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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Schmoll, Heike = oll

: Durch Druck vereint. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 285, s. 6, Politik (605 wörter)
Hessen hat eine Kompetenz­stelle Ortho­graphie mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Stiftung Poly­technische Gesellschaft geschaffen, die Rechtschreib­leistungen verbessern und langfristig auch der Methode "Schreiben nach Gehör" die Grund­lage entziehen soll.

Gemeint ist eine kompetenz­stelle ortografie­didaktik. Besser wäre eine kompetenz­stelle ortografie.

: Lehrmethoden: Fehler sollen wieder korrigiert werden. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Inland
„Lesen durch Schreiben“ ist hoch um­stritten. […] Nur der reform­pädagogi­schen Methode die Schuld für man­gelnde Rechtschreib­kenntnisse anzu­lasten, wäre zu kurz gesprungen. Schon in den siebziger Jahren haben hessische Rahmen­lehrpläne die Regeln der Ortho­graphie nur unter der Perspektive gelehrt, dass sie kritisiert werden müssen. […] Schließlich gibt es auch immer mehr Menschen, die glauben, die Ortho­graphie werde schon von den Rechtschreib­programmen der Computer erledigt. […] Es kamen also mehrere Neuerungen zusammen, die das Rechtschreib­desaster gefördert haben.
: Für bessere Rechtschreibung. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton, Hoch/Schule
Gemeinsam wollen Schleswig-Holstein, Hamburg und Baden-Württem­berg gegen die Orthographie­schwäche ihrer Grund­schüler vorgehen. […] Konkret geht es um Fortbildungen für Grundschul­lehrer […]. Die fünf Themen­schwerpunkte sind Schrift und Orthographie, Schrift­erwerb, Diagnose, Rechtschreiben im Unterricht und Rechtschreib­kompetenz. […] Lange war die Recht­schreibung als Kern­kompetenz unter­schätzt worden. In den hessischen Rahmen­lehrplänen der siebziger Jahre taucht sie auf, um kritisiert zu werden.
: 20 Jahre Schreibanarchie. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 176, s. 1, kommentare (332 wörter)
Von Anfang an war klar, dass der Versuch, die deutsche Recht­schreibung zu vereinfachen, schief­gehen würde. Denn sie ist viel besser als ihr Ruf.
: Sprachkämpfer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 8, Zeitgeschehen (422 wörter)
„Wenn man sich professionell mit Sprache beschäftigt, dann hat man einen riesigen Respekt vor dieser Sprache“, sagt Eisenberg. Er hat ihre komplexe Struktur so duch­drungen und weiß, dass Sprache solche gewalt­samen Eingriffe nicht verträgt wie bei der Rechtschreib­reform, die am 1. August 1998 ein­geführt wurde.
: Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 131, s. 10, (419 wörter)
Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Leidens­bereitschaft dazu, wenn sich jemand in seinem Ruhestand für die Leitung des deutschen Rechtschreib­rats entscheidet. Josef Lange […] hat es trotz­dem getan.
: Prediger gegen Vereinfachung und allgemeine Verdummung. Zum Ende der dreißig Jahre währenden Amtszeit des Lehrerverbandspräsidenten Josef Kraus. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 148, s. 6, Politik
Von Anbeginn kämpfte er gegen die Rechtschreib­reform, sprach sich schon in den neunziger Jahren für eine pädagogi­sche Re­naissance von Fleiß, Disziplin, Zu­verlässigkeit, Ordnung und Pünktlich­keit sowie Leistung aus, was ihm zuweilen auch den Ruf des Reaktionärs ein­brachte.
: Ein Handwerker unter Akademikern. Christian Stang ist Postbeamter — und so rechtschreibbesessen, dass er an der Universität Regensburg eine Stelle bekam. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 6, Politik
Gegen die Rechtschreib­reform begehrte er nicht auf, auch am Dritten Bericht des Rates für deutsche Recht­schreibung, den die Kultus­minister in dieser Woche entgegen­nehmen, hat er eigentlich nichts zu kritteln. Es sei schon richtig, die Schreibung den Gewohnheiten an­zupassen, sagt Stang. Für Kritiker der Reform freilich war die Intention genau das Gegenteil von Anpassung an Gewohnheiten — nämlich ein Sprach­diktat.

