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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Bühler, Urs = urs

: Es droht ein Umlaut-Massaker. Zürich soll ü-Pünktchen verlieren. Neue Zürcher Zeitung, , 240. jg., nr. 76, s. 15, Zürich und Region
Die im Präsidial­departement angesiedel­te Abteilung Stadt­entwicklung will auf Antrag der Standort- und der Tourismus­förderer in allen amtlichen Dokumenten, Publikationen – nach innen wie aussen – und Be­schilderungen einzig noch die Schreibung «Zurich» akzeptieren. Nur so könne man sich im globalen Kontext als Brand po­sitionieren, heisst es dazu in einem internen Papier.
: Wie man Plastik richtig platziert. Neue Zürcher Zeitung, , 239. jg., nr. 270, s. 22, Panorama (568 wörter)
Seit einigen Wochen deutschen wir zwei Fremd­wörter so ein, wie es im Sprach­raum üblich geworden ist: «Plastic» wird in allen Be­deutungen zu «Plastik». Und «placieren» kommt jetzt auch bei uns als «platzie­ren» daher.
: «Ich will wachrütteln und motivieren.» Der deutsche Linguist Roland Kaehlbrandt sieht Sprachbewusstsein als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 103, s. 52, Wochenende
Ist ewiggestrig, wer noch auf sprachlich formale Präzision pocht? [Kaehlbrandt:] Tatsächlich ist die Kritik an Sprach­normen sehr verbreitet. Das hat mit dem flüchtigen Sprach­gebrauch in den digitalen Medien zu tun, auch die Rechtschreibe­reform hat mit ihrem Hin und Her Schaden an­gerichtet: In einigen Bereichen hat sie über­trieben, durch die allgemeine Ver­unsicherung haben jene Auftrieb erhalten, die Normen über­flüssig finden. Das bedaure ich sehr.
: In der Wörter-Waschmaschine. , , Meinung, Kommentare
Ach, die Wahl der Wörter, sie ist halt ein wunderbares Spiel- ebenso wie ein Minen­feld: Gerade deshalb sind Sprach­moden kritisch zu beäugen. Dieser Erkenntnis sei hier der zweite Teil unserer Sprach­betrachtungen gewidmet, zu deren Fort­setzung wir uns durch die Reaktionen auf den ersten ermutigt sehen: Dieser hat unter dem Titel «Apostro­phitis und schlimmere Seuchen» (NZZ 2. 12. 16) ein reiches Echo gezeitigt. […] Erwartungs­gemäss kontro­vers auf­genommen wurde unsere Anmerkung, der ganze Schlamassel sei nicht der Rechtschreibe­reform anzulasten.
: Apostrophitis und andere Seuchen. Neue Zürcher Zeitung (), , 237. jg., nr. 282, s. 12, Meinung & Debatte
Fehlerreiches Schreiben ist wie Sprechen mit vollem Mund: un­anständig und der Ver­ständigung ab­träglich. […] Keine Gämse schleckt es weg und auch keine Gemse: Mit der Rechtschreibe­reform haben die Probleme wenig zu tun, ob man dieses Tier nun neu mit «ä» schreibt oder, wie diese Zeitung, die alte Schreibung bevorzugt. Natürlich haben die Reformer und ihre Voll­strecker an ein paar Stellen etwas gepfuscht, etwa indem sie als Hofknicks vor den Angel­sachsen die Apostroph-Regeln liberalisiert und so der ein­gangs erwähnten Seuche Vorschub geleistet haben. Aber insgesamt ist das System vereinfacht und der Wegfall einiger Schreib­varianten so verschmerz­bar wie damals, als die Schweiz das mitunter differenzierende Eszett abschaffte (als letzte hiesige Zeitung zog übrigens 1974 die NZZ mit). Ist dieses Land, seit es Masse und Maße nicht mehr zu unter­scheiden weiss, etwa zu einer Brut­stätte von Miss­verständnissen geworden? Nein, das Problem sind nicht die Regeln an sich. Es ist das all­gemein erhöhte Tempo, gepaart mit wachsender Gleich­gültigkeit gegen­über Sorgfalt und formalen Kriterien, deren Beachtung kaum mehr jemand ein­zufordern wagt.
: Die Kapostrophe. Neue Zürcher Zeitung, , 234. jg., nr. 175, s. 17, Zürcher Kultur, Zwischenrufe
[…] eine Seuche, die seit Jahren den deutschen Sprachraum heimsucht. […] Einst war er ein sinnstiftendes Zeichen - geflochten in Iris' Haar beispiels­weise oder eingebrannt in Marx' Kapital als Signal dafür, dass ein Buchstabe weggefallen war. Dann begann sich der Apostroph von seiner Stellvertreter­funktion zu lösen, sich hemmungslos zu vermehren […]. So torkeln Apostrophe nun durch den ganzen Sprach­schatz, sie schwimmen in Drink's und Fondue's, fallen den Samichlau's an, und irgendwann gab sogar der Duden seinen Segen, dass man für Schreib­weisen wie «Heidi's Blumen­paradies» nicht in der Hölle schmort.
: Das Binde Strich Massaker. Neue Zürcher Zeitung, , 233. jg., nr. 224, s. 21, Zürcher Kultur
[…] eine grassierende Bindestrich-Phobie, wohl aus dem englischen Sprachraum eingeschleppt, von Corporate Designers verbreitet und längst zum alltäglichen Ärgernis geworden. So müssen wir heute in Restaurants «Pastinaken Suppe» löffeln und «Thunfisch Carpaccio» bestellen, in Konditoreien «Haus gemachte Schokolade Törtchen» verdrücken […]. So nehmen wir kopfschüttelnd zur Kenntnis, dass die Stadt Zürich ihr jüngstes Angebot auf allen Kanälen als «Friedhof Forum» anpreist. […] Gegründet worden ist kein neuer Friedhof namens Forum, sondern eine Informationsstelle zu Fragen rund um Tod und Bestattung. Ein Friedhof-Forum also, wenn schon.

