Reformbestreben früher und breiter informierte als in Österreich und in Deutschland. […] «Man hat rückblickend wohl zu sehr die Perspektive der Schülerinnen und Schüler eingenommen, denen man den Deutschunterricht vereinfachen wollte, und zu wenig die Perspektive der gesamten Muttersprachler», ist der Schweizer Sprachwissenschaftler, Deutschdidaktiker und Lehrer Knut Stirnemann überzeugt.
Dass der widerstand in der Schweiz geringer ausfiel, liegt auch daran, dass sich wegen des fehlenden ß praktisch nichts geändert hat. – Dass schulbehörden die perspektive der schülerinnen und schüler einnehmen, ist eigentlich nicht so abwegig.
2026-07-01
Es dauerte lange, bis die teilrevidierte (und nicht mehr Teil revidierte) neue Rechtschreibung an den Schulen übernommen wurde. 2006 stimmte die Erziehungsdirektorenkonferenz den neuen Regeln zu. 2009 wurden sie an den Schweizer Schulen notenwirksam. Der Philosoph ass wieder Mayonnaise, während sich die Gämsen, aber nicht zu Gemsen zurückbilden durften.
Typisches beispiel für die ungenauigkeit und die erfindungsgabe von journalisten.
2026-06-30
Der Sprachwissenschaftler Horst Haider Munske zieht eine vernichtende Bilanz für die versprochene Entlastung von Schülern durch die Rechtschreibreform. Heute haben sie mehr Probleme in der Orthographie als davor. […] Munske stellt fest, dass auf die einschneidendsten Punkte, die einfachere Bezeichnung der Vokalquantität und die Substantivgroßschreibung, verzichtet wurde. […] Zum Verhältnis von Schreiben und Lesen lässt sich nach Munske vereinfacht sagen: Alle Besonderheiten, die das Lesen erleichtern, machen das Schreibenlernen schwieriger. Was hier als Mangel erscheint, ist dort ein Vorteil.
Nicht das Schreiben sollte künftig im Mittelpunkt stehen, sondern das Lesen und das lesende Verstehen. Es kommt jetzt darauf an, die Besonderheiten hervorzuheben, die gerade dem Leser dienen. Dazu gehört z.B. die sogenannte Stammschreibung. […] Die Kommasetzung, ein Schrecken vieler Schüler, könnte von dem Odium der Unlernbarkeit befreit werden, wenn man hervorhebt, auf welche Weise sie das schnelle Verstehen von komplexen Sätzen ermöglicht. Ganz besonders ist die Substantivgroßschreibung zu würdigen. Sie zeigt Wortartwechsel an und strukturiert komplexe Wortgruppen.
2026-06-28

Als vor 30 Jahren die «Filosofen» die «Majonäse» aufs Brot streichen sollten, und sich in den Bergen neu «Gämse» tummelten, sahen viele Schreibende das deutschsprachige Abendland voller «Gräuel» am Abgrund.
Unsere stellungnahme, veröffentlicht als leserkommentar am 29.06.2026 13:35: Dass die rechtschreibung «umgekrempelt» wurde, ist stark übertrieben. Selbst die schärfsten gegner müssen zugeben: «So viel hat sich auch gar nicht geändert, man muß ziemlich genau schauen, um zu erkennen, welche der beiden [regelungen] vorliegt. Das ist vor allem bei uns in der Schweiz der Fall.» – «Von der ‹Philosophie› zur ‹Filosophie› und wieder zur ‹Philosophie›»: Das haben Sie sich aus den fingern gesaugt. «Filosophie» und leider auch «Filosofie» hat es nie gegeben. «Majonäse» gab es sehr wohl, aber seit 84 jahren, nicht seit 30.
2004/2005 kehrten verschiedene Zeitungen und Verlage, zum Beispiel die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», aus Protest zur alten Rechtschreibung zurück. Die «NZZ» entwickelte eigene Regeln.
«Die ‹NZZ› entwickelte eigene Regeln» ist ungenau. Sie hatte schon immer eigene regeln, so geht z. b. die neue schreibweise «überschwänglich» auf einen alten brauch der NZZ zurück.
2026-06-20
Der Autor will an seiner Umgebung die «Weltänderung» vollziehen. «Weltänderung» ist ein magisches Wort nach dem Ersten Weltkrieg. Es fällt auch in Korrodis «Literaturbriefen». Inglin wendet es auf die Welt seiner Herkunft an.
Unser 1924 gegründete Bund für vereinfachte rechtschreibung wendet es auf die ortografie an. Leider war der reformer Konrad Duden 1911 gestorben.
2026-06-19
Lange herrschte Chaos in der Rechtschreibung. Doch 1901 legte der Staat fest, wie deutsche Wörter geschrieben werden – auch ein Herr Duden beriet die Politiker. […] 1876 erarbeiteten einige Fachleute einen ersten Versuch. Die Teilnehmer dieser Konferenz in Berlin empfahlen unter anderem, statt ‚c‘ künftig je nach Aussprache ‚k‘ oder ‚z‘ zu schreiben (also "Kultur" statt "Cultur", "Köln" statt "Cöln" und "Zirkus" statt "Circus"), ‚th‘ in Theil, Thür oder Noth abzuschaffen und Doppelvokale und das Dehnungs-h meist wegzulassen, solange es dadurch nicht zu Bedeutungsveränderungen komme (aus "Huhn" würde "Hun", aus "Saal" "Sal", aber aus "Ruhm" eben nicht "Rum"). Die Vorschläge wurden anschließend in den Zeitungen und unter Politikern hitzig diskutiert – vor allem konservative Kreise lehnten sich auf. Schließlich witterte Reichskanzler Bismarck eine "Sprachkonfusion", und drohte seinen Beamten mit ernsten Konsequenzen, sollten sie die neue Rechtschreibung anwenden. Das Reformprojekt war tot. In den folgenden 25 Jahren driftete die Gesellschaft bei dem Thema Orthografie auseinander. Denn 1880 brachte Konrad Duden, Direktor eines Gymnasiums, ein Buch mit dem Titel "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" heraus […].
2026-06-08
Die von Katja Scholtz („Liebling, wer hat die Sprache verhunzt?“, F.A.Z. vom 22. Mai) so treffend beschriebene Verunsicherung als Folge der Rechtschreibreform und des beschleunigten Sprachwandels möchte ich nicht kleinreden. […] Schriftsprache ist Normsetzung! […] Auch ist Rechtschreibung […] wichtig und nützlich zu lernen. Man lernt durch die Großschreibung die Wortklassen gleich mit – sehr praktisch!
Sehr unpraktisch!
Sprachwandel verunsichert viele Menschen – besonders seit der Rechtschreibreform und durch die Vielzahl an Anglizismen im Alltag.
2026-06-03

