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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Schibli, Sigfried

: Ein exquisiter Bursche. Basler Zeitung, , s. 19 (529 wörter)
Wenn man keine anderen Sorgen mehr hat, macht man sich gern solche wie diese: Braucht die deutsche Sprache einen neuen Umgang mit ihrem ex­quisitesten Zeichen, mit dem scharfen S, […] wie es in ge­schriebenen Wörtern wie «Muße» oder «büßen» vorkommt? Die deutsche Rechtschreib­reform hat dessen Bedeutung etwas geschmälert […]. Ganz abschaffen mochten die deutschen Sprach­regulierer das seltsame Zeichen nicht, während es in der Schweiz schon seit Jahr­zehnten praktisch aus­gerottet ist. Dies mit gutem Grund […].
: Vom Pinguin zum Punkt. Basler Zeitung, , s. kmgab2
Das Sinfonie­orchester Basel hat ein neues Signet. […] Die noblen Majuskeln im Schriftzug des alten Logos sind konsequenter Klein­schreibung («sinfonie­orchester basel») gewichen […]. Ein ungeschriebenes Gesetz verlangt heute, dass alles und jedes eine Marke ist, ein Label hat und sich schon sprachlich von der Konkurrenz abhebt. So schreibt sich das Kammerorchester Basel absurder­weise «kammeror­chesterbasel», und auch die «basel sinfonietta» huldigt der radikalen Kleinschreibung. Übrigens hat auch die Allgemeine Musik­gesellschaft Basel ein neues, elegant ge­schwungenes Schrift-Logo in – erraten! – radikaler Klein­schreibung.
: Die Sprachstrafe. Basler Zeitung, , s. 3, heute, rubrik Bazillus (213 wörter)
Die Absicht der slowakischen Regierung, Geldstrafen für Verstösse gegen sprachliches Fehlverhalten einzuführen (BaZ vom Mittwoch), ist bedenkenswert. […] Leicht durchzuführen wird diese Sprachzensur indes nicht sein, denn in der Sprache ist jedermann Expertin (wäre das jetzt schon strafbar?), und gute Sprache ist ähnlich schwer zu definieren wie gute Architektur. […] Zum andern ist die Rechtschreibung, wie man bei der Debatte um die neue deutsche Rechtschreibung erfahren hat, in stetem Fluss.
: Der späte Sieg eines Aussenseiters. Basler Zeitung, , s. 3, rubrik Bazillus (262 wörter)
Wenn es noch eines Beweises für das grandiose Scheitern der deutschen Rechtschreib­reform bedurft hätte, hier ist er: In Deutschland soll das scharfe S, das sogenannte Sz (ß), auch bei den Gross­buchstaben wieder eingeführt werden. […] All das braucht einen in der Schweiz eigentlich nicht zu interessieren: Hier ist das scharfe S schon seit Jahrzehnten praktisch abgeschafft. Und kein Mensch hat deshalb Verständnis­schwierigkeiten, wenn er das Wort «Busse» oder «Masse» liest, weil der Kontext immer klarmacht, welche der jeweils zwei Bedeutungen gemeint ist – auch wenn konservative Sprachforscher uns einreden wollen, wir müssten permanent aneinander vorbei reden, wenn wir nicht zwischen «ss» nach kurzem und «ß» nach langem Vokal unterschieden.
: Tasken Sie auch multi? Basler Zeitung, , s. 3 (252 wörter)
Was haben wir einst gelacht über den Satz des unlängst verstorbenen Kabarettisten César Keiser: «Nai, Frolain, Sie verstöhn mi miss!» Dabei hat Keiser nur den Finger auf eine Stelle gelegt, an welcher die deutsche Sprache wirklich schwach, ja sogar ziemlich verletzlich ist: auf die Frage, wie man die zusammengesetzten Verben flektieren soll. […] Kein Mensch weiss das so genau, und die Rechtschreibreform hat da auch kein Quäntchen Klarheit gebracht.

Im gegenteil, man wusste ja nicht mehr, was ein wort ist. Aber man hat es eben auch vorher nicht gewusst.

: «Man sollte die Sprache trainieren» wie man den Körper trainiert.» Der Zürcher Germanist Peter von Matt über Sprachkultur und Rechtschreibreform. Basler Zeitung, , baz.kulturmagazin, s. 4 (1462 wörter)
Die führenden Sprach­wissenschaftler sind gegen die neue Rechtschreibung, ebenso fast alle Schrift­steller. Es ist so, wie wenn die besten Herzchirurgen eine Empfehlung für eine betimmte Operation abgeben, und dann kommen die Assistenz­ärzte und sagen: «Wir machen es ganz anders».

Grobe beleidigungen als beispiel für sprachkultur?

: Wortwechsel im Sprachenstreit. Basler Zeitung, , s. 33, Feuilleton (268 wörter)
Der Streit um die deutsche Rechtschreibung, der gegenwärtig je nach Weltgegend mehr tobt oder dümpelt, wird nicht mit lebens­bedrohenden Waffen ausgefochten, sondern mit den un­blutigen Waffen des Wortes. Das ist das Gute, das Friedliche und Zivile an diesem eigen­tümlichen Krieg, der durchaus feindliche Lager, Angriffslinien, Verteidigungs­bastionen und Überläufer kennt.
: Der Triumph der Intellektuellen. Basler Zeitung, , s. 5, Inland (516 wörter)
Die vorab in den deutschen Feuilletons geführte Debatte trug über weite Strecken den Charakter einer Ersatzdebatte, die vor allem der Profilierung einiger Reform­gegner und der Ablenkung von ihrem mittler­weile verwelkten Polit-Engagement diente. […] In vager Erinnerung an das Antikriegs-Engagement der sechziger und siebziger Jahre witterte mancher Geistesarbeiter die Chance, sich doch noch einmal in radikaler System­kritik zu üben. […] Die Herren Reich-Ranicki, Walser, Enzensberger, Muschg etc. — allesamt Autoren in vorgerücktem Alter — haben mit Erfolg einen Reform­prozess verweigert, an dem sie sich nicht aktiv beteiligt hatten, als die Dinge noch im Fluss waren. […] Ihr Erfolg beruht auf einer unheiligen Allianz von muffiger Reform­feindlichkeit und diffuser Staats­ferne. Und er vermag nicht zu kaschieren, dass den meisten Intellektuellen deutscher Zunge zu brennenden Zeit­fragen […] schlicht nichts mehr einfällt.
: Powidl, Krotn und Faschiertes. Basler Zeitung, , Feuilleton, Kursiv
Deutsch, erfuhren wir schon im Sandkasten, ist nicht gleich Deutsch. […] Ein halbes Jahrtausend deutscher Hochsprache und die mit Ach und Krach über die Bühne gebrachte Rechtschreibreform haben nicht verhindert, dass Deutsche, Österreicher und Schweizer bisweilen per «Kannitverstan» miteinander kommunizieren.

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