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2020-4-13
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Steinfeld, Thomas

: Von Bäckern, Lehrerinnen und Flüchtlingen. Süddeutsche Zeitung (), , 75. jg., nr. 62, s. 11, Feuilleton
Als Eduard Engel, amtlicher Stenograf im Berliner Reichstag, im Jahr 1917 das Büchlein „Sprich Deutsch! Zum Hilfs­dienst am Vaterland“ ver­öffentlichte, war die Reinigung der Sprache von ihren romanischen Anteilen zu einem politischen Programm geworden […]. Von allen Versuchen, die deutsche Sprache einem ent­schlossen po­litischen Pro­gramm zu unter­werfen, war ihre „Ent­welschung“ bis vor Kurzem ein Unter­nehmen, das in Umfang und Intensität einzig­artig war (die Rechtschreib­reform gründete auf einer Fantasie von Rationali­sierung).
: Mann von Weltformat. Wilhelm Ostwald war Nobelpreisträger für Chemie, aber er wollte mehr: Mit einem Plan für eine globale Ordnung aller Dinge wollte der Wissenschaftler die Welt retten. Süddeutsche Zeitung,
Der „Brücke“ war laut Satzung aufgetragen, „Weltformate“ für Druck­erzeugnisse zu entwickeln, Vor­schläge für eine Ver­einheitlichung von Maßen und Gewichten zu erarbeiten, inter­nationale Referate­dienste und Aus­kunfteien zu betreiben. Sie sollte die Ein­führung eines „Welt­geldes“ ebenso vor­bereiten wie eine Kalender- und eine Rechtschreib­reform und die Ein­richtung eines Welt­patentamtes.
: Jedem sein Deutsch. Verlage und Autoren haben ihre eigenen Vorstellungen von richtiger Schreibweise. Süddeutsche Zeitung,
Keiner redet mehr gern über die Rechtschreibung. Es soll „Frieden“ herrschen.

Wir reden gern über die rechtschreibung. Wer es nicht gern tut, kann es ja bleiben lassen.

neu : Und wer froh ist, ist ein König. Der Germanist und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, wird siebzig. Süddeutsche Zeitung, , s. 12, München, Feuilleton (612 wörter)
Und dann sind da noch: der Wider­stand gegen die Rechtschreib­reform, das Interesse für die Walhalla, die Bewunderung für den Dirigenten Christian Thielemann, der Einsatz für einen zweiten Konzert­saal in München, die Freund­schaft mit Martin Walser, der Thomas-Mann-Preis – gar kein Ende nimmt es mit den Aktivitäten dieses Mannes.
: Ein Irrtum wie die Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , Job & Karriere
Die Schwächen der Bologna-Reform lassen sich nicht durch ein paar Korrekturen beheben. […] Für das Verhalten der Bildungspolitiker gibt es ein Muster: die Rechtschreibreform. Auch sie ging auf eine bürokratische Phantasie zurück, auch sie löste heftigen Widerstand aus, und als endlich überdeutlich wurde, dass sie ein Irrtum war, begann ein zähes Zurückweichen, das, in mehreren Etappen, zur weitgehenden Auflösung der Reform führte. In den meisten Veröffentlichungen deutscher Sprache wird heute, abgesehen vom "ss", wieder so geschrieben, wie das vor fünfzehn Jahren der Fall war. Die Kosten dieses Scheiterns aber waren immens - weil die Politik über diese Reform immer nur politisch verhandeln wollte, also in den Kategorien von Interesse und Durchsetzung, nie aber sachlich, in Form einer Auseinandersetzung über Sprache und Schrift. […] Die nächsten großen studentischen Proteste gegen "Bologna" sind so gewiss, wie es der nächste überarbeitete "Duden" in der Rechtschreibreform war.
: Grundgesetz und Oberlehrer. Die deutsche Sprache braucht die Verfassung nicht. Süddeutsche Zeitung, , 64. jg., nr. 282, s. 11, Feuilleton
Umgekehrt ist es der deutschen Sprache nie gut bekommen, wenn sie in allzu große Nähe zur Politik rückte oder gerückt wurde. Das gilt für den Allgemeinen Deutschen Sprachverein, der sich im frühen "Dritten Reich" als "SA unserer Mutter­sprache" im Kampf gegen die "Verwelschung" des Wortschatzes empfahl, ebenso wie für die von den Kultusministern durch­gesetzte Rechtschreib­reform der Jahre von 1996 bis 2006, deren bleibendes Verdienst darin liegt, zwar nichts reformiert, aber so viel Verwirrung gestiftet zu haben, dass die Einheitlich­keit der Orthographie (oder -fie?) in der Praxis aufgehoben ist.