Die SOK ruft dazu auf, dass die staatlichen Instanzen ihre Zuständigkeit für die Rechtschreibung wieder abgeben und dass das amtliche Regelwerk in seiner heutigen Form unabhängig überprüft wird. Wir müssen wieder einen Weg zu einer einheitlichen, sprachrichtigen und sich autonom entwickelnden Rechtschreibung finden. 100 Millionen Deutschsprachige brauchen weder eine alte noch eine neue noch eine verbesserte Orthographie, sondern schlicht die beste.
2026-06-02
Die umstrittene Reform und ihre Revisionen habe eine nachhaltige Verunsicherung und ein Gefühl der Beliebigkeit ausgelöst und damit «die rapide abnehmende Schreibkompetenz» mitverursacht, teilte die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens am Dienstag mit.
Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) fordert zwanzig Jahre nach der Rechtschreibreform ein Ende der staatlichen Regeln.
Die SOK fordert 125 jahre nach der rechtschreibreform von 1901 ein ende der staatlichen regeln. Die SOK ist ja so unheimlich schnell.
2026-06-01
1. Der Rechtschreibskandal 1996 / 2006 / 2026 – 2. Welche Rechtschreibung ist einfacher zu lernen, die herkömmliche oder die sogenannte «neue»? – 3. Korrekturprogramme: in wichtigen Fällen völlig nutzlos! – 4. Neun Fragen an die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe – 5. Was spricht für die herkömmliche und gegen die heute gültige «amtliche» Rechtschreibung? Ein Argumentarium.
Heute, am 1. Juni 2026, haben wir den 20. Jahrestag der Gründung der SOK gefeiert. Unser Doyen, Dr. Dr. h. c. Urs Breitenstein, hat dabei das Präsidium nach zwölf Jahren an mich übergeben.
2026-05-22
Ein Satz, mit dem ich meinen Mann zuverlässig in den Wahnsinn treiben kann, lautet: Der Duden lässt beides zu. […] Ich hingegen finde Zweifelsfälle reizvoll, also abgesehen von jenen natürlich, die durch die Rechtschreibreform verursacht wurden, denn damit wurde mir damals mein Steckenpferd Nummer eins genommen. Früher wusste ich im Schlaf, wie man Wörter wie „zugrunde gehen“ schreibt, heute habe ich keine Ahnung, zugrundegehen, zugrunde gehen oder zu Grunde gehen? Rad fahren oder radfahren, desweiteren oder des Weiteren, pieksen oder piksen? Muss ich alles nachschauen, immer wieder. Auch vor der Rechtschreibreform wurde vieles nachgeschaut, und das klassischste aller Nachschlagewerke gehörte in vordigitaler Zeit in den meisten Haushalten so selbstverständlich zum Inventar wie Löffel oder Stühle.
2026-05-21
Den Anlass lieferte eine Frage zur Rechtschreibreform: „Wenn eine Person sehr viel Pech hat, kann sie uns nach der Rechtschreibreform schon mal...?“ – zur Wahl standen „leidtun“ (A), „leid tun“ (B) oder „Leid tun“ (C). Kandidatin Angelina scheiterte – und auch Kinne erging es nicht besser. „Ich bin da auch völlig raus“, gestand der Jäger offen.
2026-04-28
Statt 26 Buchstaben erlernen japanische Kinder mehr als 2000 Schriftzeichen – die Kanji – in ihrer Schullaufbahn. […] Das japanische Schriftsystem ist sehr komplex. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachen nutzt Japanisch nicht nur eine Schrift, sondern gleich drei verschiedene: Hiragana, Katakana und Kanji. […] Hiragana und Katakana sind Silbenschriften, die jeweils aus 46 Zeichen bestehen. Kinder beginnen zunächst, diese vergleichsweise einfachen Schriften zu erlernen, bevor die komplexeren Kanji schrittweise auf dem Lehrplan stehen. […] Bis zum Ende der Grundschule stehen die ersten 1026 der Jōyō-Kanji auf dem Plan […]. Die verbleibenden 1110 Zeichen werden in den Klassen 7 bis 9 der Mittelstufe eingeführt. […] Wer jetzt denkt, mit den 2136 Jōyō-Kanji wäre das Erlernen der japanischen Schrift abgeschlossen, irrt sich: Japanische Wörterbücher wie Dai Kan-Wa Jiten listen bis zu 50.000 von ihnen auf […]. […] durch den technologischen Fortschritt schreiben Menschen im Laufe ihres Lebens jedoch immer mehr digital in Form des Tippens und weniger per Hand. Das kann einen negativen Einfluss auf die Schreibfähigkeit haben.
2026-04-17
Von Jeffrey Epstein bis Donald Trump, vom Twitter-Mitgründer Jack Dorsey bis Skydance-Vorsitzenden David Ellison zeigten die Titanen der Geschäftswelt und Politik „eine auffällige Missachtung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und korrekter Grammatik“. Als Dorsey mit einem Memo im Februar 2026 die Entlassung von 4000 seiner 10.000 Mitarbeiter beim Software-Unternehmen Block ankündigte, geschah das in radikaler Kleinschreibung – auch bei Namen und Satzanfängen. Während man diese Entscheidung noch als ästhetisch begründet (von den Grimms über das Bauhaus bis zu manchen Nazireformen hielten viele Radikale Majuskeln für Entartungen) oder als bloße orthografische Rationalisierungsmaßnahme („Wir feuern die Großbuchstaben gleich mit!“) interpretieren konnte, schrieb Ellison den Warner-Boss David Zsaylay als „Daivd“ an […].
2026-04-16
In drei Anläufen ins deutsche Alphabet. Ein Hörbuch und ein Online-Archiv zum Eszett. […] Über Jahrhunderte existierte der Buchstabe »ß« nur als Kleinbuchstabe. Aus gutem Grund oder als ein abzustellender Mangel? […] Mit deiner Hilfe soll die spannende Geschichte um diesen Streit der Typografie und Rechtschreibung zum ersten Mal in Gänze erzählt werden.
2026-03-28

Rechtschreibung gilt zunehmend als Nebensache in einer digitalisierten Welt, in der Programme Fehler korrigieren und Texte automatisch entstehen. Die Perspektive derjenigen, die Schreiben lernen, zeichnet jedoch ein anderes Bild. Kinder und Jugendliche messen korrekter Orthografie eine hohe Bedeutung bei – für das Verstehen von Texten, für schulischen Erfolg und für ihre persönliche Wirkung auf andere. Die Wissenschaft gibt ihnen Recht: Rechtschreibung strukturiert Inhalte und ermöglicht erst, dass Wissen aufgebaut und genutzt werden kann. Sie ist ein elementarer Bestandteil der Sprachentwicklung.
2026-03-23

CEOs and billionaires don’t worry that people will think they’re stupid because of their poor composition. But the rest of us try-hards know that whether it is justified or not, many readers will judge writers’ intelligence and authoritativeness by their grammar and composition.
2026-03-11

From Epstein’s associates to Jack Dorsey to David Ellison, the rich and powerful share a seeming disregard for proper English. […] Before the digital era, executives, lawmakers and other important people often communicated via secretaries and press releases. Now they fire off messages from their phones and computers day and night. […] Disregarding spelling and grammar in a written conversation can be a power move or a sign of friendliness, or perhaps both at the same time, said Deborah Tannen, a linguistics professor at Georgetown University.
2026-03-04