Pech, dass der «wandelnde Duden» nicht gegen die rechtschreibreform aufbegehrt. Für die journalistin freilich kein grund, auf die agitation zu verzichten.

: Gründliches Misstrauen, notfalls Revolte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 102, s. 10, Literatur und Sachbuch
Hinter den Kulissen der Bildungs­misere: Josef Kraus weiß, wer die dauernden Reformen gegen den Willen der Bürger durchsetzt. […] Kraus nimmt seine Leser mit auf eine Tour d'Horizon in vier Kapiteln über alle zentralen Themen der Bildungs­debatte: das Kompetenz­gerede, die Digita­lisierung, den Bildungs­begriff, das Gymnasium, die Ganztags­schule, die Inklusion, die Ver­ramschung der Sprache und die Recht- beziehungs­weise "Schlecht­schreibung".
: So flüchtig wie Katarrh bei Ostwind. Warum auch zwanzig Jahre nach der Rechtschreibreform keine Korrektur geplant ist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 58, s. 6, Politik (1031 wörter)
[…] das amtliche Regel­werk selbst: "Es ist zu lang, nicht konsistent, wenn überhaupt dann schwer ver­ständlich und wissen­schaftlich in­akzeptabel", sagt der Berliner Grammatiker Peter Eisenberg […]. Er hat jetzt im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung einen weiter­führenden Vorschlag mit dem Titel "Deutsche Ortho­grafie. Regel­werk und Kommentar" (de Gruyter) vorgelegt, der keine neue Ortho­grafie an­strebt. Vielmehr geht es Eisenberg […] darum, die geltende Regelung so zu formulieren, dass Begründungen und Funktiona­litäten gezeigt werden. […] Sein Anliegen ist es, die geltende Schreibung, wo möglich, so in Regeln zu fassen, dass sie wieder lern­barer wird. Selbst­verständlich weiß auch Eisenberg, dass sich die deutsche Ortho­graphie niemals voll­ständig in Regeln fassen lässt.

Selbst­verständlich muss es das ziel sein, die deutsche und jede andere orto­grafie voll­ständig in regeln zu fassen.

: Ein Akkreditierungsmonster ist doch kein Grund zum Fürchten! Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 143, s. N4, Natur und Wissenschaft
Karlsruhe ruft die Länder zur Reform der Zu­lassung von Studien­gängen auf. Die Kultus­minister stellen sich taub. […] Aus­sitzen wie bei der Rechtschreib­reform scheint die Devise der KMK zu sein.
: Er riskierte den Alleingang gegen Bologna. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 302, s. 10, Feuilleton
Die Folgen der asymmetrischen Einheit beschreibt der lang­jährige sächsische Wissenschafts­minister Hans Joachim Meyer in seinem Lebens­bericht dezidiert aus der Perspektive eines Ost­deutschen. […] Selbst sein bayerischer Amtskollege Zehetmair hatte die Auswirkung der Bologna-Reform völlig unterschätzt - wie er sehr viel später zugab, genauso wie im Fall der Rechtschreib­reform. Unver­ständlich ist, wieso Meyer die Kritik an der Rechtschreib­reform als Lappalie abtut. Angesichts der minimalen Änderungen und der klag­losen Akzeptanz vieler, erscheint ihm der Glaubens­krieg darüber völlig unver­ständlich: "Besonders töricht fand ich die Behauptung, hier würde von der Politik in die organische Entwicklung der Sprache eingegriffen und diese von oben reglementiert." Als habe es je eine Ortho­graphie gegeben, die nicht von oben beschlossen worden sei.
: Chaos im Schreiben und Denken. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 176, s. 1, Politik
Die Rechtschreib­reform hat ruinöse Folgen für Sprache und Denken. […] Den heutigen Zustand wird man ohne Übert­reibung als sicht­bares Schreib­chaos charakterisieren können. Das offenbart spätestens der Blick in Internet­foren.

Ein faz.net-leser namens Axel Werner dazu: Es gebe in Frank­reich «genau die gleichen Klagen der Arbeit­geber und Universi­täten, daß sich niemand mehr fehler­frei schriftlich äußern könne; von der Schreib­weise, die für SMS und e-mails benützt wird, erst gar nicht zu reden». Offenbar hat die FAZ unter­trieben – die deutsche rechtschreib­reform hat die ganze welt ruiniert.

