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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel23. 12. 2013 → Anarchie der Sprache
2013-12-23
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Quelle: , , Voluntarismus

Die wunderbare Anarchie der Sprache

On 23. Dezember 2013, in Voluntarismus, by

Das Wort Anarchismus ist für viele ein Gespenst. Es macht ihnen Angst, denn es wird gleichgesetzt mit Gesetzlosigkeit und einem Leben ohne Regeln.

Das mit der Gesetzlosigkeit stimmt, denn Gesetze sind ein Mittel, Regeln durchzusetzen. Da dieses Mittel gleichbedeutend mit initiierender Gewalt ist, wird es logischerweise vom Anarchismus abgelehnt. An dieser Stelle sind die meisten Leute mit ihrer Fantasie am Ende, was die Durchsetzung von Regeln ohne Gesetze angeht. Sie glauben, anders ginge es gar nicht, und wir bräuchten diese Gesetze, weil sonst Chaos herrschte.

In diesem Artikel möchte ich an einem Beispiel, das jeder nachvollziehen kann, der es liest, zeigen, dass es ohne Gesetze und ohne Gewalt eben nicht zu diesen befürchteten Zuständen kommt.

Die Entwicklung der Sprache und der Rechtschreibregeln zeigen eindeutig, dass Menschen sich, auch ohne gezwungen zu werden, auf allgemeingültige Regeln und Standards einigen können.

Seit ewigen Zeiten entwickelt sich die Sprache fernab von staatlicher Bestimmung und Regulierung. Menschen unterhalten sich miteinander. Sie teilen sich ihre Gedanken mit, bitten sich um Dinge und benutzen die Sprache, um sich gegenseitig zu helfen.

Niemand kann alles. Jeder Mensch ist ein Spezialist. Der eine ist Maurer, der andere Chirurg. Braucht der Maurer einen Chirurgen, muss er mitteilen, was ihm fehlt, und benutzt dafür die Sprache.

Der Grund dafür liegt in der objektiven und freiwilligen übereinkunft über die Regeln. Man nutzt am besten die Wörter, die andere an dieser Stelle auch benutzen würden, sonst entgeht einem der Vorteil, verstanden zu werden.

Die Sprache ist also eine Einigung auf Regeln ohne gesetzlichen Zwang.

Nun könnte man einwerfen, dass man die Sprache doch aber in der staatlichen Schule lernt und der Staat uns sagt, was richtig und falsch ist. Das stimmt jedoch nicht. Kinder können längst sprechen, wenn sie in die Schule kommen, denn sie lernen es vorher von ihren Eltern. Die Schule bringt ihnen mit der Grammatik nur die theoretischen Grundlagen von etwas bei, was sie in der Praxis zum großen Teil schon längst fehlerfrei anwenden können. Und natürlich die fehlerfreie Schriftform der Sprache.

Was passiert nun aber, wenn man nicht so genau weiß, wie etwas geschrieben wird, wenn man also die Regel nicht so genau kennt? Man fragt am besten jemanden, der sich besonders gut mit der Sprache und ihren Regeln auskennt. Der Duden ist ein Nachschlagewerk, in dem man die richtige Schreibweise überprüfen kann und bei einem ungewöhnlicheren Begriff auch dessen Bedeutung.

Nun ist es aber nicht so, dass der Duden diese Bedeutungen erfindet, also quasi wie ein Gesetz vorgibt. Sprache und Rechtschreibung verändern sich über längere Zeiträume. Neue Wörter entstehen, andere sterben aus. Eine falsche Schreibweise, die von den meisten Leuten hartnäckig verwendet wird, steht irgendwann als „richtig“ im Duden. Im Duden wird die sprachliche Entwicklung im Prinzip nachempfunden und protokolliert. Die Veränderung ist ursächlich für den folgenden veränderten Eintrag im Duden, nicht umgekehrt. Der Duden übernimmt also eher die Rolle eines Schlichters, an den Menschen sich wenden können, wenn sie über die Regeln nicht einig sind. Das Tolle ist, dass die Menschen diesen Schlichter völlig freiwillig akzeptieren, was an der überragenden Reputation des Dudens liegt. Niemand würde auf die Idee kommen, mich anzurufen, wenn es darum geht, eine bestimmte Kommaregel zu überprüfen.

Die Sprache ist ein gutes Beispiel, wie Anarchismus funktionieren würde.

Problematisch wird es erst, wenn der Gesetzgeber regelnd eingreifen will und eine Rechtschreibreform beschließt. Jetzt muss jeder Bürger viele Wörter anders schreiben. In der Schule wird plötzlich die neue Schreibweise gelehrt, und die alte, die gestern noch richtig war, ist heute falsch. Das Ergebnis ist ein über längere Zeit währendes Chaos.

Ich ignoriere bis heute diese Rechtschreibreform in weiten Teilen. Ich habe mein Abi schon bestanden und schreibe jetzt so, wie ich will. Wenn ich Artikel für FreiwilligFrei schreibe, lasse ich sie in der Regel professionell korrigieren. Ich wende mich an jemanden, der sich auskennt, und bezahle ihn dafür. Ganz freiwillig. Ist das nicht toll?


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