Fast 30 Jahre haben wir als JUNGE FREIHEIT der Reformschreibung eine Nase gedreht. Eine Reform, die Bürokraten der Kultusministerien 1998 gegen den Protest der Mehrheit der Schriftsteller, aber auch der Bürger durchgedrückt hatten. Nun passen wir schweren Herzens und nach jahrelanger Überlegung unsere Rechtschreibung an die sichtbarste Änderung an, die die unselige Reformschreibung verursacht hat: die Verwendung des „ß“. […] Nachdem jedoch inzwischen zwei Schülergenerationen (meine eigenen Kinder eingeschlossen) mit der neuen Schreibung großgeworden sind, halten wir die Anpassung – nicht zuletzt auch mit Blick auf unsere digitalen Kanäle – im Sinne der allgemeinen Lesbarkeit und Rechtschreibeinheit für sinnvoll.
Mindestens zwei der redaktoren sind jünger als die reform; bei ihnen sind es wohl nicht nur ihre kinder.
2026-02-27
The bill […] proposes setting up an investigation into the feasibility of introducing a simpler version of English to make reading easier for younger children. […] The new system would be tested in school experiments in England and Scotland paid for by the government.
2026-02-19
Zum Föhn – mit h – wurde der Haartrockner offiziell erst 1996, im Zuge der Rechtschreibreform.
2026-02-13

»Die Ältern« Neuer Film von Sönke Wortmann. Während der Titel eine überfällige Korrektur vornimmt, die bei der Rechtschreibreform übersehen wurde, geht es inhaltlich darum, was passiert, wenn die Kinder aus dem Haus sind. […] (Kino)
[…] der geschwungene Schriftzug „Freßgass“ […]. Weil die Straße wegen ihrer Dichte an Restaurants, Cafés und Feinkostläden als Futtermeile bekannt ist, hat sich die volkstümliche Bezeichnung Freßgass’ durchgesetzt und wurde in den Siebzigerjahren sogar per Beschluss der Stadtverordnetenversammlung als Ergänzung zu den beiden offiziellen Straßenbezeichnungen festgelegt, mit dem „ß“ in der ersten Silbe, das noch aus der Zeit vor der Rechtschreibreform stammt und deshalb auch beibehalten wurde. Der Apostroph am Ende, den die Rechtschreibung erfordert, weil das „e“ hinten wegfällt, fehlt allerdings.
Gass ist vermutlich dialekt; dann ist der apostrof nicht nötig. Dann musste es nach alter regelung Freßgaß heissen.
2026-01-29

Das Caritas-Forum 2026 in Bern gibt der Schweizer Hilfsorganisation Gelegenheit, auf eine 125-jährige Geschichte zurückzublicken. […] Das Jahr 1901 war ein ereignisreiches Jahr: […] In Berlin wurde die II. Orthographische Konferenz durchgeführt, bei der unter Beteiligung von Konrad Duden Möglichkeiten für eine Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung diskutiert wurden. […] Mit dem «Charitasverband» […] ging es rasch aufwärts. Die seltsame Rechtschreibung, an der sich Konrad Duden wohl gestört hätte, konnte nicht verhindern, dass diese Gründung inzwischen Weltgeltung erlangt hat.
2026-01-28
Schreiben ist im Vergleich zum Sprechen eine junge sprachliche Tätigkeit, die sich auch verändernd auf Sprache und Denken auswirkt. Die Schriftsprache ist nach dem Psychologen Lew Wygotski (1896-1934) keine einfache Übersetzung der mündlichen Sprache in Schriftzeichen und das Erlernen ist auch keine einfache Aneignung der Technik, da sich die Schriftsprache in Aufbau und Funktion von der mündlichen Sprache unterscheidet […]. Das deutet darauf hin, dass das Erlernen der Schriftsprache keine ganz einfache Sache ist. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Kinder Schwierigkeiten damit haben. Das fängt mit der Handschrift an, setzt sich in der Rechtschreibung und Grammatik fort und kulminiert im Schreiben verständlicher Texte. Auf diese Schwierigkeiten kann man in unterschiedlicher Weise reagieren. Man kann z.B. die Anforderungen reduzieren. […] Die Rechtschreibreformen von 1996 und 2006 hatten das Ziel, die Rechtschreibung einfacher zu machen und den Kindern damit das Lernen zu erleichtern. Die Rechnung ging nicht auf.
2026-01-27

Kinder und Jugendliche nehmen korrekte Rechtschreibung deutlich ernster als allgemein vermutet. Obwohl die Rechtschreibkompetenz stetig abnimmt, erachten sie korrektes Deutsch als wichtigen Faktor für ihren persönlichen Erfolg. Das zeigt die erste repräsentative Umfrage, die Kinder und Jugendliche zum Thema Rechtschreibung befragt hat. Die bundesweite Studie wurde im Dezember 2025 im Auftrag des führenden privaten Bildungsanbieters Studienkreis vom auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Umfrageforschungsinstitut KB&B Family Facts durchgeführt. Danach finden es rund 85 % der befragten Kinder und Jugendlichen wichtig oder sehr wichtig, richtig zu schreiben. 80 % glauben, dass Rechtschreibung auch im Zeitalter von KI, Autokorrektur und Sprachassistenten eine große Rolle spielt. Befragt wurden 1.011 Mädchen und Jungen zwischen acht und 16 Jahren.
2026-01-26
Kinder und Jugendliche sehen Rechtschreibung als Schlüssel für Noten, Anerkennung und ihre Zukunft – KI und Autokorrektur zum Trotz. Dennoch nehmen Rechtschreibleistungen stetig ab, Schulen scheitern an der Vermittlung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage zur Ausgabe der Halbjahreszeugnisse 2025/26.
2026-01-24

Die Arbeit von Konrad Duden hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Etablierung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung. Duden engagierte sich aber auch im typografischen Kontext, etwa als Mitbegründer des Altschriftvereins oder als langjähriger Unterstützer des Eszett-Buchstabens in seiner kleinen und großen Form. Letzteres soll hier einmal genauer beleuchtet werden. Wir werfen einen Blick auf die Aussagen zur Schreibweise des ß im Versalsatz über sämtliche Duden-Ausgaben hinweg.
2026-01-13
Голова Верховної Ради України Руслан Стефанчук представив ідею оновити український правопис й створити глосарій правничої мови без канцеляризмів і русизмів.Der Vorsitzende der Werchowna Rada von der Ukraine, Ruslan Stefantschuk, erläuterte die Idee, die ukrainische Schreibweise zu aktualisieren und ein Glossar der Rechtssprache ohne Klerikalismen und Russismen zu schaffen.
2025-12-23
Ich glaube übrigens, dass die Erosion des stabilen »Made in Germany«-Deutschlands mit der Rechtschreibreform begonnen hat, in den goldenen Neunzigern. Ich meine es ernst. Obwohl fast niemand sie wollte – außer ein paar von ihrem Missionarsgeist überforderte Germanisten –, saßen jahrelang Kommissionen zusammen, die ständig neue Regeln und Gegenregeln, Ausnahmen und Ausnahmen von Ausnahmen erfanden. Was dazu führte – und ich erspare Ihnen die üblichen Party-Beispiele von »Essstörung« bis »Majonäse« –, dass heute kein Mensch weiß, was falsch und richtig ist […].
Stellungnahme: «Lahme kolumne.
2025-12-11
Einen alternativen Lernweg eröffnet die von dem im September verstorbenen Linguisten Peter Eisenberg aufgedeckte Systematik der Schriftsprache. […] Die Groß- und Kleinschreibung kann wortartenbezogen oder im Satzzusammenhang betrachtet werden. Sie dient der Lesbarkeit von Texten. Versuche in den 1980er-Jahren, in deutschen Texten nur die Kleinschreibung zu verwenden, blieben Episode, da die Texte schwer lesbar waren. Die Grammatik des Deutschen unterscheidet sich eben grundlegend von der englischen.
2025-12-08

