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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Braun, Michael

: Verteidigung der schlichten Menschen. Büchner-Preis: Ehrungen für Kronauer & Sloterdijk. Der Tagesspiegel, , Kultur
Die Intellektuellen, so hat Peter Sloterdijk einmal gesagt, können als „gerüchteproduzierende Klasse“ zwar nicht die Menschheit verbessern, „wohl aber den Satzbau“. Die Darmstädter Akademie hat sich an diese Empfehlung in den vergangenen Jahren nicht gehalten. Mit intellektuellem Behauptungsstolz, geboren aus gekränktem Geltungs­drang, verstrickte man sich in kultur­pessimistische Abwehr­kämpfe gegen die Rechtschreib­reform und gegen eine durchweg als verderblich empfundene Mediengesellschaft.
: Der Kompromiss. Winkt jetzt der Rechtschreibfrieden? Basler Zeitung, , nr. 94, s. 39, Feuilleton (522 wörter)
So darf nun gestaunt werden über den erstaunlichen Pluralismus einer Akademie, die sich vor einiger Zeit noch als böse polemisierender Gralshüter der alten Orthographie exponierte. Nach langen Jahren hysterischen Gefuchtels gegen die Rechtschreib­reform hat man sich in Darmstadt klamm­heimlich zu einem «Canossagang» entschlossen. Oder eben — nach alter Schule — zu einem «Kanossagang».
: Friede im Rechtschreib-Streit? Ein Kompromissvorschlag der Akademie für Sprache und Dichtung. Die Rheinpfalz, , Kultur
Der neue Kompromissvorschlag der Akademie, über den auch bei der gestern eröffneten Leipziger Buchmesse verhandelt werden soll, überrascht dagegen durch den gedämpften Ton, in dem hier die vormals Empörten eine "allseits annehmbare Lösung" offerieren. Noch auf der vergangenen Herbsttagung der Akademie hatte deren Präsident Christian Meier mit der heroischen "Kampf"-Bereitschaft des selbst ernannten Sprachpflegers geprahlt, als gelte es, einen orthographischen Bürgerkrieg gegen die Neuregelung zu entfesseln.
: «Alles hohl da unten.» Büchnerpreis an Wolfgang Hilbig. Basler Zeitung, , nr. 252, s. 45, Feuilleton
Die Nachricht vom Tode Siegfried Unselds hatte schon die Runde gemacht, und man durfte von der Akademie einige angemessene Worte zum Tod des legendären Verlegers erwarten. Statt mit einer Verneigung vor dem grossen Toten begann Meier die Feier­stunde mit Prahlereien über den vermeintlich heroischen «Kampf» der Akademie gegen die Rechtschreib­reform. Ohne Gespür für die intellektuelle Dimension von Debatten verglich Meier das hysterische Gezänk um die Rechtschreib­reform mit der «Schlamm­schlacht» des Historiker­streits: «Der Historiker­streit war angenehmer.» Es blieb dem deutschen Bundes­präsidenten Johannes Rau vorbehalten, die peinliche Verblendung Meiers durch einige würdige Gedenk­worte zum Tod Unselds zu kompensieren.
: Ausflug ins "Mayröcker Kino". Gedanken über den Georg-Büchner-Preis und seine Hüter. Rheinpfalz, , Kultur
An sprachpflegerischem Stolz hat es der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung nie gefehlt, im Gegenteil. Seit Jahren verfolgt man das ehrgeizige Projekt, über den "Rang der deutschen Sprache" nachzudenken und dabei die Exekutoren der allseits unbeliebten "Rechtschreib­reform" eines Besseren zu belehren. […] In steilen rhetorischen Bögen bewegte sich Meier von den Ereignissen des 11. September über die notwendige Gegen-Reformation in Sachen Rechtschreib­reform hin zu den Chancen und Gefahren des derzeit virulenten Anglizismen-Booms. Als er sich am Ende seiner Rede auch noch bei der unsäglichen "Ein Stück weit"-Rhetorik bediente, jener offenbar unvergänglichen Hinterlassenschaft Björn Engholms, war die sprachkritische Glaubwürdigkeit endgültig dahin.
: Rhetorik der Missgeburt. Basler Zeitung, , nr. 266, s. 35, Feuilleton, rubrik Kursiv
So wandte sich die ehrwürdige «Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung» vor einigen Wochen in einem «dringenden Aufruf» an die Öffentlichkeit, um die «Einheit der deutschen Schreibung zu retten». Das selbst ernannte Rettungskommando […] beeilte sich mitzuteilen, die Rechtschreibreform sei «von Anfang an eine Missgeburt» gewesen. In ihrem populistischen Übereifer bemerkte die stolze Akademie nicht den Lapsus, der ihr da unterlaufen war. […] Wer einmal das sprachliche Terrain historisch erkundet, auf dem die «Missgeburt» angesiedelt ist, der findet sich in einem Wörterbuch der Vernichtungs­wünsche wieder, in einer Rhetorik der aggressiven Invektiven, die direkt auf die Beseitigung des Feindes, des «Krüppels», des «lebensunwerten» Wesens zielen.

So leicht tappt man in die falle, die man selber auslegt.


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