Einverstanden, aber nebenbei bestätigt das die erfahrung, dass die von reformgegnern verbissen verteidigte unterscheidungsschreibung in der praxis keine rolle spielt.

: Lunch 1: Körry. Mittelscharf und ohne Darm. NZZ Online (), , Schweiz
Die Curry-Wurst, in Deutschland fast schon ein Kulturgut, ist auch in Zürich angekommen. […] Gegen Ende der Langstrasse beim Limmat­platz beispielsweise […] gibt es seit gut einem Jahr das «Körry». Sein Name sieht wie ein Vorschlag für die nächste Orthographie­reform aus […].
neu : Rast im Einkaufsrummel. Neue Zürcher Zeitung, , 231. jg., nr. 296, s. 12, Zürich und Region
Jüngst sind wir in Zürichs adventlichem Gedränge an der Bahnhofstrasse im Warenhaus Globus gestrandet. […] das bediente Restaurant […] bietet […] eine breitere Auswahl an Gerichten […]. Wir fanden eine Spezialkarte vor, angeschrieben mit «Dezember Menu's». Wie soll der Nachwuchs je die Orthographie kapieren, wenn ihn solche Vorbilder umgeben?

Ja; vgl. auch fundsachen.

: Gämsen im Kreuzfeuer. Neue Zürcher Zeitung, , 230. jg., nr. 173, s. 45, Zürcher Kultur, Zwischenrufe (421 wörter)
Aber muss man das alles gleich so schwer nehmen und das ganze Paket verdammen? Etwas mehr Gelassenheit, bitte! Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, schon einige hundert Lernende vom Teenager- bis ins Erwachsenenalter in die neue Rechtschreibung eingeführt hat, der kann im Allgemeinen bestätigen: Im Schulalltag bringt die Reform kaum zu hohe Hürden. «Was, das ist eine Neuschreibung? Das habe ich schon immer so geschrieben!» - das ist in Klassen nicht selten zu hören.
: Mit Hansjakobli in die Postmoderne. Zwischenrufe. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 238, s. 49, Zürcher Kultur
Genau wie Kinder führen Erwachsene Wörter im Mund, von deren Bedeutung sie bei Lichte betrachtet keinen blassen Schimmer haben. Zur Vermeidung von Blössen legen sie sich Inhalte zurecht, um Smalltalk über Themen vom Existenzialismus bis zur Rechtschreibereform führen zu können.

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