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts verknüpft orthografische Kompetenz ausdrücklich mit Bildungsgerechtigkeit. […] Einen weiteren Blickwinkel eröffnet der Bildungsforscher Prof. em. Friedrich Schönweiss, der über zwei Jahrzehnte an der Universität Münster zur Rechtschreibung forschte. […] Schönweiss betont, dass Orthografie-Mängel weitreichende Folgen haben können. „Schwierigkeiten mit dem Schreiben“ seien „alles andere als ein isoliertes Problem“, sondern verbunden „mit einem fatalen Niveauverlust auf sämtlichen Ebenen, in allen Fächern“. […] Der Umgang mit Geschriebenem werde „so schnell nicht aus Alltag und Schule verschwinden“.
2025-12-05

Nicht die Sprache selbst verfällt, sondern die Chancen verteilen sich immer ungleicher. Vor allem Kinder ohne bildungsnahe Unterstützung verlieren den Anschluss. Ein Grund: Die Lehrpläne setzen längst andere Schwerpunkte. […] Für die Wirtschaft, Abnehmer der Absolventen des Systems Schule, sind Rechtschreib-Kompetenzen durchaus noch wichtig, wie eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen unter Betrieben der Region deutlich macht – und: Die aktuelle Bildungsforschung in Gestalt des IQB-Bildungstrends bestätigt, dass die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Orthografie zwischen 2015 und 2022 drastisch gesunken sind.
2025-12-04

Schulabgänger beherrschen grundlegende Kulturtechniken immer schlechter – allen voran die Rechtschreibung. Daten aus dem IQB-Bildungstrend bestätigen den Befund: Die Deutschleistungen der Neuntklässler sind seit 2015 massiv eingebrochen. Besonders die Orthografie zeigt dramatische Rückgänge. Was steckt dahinter? In einer Serie auf News4teachers unternehmen wir einen Faktencheck – und beleuchten die Hintergründe. […] Der IQB-Bildungstrend 2022 ist die derzeit umfassendste Datengrundlage zu den Deutschkompetenzen der Neuntklässler. […] Die IQB-Daten stützen die Wahrnehmung, dass formale sprachliche Kompetenzen – insbesondere in der Rechtschreibung – spürbar nachgelassen haben.
2025-11-28

Dabei kam die Reform nicht überraschend, sondern bahnte sich über Jahrzehnte an. Schon 1954 wurden von Sprachpflegern "Empfehlungen zur Erneuerung der deutschen Rechtschreibung" vorgelegt.
Schon 1924 wurde unser Bund für vereinfachte rechtschreibung gegründet, und auch das kam nicht überraschend. Zum politikum wurde die rechtschreibung nicht vor 30 jahren, sondern eher vor 145 jahren (wie heute für die schule) mit «Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung» des königl. preussischen ministerium der geistlichen, unterrichts- und medizinal-angelegenheiten.
2025-11-12

Mitte des 19. Jahrhunderts schlugen Prof. Dr. Gutav Michaëlis und andere Einzelbuchstaben vor, die ch und sch in deutschen Texten ersetzen sollten. Es erschienen auch verschiedene Drucksachen mit entsprechenden, eigens geschnittenen Bleisatzbuchstaben. Eine gute Idee oder übereifriges Reformbestreben? Ein Blick zurück auf eine in Vergessenheit geratene Idee. […] Anhänger fand die Idee, neue Zeichen für ch und sch zu etablieren, letztlich kaum.
2025-10-30
Ist Gendern nur ein Trend, der umgekehrt werden kann, oder wird es sich durchsetzen? Simon Meier-Vieracker: Alles ist möglich. Es gibt ja einen ähnlichen Fall aus den Achtzigerjahren, als versucht wurde, die Großschreibung abzuschaffen. Fachzeitschriften erschienen damals durchgängig nur in Kleinschreibung, weil man davon ausging, dass dies die Zukunft sei. Das hat sich letztendlich dann doch nicht durchgesetzt. Und es könnte sein, dass das mit dem Gendern genauso sein wird.
Letztendlich? Sind wir am ende? Unter achtzigerjahre verstehen wir 1680er, 1780er, 1880er und 1980er.
2025-10-27
Freiheit, Fortschritt und Innovation gebe es nur um den Preis der Unberechenbarkeit. Deshalb brauche es ein neues Denken in Deutschland, sagt der Kabarettist Vince Ebert. […] Denn wenn wir Menschen niemals etwas Bescheuertes getan hätten, wäre auch nichts Geniales entstanden.
2025-10-22
Denn wer genauer hinschaut, entdeckt am Gebäude die Inschrift „Rathhaus“. […] Vor weit mehr als 100 Jahren war die Schreibweise mit dem doppelten h üblich. Hinter jedem einfachen „t“ wurde ein „h“ angefügt – das galt für Thüren, Thäter oder Thränen. Erst im Jahr 1901 wurde auf der Orthographischen Konferenz in Berlin die Schreibweisen ohne h vereinheitlicht.
2025-10-15
Schreibweisen-Änderungen in den letzten 30 Jahren. Die folgende Tabelle zeigt die Veränderung der Schreibweisen einzelner Wörter und Ausdrücke im Deutschen im Zeitraum von vor 1996 bis zum neusten Rechtschreib-Update 2024.
2025-10-07
Der Sprachwissenschafter Roland Kaehlbrandt wirbt für die deutsche Sprache: […] Sogar manche Politiker würden in ihren Reden beweisen, wie elegant und genau Deutsch sein könne, sagt er im Gespräch mit Birgit Schmid. [… Kaehlbrandt:] Ich empfehle einen grossen Rechtschreibwettbewerb nach französischem Vorbild: «Les Dicos d’or», ein öffentliches Diktat, an dem Tausende von Schülern und Erwachsenen teilnahmen. In Deutschland gab es einen ähnlichen Versuch unter dem Titel «Deutschland schreibt». Mit dem Wettbewerb sollen die Rechtschreibkompetenz und der gesellschaftliche Stellenwert der Sprache verbessert werden. In Frankreich lieben sie ihre Sprache. Etwas mehr von diesem Selbstbewusstsein stände uns Deutschsprachigen gut an.
Der Rechtschreibrat hat neue Regeln zur Rechtschreibung beschlossen, die mit 1. September in Kraft getreten sind. Der ÖAW-Soziolinguist Manfred Glauninger erklärt im Gespräch, was davon betroffen ist. […] Glauninger: Letztendlich hat es die Menschen wohl wenig gekümmert, ob auf ihrem Lieblingslokal regelkonform „Franzis Café“ stand, statt wie bisher falsch „Franzi's Café“ […]. Die neuen Regeln erlauben nun Apostroph-Schreibungen im Fall von Eigennamen, also in unserem Beispiel ist „Franziʼs Café“ jetzt richtig, während der Cappuccino, vor dem mein Freund Franzi sitzt, nach wie vor „Franzis Kaffee“ bleibt.
2025-10-06
Obwohl es zugelassene Schreibvarianten gab, die den deutschen Schreibgewohnheiten näher waren, konnten sich diese nicht durchsetzen. So war der Ersatz von <é> durch <ee> in manchen aus dem Französischen übernommenen Wörtern bei den Schreibenden nicht sonderlich beliebt. Zwar stehen Komitee und Frottee bereits lange im Wörterbuch, doch es konnten sich nur wenige mit Dekolletee (zusätzlich zu Dekolleté) oder Pralinee (Praliné) anfreunden.
2025-09-30
Während die Schweiz über das Frühfranzösisch streitet, geht ein ungleich ernsteres Problem vergessen: Immer mehr Schülerinnen und Schüler können nicht lesen – in ihrer Muttersprache. […] Die jüngsten Zahlen zum Phänomen […] stammen aus vier Nordwestschweizer Kantonen. Dort nahmen zwischen 2019 und 2024 die Deutsch-Leistungen rapide ab. Dritt- und Fünftklässler verloren demnach in fünf Jahren fast ein Semester an Lernfortschritten. Die sinkende Lesefähigkeit ist ein internationaler Trend. Wie in der Schweiz sinkt auch im OECD-Schnitt die Lesekompetenz unter Schülerinnen und Schülern. In Deutschland ist sie beispielsweise so tief wie noch nie.
2025-09-29
Grammatiken, die etwas taugen und zu denen man auch nach Jahrzehnten noch greift, begnügen sich mit „Grundzügen“ oder eben einem „Grundriß“. Dass man dieses Wort inzwischen mit Doppel-s schreibt, markiert eines von Eisenbergs Kümmernissen: die deutsche Rechtschreibreform seit 1996. Aus ihr wurde, nicht etwa obwohl, sondern weil sie gut gemeint war (mehr aber auch nicht), die wohl größte Murksveranstaltung der Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftspolitik der Nachkriegszeit […]. Wie verfehlt schon eines der reformerischen Kernanliegen, die Angleichung der Schrift an die Lautung, war, wollte man nicht wahrhaben, auch wenn schon der Alltag das gebrochene Verhältnis beider zueinander belegt: Ich bin dann mal weg und Der Weg ist das Ziel – gleiche Schreibung, unterschiedliche Lautung.
Die schreibung von weg ([ⱱɛk], engl. off) und Weg ([ⱱe:k], way) ist ja gar nicht gleich. Aber schuld an solchen fällen sind weder ein ominöser alltag noch die neuregelung, sondern offene pendenzen. (Stichwort ä.)
2025-09-24

