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2020-4-13
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Stirnemann, Stefan

: Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise. , , Kultur (1499 wörter)
Die alte Wendung »heute früh« lautet re­formiert „heute Früh“. Soll man also auch schreiben: „heute ganz Früh“?

Im reform­duden von 1996 steht nur «heute früh». 2017 heisst es «heute früh, bes. österr. auch heute Früh», weil es ein stichwort «Früh, die» gibt: «südd., österr. für Frühe».

Stellungnahme.

: Schwierig, hier keine Satire zu schreiben. Zwanzig Jahre Rechtschreibreform – ein Jubiläum, das niemand feiern mag. Neue Zürcher Zeitung (), , 237. jg., nr. 270, s. 37, Feuilleton
Horst Haider Munske, der an der Aus­arbeitung der Neu­regelung beteiligt war, nennt aus kritischem Abstand den Grund für das Scheitern des Unter­nehmens: «Eine systema­tische Über­prüfung, wie sich Reform­vorschläge auf den gesamten Wort­schatz aus­wirken, fand nirgends statt – nicht zuletzt wegen fehlender Mittel. Die Unaus­gegorenheit und Fehler­haftigkeit vieler neuer Regeln wurde erst 1996 in den neuen Wörter­büchern sicht­bar.» Sicht­bar wurde damals, dass diese Reform in die Grund­sätze der Wort- und Satz­bildung unserer Sprache eingreift.

Jeder, der ein eingreifen in die grund­sätze der wort- und satz­bildung befürchtete (was wir bestreiten), hatte die möglichkeit, eine «systematische über­prüfung» vorzunehmen. Wozu ist Munske wissenschafter? Warum hat er es nicht gemacht?

: Rechtschreibreform: Vom Pfusch in den Wirrwarr. (Schweizer Orthographische Konferenz), , Aktuell
Bis ins Jahr 1996 hatten wir eine weitest­gehend einheitliche und sprachrichtige, also voll zweckmässige Recht­schreibung. Dann haben die Bildungs­politiker der deutsch­sprachigen Länder mit einem zerstörerischen Ein­griff, genannt Reform, die Einheit­lichkeit und Sprach­richtigkeit aufgehoben; und die sind bis heute nicht wieder­gewonnen.
: Rechtschreibreform: Krachend gescheitert. SOK und Reclam weisen einen Ausweg. Sprachnachrichten (), , nr. 61, s. 4, Rechtschreibung
Wo zeigt sich der Wirrwar? Der Verlag Rowohlt gibt Harper Lees Klassiker „Wer die Nachtigall stört“ gleichzeitig in zwei verschiedenen Recht­schreibungen heraus, als Ta­schenbuch herkömmlich, als Son­derausgabe nach der Neuregelung. […] Wer heute viel liest, kommt zwingend zum Schluss, dass die Recht­schreibung Neben­sache ist. Dieser Zustand ist un­haltbar in einer Gesellschaft, die vom geschriebenen Wort lebt.

Warum nicht noch eine dritte ausgabe – in eigennamen­gross­schreibung? Dann käme man noch zwingender zum schluss, dass die recht­schreibung neben­sache ist. Zur frage, ob die gesell­schaft vom geschrie­benen wort leben soll, verweisen wir auf Leiss.