Ja, der staat sollte die schüler nicht zu «Schifffahrt» verpflichten. Aber auch nicht zu «Schiffahrt»! Hat er das vorher nicht getan?

: Gräuliche Stängel. Die Rechtschreibreform ist jetzt an den Schulen verbindlich. Süddeutsche Zeitung, , 63. jg., nr. 175, s. 1 (490 wörter)
In vielen Bereichen ist die alte Rechtschreibung längst wieder eingeführt, vor allem, wenn es um das Getrennt- und Zusammenschreiben von Verben geht, und vermutlich ist der Tag nicht fern, an dem nur noch das „ss“ daran erinnert, dass es dieses bürokratische Wahngebilde überhaupt einmal gab.

Dann hätte es in der Schweiz überhaupt keine reform gegeben. Aber wie immer übertreibt Thomas Steinfeld.

: Dem Unfug die Spitzen genommen. Auch mit der Reform der Reform wird der Streit um die Rechtschreibung nicht abgeschlossen. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Feuilleton (610 wörter)
Es ist ein Irrtum zu glauben, die nun ver­abschiedeten Regeln und Schreibungen würden den Frieden des Normativen wieder­herstellen, der vor der Reform bestand. So etwas kann nicht geschehen, zum einen, weil zehn Jahre staatlich geförderter, ja sanktionierter Unfug einen solchen Frieden auf Dauer zerrüttet haben, zum anderen, weil die Reform der Reform auch in ihrer jetzigen Fassung noch so viele Mängel, ja sogar Wider­sprüche enthält, dass neuerliche Änderungen der Orthographie auf Dauer un­ausweichlich sein werden.
: Unordnung voran. Der Rat für Rechtschreibung tagt. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Feuilleton (470 wörter)
Auffällig etwa ist, dass der Rat gleich zu Beginn seiner Tätigkeit „Ausschüsse“ und „Arbeitsgruppen“ einrichten will, was wenig sinnvoll wäre, wenn damit nicht auch Möglichkeiten der weiteren Veränderung der Rechtschreibung verbunden wären. Tatsächlich liegt dem Rat eine Vielzahl von Vorschlägen aus dem Kreis seiner Mitglieder vor, wie fernerhin mit der Reform umzugehen sei.
neu : Der Lockruf des Partikularismus. Warum verlässt Niedersachsen die Kultusministerkonferenz? Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Feuilleton (716 wörter)
[…] Christian Wulff ist ein großer Populist. Am ver­gangenen Samstag hat er erklärt, sein Land werde die Kultusminister­konferenz (KMK) ver­lassen – sie sei ihm zu büro­kratisch, zu konservativ, zu theoretisch, zu recht­haberisch und zu teuer. Wer so spricht, der scheint sein Segel in den Wind der Reform gehängt zu haben […]. […] ebenso wenig, wie man dem Einwohner­meldeamt vorwerfen kann, büro­kratisch zu sein, kann man die Konferenz der Kultus­minister mit dieser Kritik treffen: Schließlich ist sie als bürokratische Institution geschaffen worden […]. Die Konferenz hat sicherzustellen, dass ein- und derselbe Bildungsabschluss in Hessen oder Berlin genauso anerkannt wird wie in Bayern oder in Baden-Württemberg. Und sie hat die gemeinsamen Belange des föderal organisierten deutschen Bildungswesens im Ausland zu vertreten […]. Im Lauf der Jahrzehnte […] lagerten sich weitere Kompetenzen an die beiden primären Aufgaben an. […] Es wird im Zuge dieser Ausweitung ge­schehen sein, dass die dümmste aller Bildungs­reformen, die neue Recht­schreibung, in die Ent­scheidungs­gewalt dieser Institution fiel.
: Pragmatiker mit einem Hang zur Tradition. Schriftsteller und Verlage sind vielfach bei alten Schreibweisen geblieben, weil sie Sinnentstellungen in der Literatur fürchten. Süddeutsche Zeitung, , s. 2, Themen des Tages (579 wörter)
Kein Verlag darf Theodor Fontane, Thomas Mann oder Franz Kafka einer reformierten Ortho­graphie unter­werfen – was zur Folge hat, dass die Reform keineswegs […] im Jahr 2005 Gemeingut sein wird: Tatsächlich wird sich die alte Ortho­graphie in literarischen Werken über Generationen erhalten, und die Schüler werden, sollte es die Reform noch geben, noch lange mit mindestens zwei Recht­schreibungen leben müssen.
: Nicht richtig, bloß akzeptabel. Rechtschreibung: Kultusminister und Akademie ohne Kompromiss. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Feuilleton (739 wörter)
„Die Kultusministerkonferenz wird dann im Juni 2004 über die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung beschließen.“ Mit diesem, beinahe trotzig wirkenden Satz endet das jüngste Bulletin der Konferenz. Sie sollte sich ihn trotzdem noch einmal überlegen – und vielleicht endlich mit Leuten reden, die von Sprache etwas verstehen, weil sie täglich mit ihr arbeiten: Mit den deutschen Schriftstellern zum Beispiel, erklärten Gegnern der Reform.