: Im Niemandsland zwischen Richtig und Falsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 155, s. 4, Politik
In nahezu allen Bundesländern wird in den ersten drei Schul­jahren weitgehend phonetisch geschrieben; im vierten Schuljahr hagelt es dann plötzlich schlechte Noten im Deutsch­unterricht, weil nun die korrekte Ortho­graphie zu bewerten ist. Vorher wurde lautgetreu geschrieben und nur verbal beurteilt. […] Die Schüler wachsen mit dem Gefühl auf, dass Rechtschreibung nicht so wichtig sei - und mit dem Zwiespalt, dass sie richtig geschriebene Worte in Büchern lesen und falsch geschriebene an der Tafel oder in Schulheften.

… und falsch geschriebene worte und wörter überall sonst: fundsachen.

: Viele Grundschüler können nicht schreiben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 203, s. 9, Bildungswelten
In den ersten vier Klassen sollen Kinder die grundlegenden Kulturtechniken eigentlich so lernen, dass sie den Wechsel auf eine andere Schule bewältigen - doch das gelingt nicht. In Hamburg wird die Grundschrift zumindest in diesem Schuljahr nicht eingeführt, aber einige Schulleiter scheinen bereits mit den Hufen zu scharren. […] Offensichtlich handelt es sich um eines jener unsinnigen schul­politischen Himmelfahrts­kommandos, die schon in wenigen Jahren bereut werden könnten, wenn sich die Folgen zeigen. […] In Bayern etwa ist es üblich, sich beide Schriftarten anzueignen: In der ersten Klasse beginnen die Kinder, in Grundschrift oder Druckschrift die Buchstaben kennenzulernen, in der zweiten lernen sie die Schreib­schrift. Allerdings wird beim Erlernen der Grundschrift auch von Anfang an auf korrekte Recht­schreibung geachtet, damit sich das richtige Schriftbild optisch einprägt. […] Überall, wo etwa die phonetische Schreibung - und das womöglich bis zur vierten Klasse - praktiziert wird, wo Kinder also genau so schreiben, wie sie die Worte hören, die falsch geschriebenen Worte auch noch einprägsam an der Tafel sehen und die Korrektur erst am Ende der Grundschule einsetzt, haben sie große Rechtschreib­schwierigkeiten. […]
: Politische Handschriften. In Hamburg ist ein Streit über das richtige Schreibenlernen in der Grundschule entbrannt, der über den Stadtstaat hinausweist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 178, s. 3, Politik
Nach den Ferien können die Grundschulen nun selbst entscheiden, ob sie weiterhin die Vereinfachte Ausgangsschrift (Schreibschrift) lernen oder eine Art Druckschrift, die man als Grundschrift bezeichnet und die vom Grundschulverband mit demselben Argument angepriesen wird, das auch die Einführung der Rechtschreibreform begründen sollte: mit erheblichen Vereinfachungen für die Grundschüler.
neu : Geringfügige Änderungen. Rechtschreibrat übergibt Bericht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 289, s. 4, Politik (352 wörter)
Schon 2005 hatten die Kultusminister dem Rat untersagt, in drei der sechs Teile Änderungen vorzunehmen. Der Rat widmete sich daher nur noch der Frage, gegen welche Neu­schreibungen besonders oft verstoßen und welche zugelassenen Varianten nicht genutzt wurden. Deshalb entfällt ein Großteil des Berichts auf statistische Unter­suchungen, wobei zu den Schulen nichts gesagt wird.
: Eindeutig Mozart. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 1, s. 1, Politik
Wer Mozart als Menschen authentisch kennenlernen möchte, sollte seine die Sprachen mischenden, sich um Ortho­graphie nicht scherenden, geradezu anarchischen Briefe lesen.
: Gesamtstaatliche Verantwortung der Länder. Was die geplante Föderalismusreform für die deutsche Bildungspolitik bedeutet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 265, s. 12, Zeitgeschehen
Ob die Länder allerdings willens und in der Lage sind, ihrer neuen gesamtstaatlichen Verantwortung in der Bildungspolitik gerecht zu werden, müssen sie erst noch unter Beweis stellen. Die größte Verantwortung kommt dabei auf die KMK zu. Sie hat beim Debakel um die Rechtschreib­reform und durch viele politische Patzer in der jüngsten Vergangen­heit viel Vertrauen verspielt.