: Von den Kehllauten kindlicher Eidgenossen. Ein Märchen über Deutschland, die Reform der Rechtschreibung und die Schweizer Orthographische Konferenz. Schweizer Monat, , 93. jg., nr. 1009, s. 86f., Essay
In alten Zeiten, als das Fluchen noch geholfen, wenn auch nichts genützt hat, reformierten die Kultusminister Deutschlands die Rechtschreibung der deutschen Sprache, und ein scheues Alpen­tier – selten gesehen, noch seltener geschrieben – trat nicht mehr als Gemse, sondern als Gämse auf. Frage: Warum liessen die mächtigen Minister nicht auch Vater und Mutter zu Ältern umschreiben, sind sie doch von Berufs wegen die Älteren? Antwort: Weil im Raum der deutschen Sprache deutlich mehr Eltern als Gemsen leben und weil diese Eltern das Recht haben, Politiker abzuwählen, wenn sie Unfug anstellen. Von vornherein war also das politische Ziel, zwar etwas zu verändern, aber allzu groben und insofern gefährlichen Unfug zu meiden. Unfug freilich blieb genug: Es tut mir Leid, morgen Abend und morgen Früh, ich bin dir Spinnefeind, Trennungen wie beo-bachten und konst-ruieren, ich will Blumen sprechenlassen, Spagetti, wohl bekannt (für wohlbekannt), wieder sehen (für wiedersehen), gräulich (für greulich)... Unfug ist ein schwacher Ausdruck dafür, dass Wörter nicht mehr so geschrieben werden, wie sie gemeint sind. «Verein­fachung durch Systematisierung» lautete das Zauber­wort, aber das eigentliche Zauber­wort war das Wort Reform, denn wer es hört, ist sogleich bezaubert und kann sich nicht mehr wehren.
neu : Diktat von oben. Die Reform der Rechtschreibreform ist gescheitert; schuld sei die Verstrickung von Gremien und Verlagen. Die Weltwoche, , nr. 49, s. 79 (730 wörter)
Die Leidtragenden in diesem Durcheinander sind Schüler und Lehrer. Ein Beispiel: Gemäss Rat für Rechtschreibung darf die Wendung „binnen kurzem“ auch grossgeschrieben werden: „binnen Kurzem“. Gemäss Schülerduden gibt es nur „binnen Kurzem“. In Gallmanns „Richtigem Deutsch“ aber müssen die Schüler „binnen Kurzem“ als falsch erkennen und in „binnen kurzem“ verbessern.

Skandal! Aus unserer sicht gibt es einen trost: Sollte je ein schüler auf die idee kommen, an allen drei genannten orten nachzugucken, kann er immerhin vier wertvolle dinge lernen: 1. Im leben ist nicht immer alles eindeutig vorgeschrieben oder verboten. 2. Manchmal ist etwas heute anders als früher. 3. Ich könnte noch an einem vierten ort nachsehen, z. b. in Grimms wörterbuch, allwo «binnen kurzem» steht, denn … 4. … gegen dieses «durcheinander» würde die eigennamen­grossschreibung helfen.

neu : «Auch im Gedicht Regeln beachten!» 14 Jahre sogenannte neue Rechtschreibung 1/2. Schweizer Monatshefte, , nr. 981, s. 52 (1467 wörter)
Die Reformer haben, wie sie sagten, die Absicht, «die Schreibung vom Transport semantischer Informationen zu entlasten». Damit wird Schreiben sinnlos; wer schreibt, will doch gerade semantische Informationen weitergeben. Die Reformer lassen die Autoren nicht mehr ausdrücken, was sie ausdrücken wollen. […] Erich Kästner: «Notabene 45». Die Wirtschafterin kämpfte in der Küche wie ein Löwe. Doch sie brachte die heißersehnten und heiß ersehnten Bratkartoffeln trotzdem nicht zustande.

Da wäre eben ein minimales verständnis des durch die erfindung der buchstabenschrift zwingend vorgegebenen schichtenmodells nötig. Ein paar exotische beispiele, die als zeugnisse dichterischer freiheit in alle ewigkeit weiterbestehen können, ändern nichts am prinzip, dass schreibung keine bedeutung transportieren soll und dass das auch für die allerwenigsten schriftsteller ein problem ist. Aber selbst wenn es keine rechtschreib­reform gäbe: Ein schriftsteller kann nie sicher sein, dass seine feinheiten in alle ewigkeit die entwicklung von sprache und schreibung überdauern.

: Die Schule hat ein Recht auf eine klare Sprache. Plädoyer für mehr Verlässlichkeit in der Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , 230. jg., nr. 173, s. 14, Schweiz (1060 wörter)
In den letzten 13 Jahren ist so viel eingeführt und zurück­genommen worden, dass Schüler und Lehrer gar nicht mehr wissen können, was galt und was gilt.

An der sprache hat sich nichts geändert. Für das hin und her bei der rechtschreibung sind nicht die reformer verantwortlich. Ein trost ist, dass sich auch auf vielen anderen gebieten in 13 jahren viel geändert hat (vielleicht sogar bei der sprache), ausser wohl im lateinunterricht.

: «Er schmirbt myn Grind mit Anken.» Die Rechtschreibreform hat zu einem Durcheinander geführt; die Einheit ist weit weg. St. Galler Tagblatt, , Hintergrund (1387 wörter)
Beim Sprechen und Schreiben gibt es ein Prinzip, das alle anderen schlägt: «Drücke dich klar und unzweideutig aus!» Wer vielversprechend meint, schreibt nicht viel versprechend […].

