Petra Leubner, Konrektorin der Hauptschule am Loderer Platz, war von Anfang an skeptisch. Man hätte sich das gründlicher überlegen sollen, sagt sie. […] Es sei versäumt worden, die Problematik Groß- und Kleinschreibung anzugehen, ist die Hauptschullehrerin von der Reform enttäuscht.
Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)
Aus presse und internet
2005-06-30
2005-06-28
Die Lehrerschaft ist an Regelungen interessiert, die einfach anzuwenden sind, möglichst viel Eindeutigkeit generieren und langfristig Bestand haben können. Nichts davon ist gegeben. Dazu kommt, dass die Probleme in der Vermittlung von Deutschkompetenz im Unterricht von der Rechtschreibreform nur zum kleinsten Teil betroffen sind: Schülerinnen und Schüler machen vielleicht 98% ihrer Schreibfehler gar nicht in dem von der Regelung betroffenen Bereich.
Bayerns Kultusminister Schneider (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, die Vorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung zügig zu verwirklichen.
2005-06-25
Die "Märkische Oderzeitung" (Frankfurt/Oder) kritisiert die Rechtschreibreform: Braucht Chaos auf deutsch einen weiteren Namen, kann man Rechtschreibreform einsetzen.
Schon an der Orthographie scheiden sich bezeichnenderweise die Geister: "Soziale Marktwirtschaft" schreibt, wer das Soziale und den Markt gleichberechtigt nebeneinanderstellt und notfalls gegeneinander aufwiegt; "soziale Marktwirtschaft" schreibt, wer wie Ludwig Erhard überzeugt ist, daß der Markt in sich sozial ist, und wer zudem ein Ordnungssystem nicht vergötzen will.
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, befürchtet angesichts des Streits um die Rechtschreibreform eine "Zwei-Klassen-Schreibung". Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz seien nur für Schulen und Behörden verbindlich, sagte Kraus: "Jeder Staatsbürger, jeder Journalist, jeder Autor kann schreiben, wie er will." Dies könne zu einer anerkannten und einer weniger anerkannten Schreibung führen.
Wenn man unsere (auch weniger anerkannte) schreibung dazuzählt, sind es sogar 3 klassen. Und wenn man die schreibungen im internet dazuzählt, sind es tausende.
2005-06-24
Die Ministerpräsidenten der unionsgeführten Bundesländer sind am Donnerstag mit einem überraschenden Vorstoß gescheitert, eine überarbeitete Version der Rechtschreibreform erst zum 1. August 2006 und damit ein Jahr später als derzeit geplant in Kraft treten zu lassen. Auf einer Sitzung der Ministerpräsidentenkonferenz wiesen die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten den Vorschlag zurück.
Unter allen Reformen, die in diesem Land dringend nötig sind, läßt sich keine so einfach ins Werk setzen wie die Reform der Rechtschreibreform. Denn man kann auf ein bewährtes Regelwerk zurückgreifen, das in allen wesentlichen Teilen seinen Zweck erfüllte, bevor es blindem Reformeifer zum Opfer fiel.
Mir geht es vielmehr um "Schillers Komma", denn ein solches ist in den von Leser Dr. Holz zitierten Versen zweimal dort gesetzt, wo keines hingehört und auch bei Schiller nicht steht. Zwar wäre es, soviel ich weiß, nach der neuen Rechtschreibung in Schulaufsätzen erlaubt, aber der wunderbare Sprachfluß des schönen Gedichts wäre schon rein optisch dadurch grausam entstellt.
Fünf Wochen vor der bereits beschlossenen verbindlichen Einführung der Rechtschreibreform haben die unionsgeführten Länder neue Verwirrung gestiftet. Kurz vor Beginn der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag in Berlin sprachen sich die Regierungschefs von CDU und CSU überraschend dafür aus, die verbindliche Anwendung der neuen Regeln komplett um ein Jahr zu verschieben. Trotzdem wird die Reform wie geplant am 1. August 2005 in Kraft treten.
2005-06-23
Die drei Akademien der Künste in Berlin, München und Dresden haben einen Appell an die Ministerpräsidenten gerichtet. Darin protestieren sie gegen den jüngsten Beschluß der Kultusministerkonferenz (KMK), die neue Rechtschreibung an den Schulen vom 1. August an zur Pflicht zu machen […].
Die Wurzeln des mißglückten Reformwerks kommen aus der ehemaligen DDR, aber sie kommen zu größeren Teil, als man in Deutschland und Österreich denkt, auch aus der Schweiz. Wesentliche Teile dessen, was 1996 nach angeblich langer und sorgfältiger Vorbereitung eingeführt wurde, findet sich in der Schrift "Dudens Schreib- und Sprachdummheiten. Der ,Große Duden' unter der schweizerischen Lupe - Beiträge für eine zuverlässige Rechtschreibung", verfaßt von K. E. Rotzler, erschienen im Jahre 1947 in Bern. […] Der Vergleich mit Rotzler zeigt, daß man 1996 nicht irgendeiner Sprachentwicklung Rechnung getragen hat. Was bereits 1947 einen Rückschritt darstellte, das kann nicht fünfzig Jahre später zeitgemäß sein.