Die Umstellung erfolgt in einer Phase, in der Japan immer stärker international vernetzt ist. Tourismus, Zuwanderung und die digitale Kommunikation haben die Nachfrage nach einer einheitlichen, verständlichen Schreibweise erhöht. Einheitliche Regeln sollen Missverständnisse vermeiden und den Zugang für Menschen erleichtern, die Japanisch nicht als Muttersprache sprechen. […] Mit der Reform trägt Japan nun offiziell der Realität Rechnung, dass sich das Hepburn-System im In- und Ausland längst durchgesetzt hat. Die Umsetzung soll noch im laufenden Haushaltsjahr beginnen.
2025-09-13
Fast die Hälfte der 15-Jährigen in der Schweiz verfügt über eine geringe Lesekompetenz. Der Experte für Deutschdidaktik Maik Philipp findet, die Öffentlichkeit sollte das ernster nehmen. [… Maik Philipp:] Wir müssen uns dringend überlegen, wie wir auf solche Herausforderungen reagieren wollen. […] Einzelne Buchstaben zu Wörtern, Sätzen und ganzen Texten zusammenzusetzen und mit Bedeutung zu versehen, ist eine unglaubliche Abstraktionsleistung, deren Komplexität man nicht unterschätzen darf. […] Der Erwerb der Lesefähigkeit hängt von vielen weiteren Faktoren ab, die sich gegenseitig verstärken oder auch abschwächen können. […] Individuelle Eigenschaften der Schülerinnen und Schüler wie Intelligenz, Wortschatz oder Arbeitsgedächtniskapazität. Die Qualität des Unterrichts ist ein weiterer Faktor […].
Da wäre noch ein faktor: stellungnahme «Faktor ortografie».
2025-09-12
Auch Manuela Lindlbauer, Inhaberin von Lindlpower, betont die Bedeutung einer korrekten Rechtschreibung – zumindest bis zur vorletzten Reform. „Der Delphin wird sicherlich derzeit kein Problem bei Bewerbungsschreiben sein. Aber die Dinge, die in den vergangenen Jahren geändert wurden, sollte man definitiv beherrschen. ‚Dass‘ und ‚das‘ zu verwechseln geht zum Beispiel gar nicht.“
An der (diskutablen) unterscheidung von konjunktion und artikel/pronomen hat sich nichts geändert.
Für dieses Unternehmen suchte ich einen Namen und kam auf „fink’s verlag“. Mir machte dieser Apostroph […] Spaß […]. Im Deutschen war das allerdings nicht erlaubt. Und darauf wurde ich auch immer wieder hingewiesen, wenn mir gesagt wurde, dass doch ein Name eines Verlags der deutschen Rechtschreibung entsprechen sollte. Damals. Heute dürfte ich diese Form wählen.
«Erlaubt»? «Dürfen»? Stichwort freiheit.
2025-09-11
[…] der „Tag des typografisch richtigen Apostrophs“ am 9. September. […] Der Apostroph (ja, wirklich DER) ist kein Anführungszeichen und kein dekoratives Element für Werbeschilder und Speisekarten. Das kleine, oft übersehene Zeichen steht für Präzision in Sprache und Typografie.
2025-09-09
In Deutschland erreichen 23 Prozent der 25- bis 64-Jährigen nur ein Lesekompetenzniveau auf oder unter der niedrigsten Stufe; das heißt, dass sie – wenn überhaupt – nur sehr kurze Texte verstehen können. […] Nur zwei Prozent der Erwachsenen erreichen die höchste Kompetenzstufe im Lesen […].
2025-09-08

Gregor Waller, Medienpsychologe bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, sagt: […] «Die Schrift entstand aus dem Bedürfnis, Informationen abspeichern zu können. Zuerst standen dafür nur Stein und Meissel zur Verfügung. Hätte es effizientere Wege gegeben, wäre die Erfindung der Schrift möglicherweise nicht nötig gewesen. Daher ist sie vielleicht nur eine Übergangstechnologie in unserer kulturellen Evolution.»
2025-09-03