Wer hat denn nicht auf den herrn lehrer gehört und ist auf die unglückselige idee gekommen, unklar und zweideutig «er bleibt sitzen» statt klar und unzweideutig «er wird nicht in die höhere klasse versetzt» zu sagen? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, wer auf die idee gekommen ist, die rechtschreibung müsse sprachliche zweideutigkeiten in unzweideutigkeiten verwandeln: es sind die sprachlich-ortografischen erbsenzähler. Übrigens: Wer rechtschreibung meint, schreibt nicht sprache, aber da drücken sich die gleichen leute leider gern unklar und zweideutig aus.

: Greuliche Zeiten. Die neue Rechtschreibung stammt aus dem tiefsten 19. Jahrhundert; dritte Folge der Ermittlungen zur neusten Rechtschreibung. , , Ausgabe 18/07, Diese Woche (644 wörter)
Wenn wir schreiben, um möglichst deutlich einen Sinn zu vermitteln, so ist Undeutlichkeit oder Zweideutigkeit die Katastrophe, die uns bedroht. Heute ist die Katastrophe amtliche Vorschrift. Tun wir, was die Reformer nicht tun: schlagen wir Bücher auf und prüfen die Sprachwirklichkeit. Thomas Hürlimann erzählt in seiner Novelle «Fräulein Stark», wie der St. Galler Stiftsbibliothekar und sein Stab nach der Arbeit ausschauen: «Der Onkel, gewandet wie ein Tropenmissionar, stürmte aus dem Saal, im Gefolge Vize Storchenbein und sämtliche Hilfsbibliothekare, alle verschwitzt, gräulich verstaubt.» Was meint Hürlimann? Ein wenig grau verstaubt oder schrecklich verstaubt? Nach dem Willen der Reformer bleibt das ein ewiges Geheimnis. Es sei gelüftet: Hürlimann schrieb gräulich im eigentlichen Sinn, er meint die Farbe. […] Gräulich ist etwas anderes als greulich.

Gewiss ist gräulich etwas anderes als greulich, ebenso wie ton etwas anderes ist als ton. Aber wie transportiert man diese information mündlich, beim vorlesen? Eine sprache, die man nicht sprechen kann, ist keine sprache. In diesem fall gäbe es immerhin einen einfachen ausweg: schon immer konnte man auch graulich sagen oder schreiben.

: Merker. Wir «zeitungen» im Februar. St. Galler Tagblatt,
Wie unterscheiden sich viel versprechende Künstler (Niki de Saint Phalles St. Galler Notiz, 6,23) von vielverspre­chenden Nachwuchs­politikern (Ewiges Taktieren in Rom, 23,3)? Doch nicht im Adjektiv; gemeint ist beidemale etwas wie «hoffnungsvoll», und in dieser Bedeutung schreibt man zusammen. Dass die Trennung etwas anderes ausdrückt, zeigt Eduard Engel, der über den Dichter August von Platen sagt: «Die Wieder­holung darf nicht blosser Klingklang sein, wie etwa in Platens viel versprechendem und wenig haltendem Gedichtanfang.» […] Hier und in anderen Fällen steht das Tagblatt noch halb im Trennungs-Bann der neuen Recht­schreibung.
: Chaos in der Rechtschreibung. Warum die Reform der Orthographie-Reform kaum Bestand haben wird. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 178, s. 15, Schweiz (1070 wörter)
Hans Ambühl, Generalsekretär der Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK), nannte die erneuten Änderungen der Reform der Rechtschreibreform «marginal». Wenn das Wort ernst genommen wird, treffen die Neuerungen also den Rand (lateinisch margo) der Neuregelung, nicht ihren Mittelpunkt. Das ist falsch. In Wahrheit sind nun alle Wörterbücher unbrauchbar, welche die EDK erst im letzten Sommer für verbindlich erklärt hatte. […] Das hat es noch nie gegeben, dass Wörter­bücher Schreib­weisen aufnehmen, die der Bedeutung und dem Schreib­gebrauch widersprechen, also falsch sind […].
: Ein Grundkurs im Schreiben. Horst Haider Munske lobt die Rechtschreibung. St. Galler Tagblatt, (634 wörter)
Wer versteht, woher die Wörter kommen, muss laut Munske gar nicht über alte oder neue Recht­schreibung nachdenken […].