: Auch die Groß- und Kleinschreibung. Der Rat für deutsche Rechtschreibung bestimmt seine Themen selbst und korrigiert mutig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 253, s. 12, Zeitgeschehen (656 wörter)
Bei der Trennung des "ck" konnte sich der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, […] Zehetmair (CSU), nicht durchsetzen. Es gibt also keine Rückkehr zur alten kk-Trennung […]. Für die weitere Arbeit des Rates ist nicht unerheblich, daß sich viele Praktiker, die nur ehrenamtlich im Rat sitzen, sprachwissenschaftlichen Argumenten verschließen. Das gilt etwa für ein weiteres Thema, das auf Antrag Österreichs neuerdings auch auf der Agenda des Rates steht: die ss-Schreibung. Vor kurzem hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, daß sich der Rat auch mit dieser Regelung noch einmal befaßt. Noch überraschender ist aber die Entscheidung des Rates, die Groß- und Kleinschreibung - jüngst von den Kultusministern als "unstrittig" bezeichnet und in den Schulen eingeführt - schon in der kommenden Sitzung zu behandeln.
: Auf den Sprachgebrauch kommt es an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 83, s. 1 (809 wörter)
Im Unterschied zur Vorgehensweise der Reformer scheint für den Rat der Sprach­gebrauch wieder zur Leitlinie seines Handelns zu werden. Darin liegt die ent­scheidende Kehrt­wendung.
: Ohne Zehetmair. Kritiker der Rechtschreibreform in München. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 46, s. 5, Politik (705 wörter)
Zum ersten Mal seit acht Jahren hatte sich ein für die Rechtschreibreform verantwortlicher Kultusminister bereit erklärt, sich dem Gespräch mit den Kritikern zu stellen. Darauf hatten Germanisten, Schriftsteller und Journalisten lange gewartet. Der Vorsitzende des Rates für die deutsche Rechtschreibung, der frühere bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), war jedoch plötzlich erkrankt. So fand in der bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Gesprächsrunde mit einigen der profiliertesten Kritiker ohne den eigentlichen Adressaten statt. […] Wenn schon kein Fürsprecher der Reform auf dem Podium saß, so heizte wenigstens der Chef der Duden-Redaktion, Matthias Wermke, die Diskussion mit seinem Vorwurf an, solche "sinnlosen" Debatten mündeten in "Larmoyanz und Politikverdrossenheit". Wieso die Kritik nicht im Rat vorgebracht werde, fragte er, wohl wissend, daß sie dort niemand vorbringen wird und den Kritikern nur das zahnlose Minderheitsvotum bleibt.
: Wirrwarr im Rat für Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 41, s. 1, Politik (553 wörter)
Bei der Sitzung des Gremiums an diesem Freitag in Mannheim stehen die besonders strittigen Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Silbentrennung sowie der Groß- und Kleinschreibung auf der Tagesordnung. Die bisherigen Vorschläge der Mitglieder des Rates gleichen einem Wirrwarr. […] Einige Mitglieder des Rates wollen zunächst eine Bestandsaufnahme der besonders strittigen Fälle herbeiführen, auch die Verlängerung der Übergangszeit wird erwogen. […] Nachdem der Schweizer Gallmann eigens in einem Aufsatz dargelegt hatte, warum die Schweizer das "ß" nicht wiedereinführen, scheint sein erklärtes Ziel als Mitglied des Rates zu sein, diesen Buchstaben auch in Deutschland aus der Schreibung zu tilgen. Dieser Vorschlag wird sich vermutlich ebensowenig durchsetzen wie die alte Idee, eine gemäßigte Kleinschreibung einzuführen.
: Der Rechtschreiber. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 10, Zeitgeschehen (453 wörter)
Ickler gehört zu den wenigen außerhalb der Rechtschreibkommission, die sich schon 1995 intensiv mit den neuen Regeln befaßt haben.

Schon? Erst!

