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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → fremdwort
nachgeführt 2018-12-4
ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

fremdwort

definition

In diesem zusammenhang geht es um alle wörter, die aus einer fremden sprache übernommen werden.

grundsatz

Die integration der fremdwörter in grammatikalischer und ortografischer hinsicht («eindeutschung») ist ein zwangsläufiger, aber unterschiedlich rasch verlaufender prozess. Er ist oft mit einer übergangszeit mit varianten verbunden. In dieser übergangszeit gibt es oft diskussionen zwischen progressiven und retardierenden kräften.

Verschiedene sprachen übernehmen in sehr unterschiedlichem ausmass fremde wörter; das deutsche nimmt keine sonderstellung ein. Meistens wird (soweit möglich) die fremde lautung übernommen und die schreibung angepasst (aber nicht immer; vgl. die unterschiedliche behandlung von au bei restaurant).

Johann Christoph Gottsched, Voll­ständigere und Neu­erläuterte deutsche Sprachkunst, 1775, s. 80

Wann Wörter aus einer alten oder neuen, aber fremden Sprache ins Deut­ſche ge­bracht wer­den : ſo fraget es ſich, wie man ſie ſchrei­ben ſolle?

12. Fremdwörter.

In deütscher rede und schrift ist jedes fremdwort zu vermeiden, das durch ein gutes deütsches wort erſezt werden kann, wi z. b. examen (durch prüfung), reſultat (er­gebnis), abſolut (durch­aus, unbedingt), inscribiren (ein­schreiben), dispenſiren (be­freien).

Di unvermeidlichen fremdwörter, welche der sprache des täglichen lebens ange­hören, ſind nach deütscher weiſe zu schreiben; z. b. möbel, schokolade, kasse, kapital, kontrakt, kredit, prozess, doktor, rezept, pazient, zenſur, zitrone, zigarre, zenti­meter.

Gegen integration

Deutsche Aka­demie für Sprache und Dichtung, Neue Zürcher Zeitung, 17. 4. 1955

Es gibt Gründe genug dafür, Wörter wie «fair» und «charme» gerade als Zeug­nisse fremder Kultur und Atmo­sphäre zu kenn­zeichnen, und das geschieht dadurch, daß die Zeichen fremder Schreib­weise beibe­halten werden.

Horst Haider Muns­ke, Lob der Recht­schreibung, s. 110

Vor allem in einem Bereich lebt jedoch die Fremd­heit der meis­ten Fremd­wörter fort, in der Ortho­graphie. […] Die Deut­schen bringen ihre be­sondere Wert­schätzung gegenüber Frem­dem auch in der Bei­behaltung von Aus­sprache und Schrei­bung ent­lehnter Wörter zum Aus­druck. […] Dies alles ist Teil unseres Sprach­bewußt­seins, an dem nicht zu rütteln ist.

[…] die ideologisch vorbe­lastete Auf­fassung, dass „Fremd­wörter“ einge­deutscht („inte­griert“) ge­hören, [ist] noch nicht ganz tot.

Der damalige Ansatz, möglichst alle Wörter einzu­deutschen, hat sich als Irr­weg erwiesen. […] Man sollte Wörter so schrei­ben, dass man ihre Her­kunft er­kennt.

Für integration

Man muss fremdwörter nicht verwenden, aber wenn man es tut, muss man sie wie alle anderen wörter behandeln. (Stand­punkt des Bundes für ver­einfachte recht­schreibung)

Fällt von unge­fähr ein frem­des wort in den brunnen einer sprache, so wird es so­lange darin umge­trieben, bis es ihre farbe an­nimmt und seiner frem­den art zum trotze wie ein heimi­sches aus­sieht.

Auf Grund mehrfacher mir mit­geteilter Erfarungen glaube ich sagen zu dürfen, dass die Abneigung, welche klassisch Gebildete – aber nur diese, und sie bilden doch die ent­schiedene Minorität des schreiben­den Volkes – z. B. gegen Formen wie Zilinder, Zirkum­flex, Akzent, auch Akkusa­tiv noch hegen, durch die Gewonheit weniger Monate schwin­den wird.

Amtlich einführen lassen sich sol­che Schrei­bungen, wie „Büro, Guver­nör“, die uns noch fremd­artig anmuten, aller­dings jetzt noch nicht; aber es ist sehr er­wünscht, wenn weit­verbreitete Zei­tungen in der deut­schen Schrei­bung all­gemein ge­brauchter Fremd­wörter […] mit gutem Bei­spiele vor­angehen. Wir müssen dahin ge­langen, daß wir, wie es das Alt­hoch­deutsche und das Mittel­hoch­deutsche thaten, Fremd­linge, denen wir Heimats­recht geben wollen, in deut­sches Gewand kleiden.

Die »Reformer«, Experten und »zuständige Politiker«, tun so, als gäbe es außer dem Deutschen nur noch Englisch und Franzö­sisch bzw. die »toten« Sprachen Alt­griechisch und Latein, und auch das nur, um den Wider­stand gegen eine rationelle, phonologi­sche Schreibung der Fremd­wörter zu begründen, die zum größten Teil aus diesen vier Sprachen stammen.

Einzelne wörter

Links heutige, rechts frühere schreibweise(n). Dazu das jahr der erstmaligen nennung im duden (soweit für uns ersichtlich).

Integration in anderen sprachen

Russisch

Rätoromanisch (Graubünden)