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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Kühne, Anja

: Das Gendersternchen darf nicht in die Schule. , , Wissen
Die Berliner Senats­verwaltung für Justiz hat den Rechtschreibrat im April um einen Formulierungs­vorschlag gebeten. Seitdem haben den Rat 200 weitere Anfragen aus der öffentlichen Verwaltung erreicht […]. Dass wegen der (rechtlichen) Unsicherheit Handlungs­bedarf besteht, ist also klar. […] bat das Gremium die von ihm eingerichtete Arbeitsgruppe „Geschlechter­gerechte Schreibung“, bis zur Sitzung im November Empfehlungen für staatliche Stellen vorzubereiten. […] Was rät die AG dem Rat also in Sachen Gender­sternchen? Nichts Eindeutiges. Vielmehr enthält das Papier zwei alternative Vorschläge für den Rat. […] Der eine Vorschlag lautet daher, alles so zu belassen, wie es ist. Der alternative Vorschlag: Der Rat könnte sich dafür entscheiden, öffentlichen Einrichtungen zu empfehlen, das Gender­sternchen zu tolerieren. Auch wenn der Rat sich für Letzteres entscheiden sollte, würde sich kaum etwas ändern: „Das amtliche Regel­werk wäre nicht berührt“, betont Henri Bouillon, […] Vor­sitzender der AG. […] Auch der Duden könnte selbst entscheiden, ob er den Toleranz­beschluss des Rechtschreib­rats unter „Empfehlun­gen“ abbilden möchte oder nicht. Schulen wären hingegen von diesem Toleranz­edikt aus­genommen, wie die AG vorschlägt.
: Das Ende der Majonäse. Der Tagesspiegel (), , s. 21, Wissen & Forschen (1357 wörter)
Majonäse, Grislibär und Ketschup - sie sind Geschichte. Als der Rat für deutsche Rechtschreibung die Regeln vor zwei Jahren über­arbeitete, strich er diese seit der Rechtschreib­reform erlaubten Schreibweisen. […] Neue Aufgaben ergeben sich für den Rat auch durch die Digitalisie­rung […]. Für neue Rechtschreib­aufregung ist ebenfalls gesorgt: Im November will der Rat Vorschläge zur geschlechter­gerechten Schreibung machen. Anders als die große Rechtschreib­reform vor zwanzig Jahren dürfte es das Gender­sternchen aber wohl nicht bis vor das Bundesverfassungs­gericht schaffen.
: Kommt das Gendersternchen jetzt in den Duden? (Potsdamer Neueste Nachrichten), , Politik
Am 8. Juni will der Rat für deutsche Recht­schreibung, der die amtliche Schreib­weise von Worten festlegt, sich bei seiner Sitzung in Wien mit „geschlechter­gerechter Schreibung“ befassen. Mit auf der Tages­ordnung steht das Gender­sternchen. […] Aller­dings sei dieses Thema zualler­erst „sprach­politisch und erst in zweiter Linie ortho­grafisch“, sagt Sabine Krome, die die Geschäfts­stelle des Rats für deutsche Recht­schreibung vertritt […]. Die Sprach­experten werden ver­mutlich empfehlen, zunächst die tat­sächliche Verbreitung von Gendergap, Gender­stern und Binnen-I über Forschung in den großen Text­sammlungen zu erfassen. Nach ein bis zwei Jahren könnte der Rat dann eine Entscheidung treffen. […] Während das neutrale „Studierende“ es in den Duden geschafft hat, blieb dies dem seit Jahr­zehnten be­kannten Binnen-I verwehrt. „Groß­buchstaben kommen traditionell nun einmal nicht im Wort­innern vor“, sagt Horst Simon, Professor für Historische Sprach­wissenschaft an der Freien Universität Berlin. […] Simon sagt aber, er nehme die Vorgaben des Rats für deutsche Recht­schreibung ohnehin nicht allzu wichtig. Sozialisiert in den achtziger Jahren schreibe er noch oft mit Binnen-I – jedoch in radikaler Klein­schreibung, sodass Wörter wie „sprecherinnen­gemeinschaft“ entstehen.
: Mein Deutsch, dein Deutsch. Der Tagesspiegel (), , s. 22, Wissen (1337 wörter)
