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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Kunze, Reiner

: Jahrhundertvergehen. , , Aktuelles (742 wörter)
Ob in riesigen Metall­buchstaben an Großmarkt­fassaden oder als Massenwaren­etikett an der Tür des Friseur­salons – landauf, landab lesen wir den Gruß "Herzlich Willkommen". Er ist nach der traditionellen Rechtsschreibung ebenso falsch geschrieben wie nach der reformierten. […] Nach 20 Jahren neuer Recht­schreibungen ist das Sprach­gefühl, die intuitive, vom Regel­wissen unabhängige Sprach­kompetenz, bei einem Groß­teil der Bevölkerung ausgehebelt. […] Der Rechtschreib­experte Peter Eisenberg sagte vor kurzem in einem Interview der Zeitung "Sprach­nachrichten": "Die sog. Orthografie­reform war nicht von der Sache her, sie war politisch motiviert. An der Recht­schreibung selbst gab es ja ... kaum etwas auszu­setzen." Die Mehrheit der Deutsch­sprechenden hat resigniert oder dämmert in einer Art Rechtschreib­demenz vor sich hin. Was nicht heißt, das Bildungs­niveau könne nicht weiter gesenkt werden. Auf einer Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung wurde allen Ernstes erwogen, das Wort "rangieren" mit "sch" zu schreiben. Zum Glück hätten sich "die Schweizer und Österreicher ... hinreichend dagegen gewehrt". […] Die reform­pädagogische Methode "Lesen durch schreiben", derzufolge die Erst- und Zweitklässler nur nach Gehör schreiben lernen sollen, ohne daß Lehrer und Eltern die Fehler korrigieren, führe, so der Schweizer Sprach­wissenschaftler Rudolf Wachter, zu "ortho­graphischer Verwahrlosung".

Auch die glühendsten anhänger der alten rechtschreibung vergessen sie langsam: Zweitkläßler, neu Zweitklässler.

: Orientierungshilfe und Mahnung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 73, s. 9, Briefe an die Herausgeber (348 wörter)
Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung empfohlene und von den Kultusministern beschlossene Reform bringt zwar wesentliche Verbesserungen, löst die entscheidenden Probleme aber nur teilweise […]. Um so wichtiger wird es nun, daß die F.A.Z. an der bewährten Rechtschreibung festhält - unabhängig von der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz.
: Beschädigtes Vertrauen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 35, Briefe an die Herausgeber (140 wörter)
[…] auch mein Vertrauen in die Demokratie in Deutschland ist beschädigt. So viel Diktatur in der Demokratie, wie sie seit Einführung der Rechtschreibreform im Jahre 1996 auf dem Gebiet der Sprache ausgeübt worden ist, habe ich nicht für möglich gehalten.
: Die WamS ist schuld. In: Muss die deutsche Sprache gerettet werden? Welt am Sonntag, , nr. 6, s. 46, Kultur
Solange Zeitungen wie diese der deutschen Sprache die Solidarität verweigern, indem sie der Rechtschreib­reform nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern dazu beitragen, sie zu etablieren, bis das Sprachgefühl entsprechend abgestumpft und es den Menschen gar nicht mehr bewusst sein wird, dass ihre Sprache zum Beispiel um Hunderte von differenzierenden Zusammenschreibungen ärmer geworden ist, dürfte alles Bemühen, ihr zu helfen, vergebens sein.

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