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2020-4-13
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Krischke, Wolfgang

: Analphabeten in Deutschland. Autokraten schätzen keine Schriftgelehrten. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton, Hoch/Schule
In Deutschland und anderen europäi­schen Ländern laufen Programme zur Förderung der Literalität […]. Dass die Schreib- und Lese­kompetenz gleichwohl oft nicht ausreicht, hat viele Ursachen. Große Klassen und Viel­sprachigkeit in den Schulen gehören dazu, aber ebenfalls Lehr­methoden, die auf dem Irrtum beruhen, anspruchs­volle Kultur­techniken wie Lesen und Schreiben könnten rein spielerisch und ohne systematisches Training erworben werden.
: Punkt, Punkt, Komma, Strich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 273, s. 10, Neue Sachbücher (778 wörter)
Karsten Rinas erforscht die Geschichte der Interpunktion und fördert Erstaunliches zutage. […] Doch obwohl sie ein wichtiges Instrument der Sinn­gebung und Lese­führung ist, spielt sie in den Orthographie-Debatten höchstens eine Neben­rolle. […] Als in der zweiten Hälfte des neun­zehnten Jahr­hunderts die Bemühungen um eine Ver­einheitlichung der Ortho­graphie zunahmen, erfuhr die Inter­punktion nur wenig Auf­merksamkeit. Während die Schreibung der Wörter offiziell standardisiert wurde, blieb die Zeichen­setzung ausgespart. Amtlich geregelt wurde sie erst 1996, im Zuge der Rechtschreib­reform.
: Da flattert einem doch die Manchesterhose. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , s. 10, Literatur und Sachbuch (1114 wörter)
Was lernt man eigentlich aus der groß angekündigten jüngsten Auflage des „Duden“? […] Ein großer Teil der neuen Wörter gelangt nur wegen ihrer öffentlichen Re­sonanz, nicht etwa aus ortho­graphischen Gründen, in den Duden: Wie „Kopftuch­streit“, „Lügen­presse“ oder „Schmäh­gedicht“ ge­schrieben werden, weiß schließlich jeder, der die Bestand­teile dieser Zusammen­setzungen schreiben kann. […] Sollte man sich den neuen Duden an­schaffen? Wer ein Wörter­buch besitzt, das in den ver­gangenen zwölf Jahren erschienen ist und die Revisionen der Orthographie­reform durch den „Rat für deutsche Recht­schreibung“ be­rücksichtigt, kann darauf ver­zichten. Die wenigen aktuellen Änderungen in der Ortho­graphie – wer „Majonäse“ statt „Mayonnaise“ oder „Anschovis“ statt „Anchovis“ schreibt, verletzt ab sofort die amtlichen Regeln – sind marginal und kaum relevant.
: Von der Hand in den Kopf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 10, Neue Sachbücher
Schreiben ist eine Kulturtechnik, die unterrichtet werden muss: Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss treten der schulischen Ver­nachlässigung der Hand­schrift entgegen. […] Diese Abwertung alles Formalen, zumal wenn es mit An­strengung verbunden ist, prägt in ähnlicher Weise den „modernen“ Orthographie­unterricht.
: Als die Computer sich zum ersten Mal ans Übersetzen machten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 173, s. 10, Feuilleton, Literatur und Sachbuch
Michael Gordin zeichnet nach, wie das Englische zur alleinigen Lingua franca der Wissenschaften aufstieg. […] Es ist ein Verdienst von Gordins flüssig geschrie­bener Darstellung, dass er die Anglisierung der Wissen­schaft nicht als zwangs­läufige Ent­wicklung darstellt, sondern als Ergebnis einer Ent­wicklung, die an vielen Weg­gabelungen auch eine andere Richtung hätte nehmen können. Die ver­meintliche Ein­fachheit des Englischen spielte dabei jeden­falls keine Rolle: Noch weit ins zwanzigste Jahr­hundert hinein gab es in anglo­phonen Ländern die Befürchtung, Englisch könnte wegen seiner "Schwierigkeit" international ins Hinter­treffen geraten. Gemeint waren in erster Linie die unsyste­matische Ortho­graphie, die starken Verben und die Fülle an beinahe - aber eben doch nicht ganz - synonymen Wörtern.
: Sächsisch war nie beliebt. David Crystals kleines Sprachbuch ist keine große Hilfe. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 139, s. 12, Feuilleton, Neue Sachbücher
In vierzig kurzen Kapiteln handelt David Crystal so ziemlich alle Aspekte des Themas Sprache ab […]. Und es stellt die Tatsachen geradezu auf den Kopf, wenn die Brüder Grimm mit ihrem Wörter­buch als Vor­reiter einer "modernen", vereinheitlichten Ortho­graphie präsentiert werden. Tatsächlich erstrebte Jacob Grimm - sein Bruder ging in diesem Punkt auf Distanz - das Gegenteil, nämlich eine Restaurierung mittel­hochdeutscher Schreib­weisen. Und erst die durch diesen Vorstoß ausgelösten Ver­wirrungen führten dazu, dass die bereits weit­gehend ver­einheitlichte Schreibung im deutschen Sprach­raum sich wieder aufzu­lösen begann, was Duden zu seinen Aktivitäten veranlasste und schließlich 1901 zur amtlichen Regelung der Ortho­graphie führte.