Die mullahs der rechtschreibung wollen uns das nachdenken ersparen. Wir sind für die aufklärung.

: Die schöne Haut der Sprache. Horst Haider Munske weiß, warum wir schreiben, wie wir schreiben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 251, s. 38, Feuilleton (1003 wörter)
Die Unbrauchbarkeit der betreffenden Regeln ist zwar längst bekannt, aber dieser Umstand ist bis zu den verantwortlichen Politikern offenbar noch immer nicht vorgedrungen. Da könnte das neue Buch von Horst Haider Munske Abhilfe schaffen. Es ist ein Zaubermittel, denn es verhilft zum klaren Blick. […] Munske befiehlt nichts, er versucht zu verstehen. Er möchte zeigen, daß das, was dem Schreiber Schwierigkeiten macht, dem Leser das Verstehen erleichtert. Seine Haupterkenntnis ist, daß unser Schreibsystem von "unsichtbarer Hand" in dieser Richtung verändert wurde […]. Horst Haider Munske hat ein durch und durch lesenswertes Büchlein geschrieben, ein Büchlein der Freiheit. Er vertritt mit ihm die Freiheit der Sprache und stellt sich so, ohne es eigentlich zum Ziel zu haben, gegen die Regelungswut der Rechtschreibreform.
: Vom Umgang mit Irrtümern. Argumente für eine Reform der Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 226, s. 70, Bildung und Erziehung (1401 wörter)
In diesem Beitrag versucht ein Praktiker sich kritisch auf die rein sprachwissenschaftlichen Kriterien dieser Reform zu beschränken. […] Die wichtigste Kritik an der seit 1996 laufenden Rechtschreib­reform betrifft deren inhaltliche Inkonsistenz: Die Regeln sind auch in diesem Juni in wesentlichen Bereichen geändert worden. Nach vielen Änderungen, die sich nur den verschiedenen Auflagen der Wörter­bücher entnehmen liessen, haben im Juni die deutschen Kultus­minister, die offenbar auch für die Schweiz entscheiden, weitgehende Eingriffe in das Regelwerk gutgeheissen.

Es müssen «wieder Ordnung und Zuverlässigkeit herrschen»! Lehrmittel müssen angeblich geändert werden, weil etwas «wieder zugelassen», «auch möglich» ist. Es ist nicht wichtig, ob die schüler etwas sinnvolles lernen; wichtig ist, dass man es «rekursfest korrigieren» kann. Stirnemann hätte anlässlich der fernsehsendung Zischtigsclub merken können, dass er mit seiner aus Deutschland importierten angstmacherei in der Schweiz nicht ankommt. Leider hat er es nicht gemerkt, und die NZZ auch nicht; sie lässt ihn überflüssigerweise ausbreiten, was er im fernsehen nicht an den mann und vor allem nicht an die frau bringen konnte.

neu : Leserbrief zu «Fehlkonzept Rechtschreibreform». Schweizer Monatshefte (), , nr. 931, Dossier (387 wörter)
Die Reformer haben in unseren Wort­schatz eingegriffen. […] Wem die lebendige Sprache ein Anliegen ist, der muß sich gegen die Reform stellen.
: Die deutsche Sprachverwirrung. Fehlkonzept Rechtschreibreform. Schweizer Monatshefte, , 83. jg., nr. 11, s. 13f., Dossier
Die Unterzeichnung der «Gemeinsamen Absichtserklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung» (1. Juli 1996) hat amtliche und wirkliche Rechtschreibung gründlich getrennt. […] Die Schule ist der Wirklichkeit verpflichtet.

Die unterzeichnung der «gemeinsamen absichtserklärung zur neuregelung der deutschen rechtschreibung» hat amtliche und wirkliche rechtschreibung einander näher gebracht. Die schule ist der wirklichkeit verpflichtet.