2024 wurden einige Neuerungen der deutschen Rechtschreibung beschlossen. In Österreich sind diese nun in Kraft. In der Schweiz gilt noch eine Übergangsfrist. […] Die wichtigste bzw. auffälligste Änderung betrifft den Gebrauch des Apostrophs.
jeder fünfte Erwachsene in Deutschland kann kaum lesen und schreiben. Das sind 10,6 Millionen zwischen 16 und 65 Jahren, gab die Universität Hamburg nach einer entsprechenden Untersuchung bekannt.
Und auch im Englischen stiftet er bis heute Verwirrung […]. Gegenläufig zum Deutschen aber schwindet der Genitivapostroph dort eher. […] Dafür ist der Genitivapostroph im Deutschen im Kommen. Im Grunde ist das aber nur eine Rückkehr. Noch im 19. Jahrhundert war er gar nicht so selten […]. Die Sprachgeschichte lehrt also Gelassenheit.
Mit Beginn dieses Schuljahres – seit 1. September – sind in Österreich einige Änderungen der Rechtschreibung in Kraft. Ausgearbeitet wurden sie vom zuständigen Gremium für den deutschsprachigen Raum, dem Rat für deutsche Rechtschreibung; die Regeln wurden bereits 2024 beschlossen, treten in den sieben deutschsprachigen Ländern jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft. Nun ist es in Österreich so weit, allerdings gilt eine zweijährige Übergangsfrist.

Sprachliche Evolution trifft auf klare Regeln: Die neue Ausgabe des Österreichischen Wörterbuchs bringt erstmals Ordnung in die Schreibweise von Anglizismen und modernisiert Interpunktionsregeln.
2025-09-02
Hier klären wir, was man eigentlich unter dem Begriff Eigenname versteht.
Anglizismusschreibung normiert, „f“ statt „ph“ in der Alltagssprache und Genitivapostroph nach Rufnamen bei Lokalen und Institutionen erlaubt - der Rechtschreibrat […] hat neue Regeln zur Rechtschreibung beschlossen. Das geht aus einer Aussendung vom Dienstag hervor. Die sind in Österreich bereits mit zweijähriger Übergangsfrist in Kraft.
2025-08-20
Die vier Kantone – Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn – führen jedes Jahr in verschiedenen Schulstufen sogenannte Check-Tests durch. Insgesamt 50 000 Schüler werden in der dritten und der fünften Primar sowie in der zweiten und dritten Sek überprüft. Es geht um Lesen, Schreiben, Grammatik und Orthografie. Die Resultate sind besorgniserregend. […] In den letzten fünf Jahren (2019 bis 2024) sind die Kompetenzen massiv zurückgegangen. […] Klar ist also, dass die Schüler schlechter werden. […] Martina Bircher, Bildungsdirektorin im Kanton Aargau, kann das nicht nachvollziehen: «Was am Leistungsabfall das eigentlich Tragische ist: Niemand kann sagen, warum die Schüler schlechter werden. Das ist inakzeptabel.»
Stellungnahme: «Faktor ortografie».
2025-08-01
[…] war am 1. August 2005 die Übergangszeit vorbei. Ab da galt sie: die neue Rechtschreibung. Aber brauchen wir sie noch – in Zeiten von Autokorrektur und Co? Ein Kommentar von Julia Nestlen Und Christoph König im Gespräch mit Dr. Marcus Hahn vom Deutschen Philologenverband (DPhV).
Ziel der Reform der deutschen Rechtschreibung war es, die deutsche Sprache zu vereinfachen. […] Zum 20. Jahrestag der verbindlichen Einführung der deutschen Rechtschreibreform können Sie Ihre Kenntnisse in einem Quiz testen.
2005: Nach siebenjähriger Übergangsfrist tritt die Rechtschreibreform endgültig in Kraft. Eckpunkte: Das scharfe ß kommt grundsätzlich nur mehr nach einem langen Vokal (Maß, Fuß), das Stammprinzip wird verstärkt betont (Stängel statt Stengel, schnäuzen statt schneuzen). Verbindlich wird die Reform vor allem an den Schulen. Vom vollständigen Inkrafttreten vorläufig ausgenommen sind die Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung, Silbentrennung und Zeichensetzung. Hier sollen vorerst beide Schreibweisen zulässig sein.
2025-07-20
Die Schrift als zentrales Kulturgut der Menschheit überliefert Wissen, Geschichte, nationale Identität. Damit sie das tun kann, braucht sie verbindliche Schreibregeln. Erst diese sorgen für klare Verständlichkeit. Deshalb: Nein, es ist nicht egal, wie man etwas schreibt. […] Weißt du, lieber Duden, wir werden dich einfach noch lange brauchen! Übrigens: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!Weißt du, lieber Duden, wir werden dich einfach noch lange brauchen! Übrigens: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
2025-07-16

