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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Halter, Martin

: Schreibe, wie du sprichst. Vom Schulwörterbuch zum Erlebnisparcours: Heute vor 100 Jahren starb Konrad Duden, der Vater der Rechtschreibung. Badische Zeitung (), , s. 7, Kultur (813 wörter)
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind die Regeln der amtlichen Rechtschreibung nur noch für Teile der Schriftproduktion bindend; alle anderen dürfen schreiben, wie ihnen Schnabel, Ohr oder Korrektursoftware gewachsen sind. Damit herrscht im deutschen Sprachraum wieder eine ähnliche Anarchie wie damals, als Konrad Duden mit seinem "Vollständigen orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache" erstmals Ordnung zu schaffen versuchte.

Nur noch? Wieder? Das deutsche bundesverfassungsgericht hat nichts geändert, sondern festgestellt, was immer gegolten hat.

: Der Wortverbesserer. Tages-Anzeiger, , s. 21, Kultur & Gesellschaft (887 wörter)
Verleger und Korrektoren, Verwaltung und Handel forderten […] Regeln für eine einheitliche, einfache und präzise Rechtschreibung, aber die Reformer waren schon damals heillos zerstritten und ziemlich weltfremd. Während die «historische Schule» nach dem Vorbild der Gebrüder Grimm eine Rückkehr zur mittelhoch­deutschen Rechtschreibung (konsequente Kleinschreibung, Leffel statt Löffel, Bine statt Biene) forderten, wollten die Anhänger einer phonetischen Schreibung das Dickicht der Dehnlaute und unter­schiedlichen Schreibweisen radikal lichten. Statt f, ph und v etwa sollte es nur noch ein f geben. Vom Vogel zum Fogel also. Duden wusste als erfahrener, pragmatischer Schulmann und Demokrat, dass man eine Rechtschreib­reform, die auch das ungebildete Volk nicht ausschloss, nicht von oben herab dekretieren konnte. Auch er plädierte für die Kleinschreibung aller Substantive und eine gemässigte phonetische Reform («Schreibe, wie du sprichst»), aber wichtiger als die elitäre, abstrakte Richtigkeit war ihm eine praxistaugliche, konsensfähige Rechtschreibung für alle.

Heillos zerstrittene und weltfremde reformer? Der autor ist offenbar von der einheitsideologie des 19. jahrhundert so ergriffen, dass er auch von visionären und kreativen wissenschaftern erwartet, im preussischen gleichschritt daherzukommen. Es wäre doch nur natürlich, wenn es unterschiedliche, auch gegensätzliche visionen gäbe. Aber so ist es nicht einmal; es gibt nur leute mit und solche ohne visionen. Und nicht einmal die sind übermässig zerstritten, wenn man mit beliebigen anderen zeitfragen vergleicht.

neu : Gottes eifersüchtiger Rivale. Badische Zeitung (badische-zeitung.de), , Literatur
Er war der Grandseigneur der holländischen Literatur: Der Schriftsteller Harry Mulisch (83) ist in Amsterdam gestorben. […] Mulisch erfüllte nicht nur als Erzähler seine Pflicht, sondern auch als politischer Intellektueller comme il faut. Als guter Linker engagierte er sich für die 68er und die Amsterdamer Provos, die Antiatom- und Friedensbewegung, gegen die Rechtschreibreform und für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Holland.
: Das letzte Wort: Gähnende Leerzeichen. Halters Sprachkritik. Badische Zeitung (badische-zeitung.de), , Meinung
Gerade erst haben die Österreicher im Zuge der Rechtschreib­reform ihren Sonderweg bei den Straßen­namen aufgegeben: Auch in Wien heißt der Johann Strauß-Weg in Zukunft Franz-Josef-Strauß-Straße.
: Grimmsches Wörterbuch. Tages-Anzeiger, , s. 49, Kultur (545 wörter)
Das grimmsche Wörterbuch ist ein Heiligtum der deutschen Sprache, ein nationales Monument und, ähnlich wie der ungleich kompaktere Duden, ein «work in progress», das jedes menschliche Mass übersteigt. […] Sprach­wissenschaftler und Schrift­steller schätzten das Buch der Bücher als unverzichtbare Rüst- und Wunderkammer der deutschen Sprache, auch wenn die eigen­willige Typo- und Orthografie (so verschmähten die Grimms den «albernen gebrauch groszer buchstaben und das ss») nicht jedem behagte. […] Sprachwandel und Bedeutungs­verschiebungen, Gründung und Teilung Deutschlands, Kriege, Revolutionen, Rechtschreibreformen: Das Meister­stück deutschen Philologenfleisses hat alles überlebt, verdaut und in 331 000 Stichwörtern aufgehoben.
: Bürokratische Bevormundung? Vor hundert Jahren öffnete eine Rechtschreibreform "Thür" und "Thor" für den Verfall orthografischer Sitten. Badische Zeitung,
Wie heute leisteten freilich gerade die treuesten Untertanen von Thron und Altar hinhaltenden Widerstand gegen die neue Autorität. "In den Kreisen der Gelehrten", klagte die neunte Auflage des Duden 1915, "stand man anfangs der ganzen Umgestaltung der Rechtschreibung gleichgültig, zum Teil feindlich gegenüber". Duden selber hielt die Reform für kein Meisterwerk, sondern nur für ein "Zwischenziel", das "keineswegs für alle Zeiten" zementiert werden dürfe. Hundert Jahre später ist der bescheidene Etappensieg der Fels geworden, auf dem die Gegner der nächsten Rechtschreibreform Kirche und antiautoritären Widerstand zugleich bauen. […] Konsequente Verächter der Rechtschreibreform von 1996 müssten eigentlich auch die von 1903 ablehnen; beide waren unlogisch und willkürlich. Wer zurück zu den Wurzeln will, muss auch Ja zur Kleinschreibung der Vorbarockzeit sagen, womöglich in Mittelhochdeutsch oder gar Runenschrift.

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