: Wer erklärt uns die neue Rechtschreibung? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 232, s. 44 (1064 wörter)
Sieben Jahre sind vergangen, seitdem die "Gemeinsame Absichtserklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung" unterzeichnet worden ist. In dieser langen Zeit ist am Regelwerk und in den Wörter­büchern unaufhörlich geändert und "verbessert" worden, und noch immer sind viele Fragen offen. Sieben dieser Fragen haben wir gemeinsam mit den Schweizer Monatsheften ausgewählt, Zweifels­fälle, die ein Licht auf das ganze Ausmaß der Verwirrung, Willkür und Inkonsequenz dieser mißglückten Reform werfen. Es ist Zeit, daß sich die Verantwortlichen der Öffentlichkeit erklären. […] I. Heißersehnt? II. Eszett? […] III. Gräulich? […] IV. Wer informiert uns korrekt? Der Paragraph 63 der neuen Regeln schreibt vor, die Fügung "Erste Hilfe" wie viele andere klein zu schreiben […]. V. -ig/-isch/-lich. […] VI. Der Drache? Im Zuge der Ver­einfachung unserer Recht­schreibung hat man die Zusammen­setzung "furchtein­flößend" durch "Furcht einflößend" ersetzt. […] VII. Was wohl? […] Im späten zwanzigsten Jahrhundert hat die neue amtliche Norm alte und harmlose Adjektive wie wohlbekannt oder wohlgeraten zu Knacknüssen gemacht […].

Wer erklärt den leuten die rechtschreibung überhaupt?

neu : Vorwärts, die Schweiz! „Die Rechtschreibreform – ein unnötiger dirigistischer Eingriff.“ , , forum
Unter diesem Titel fand am letzten Donners­tag (11. 9. 03) in Zürich ein Anlaß statt. […] Was be­deutet dieser Abend? Es waren nicht allzu viele Hörer da: fünfzig. Aber man muß be­denken, daß die „neue“ Recht­schreibung in der Schweiz bisher kein Thema gewesen ist; das Alarm­zeichen Eszett fehlt.
: Sekt passt nicht in Pappe. Zwei Vorschläge zur Rettung der Rechtschreibung. Schweizer Monatshefte, , 83. jg., nr. 6/7, s. 62, Kultur (559 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sieht die Lösung in einem Kompromiss. […] Denkt man an Eisenbergs frühere Urteile über das Regelwerk, nämlich dass es sprachwissenschaftlich auf den Müll gehöre und dass aus der Geschichte des Deutschen kein vergleichbarer Angriff auf das Sprachsystem bekannt sei, so verwundert das Einlenken. […] Den besseren und billigeren Vorschlag bringt Reiner Kunze im Bändlein «Deutsch. Eine Sprache wird beschädigt». Er empfiehlt, die Reformschreibung als «vorübergehend gleichberechtigt» zu werten, vom nächstmöglichen Zeitpunkt an aber ganz, nicht nur in Teilen, auf sie zu verzichten.

«Rettung der Rechtschreibung» — vom erhabenen zum lächerlichen ist nur ein schritt.

: «Fehlerhaftes Produkt.» Die Rechtschreibreform als Flickwerk. St. Galler Tagblatt, , nr. 114, s. 30, Kultur
Es wurde und wird also unter politischem und wirtschaftlichem Druck wider bessere wissen­schaftliche Einsicht ein fehlerhaftes Produkt verbreitet. Ähnlich widersprüchlich verhält sich die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die die Neuregelung ursprünglich ganz ablehnte, jetzt ihren Kompromiss jedoch damit begründet, dass es undenkbar sei, zum «Status quo ante» zurückzukehren. […] Die Schule steht vor der unlösbaren Aufgabe, etwas zu vermitteln, was wegen seiner Fehler­haftigkeit in dauernder Veränderung begriffen ist. […] Die Lehrkräfte müssen an ganz disparaten Orten zusammensuchen, was im Moment gilt. Der «Wahrig» […] bietet im Hauptteil den Wortschatz nach den neuen Regeln, im einleitenden Kommentar aber vertritt der […] Linguist Peter Eisenberg seinen reform­kritischen Standpunkt […]. Ein Lehrmittel, das sich dermassen selber widerspricht, ist eine neuartige Erscheinung und ein Symbol für den Zwiespalt, in den man die Schule manövriert hat.

Wenn man an ganz disparaten orten zusammensucht, findet man immer unterschiedliches, vor allem, wenn man ein vorwort eines in allen lagern umstrittenen linguisten in einem nichtlehrmittel dazunimmt. Die welt war vorher nicht so heil, auch nicht die ortografische duden-, Mackensen- usw.-welt. Das weiss man allerdings nur, wenn man sich auch vor 2000 dafür interessiert hat. Auch wenn es für einen lateinlehrer nicht leicht zu verstehen ist: Die welt ist da und dort widersprüchlich und man kann sie nicht anhalten, weder für die schule noch für einzelne poeten.