Aus “deutscher Sicht” geurteilt, kann das Desinteresse am ß< freilich zu Verständnisproblemen beim geschriebenen Wort führen. Denn es macht durchaus einen Unterschied, ob man Bier und Wein in Maßen oder Massen trinkt.
2025-07-01
Zwar gibt es bis heute Varianten und Streitfälle – doch die Wiener Absichtserklärung bleibt als Wendepunkt bestehen: Sie war der erste einheitliche, überstaatliche Versuch, die deutsche Schriftsprache im 20. Jahrhundert grundlegend zu modernisieren.
1. Nicht die sprache wurde modernisiert, sondern die rechtschreibung. 2. Von grundlegend kann keine rede sein. 3. Als datum eines ersten versuchs kommen 1876 und 1901 in frage.
In seinem neuen Buch «Der grosse Sprachumbau» rechnet Matthias Heine mit dem angeblich progressiven Sprachwandel ab. Anzeichen eines konservativen Backslash sieht er kaum […]. So erfährt man, dass schon die Brüder Grimm die Grossschreibung abschaffen wollten, die Nazis gegen die Frakturschrift waren und wir, hätten sich gewisse Sprachumbauer durchgesetzt, «Fater» statt «Vater» schreiben würden. All das wurde, wie Heine festhält, stets im Namen des Fortschritts propagiert wie heute die Gendersprache.
Was man nicht alles erfährt! Aber um Grimm zu kennen, brauchen wir Heine nicht. – «Fater» statt «Vater» wäre kein sprachumbau, nicht einmal ein ortografieumbau, sondern die durchsetzung einer ortografieregel.
In seinem neuen Buch «Der grosse Sprachumbau» rechnet Matthias Heine mit dem angeblich progressiven Sprachwandel ab. […] Als «Ursünde» des heutigen Sprachumbaus bezeichnen Sie die Rechtschreibereform von 1998, die ursprünglich neue Schreibweisen wie «Keiser» statt «Kaiser» vorsah und laute Proteste auslöste. Heine: Es war das erste Mal, dass eine relativ kleine Expertengruppe eine Reform durchsetzen wollte, die eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt hat. Sie hat es geschafft, die deutschen Kultusminister und die Behörden in der Schweiz und in Österreich zu überzeugen, dass die Rechtschreibung unbedingt verändert werden müsse. Die Hälfte von dem, was sie geplant hatten, mussten sie zwar zurücknehmen, weil es derart desaströs war. Geblieben ist aber das Signal an Aktivisten, dass man ungestraft an der Sprache herumbasteln kann, weil staatliche Entscheidungsträger modern sein wollen.
Ungestraft an der sprache herumbasteln? Nein aber auch! Dabei gehört doch die sprache Gott und seinen sittenwächtern. Apropos ursünde: Hat da nicht jemand aus dem schönen althochdeutsch ein modernes neuhochdeutsch gebastelt? Und die vielen früheren reformbemühungen im deutschen und in anderen sprachgebieten, wo seit der erfindung der schulpflicht viele relativ kleine expertengruppen überlegten, was man den siebenjährigen beibringen kann und will?
2025-06-13
Lokale Sportgeschichte(n): […] Was sonst noch im Juni vor 20 Jahren los war. […] Im jahrelangen Streit um die Rechtschreibreform zeichnete sich ein Durchbruch ab. Bei einer Sitzung des Rates für die deutsche Rechtschreibung in Mannheim erzielten Reformbefürworter wie Gegner Einvernehmen über die besonders umstrittene Getrennt- und Zusammenschreibung.
2025-05-28
Die Lese- und Schreibschwäche hat sich nicht nur in den Fremdsprachen nochmals akzentuiert. Das ist auch den Auftraggebern der Studie, der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), nicht verborgen geblieben. Christophe Darbellay, der EDK-Präsident, sprach deswegen sogar schon eine fast tollkühne Forderung aus: Die Schüler sollen wieder mehr Diktate schreiben. […] Lieber ergötzt man sich an Reformen wie dem lautgetreuen Schreiben oder dem sogenannten Sprachbad. […] An den Pädagogischen Hochschulen […] lege man dagegen keinen Wert auf Rechtschreibung – das «behindere» die Kreativität. […] Eine Dozentin für Deutschdidaktik an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Mitautorin der Rechtschreibereform, hat in den letzten Jahren in Interviews immer wieder gesagt, dass ein Verbot des lautgetreuen Schreibens «totaler Unsinn» wäre. […] Gab es vor vier Jahrzehnten in der Schweiz etwa 20 000 bis 30 000 Erwachsene, die den Minimalanforderungen nicht genügten, sind es heute über eine Million, wie eine Studie im Dezember ergeben hat. […] Diese Sorgen kennt man in Frankreich nicht. Dort ist das Diktat ein Kulturgut.
2025-05-23
Den neueren Formen der Sprachkritik, schreibt Heine [in «Der grosse Sprachumbau»], liege „ein Unbehagen an der Muttersprache“ zugrunde […]. „Die Wurzeln dieser Angst liegen in der Humboldtschen Vorstellung, Sprache präge und begrenze das Denken gerade unentrinnbar. Diese Überschätzung der Sprache liegt auch der spezifisch im deutschsprachigen Raum wirksamen historischen Sprachkritik zugrunde […] Wenn allerdings Heine, der sich […] selbst als Sprachkritiker betätigt, die Sprache für überschätzt hält, träfe das dann nicht auch auf deren – von ihm als katastrophe bezeichneten – Umbau zu?
Im Alter von 97 Jahren verstarb Evanildo Bechara. […] Evanildo Bechara war einer der wichtigsten Befürworter der Rechtschreibreform, die 2009 in Kraft trat. „Jede Veränderung bringt neben Verwirrung auch eine gewisse Abneigung mit sich. Niemand verändert gerne seine Gewohnheiten. Eine Rechtschreibreform ist nie für die Generation, die sie durchführt, sondern für die Zukunft der Generationen und die Zukunft der Sprache“, sagte er.
2025-05-09
Dieses Sonderrecht literarischer Autoren – die Freiheit, auf die amtliche Orthographie zu pfeifen – wurde zuletzt von Verlagen häufig infrage gestellt. […] Autoren, die mit Lektoren hadern, können sich auf diese Entscheidung berufen. Vorausgesetzt, sie schaffen es, ihre Verlage davon zu überzeugen, dass das, was sie schreiben, Literatur ist. Denn für Sachbücher, Zeitungstexte etc. gilt der Freibrief des Rats nicht – und auch Schüler oder Lehrer können sich nicht darauf berufen, um Rechtschreibschwächen und persönliche Marotten zu rechtfertigen. Denn so viel Spielraum der Rat auch den Poeten lässt, so kurz ist die Leine, an der er Schulen und Behörden hält.
Sonderrecht? Recht! Die unterscheidung von poeten und anderen menschen ist unfug. Der rechtschreibrat berät die schulbehörden, und die bestimmen über die schüler und sonst niemanden. Und auch die schüler müssen sich nur von 8 bis 17 uhr daran halten.
2025-05-05
Als er bemerkte, dass die Reformer von radikalen technokratischen Änderungen nicht abzubringen waren, verließ Munske 1997 die mit der Umsetzung der neuen Rechtschreibung beauftragte „Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung“ […].
Leider weiss niemand mehr, wie radikale technokratische änderungen aussehen könnten.
2025-05

Seit der Rechtschreibreform ist Stopp richtig, wir leiten es vom Verb stoppen ab.
2025-04-30
Dichter und Schriftsteller müssen sich nicht an die Rechtschreibung halten. Darauf hat der Rat für deutsche Rechtschreibung hingewiesen.
Jetzt warten wir noch auf eine bestätigung des Gesamtverbands der deutschen textil- und modeindustrie, dass es für dichter und schriftsteller keine kleidervorschriften gibt.
2025-04-14

Bücher mit Fehlern drin sind jugendgefährdend. Und Fehler sind auch gar nicht nötig, weil es Leute gibt, die von Berufs wegen gute Rechtschreibung können. So wie Piloten und Fluglotsen von Berufs wegen Luftsicherheit können. Da muß man sich ja auch nicht einmischen und sagen: Flugzeuge sind deshalb schlecht, weil ihre Bedienung für den Laien viel zu kompliziert ist. Genausowenig sollen sich Schreibanfänger und Kultuspolitiker bei der Rechtschreibung einmischen […].

Wenn eine Sache bereits bestmöglich geregelt ist, so muß sie durch jede Veränderung notwendigerweise verschlechtert werden. Die deutsche Rechtschreibung war bereits bestmöglich geregelt, und so kam bei der sogenannten Reform an fast allen Stellen nur Verschlechterung heraus.
Die alte erkenntnis: welt.de, 2009-08-18.

Demgegenüber wurde die Einheitlichkeit bewußt, vorsätzlich, mutwillig angegriffen durch die Schweizer ss-Schreibung seit 1948 (vorgeblich, um eine Taste auf der Schreibmaschine zugunsten eines französischen Umlautes freizumachen; allerdings werden Zeitungen nicht auf Schreibmaschine geschrieben; es heißt, daß 70 v.H. der Schweizer Bücher ß haben, damit sie in den übrigen Deutsch-Ländern gemocht und gekauft werden).