: Schreibfähigkeit: Wenn Freiheit überfordert. , , Schule
In einer für Deutschland einzigartigen Längsschnittstudie über 40 Jahre hat der Siegener Germanistik­professor Wolfgang Steinig mit seinem Team untersucht, wie sich die Schreib­fähigkeiten von Viert­klässlern verändert haben. Neben der Orthografie haben die Sprach­wissenschaftler auch Text­gestaltung, Grammatik und Wort­schatz unter die Lupe genommen. […] Das Bild, das die Studie zeigt, ist gemischt – aber in einem haben die Wehklager recht: Die Fähigkeit der Schüler, Texte orthografisch korrekt und grammatikalisch normgerecht zu schreiben, hat im Durchschnitt stark abgenommen. […] Vor allem mit der Kenn­zeichnung von langen und kurzen Vokalen und mit den Regeln für die Groß- und Klein- sowie die Getrennt- und Zusammen­schreibung haben viele Kinder heute mehr Probleme als früher. Dass die Orthografie­reform sich hier negativ bemerkbar macht, schließt Wolfgang Steinig aus – dafür seien die Veränderungen, die die Reform mit sich gebracht habe, zu geringfügig.
: Die optimale Sprache dem Kint mit Leffeln eintrichtern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. N4, Natur und Wissenschaft, Geisteswissenschaften (1838 wörter)
Vor hundert Jahren starb Konrad Duden, dessen Ansichten zur Rechtschreibung nicht viel mit dem zu tun haben, wofür der Name heute steht. Die Geschichte seines Reformwerks steckt voller Merkwürdigkeiten. […] Seinem Ideal am nächsten kam die ziemlich lautgetreue italienische Orthographie, die er als Hauslehrer in Genua kennengelernt hatte. Als abschreckendes Gegenbeispiel dienten ihm die Unregelmäßigkeiten der englischen Rechtschreibung; das deutsche Schriftsystem verortete er zwischen diesen Polen. Es zu einer volksnahen, "demokratischen" Rechtschreibung weiterzuentwickeln, die bildungsferne Schichten von den Mühen komplizierter Regeln erlöst, war sein Ziel. […] Die soziale Begründung mit ihrer Gleichsetzung von Demokratie und Simplizität ist bis heute der Evergreen der Reformer. […] Zu Beginn der siebziger Jahre, als Duden zum Reformaktivisten wurde, stritten Germanisten und Lehrer schon seit Jahrzehnten über die Orthographie. Eigentlich waren diese Kontroversen überflüssig, denn es gab - ganz ohne amtliche Regelungen - eine leidlich funktionierende Schreibung, die trotz mancher Varianten schon weitgehend vereinheitlicht war. Sie hatte sich im Laufe der Jahrhunderte aus der Praxis der Schreiber, Drucker und Korrektoren entwickelt.
: Kein Zuckerl nit. Wie die Mozarts mit Gottsched Hochdeutsch lernten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 109, s. N4, Natur und Wissenschaft, Geisteswissenschaften
Leopold Mozart war nicht nur Komponist und Musikpädagoge, sondern auch Sprachkritiker. Wolfgangs Frau Constanze fürchtete, ihr Schwiegervater würde sie "über ihre orthographie und Concept auslachen", und zögerte deshalb, ihm überhaupt zu schreiben.
: Einst boll der Hund. Linguistik starker Worte: Eine Stärke des Deutschen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 43, Forschung und Lehre
Die Sprachentwicklungsprognose besagt also, dass sich ein harter Kern sinnvoller Unregelmäßig­keiten noch lange halten wird. Um ihn herum findet in weiten Bereichen eine fortschreitende Vereinfachung statt. Ob das die internationalen Chancen des Deutschen erhöhen wird, wie Heide Wegener mit Blick auf das Englische meint, darf man bezweifeln. Mit unregelmäßigen Verben und manch bizarrem Substantiv­plural traktiert schließlich auch das Englische seine Lernwilligen - ganz zu schweigen von einer Orthographie, mit der verglichen die deutsche ein Muster an Transparenz darstellt. Auch Latein und Französisch sind nicht gerade für ihre grammatische Schlichtheit bekannt. Ihren Aufstieg zu Weltsprachen verdankten sie alle den Regeln der Macht, nicht der Flexion.

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