: Die orthographisch geknebelte Sprache. Interview mit dem Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler über die Reform der Rechtschreibung. Schweizer Monatshefte, , 81./82. jg., nr. 12/1, s. 11f, Im Blickfeld
Die Orthographie ist eine in Jahrhunderten entstandene, geradezu geniale Kunst, dem Leser einen bestimmten Sinn zu vermitteln. Je länger man sich damit befasst, desto mehr staunt man und desto geringer wird die Lust, irgend etwas daran zu ändern.

Je länger man sich damit befasst … Wir staunen auch: Wer ist man und was heisst lang?

: Neue Rechtschreibung: Zwischenbilanz einer fragwürdigen Reform. Gymnasium Helveticum, , 55. jg., nr. 6, s. 44f
Es kommt dazu, dass Schüler/Innen  Grammatikfehler lernen sollen (z.B."Es tut mir Leid“) sowie falsche Etymologien (z.B. „einbläuen"  von „blau“) und dass ihnen Wörter unterschlagen werden (z.B."greulich“).

Und auf welche Grammatik stützt sich Schüler/Innen?

: Subtile Nuancen. Neue Rechtschreibung und Literatur. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 252, s. 66, Feuilleton
Die neue Recht­schreibung hat sich in den belletristischen Neuerscheinungen noch keineswegs durchgesetzt. […] Die Entscheidung über die Schreibweise trifft der Autor, nicht der Orthograph.

Aber gewiss doch, wenn sich der autor dafür interessiert, was ja nun wirklich nicht bei allen der fall ist. In der belletristik wurde die fraktur auch nicht so schnell abgeschafft wie in der schule, jedenfalls nicht schneller, und selbst die übergangszeit für die schule läuft ja noch.

: «Bestenfalls überflüssig.» Sprachpreisträger Theodor Ickler über die umstrittene Neuregelung der Recht­schreibung. St. Galler Tagblatt, , Stadt St. Gallen
Auch die Schweiz könnte das Ganze noch stoppen, da die Reform beim Ausscheren eines einzigen Landes nicht verwirklicht werden soll. Das ist allerdings nicht zu erwarten, denn hier ist der Leidensdruck geringer; über neunzig Prozent der Änderungen eines Textes machen ja die neuen ss-Schreibungen aus, und gerade hier bleibt die Schweiz bei ihrer bisherigen Sonderregelung.
: Speerspitze gegen die Recht­schreibung. Noch regen sich die Gegner der reformierten Orthografie. St. Galler Tagblatt, , nr. 200, s. 17, Wissen
Ein Merkmal der Reform ist nun, dass viele ihrer Regeln gar nicht die Recht­schreibung betreffen, sondern die Wort­bedeutung und Wortbildung. Wer verlangt, man müsse den Ausdruck vor Langerweile als vor langer Weile schreiben, wohlüberlegt als wohl überlegt, greulich als gräulich, heissersehnt als heiss ersehnt usf., der reformiert nicht die Recht­schreibung, sondern ändert oder verdunkelt Bedeutungen.

Da mag es diskutables dabei haben (vielleicht auch vor langer Weile, das aber vor Langeweile nicht ersetzt und damit die differenzierungsmöglichkeiten nicht reduziert), aber das mass an bedeutungdifferenzierung, das die schreibung übernehmen kann und muss, ist nicht durch ein naturgesetz vorgegeben.

: Auch für Schweizer ist „Missstand“ unästhetisch. Manche Eidgenossen vermissen deshalb das Eszett. ,
Ich habe mir auch schon überlegt, die Eszett-Regeln zu lernen.

Rat eines schweizers, der die regeln (alt und neu) gelernt hat: Ich würde es beim überlegen bewenden lassen.

: Orthographie im Schlamassel. Eine Streitschrift in der alten Rechtschreibung. St. Galler Tagblatt, , nr. 293, s. 17, Wissen
Unsere Rechtschreibung ist in Verwirrung geraten. Ursache ist eine Reform, die in Deutschland heftig umstritten ist. […] Da nicht nur die materiellen Kosten dieses fragwürdigen Unternehmens enorm sind, wäre eine Diskussion auch bei uns hoch an der Zeit.

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