Zuweilen meinen Menschen, die eine SMS, eine Netzpost (email) oder einen Forum-Beitrag schreiben, daß sie dann mit kleinschreibung eine andere Rechtschreibung als auf einer Postkarte oder in einem Schulheft verwenden können.
Im prinzip meinen wir das. Aber was ist ein schulheft und was ist eine postkarte?
2025-04-13

George Bernard Shaw, Theodore Roosevelt, Andrew Carnegie and others have lobbied to reform English spelling. The language has been resistant. […] Mr. Henry begins his smart, lighthearted chronicle of the simplified spelling movement by identifying the “heart of our problem”: that “English has 44 sounds but only 26 letters” and that each sound has, “on average, four ways of spelling it.” […] Over the centuries, reformers have proposed solutions—including adding new letters to the alphabet, removing existing letters from the alphabet and inventing different alphabets altogether—to little avail.
2025-04

Als Orthografievermittlerin vom Schulbuch bis zur Hochschule darf ich auch hier meine Dienste anbieten und vielleicht zur Klärung der Frage, seit wann der umstrittene Apostroph vor dem Genitiv-s bei Personennamen «offiziell korrekt» ist, etwas Vermittelndes beitragen. […] Die Neufassung von 2024 hat an dieser vermeintlichen «Korrektheit» gegenüber der Erstfassung von 2004 nur eines verändert: den Geltungsbereich. Und dieser ist deutlich eingeschränkt worden, nämlich auf ein Auftreten des Phänomens in Gesamtkonstruktionen, die selber wieder Eigennamen sind. Vor dieser Neuregelung war dieser Apostroph genau genommen zur Gänze freigestellt, denn er wurde weder bewertet noch auf bestimmte Konstruktionen eingeschränkt, sondern nur sein «gelegentliche[r] Gebrauch» in § 97 E, und zwar mit dem Beispiel ‹Carlo’s Taverne›, festgehalten.
«Gesamtkonstruktionen, die selber wieder Eigennamen sind»: Das ist der eigentliche sündenfall des rechtschreibrats. Er übernimmt die verbreitete laienmeinung, dass sich eigennamen nicht an die regeln halten müssen. Gewiss muss sich jemand, der eigennamen erfindet, nicht an die regeln halten. Der grund ist aber nicht der eigenname, sondern der erfinder, der sich auch sonst nicht an die rechtschreibregeln halten muss.
2025-03-19

Christian Stang schreibt sehr erfolgreich Ratgeber für Orthographie und arbeitet auch am Duden mit. […] Er sagt: Die Rechtschreibreform vor fast 30 Jahren werde bis heute kontrovers diskutiert.
Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen der Jagd auf Unwörter, der Rechtschreibreformerei und dem Gendern.
Nein, es gibt keine gemeinsamkeiten zwischen der jagd auf unwörter und dem gendern einerseits (sprachprobleme) und rechtschreibreformen anderseits (rechtschreibprobleme).
2025-03-17
Gegen wen wird die Sprache verteidigt? Wer ist hier ein Angreifer? […] Die Einheit und die traditionelle Gestalt des Deutschen werden von verschiedenen Seiten in Frage gestellt. Dagegen ist begründete Verteidigung nötig: als Widerstand gegen einen Angriff […]. Am Beispiel der aktuellen Debatte ums Gendern ist gut zu sehen, worin Angriff und Anklage bestehen […]. In ähnlicher Weise wurde die Kulturdebatte um die Rechtschreibreform geführt. Sprachdidaktiker und Schulminister verlangten neue, angeblich einfachere Regeln […]. Die Verteidiger, unter ihnen die meisten Sprachwissenschaftler und die Praktiker der Schriftkultur, warnten vor einer Beschädigung der Sprache. Sie plädierten für Erhalt der bewährten, historisch gewachsenen Schriftform. Die Reform wurde – wenn auch in abgespeckter Form – durchgeführt, den Schulen verordnet. Doch der versprochene Erfolg trat nicht ein, nur der Schaden an der Schreibnorm ist geblieben.
Neue regeln verlangt niemand, nur die abschaffung von wenigen, unwichtigen regeln und von ausnahmen. «Die meisten Sprachwissenschaftler» ist übertrieben; wir halten uns an sprachwissenschaftler wie Stefan Hartmann, der hier die richtige diagnose für Munske stellt.
2025-02-26
Klaus […] ist ein Polizeispitzel, der sich in einem Lied von Heinz Rudolf Kunze aus dem Jahr 1986 unter Demonstranten gegen einen Staatsbesuch in Bonn mischt, mit langen Haaren und Knüppel in der Jacke. "Klaus hat eine Freundin, sie hat nicht viel zu lachen. […] Dies ist Ina Czyborra, die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin […].
2025-01-14
Die Abschaffung historischer Schreibweisen durch die Rechtschreibreform stieß nicht selten auf großen Widerstand. […] „Belämmert“ hat etymologisch (worthistorisch) nichts mit den Lämmern zu tun […]. Es handelt sich vielmehr um das 2. Partizip des mittelniederdeutschen Verbs „belemmer[e]n“ (niedergedrückt, betreten, übel, verlegen gemacht) und wurde deshalb im 18. Jahrhundert mit „e“ ins Hochdeutsche übernommen. Trotzdem meinten die Reformer 1996, man könne ja nicht jedem Kita-Kind ein Examen in Mittelniederdeutsch oder Altsächsisch zumuten, damit es später die komplizierte Rechtschreibung beherrsche. Deshalb wurde „belämmert“ mit „ä“ zur amtlichen und alleinigen Schreibweise.

Dass die bodenlos verkorkste Rechtschreibreform (Schlechtschreibreform) nicht nur ein Kniefall vor einer fortschreitenden Legasthenisierung der Gesellschaft und einem allgemeinen Sprachverfall gleichkam, hat Kretschmann nicht auf seinem KI-Schirm.
Wir auch nicht.
2025-01-11
Im Jahr 1998 […] durften die schleswig-holsteinischen Bürger in einem Volksentscheid über die Rechtschreibreform abstimmen. Sie lehnten sie mit einer Mehrheit von 56,4 Prozent ab. Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) hatte zuvor angekündigt, ein solches Ergebnis durch den Landtag ohnehin wieder außer Kraft setzen zu wollen. Robert Habeck, der erst zehn Jahre später in den Kieler Landtag einzog, kommentierte das 2021 dann so: Die Menschen neigten zum Festhalten an der Vergangenheit, doch sei das Ergebnis der Volksabstimmung „nicht der Weisheit letzter Schluss“ gewesen. „so hob der Landtag den Beschluss wieder auf.“ […] Ob die Rechtschreibreform ihrerseits für ihn der Weisheit letzter Schluss war, bleibt […] offen. Immerhin hält er fest, dass am Ende alle Seiten beschädigt waren. Vor allem das Verfahren selbst war ad absurdum geführt worden. Wer sich für mehr direkte Bürgerbeteiligung einsetzt, wird das kaum unter der Kieler Voraussetzung tun wollen, dass Volksentscheide keinerlei bindende Wirkung entfalten.
2025-01-04

Ein Unterausschuss des Rates für kulturelle Angelegenheiten schlug vor, das Hepburn-System als Standard zu verwenden. Dieses System, das der amerikanische Missionar James Curtis Hepburn im späten 19. Jahrhundert einführte, nutzt Schreibweisen, die dem Englischen ähneln. In Japan ist das Hepburn-System weitverbreitet und wird unter anderem auf Bahnhofs- und Straßenschildern sowie in Pässen verwendet. Bisher galt jedoch das Kunrei-shiki-System als Standard, wie eine Kabinettsnotiz von 1954 festlegte. Das Bildungsministerium unterrichtet Kunrei-shiki hauptsächlich an Grundschulen.