Der „Bericht zur deutschen Sprache“ beschreibt Phänomene wie das Gender­sternchen und sterbende Dialekte. […] Die Linguistik betrachtet sich nicht als Sprach­polizistin, sie sieht es als ihre Aufgabe, die Sprache zu beschreiben: „Die letzte Norm­autorität ist aus dieser Sicht die Sprach­gemeinschaft selbst“, erklärte der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg. „Es macht keinen Sinn, gegen den Sprach­gebrauch normativ an­zustinken.“ Eisen­berg hat gleichwohl ver­schiedene Phänomene gesichtet, die in der Öffentlichkeit Besorgnis erregen. So geht er, ein ent­schiedener Gegner der Rechtschreib­reform, davon aus, dass diese „dem Orthographie­unterricht quantitativ und qualitativ viel Wasser abgegraben hat“, was mit ein Grund für die nach­lassenden Rechtschreib­fähigkeiten bei Schülern sei. […] Auch geschlechter­gerechte Sprache („BäckerInnen“, „Bäcker_innen“ oder „Bäcker*innen“) lässt er nicht wie andere Linguisten als nützliche Innovationen der Sprach­gemeinschaft gelten.
: „Das Kind nicht entmutigen.“ Der Tagesspiegel (), , s. 20, Wissen & forschen
Lehrer sollen Fehler schon früh korrigieren, sagt Renate Valtin, Grundschulpädagogin. […] Manche Leute haben den Eindruck, dass Schul­absolventen heute weit schlechter in Recht­schreibung sind als frühere Generationen. Zu Recht? [Valtin:] Es gibt keine große Längsschnitt­untersuchung, aus der wir das ersehen könnten. Ich habe nur eine anekdotische Evidenz: Wenn ich meine Studierenden früher das Kosogsche Diktat schreiben ließ - „Tut nie unrecht, seid Ihr aber im Recht, so habt Ihr recht“ und so weiter -, hatten sie schon in drei Sätzen so viele Fehler wie die Leute achtzig Jahre vorher im ganzen Text. Allerdings hat die Rechtschreib­reform in­zwischen ja vieles leichter gemacht. Was die Grund­schule betrifft, so zeigen die Rechtschreib­tests von Iglu 2001 und 2006, dass sich die Leistungen sogar signifikant ver­bessert haben. Insgesamt ist mir aller­dings die Betonung des Themas Rechtschreibung in der bildungs­politischen und didaktischen Diskussion in Deutschland völlig un­verständlich. Inter­national spielt die Be­herrschung der Recht­schreibung so gut wie gar keine Rolle. Statt­dessen wird zu Recht die Förderung der wichtigen Kom­petenzen Lesen und Schreiben als Verfassen von Texten betont.
: „Frauen sind keine Sonderfälle.“ Die Uni Leipzig führt das generische Femininum ein; der Linguist Horst Simon erklärt, warum das gut ist. Der Tagesspiegel (), , s. 24, Wissen & Forschen
Viele Leute bringt das Thema aber auf die Palme. [Horst Simon:] Das war ja auch bei der Rechtschreib­reform so. Gerade Leute, die schon länger aus der Schule raus sind, mögen es nicht, wenn gut gelerntes Wissen entwertet wird und einem so Möglichkeiten genommen werden, sich von schlechter Gebildeten abzuheben.
: Kultusministerkonferenz: „Kein Interesse an Schlagkraft.“ , , Wissen
Erich Thies, Generalsekretär a.D. der Kultusminister­konferenz, über das unpopuläre Gremium. […] Was war während Ihrer 13-jährigen Amtszeit in der KMK der dunkelste Moment? [Thies:] Die Diskussion um die Sommerferienregelung im Jahr 1999. […] Ein glänzendes Beispiel für ein Problem, das nicht zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann. Noch schlimmer war die emotionale Debatte um die Rechtschreib­reform, die von einer Initiative der Minister­präsidenten ausging. Im Nachhinein hat sich dann gezeigt, dass die Hysterie überflüssig war. Ich selbst schreibe „dass“ übrigens immer noch mit „ß“.
: "Die Sprache wird zerstört." Der Linguist Peter Eisenberg meint: Man kann die Orthografie der Bevölkerung nicht überstülpen. Tagesspiegel, , s. 29, Wissen & Forschen (767 wörter)
Man muss sich ansehen, wie Sprache und Schrift sich entwickeln und welche Ver­einheitlichungen sich dabei herausbilden. Nichts anderes hat Konrad Duden jahrzehntelang gemacht. Er wäre nie auf die Idee gekommen, seine Regeln am Schreibtisch zu konstruieren und sie dann der Sprache überzustülpen. Die Kommission dagegen hat sich nie die Mühe gemacht zu beobachten, wie die Menschen wirklich schreiben.

Konrad Duden kam auf sehr interessante ideen, die er später zu gunsten der einheit aufgab. Die kommission dagegen hat nichts konstruiert, sondern in erster linie beobachtet, wie die menschen wirklich schreiben. Aus unserer sicht hätte sie etwas mehr am schreibtisch (= teoretisch fundiert) konstruieren (= konsequenter regeln) können.


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