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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → journalismus
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journalismus

Arthur Schopen­hauer, Ueber Schrift­stellerei und Stil, 1851

Ganz ernstlich muß ich nun aber hier zu bedenken geben, daß gewiß mehr, als 9/10 der überhaupt lesenden Menschen nichts, als die Zeitun­gen, lesen, folglich fast unaus­bleiblich ihre Recht­schreibung, Grammatik und Stil nach diesen bilden, und sogar, in ihrer Einfalt, dergleichen Sprach­verhunzungen für Kürze des Aus­drucks, elegante Leichtig­keit und scharf­sinnige Sprach­verbesserung hal­ten, ja, über­haupt den jungen Leuten un­gelehrter Stände die Zeitung, weil sie doch gedruckt ist, für eine Auktorität gilt. Daher sollte, in allem Ernst, von Staats wegen dafür gesorgt werden, daß die Zeitungen, in sprach­licher Hinsicht, durchaus fehler­frei wären.

Hermann Zabel, Focus, 25. 11. 1996

Journalisten ge­hören seit 1876, dem Jahr der I. Orthogra­phischen Kon­ferenz, zu den „ge­borenen Feinden“ einer er­neuerten Recht­schreibung.

Wilhelm Wilmanns, 1901, duden-news­letter, 20. 8. 2004

Die Presse be­schäftigte sich eifrig mit der An­gelegen­heit, einzelne Blätter be­grüßten die Ver­ordnung mit Freuden, viele ver­hielten sich ab­lehnend […] Manche Ar­tikel waren augen­scheinlich dazu be­stimmt, das Publikum zu verwirren, andere es durch ungeheure Vor­stellun­gen zu schrecken, wieder andere es mit Spott und Hohn zu belustigen.

Christian Schlüter, fr-online.de, 1. 8. 2008

Erstaunlicher­wei­se blieb die trilaterale Ab­sichts­erklärung von den Medien weitest­gehend un­berücksichtigt. Als es mit der Reform 1998 dann tatsächlich los gehen sollte, war oder tat man jedenfalls sehr überrascht. Denn jetzt fing der Rummel an. Etliche Schrift­steller pro­testierten.

Ein besonderes Problem ist die Rolle der Medi­en, die zwar zumeist den Eindruck von Neutralität zu erwecken bemüht sind, ihre von Fall zu Fall wechselnde fakti­sche Partei­nahme für die eine oder an­dere Seite jedoch nur schwer ver­bergen können.

Kurt Tucholsky, Die Welt­bühne, 13. 10. 1921, Nr. 41

Der geschickte Jour­nalist hat ei­ne Waffe: das Tot­schweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Ge­brauch.

Eberhard Rathgeb, Spiegel Online, 8. 8. 2004

Kann man den Zu­sammen­schluß von Sprin­ger, Spiegel und "SZ" als Macht­kampf sehen zwi­schen Medien und Staat? [Aust:] Nein. Ein Macht­kampf wäre es gewesen, wenn diese Rechtschreib­reform sich durch­gesetzt hätte und die Mehrheit sie beherrscht und akzeptiert hätte. Aber das Ge­genteil ist der Fall.

Volker Weidermann, Spiegel Online, 8. 8. 2004

AFP, Basler Zeitung, 10. 8. 2004

Der «Standard» kritisier­te ges­tern gar, Deutsch­lands Medien verwandelten sich «von Bericht­erstattern und Kommen­tatoren zu fanatischen Mit­streitern in einem modernen Glaubens­krieg».

Michael Hanfeld, faz.net,

Nicht nur in der Politik, auch im Jour­nalis­mus hat ein Prediger­ton Ein­zug gehalten, der nicht Öffentlich­keit schafft, sondern sie zunichte macht.

Gabor Steingart, journalist und buch­autor, nzz.ch,

Viele Jour­nalis­ten haben Neu­gier durch Hal­tung ersetzt. […] dass jetzt Haltung zu un­serem Haupt­anliegen werden soll […] und Jour­nalisten sich als Akti­visten ver­stehen, das halte ich für falsch.

Stefan Aust, Hanns Joachim Friedrichs, 2014

Richard David Precht, deut­scher filosof, derstandard.at, 16. 2. 2013

Die überhitzte At­mosphäre er­zeugen doch erst die Medien, indem sie ständig und zu allem Kommenta­re einfordern. Da­durch meinen die Politiker, sie müssten sich zu jedem Thema äußern, egal wie kompetent sie sind. Stellen Sie sich vor, Angela Merkel würde einmal ehrlich sagen, dass sie von einem Thema keine Ahnung hat - dann würde die "Bild"-Zeitung am nächsten Tag titeln: "Skandal - Kanzlerin ratlos!" Deshalb ist der ganze Politik­betrieb eine einzige "Kompetenz­simulierungs­maschine". Politik besteht heute zu fünf Prozent aus Ent­scheidungs­findung und zu 95 Prozent aus der Entscheidungs­vermarktung. Das ist der Ausfluss einer Medien­demokratie, die mit realer Demokratie so viel zu tun hat wie Donald Duck mit einer Stockente.

Jules van der Ley, readers-edition.de, 15. 2. 2011

„Die Buchdru­cke­rei ist das College des ar­men Mannes“, sagt Abraham Lincoln. Diese Rolle hat das Internet über­nom­men, da mag die professionell schrei­bende Zunft höhnen wie sie will. Es ist gut und richtig, wenn jeder sich die Er­laubnis gibt, die wunderbare Uni­versität des einfachen Menschen zu besuchen, um sich der geistigen Be­vormundung durch die gelenkten Massen­medien zu entziehen. Es ist richtig und ratsam, nicht nur den zu Zeilen geordneten Gedanken von be­zahlten Schreibern zu folgen […]. Es tut gut, sich die Oberhoheit über den eigenen Kopf von den bezahlten Schreibern zurück­zuerobern, denn die geistige Be­vormundung der Köpfe ist ein Faktor kultureller und politischer Macht. Und wenn auch die bezahlten Schreiber nicht die wirklich Mächtigen sind, so sind sie doch deren Vögte und Statthalter. Man wende sich also getrost gele­gentlich von ihnen ab und schreibe selber auf und lese bei denen, die ebenso handeln. Denn die wirkliche Kraft liegt in der sozialen Vernetzung. Das wird gesellschaft­liche Folgen und Einfluss auf das Denken haben, ja, das Internet und die soziale Vernetzung werden das Denken verändern.


verweise