Walter Krämer, Sprachnachrichten,
Wie beurteilen Sie denn heute, nach 16 Jahren, die Wirkung der Reform? Eisenberg: Diese Wirkung besteht vor allem in einer nach wie vor erheblichen Verunsicherung.
Walter Krämer, Sprachnachrichten,
Wie beurteilen Sie denn heute, nach 16 Jahren, die Wirkung der Reform? Eisenberg: Diese Wirkung besteht vor allem in einer nach wie vor erheblichen Verunsicherung.
Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung,
Wenn es tatsächlich eine Wirkung der Rechtschreibreform gibt, so ist es diese: Sie hat die Unsicherheiten im Umgang mit der Schriftsprache ins Unendliche vergrößert. Es ist nicht zu erwarten, dass sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit etwas ändern wird. […] Da verwundert es nicht, dass manch ein Unsicherer das Nachschlagen bleiben lässt und erklärt, die normierte Rechtschreibung sei ein Werk des neunzehnten Jahrhunderts und Goethe sei auch ohne sie zurechtgekommen.
Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Der größte Schaden liegt aber in einer allgemeinen Verunsicherung. Denn eigentlich sieht niemand mehr ein, wieso es sich eigentlich lohnt, einheitliche und dem Deutschen angemessene Schreibweisen überhaupt anzustreben.
Bild,
Edmund Stoiber (62/CSU), Ministerpräsident Bayern: „Ich bin für klassische Rechtschreibung, weil mit der Reform erhebliche Unsicherheit über das richtige Schreiben eingetreten ist.“
Jürg Amann, Schweizer Monatshefte,
Wenn nur nicht das Chaos wäre, der Schlamassel, die Rechtsunsicherheit, die die Rechtschreibgelehrten durch die Neue Rechtschreibung und die neue Neue Rechtschreibung in der alten zuerst angerichtet und in der neuen alten dann hinterlassen haben.
Hubert Spiegel, Schweizer Monatshefte,
Die Schüler sind verunsichert. Das Nebeneinander unterschiedlicher Schreibweisen verstört das Sprachempfinden.
Matthias Kamann, Die Welt,
Die Lehrerin freut sich […], wenn Unterschied mit „ie“ geschrieben wird, Kran ohne „h“ und „Kind“ mit „d“. Dies sind die Probleme des Rechtschreibunterrichts. Dazu gehören aber nicht jene Kniffligkeiten, um die es bei der jüngsten Debatte zur Rechtschreibreform geht […]. […] Dass bei der neuen Rechtschreibung abermals Probleme aufgetaucht sind, berührt den Deutschunterricht minimal und muss überhaupt nicht zur Verunsicherung unserer Kinder führen. Aber auch nicht zu einer neuen Verunsicherung der Erwachsenen. Denn die waren in jenen schwierigen Fällen ja schon immer unsicher.
Neue Zürcher Zeitung,
Bewegung statt vorschnelle Harmonie. […] Auf aktuelle Konflikte […] hinweisend, votierte er [alt nationalrat Ulrich Bremi, FDP] für eine Konfliktlösungskultur. […] Es sei ein Klima zu schaffen, in dem man sich irren könne, in dem man Ideen und Vorschläge provoziere und nicht zum vornherein Harmonie suche.
Roland Baader, Schweizer Monatshefte,
Sicherheit wird zum Feind der Freiheit, wenn nicht erkannt wird, dass es Sicherheit — menschenmögliche Sicherheit — nur in Freiheit geben kann. Unsicherheit und Risiko sind der Preis der Freiheit. Dieser Preis wird unbezahlbar hoch, wenn die Bürger zu viel Sicherheit vom Staat erwarten, er wird minimal, wenn ganz der Freiheit vertraut wird. […] Wir sollten die Unruhe der Freiheit ertragen, wenn wir vermeiden wollen, dass unsere Lebensumstände immer wieder unerträglich werden.
Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, , s. 12
Im Grunde aber kann uns gar nichts Besseres passieren als eine Zunahme der Verunsicherung. […] Natürlich wird das Leben dadurch etwas komplizierter, es wird auch weniger bequem und erscheint schliesslich so komplex, wie es in der Tat auch ist. […] Das Denken wird dadurch schärfer und präziser, die Vernunft wacher, und die Selbstwidersprüche, in denen wir es uns so schön eingerichtet haben, treten deutlicher hervor. Als Folge davon nehmen die Dispute eher zu als ab. Aber auch das kann nur zur Klärung von lange und grosszügig ignorierten Konflikten beitragen. […] die Kunst […] muss dann erst recht und umso mehr auf ihren Prämissen bestehen: Einübung in die Freiheit des Denkens. […] In Zeiten, da alles unsicher wird, […] da kann das künstlerische Remedium nicht heissen: noch mehr vermeintlicher Klartext im Brustton der Überzeugung. Dann gilt es erst recht, alles infrage zu stellen, sämtliche verbliebenen Gewissheiten zu prüfen und allen Widersprüchen auf den Grund zu gehen, indem sie zu Ende gedacht und also verschärft werden. Die Kunst könnte dann wieder werden, was sie ihrem eigenen Selbstverständnis nach sein sollte: Ein Labor für eine grosse Verunsicherung, die uns freilich herausfordert, da sie den Möglichkeitsraum öffnet ins Unabsehbare, da sie Denk- wie Atemwege freimacht, da sie angeblich Eindeutigem das Privileg der Mehrdeutigkeit und Offenheit zurückgibt. Verunsicherung müsste unter solchen Auspizien auch als Form einer anspruchsvollen Befreiung verstanden werden können. Sie stösst dann Denkgewohnheiten um und schafft also Freiräume, die das Vorstellungsvermögen ebenso in Schwingung bringen, wie sie eine kreative Unruhe zu stiften vermögen.
neu Vince Ebert, kabarettist, autor, Neue Zürcher Zeitung, , s. 19
Freiheit, Fortschritt und Innovation gibt es nur um den Preis der Unberechenbarkeit.
stichwort
Der aktuelle widerspruch