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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → sicherheit
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sicherheit

, Sprach­nachrichten,

Wie beurteilen Sie denn heute, nach 16 Jahren, die Wirkung der Reform? Eisen­berg: Diese Wirkung besteht vor allem in einer nach wie vor erheblichen Ver­unsicherung.

, Süd­deutsche Zeitung,

Wenn es tatsächlich eine Wirkung der Recht­schreib­reform gibt, so ist es diese: Sie hat die Un­sicherheiten im Umgang mit der Schrift­sprache ins Un­endliche ver­größert. Es ist nicht zu erwarten, dass sich an diesem Zustand in ab­sehbarer Zeit etwas ändern wird. […] Da ver­wundert es nicht, dass manch ein Un­sicherer das Nach­schlagen bleiben lässt und erklärt, die normierte Recht­schreibung sei ein Werk des neun­zehnten Jahr­hunderts und Goethe sei auch ohne sie zurecht­gekommen.

, Frank­furter All­gemeine Zei­tung,

Der größte Schaden liegt aber in einer all­gemeinen Ver­unsicherung. Denn eigentlich sieht niemand mehr ein, wieso es sich eigentlich lohnt, ein­heitliche und dem Deutschen an­gemessene Schreib­weisen über­haupt an­zustreben.

Bild,

Edmund Stoiber (62/CSU), Minister­präsident Bayern: „Ich bin für klassische Recht­schreibung, weil mit der Reform er­hebliche Un­sicherheit über das richtige Schreiben ein­getreten ist.“

, Schweizer Monatshefte,

Wenn nur nicht das Chaos wäre, der Schlamassel, die Rechts­unsicherheit, die die Rechtschreib­gelehrten durch die Neue Recht­schreibung und die neue Neue Recht­schreibung in der alten zuerst angerichtet und in der neuen alten dann hinter­lassen haben.

, Die Welt,

Die Lehrerin freut sich […], wenn Unterschied mit „ie“ geschrieben wird, Kran ohne „h“ und „Kind“ mit „d“. Dies sind die Probleme des Rechtschreib­unterrichts. Dazu gehören aber nicht jene Knifflig­keiten, um die es bei der jüngsten Debatte zur Rechtschreib­reform geht […]. […] Dass bei der neuen Recht­schreibung abermals Probleme auf­getaucht sind, berührt den Deutsch­unterricht minimal und muss überhaupt nicht zur Ver­unsicherung unserer Kinder führen. Aber auch nicht zu einer neuen Ver­unsicherung der Erwachsenen. Denn die waren in jenen schwierigen Fällen ja schon immer unsicher.

Neue Zürcher Zeitung,

Bewegung statt vor­schnelle Harmonie. […] Auf aktuelle Konflikte […] hin­weisend, votierte er [alt national­rat Ulrich Bremi, FDP] für eine Konflikt­lösungskultur. […] Es sei ein Klima zu schaffen, in dem man sich irren könne, in dem man Ideen und Vor­schläge pro­voziere und nicht zum vorn­herein Harmonie suche.

, Schwei­zer Monats­hefte,

Sicherheit wird zum Feind der Freiheit, wenn nicht er­kannt wird, dass es Sicher­heit — menschen­mögliche Sicher­heit — nur in Freiheit geben kann. Un­sicherheit und Risiko sind der Preis der Frei­heit. Dieser Preis wird unbezahlbar hoch, wenn die Bürger zu viel Sicher­heit vom Staat erwarten, er wird minimal, wenn ganz der Freiheit vertraut wird. […] Wir sollten die Unruhe der Freiheit ertragen, wenn wir ver­meiden wollen, dass unsere Lebens­umstände immer wieder un­erträglich werden.

, Neue Zürcher Zeitung, , s. 12

Im Grunde aber kann uns gar nichts Besseres passieren als eine Zunahme der Verunsicherung. […] Natürlich wird das Leben dadurch etwas komplizierter, es wird auch weniger bequem und erscheint schliesslich so komplex, wie es in der Tat auch ist. […] Das Denken wird dadurch schärfer und präziser, die Vernunft wacher, und die Selbstwidersprüche, in denen wir es uns so schön eingerichtet haben, treten deutlicher hervor. Als Folge davon nehmen die Dispute eher zu als ab. Aber auch das kann nur zur Klärung von lange und grosszügig ignorierten Konflikten beitragen. […] die Kunst […] muss dann erst recht und umso mehr auf ihren Prämissen bestehen: Einübung in die Freiheit des Denkens. […] In Zeiten, da alles unsicher wird, […] da kann das künstlerische Remedium nicht heissen: noch mehr vermeintlicher Klartext im Brustton der Überzeugung. Dann gilt es erst recht, alles infrage zu stellen, sämtliche verbliebenen Gewissheiten zu prüfen und allen Widersprüchen auf den Grund zu gehen, indem sie zu Ende gedacht und also verschärft werden. Die Kunst könnte dann wieder werden, was sie ihrem eigenen Selbstverständnis nach sein sollte: Ein Labor für eine grosse Verunsicherung, die uns freilich herausfordert, da sie den Möglichkeitsraum öffnet ins Unabsehbare, da sie Denk- wie Atemwege freimacht, da sie angeblich Eindeutigem das Privileg der Mehrdeutigkeit und Offenheit zurückgibt. Verunsicherung müsste unter solchen Auspizien auch als Form einer anspruchsvollen Befreiung verstanden werden können. Sie stösst dann Denkgewohnheiten um und schafft also Freiräume, die das Vorstellungsvermögen ebenso in Schwingung bringen, wie sie eine kreative Unruhe zu stiften vermögen.

neu , Neue Zürcher Zeitung, , s. 19

Freiheit, Fortschritt und Innovation gibt es nur um den Preis der Unberechenbarkeit.

Verweise

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