Der streitbare journalist sollte mal in früheren ausgaben seines blatts blättern: Süddeutsche Zeitung vom 17. 8. 2000.

: Das deutsche Schreib-Amt. Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 29, s. 4, Meinungsseite, Leitartikel (722 wörter)
„Die grundlegenden Verbesserungen im Vergleich zur alten Regelung werden allgemein anerkannt“, heißt es im vierten Bericht der „Zwischen­staatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“ […]. Dass diese Behauptung eine Lüge ist, weiß jeder Leser: In weiten Bereichen […] ist die deutsche Orthographie de facto freigegeben. Ein solches Durcheinander hat es seit der ersten Reform zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gegeben. […] Denn mit ihrem vierten Bericht verbinden sich wieder mehrere tausend Veränderungen der Schriftsprache […]. Die Unsicherheit der Schreibenden wird sich durch die neuesten Veränderungen weiter vergrößern. […] Mit dem vierten Bericht verbindet sich nun allerdings noch etwas Gravierenderes als die neueste Variante der Reform, nämlich das Ansinnen, die Kommission von ihrer Aufsicht durch die Kultus­ministerien zu befreien und sie zur „zentralen Anlauf- und Schlichtungs­stelle für Probleme der Orthografie“ zu erklären.
: Das geheime Sprachamt. Die Rechtschreibreform darf sich bald verselbständigen. Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 23, s. 13, Feuilleton (924 wörter)
Durch die Amtsstuben der Kultusministerien wandert in diesen Tagen eine Entscheidungsvorlage. Sollte die „Amtschefkommission Rechtschreibung“ sie auf ihrer Sitzung am 5. Februar billigen, so wird die deutsche Orthographie wieder einmal auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Formell soll das Papier, das dieser Zeitung vorliegt, den vierten Bericht der „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Recht­schreibung“ absegnen – ein Vorgang, der ärgerlich und lästig genug ist, weil er eine große Zahl neuerlicher Änderungen an der Schriftsprache zur Folge haben wird. Institutionell aber werden die Konsequenzen noch gravierender sein: stimmen die Amtschefs zu, dann wird in Zukunft allein die Kommission über Änderungen der Rechtschreibung entscheiden. Bislang benötigte sie dazu immer noch die Zustimmung der Kultus- und Bildungs­minister.
: Falscher Eifer. Irrtum „Pisa“-Studie: Wie zu viel Wettbewerb Bildung verhindert. Süddeutsche Zeitung, , 57. jg., nr. 292, s. 15, Feuilleton
Was ist von Kultusministern zu halten, die glauben, eine gewachsene und allen vertraute Orthographie so verbessern zu müssen, dass am Ende keiner mehr weiß, wie man richtig schreibt?
: Die kurzbeinigen Eierwärmer der Muttersprache. Das Deutsche ist nicht bedroht, wenn die Bundesbahn einen "Servicepoint" einrichtet, aber zu helfen ist der Sprache trotzdem: Man muß sie behandeln wie das Telefonnetz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 54, Feuilleton
Wenn es heute die Verwandlung des Deutschen zur Sekundärsprache zu beklagen gibt, dann sind die Voraussetzungen dafür vor dreißig Jahren geschaffen worden — im selben Geist, mit derselben Selbst­herrlichkeit und mit derselben Ignoranz, die uns noch vor vier Jahren eine Rechtschreib­reform beschert hat.
: Zurückhaltend und verständlich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 14, Das aktuelle Buch (650 wörter)
Die zwanzigste Ausgabe des "Duden" war die letzte, die noch im engeren Sinne ein Wörterbuch war. Denn ein Wörter­buch kann keine Vorschrift sein, auch wenn es so wirkt. Es definiert weniger eine Norm, als daß es sie beschreibt, in zurück­haltender und ver­ständlicher Weise. Es dokumentiert den land­läufigen und gebildeten Umgang mit der Schrift­sprache. […] Der Fehler, der mit dem 1996 erschienenen "Duden", mit dem ersten "Duden" der Rechtschreib­reform, in dieses Wörterbuch einzog, war daher der Bruch mit dem Prinzip der Dokumentation zugunsten der Prospektion, der voraus­greifenden Norm. […] Wenn diese Zeitung mit dem heutigen Tag zu einer Recht­schreibung zurück­kehrt, wie sie in der zwanzigsten Ausgabe des "Duden" dokumentiert ist, wird diese Rückkehr nicht bedeuten, daß wir keine jungen Wörter kennen. Denn ein gutes Wörterbuch erläßt weder über­flüssige noch un­praktische Regeln.
neu : Sprache und Politik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 172, s. 1, Politik (823 wörter)
Unsere Schüler lernen die falsche Rechtschreibung. Wenn sie das Klassen­zimmer verlassen, stoßen sie auf eine Ortho­graphie, die dem Diktat ihrer Lehrer nicht entspricht. Die Masse des in der alten Ortho­graphie verfassten Schriftguts ist auf absehbare Zeit unendlich viel größer als alles, was in der neuen ent­standen ist.