: Kultusminister zweifeln an der Rechtschreibreform. Schavan: Gesellschaftliche Akzeptanz berücksichtigen; "Nuancenreichtum der Sprache erhalten". Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 56, s. 1f. (860 wörter)
Die Konferenz der Kultusminister (KMK) hat in Berlin den vierten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission zur Rechtschreib­reform nicht verabschiedet. […] Statt dessen haben die baden-württembergische Kultus­ministerin Schavan (CDU) und der brandenburgische Kultusminister Reiche (SPD) ein Gespräch mit Vertretern der Zwischenstaatlichen Kommission und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung geführt […]. Es habe sich gezeigt, daß der Bericht der Kommission auch einige Reform­vorschläge der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung aufnehme. […] Ganz unbegründet, so geben selbst die Reformgegner zu, war die Kritik der Zwischen­staatlichen Kommission an der Akademie nicht. Auch ist nach der Berliner Konferenz nicht mehr die Rede davon, der Zwischen­staatlichen Kommission künftig die alleinige Entscheidungs­gewalt über Neuerungen zuzubilligen.
: Der Raub der Nuancen. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Vor fünf Jahren trat die Rechtschreibreform in Kraft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 3, Politik (1365 wörter)
Selbst entschiedene Reformgegner sehen die Lösung inzwischen nicht mehr in einer umstandslosen Wieder­herstellung alter Zustände, also in einer bloßen Rückkehr zur bewährten Schreibung. […] Es wäre durchaus denkbar, daß die bisherige Rechtschreibung von einschlägigen Instituten erforscht und dargestellt wird und sich im Wettbewerb um die beste Darstellung auch die besten ortho­graphischen Hilfsmittel herausbilden. Für eine Übergangs­zeit von etwa zehn Jahren könnten die Schreibweisen gemäß der Reform in ihren verschiedenen Auslegungen nicht als Fehler gewertet werden, allerdings müßte von Schülern und Studenten verlangt werden, daß sie sich für eine der beiden Schreibweisen entscheiden und nicht beide mischen. Allein daran ließe sich erkennen, ob die Schreiber wenigstens eines der Regelwerke beherrschen.

Beide schreibweisen? Warum dann nicht gleich die bewährte kleinschreibung in den wettbewerb um die besten ortografischen hilfsmittel einbeziehen?

