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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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nachgeführt 2019-9-2 ,

schriftsteller, dichter

Michael Hochgesang, Welt und Wort, 1973, nr. 2, s. 136

Die eigentlich Zu­ständigen für jede Recht­schreib­reform sind nicht die Lehrer und nicht die Philologen, sondern die­jenigen, die in und mit der Sprache und der ihr zu­gehörigen Recht­schrei­bung die großen schriftlichen Zeugnisse und Kunst­werke für kommende Genera­tionen prägen.

Jacob Grimm, 1854

Was sollte die änderung den schrift­steller angehn, dem daran liegt seine gedanken un­gehemmt und un­gezwungen äuszern, dem es lästig fallen musz sich und seine leser durch anstände in der form, die er längst bewältigt zu haben meint, auf­halten zu lassen? Die meisten schrieben, wie sie es in der schule oder sonst im leben sich angewöhnt hatten und überlieszen wiederum den setzern die schreibart nach blieben zu verändern, d. h. dem vor­herschenden brauch zu bequemen.

sie sind – merkwürdigerweise — von jeher meist gegner der ver­einfa­chung gewesen. […] die tonart, in der schrift­steller öffentlich zu der reform stellung nehmen, ist wenig ver­heißungs­voll für künftige aus­einander­setzungen .

Martin Walser, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Komisch, daß Schrift­steller für und gegen Normen streiten, an die sie sich sowieso nicht halten.

Rainer Moritz, buch­autor, leiter des Lite­ratur­hauses Hamburg, boersenblatt.net, 30. 8. 2018

[…] manche Schrift­steller unter­schrieben alle möglichen Resolutionen, die darauf drangen, um jeden Preis an der alten, vermeintlich so guten Schreibung festzuhalten – was manchmal verblüffte, da die Manuskripte dieser Schrift­steller keineswegs immer Sattel­festigkeit in Sachen Recht­schreibung verrieten.

Wenn Deutschland innen­politische Probleme bewegen, dann ruft man gern nach den Intellek­tuellen; die wissen sich dann aufgerüttelt, und auch die Dichter erheben mit hellem Klang ihre Stimme in Form von Unter­schriften. […] So ist es dann eine Situation von herber Komik, wenn unsere Schrift­steller sich zur Ver­teidigung eines über­kommenen Zustandes rüsten, den keine Kategorie unser Bürger in Tradition und Selbst­verständnis je so konsequent und triftig in Frage gestellt hat wie eben sie. Um nur von unserem Jahr­hundert zu reden: Der sprach­schöpferische Impetus des Expressionis­mus hat die her­kömmlichen Schreib­regeln mit der gleichen Energie gesprengt wie anderseits der marmor­meißelnde Stilwille Stefan Georges oder Rudolf Borchardts sie souverän ignorierte. Und konsequent zieht der buch­stäbliche Eigenwille, der sich dem gültigen Regel­kanon verweigert, durch die Jahr­zehnte bis in unsere Tage. Das gilt für Bert Brecht (bert brecht) wie für Tucholsky, gilt für Arno Schmidt wie für Ernst Jandl. […] Ginge es mit rechten Dingen zu – aber wann tut es das schon –, müßten die Schrift­steller die Ersten sein, eine Sprengung der beklem­menden Duden-Bande als Befreiung zu empfinden und die Aufhebung dieses peinlichen Monopols fordern.

edo, Süddeutsche Zeitung, 17. 8. 2000

Sigfried Schibli, Basler Zeitung, 9. 8. 2004

Horst Sitta, St. Galler Tagblatt, 5. 10. 2004

Martin Ebel, Der Bund, 6. 5. 2017

Auch grosse Schrift­steller, davon er­zählen Lek­toren hinter vor­gehaltener Hand, schreiben durch­aus kein fehler­loses Deutsch.

Marcel Reich-Ranicki, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Als man sich 1954 schon einmal, wieder ein­mal Ge­danken über die deutsche Recht­schreibung machte, war Thomas Mann empört. […] Thomas Mann hat die Recht­schreibung, wie aus Tage­büchern ersichtlich, keines­wegs be­herrscht. Er war damals 79 Jahre alt. In diesem Alter sieht man den Boden der Suppen­schüssel und hat keine Lust, sich die Regeln einer neuen Recht­schreibung anzueignen. Ob vielleicht auch damit die späte Entrüstung unserer Schrift­steller zusammen­hängt? […] Unsere lieben Schrift­steller aber seien an ein weises Wort er­innert. In seinem Trauer­spiel "Wilhelm Tell" läßt Goethe den greisen Marquis Posa sagen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Siehe auch stichwort generation.

Karin Cerny, profil, 9. 10. 2006

Jens Jessen, Die Zeit, 3. 8. 2006

de.wikipedia.org, Fraktur_(Schrift)

Der Autor Hermann Hesse bestand noch lange nach dem Krieg darauf, dass seine Werke in Fraktur gedruckt würden. Auch viele Klassiker fanden in den 1950er Jahren als Fraktur­ausgaben noch sehr guten Absatz, so eine Theodor-Storm-Gesamt­ausgabe von 1953. Die evangelischen Kirchen hielten noch längere Zeit an der deutschen Schrift fest. So erschienen viele deutsch­sprachige Bibel-Über­setzungen bis in die 1960er Jahre in Fraktur.

Nach dreizehn Jahren versuchter Verbesserung gibt die neue Recht­schreibung unseren Texten noch immer keine feste Gestalt.

Siehe auch stichwort varianz.