Damals war das internet zwar nicht mehr neu, aber für viele «neuland», wie sich die deutsche kanzlerin noch 2013 ausdrückte.

: Bankrott! Gemeingefährlich: Der Skandal der neuen Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Milliarden hat dieser Bankrott der deutschen Rechtschreibung gekostet, sie hat viele Tausende an Arbeits­stunden gefordert, sie hat in mehreren Schüben Berge von Büchern hervor­gebracht, die innerhalb von kurzer Zeit überholt waren, und sie hat nie die Unterstützung der Bevölkerung besessen. Sie war das dümmste und überflüssigste Unternehmen in der deutschen Kultur­politik nach dem Zweiten Weltkrieg: ein gemein­gefährlicher Akt.
: Der vergiftete Sieg. Frankfurter Allgemeinen Zeitung, , nr. 176, s. 1, kommentar
Die Reform hat nun gesiegt, und zwar auf dem Verwaltungsweg. Das ist ein würdiger Triumph für ein Unternehmen, das vor zwanzig, dreißig Jahren aus dem Idealismus entstanden war, den Sprachlosen in dieser Gesellschaft könne mit den Mitteln der Rechtschreibung zu Anerkennung und Stimme verholfen werden. Denn auf diese Idee geht der Vorsatz zurück, mit Hilfe des Staates einen Bruch in der Entwicklung der deutschen Schriftsprache zu verfügen. Von den großen Plänen der Reform, in deren Zentrum einst die Kleinschreibung der Substantive stand, ist kaum etwas geblieben.
: Orthographie wird Ansichtssache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , S. 1, Politik, Leitartikel
Es sieht so aus, als habe die politische Exekutive einen Fehler begangen, als sie die Rechtschreibung in ihre Regie nahm. […] Das Monopol des Duden sei nun gebrochen, frohlocken die Anhänger der Reform. Das sei gut, weil ein Privatunternehmen keine normgebende Instanz sein dürfe. Aber dieses Argument beruht auf einem Irrtum. Denn in den vergangenen Jahrzehnten war der Duden keine normgebende Instanz mehr. Vielmehr billigte er in gebührendem Abstand, was der Sprach­gebrauch ihm vorgab, Vernünftiges wie Unvernünftiges. Allein die Reformer und ihre Kultus­bürokratie glauben noch an die Norm. […] Die Reform versucht, etwas zu reparieren, was bestimmt nicht schlechter funktionierte als das, was an seine Stelle tritt. Der Erfolg dieser Reparatur besteht darin, daß die Rechtschreibung ihre Verbindlichkeit verliert. […] Viel spricht dafür, daß die Reform sich nie durchsetzen wird.

Die "politische Exekutive" hat die rechtschreibung nicht "in ihre Regie" genommen, dort war und ist sie, weil der mensch die rechtschreibung in der schule und sonst nirgends lernt. Deshalb wird sich jede reform früher oder später durchsetzen, und deshalb ist es nicht ein "glaube" an die norm, sondern eine politische verantwortung.


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