: Ungebrochene Neugier der Grundschüler. Defizite in den weiterführenden Schulen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 85, s. 6, Politik
Gleichwohl birgt auch der jetzt vorliegende erste Teil der Iglu-Studie auf mehr als 300 Seiten viele interessante Einzelergebnisse. […] In Anbetracht dessen, daß die Lehrer angeben, ein Drittel des gesamten Deutschunterrichts auf Rechtschreiblehre zu verwenden, seien die Ergebnisse wenig befriedigend, meinen die Bildungsforscher. Aufschlußreich erscheint, daß alle Beispieltexte, die in der Iglu-Studie abgedruckt sind, die bewährte Zeichensetzung aufweisen und nicht die neue. Sollte dies einen lesefördernden Effekt besitzen?
neu : Ratlosigkeit über die Rechtschreibreform. Die Kultusminister schieben Entscheidungen auf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 52, s. 4, Politik (947 wörter)
Die meisten Minister geben hinter vor­gehaltener Hand zu, die Folgen dieser Reform unterschätzt zu haben. […] Einig sind sich alle Minister darin, daß nicht politisch entschieden werden kann, ob es nun "not tun", "Not tun" oder "nottun" heißt. Die Reform sei vom Bundes­innenministerium ausgegangen, sagen sie entschuldigend in Berlin. Die meisten unter den Kultus­ministern geben sogar zu, daß sie privat die bewährte Schreibung bevorzugen. Die Kultus­minister würden die Ver­antwortung für die Rechtschreib­reform am liebsten abgeben – aber an wen?
neu : Verwirrt und befreit in der neuen Rechtschreib-Anarchie. Der dritte Kommissionsbericht über ein Debakel. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 51, s. 4, Politik (1291 wörter)
Intensiv diskutiert der Bericht die Groß- und Kleinschreibung. Der "Regierende Bürgermeister", der "Heilige Vater" werden als Funktions­bezeichnungen und Ehrentitel unter den systematischen Ausnahmen genannt. Aber wenn es sich nicht um wirkliche Eigennamen handelt, dann ist die Kleinschreibung vorgesehen: "künstliche Intelligenz", "neues Jahr". Daß diese Regelung vom Duden unterlaufen worden sei, muß die Kommission selbst zugeben. Zum Beispiel hieß es dort die "Erste Hilfe", aber die "erste Wahl", der "Letzte Wille", aber "jemandem die letzte Ehre erweisen". Um nicht von der Vorgabe der Klein­schreibung der Attribute abzuweichen, werden jetzt Begriffe wie "der Neue Markt", die "Rote Karte", die "Gelbe Karte", die "Letzte Ölung", die "Heilige Messe", das "Ewige Licht" unter der Rubrik der Fach­sprachlichkeit wieder zugelassen. Fach­sprachen sind nämlich von der Regelung aus­genommen. Wer künftig solche festen Fügungen wieder groß schreiben will, muß sie also nur als Fachsprache deklarieren; das geht fast immer.
: Das Abi-Bac im Grenzbereich. Das deutsch-französische Abitur stellt große Anforderungen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 268, s. 8, Politik
Mit der Rechtschreib­reform wollen die Deutschlehrerinnen in St-Avold ihre Schüler so lange nicht befassen, als sie nicht gelehrt wird. Bis zum Jahr 2005 wird in der bewährten Weise geschrieben. Allerdings gibt es auch in den letzten Gymnasialklassen schon Schüler, die in der Grundschule mit der neuen Recht­schreibung begonnen haben, so daß die Lehrer unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe anlegen müssen.
: Das Klassenziel nicht erreicht. Die Rechtschreib­reform hat zu Durcheinander statt Einheitlichkeit geführt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 183, s. 1f, Politik
Auf diese Weise ist die Monopolstellung des Mannheimer Duden gewissermaßen auf ein Wörterbuch­kartell über­gegangen, das eine Einheitlichkeit suggeriert, die es in Wirklichkeit nicht gibt.
: Sprachverwirrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 1, Politik
Fünf Jahre nach dem Wiener Rechtschreibabkommen der deutschsprachigen Länder und drei Jahre nach dessen offizieller Einführung kann nicht mehr geleugnet werden, daß die Rechtschreibreform ihr wichtigstes Ziel, die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung, verfehlt hat.

Nicht nur die schlussfolgerung, die rechtschreibreform habe ihr wichtigstes ziel, die einheitlichkeit der rechtschreibung, verfehlt, ist in frage zu stellen, sondern vor allem die annahmen, auf denen sie basiert. Zum einen wäre die definition von einheitlichkeit zu diskutieren, zum andern das «wichtigste ziel». «Schreibungen waren nie um ihrer selbst willen wichtig, sondern um den Zugang zu Texten möglichst rasch und unmittelbar zu eröffnen.» Dazu mag es von vorteil sein, wenn in Flensburg und Zürich sowie von professionellen und weniger gebildeten schreibern gleich geschrieben wird, was auch vorher nur sehr eingeschränkt der fall war. Das «wichtigste ziel» einer reform kann es allerdings höchstes zu kaisers zeiten gewesen sein. Einheitlichkeit, stabilität, sicherheit, «wissen, was richtig und falsch ist», disziplin usw. sind positive werte, aber es sind eben keine werte, sondern sekundärtugenden. Das ziel einer reform kann nur sein, etwas besseres zu schaffen.

: Beamtenreform. Die Entwicklung der Rechtschreibreform zwischen Sprachwissenschaft und Kultusbürokratie. Frankfurter Allgemeine Zeitung, (636 wörter)
Der starre Blick auf die Vereinfachung der Recht­schreibung hat offenbar verhindert, daß die der bewährten Recht­schreibung zugrunde­liegenden Regeln erkannt wurden und daß man über sie diskutierte. Nicht be­rücksichtigt wurde dabei, daß Recht­schreibung mehr ist als Konvention oder gar die bloße graphische Abbildung des Laut­systems durch Buch­staben. Sie dient dazu, die syntaktische, morphologische und lexikalische Struktur des Deutschen für Leser schnell erkennbar werden zu lassen. Nahezu alle Schwierigkeiten der Recht­schreibung finden hier ihre Begründung.

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