Gemischt sind die Reaktionen der Deutschlehrer und Rektoren im Landkreis Dachau auf die Rechtschreibreform, die am 1. August teilweise in Kraft treten wird. […] Nicht nur in Deutschland gibt es Streit um Rechtschreibreform und Schreibverwirrung. Roland Reger, Direktor des Ignaz-Taschner-Gymnasiums Dachau, erzählt, dass es in Norwegen zwei Rechtschreibreformen hintereinander gegeben habe. Das Ergebnis: Seit den beiden Reformen gibt es über eintausend Möglichkeiten, einen relativ kurzen Satz zu schreiben. Alle sind richtig.
Der Appell trägt die Unterschriften der Akademiepräsidenten Adolf Muschg (Berlin), Dieter Borchmeyer (München) und Ingo Zimmermann (Dresden).
2005-06-22
Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: Die Sprache ist ein Spiegel des Geistes. Dieser Spiegel ist bei uns im Lande ziemlich blind – zusammen mit der unsäglichen Rechtschreibreform mutiert die Entwicklung in der Tat schon zu einer Intelligenzbremse mit allen negativen Folgen.
1984: Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder beauftragt einen internationalen Arbeitskreis mit der Erarbeitung von Reformvorschlägen.
Ob die neue Rechtschreibung in ihrer reformierten Form mehr Anhänger findet, lässt sich natürlich noch nicht abschätzen. Nur eines scheint relativ sicher: Eine verbesserte Rechtschreibung ist zwar ein Fortschritt. Aber noch lange keine gute Rechtschreibung.
Die erste Assoziation zur Rechtschreibreform ist Streit. […] Die Debatte entzündete sich – je nach Sichtweise – entweder an einem Zuwenig an Reform (für die ursprünglich angepeilte Kleinschreibung und generelle Abschaffung des "ß" gab es keine politische Zustimmung), oder einem Zuviel an Reform. Kritiker meinten, es würde an der Sprachpraxis vorbei reguliert. Beliebter Zankapfel war etwa die Eindeutschung von Fremdwörtern wie Majonäse, Delfin oder Frisör.
2005-06-20
Ihre Zeitung sollte deshalb in ihren Bemühungen, die Verunglimpfung der deutschen Sprache in der neuen Rechtschreibung anzuprangern, nicht nachlassen. Der lehrreiche Beitrag von Theodor Ickler "Von früh bis spät werden wir an den Folgen leiden" sollte Fortsetzung finden.
Wenn Ina Riedl und Richard Hofmann sich über die Semmelnknödeln unterhalten und über all den hochgeistigen Finessen vergessen, um was es bei der Auseinandersetzung eigentlich geht, erinnert man sich zufällig an die aktuelle Debatte um die Rechtschreibreform.
Berlin Konferenz der Länder-Ministerpräsidenten, unter anderem zu den Themen Studiengebühren und Rechtschreibreform sowie zu Rundfunkfragen; mit anschließender Pressekonferenz
17. 6. 2005
Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair ist, seit er als Vorsitzender des Rats für Rechtschreibung amtiert, zur Schlüsselfigur in der Farce der Rechtschreibreform geworden.

Die Rechtschreibreform ist ein voller Erfolg zumindest, wenn es um das Lesen von Texten geht. Das besagt eine Studie von Psychologen der Berliner Freien Universität. […] Bei fast allen untersuchten Regeln kamen die Leser mit den neuen Schreibweisen besser oder gleich gut zurecht und zwar Kinder, die nur die neuen Regeln gelernt haben, ebenso wie Erwachsene, die mit der alten Rechtschreibung aufgewachsen sind.
2005-06-16
Gustav Seibt behauptet, dass man nach neuer Rechtschreibung Nude-lauf-lauf trennen dürfe. Das ist falsch! […] Von Rechtschreibreformgegnern wird gerne behauptet, dass an unseren Schulen ein Rechtschreib-Chaos herrsche. Ich bin Lehrer, habe aber bisher an keiner Schule ein derartiges Chaos feststellen können. Nach meiner Einschätzung wird es auch in Zukunft keines geben, und höchstens die fanatischsten Rechtschreibreformgegner werden sich ein solches Chaos wünschen.
Wenn nun aber Regeln neu formuliert werden, so sollte dies so weit wie möglich plausibel sein. […] Tatsächlich sind aber im Rat für deutsche Rechtschreibung die meisten der anstehenden Fragen noch nicht genügend abgeklärt.
Die Schreibung einer Sprache kann doch nicht von der Schule her bestimmt werden.
Hat man überhaupt eine Ahnung, was die Unklarheit bei Schulkindern, die Probleme haben (Legastheniker) oder deren Muttersprache nicht Deutsch ist, anrichtet?
Ärgerlich ist, dass die neue Rechtschreibung, eine natürlich nicht perfekte, aber im Grunde sinnvolle Sache, im letzten Sommerloch von profilierungssüchtigen Politikern mit wenig Sachverstand, aber viel Populismus wieder in Frage gestellt wurde.
Eine Verschiebung des Verbindlichwerdens der Reform würde das durch die verbissene Kritik von Puristen und Besserwissern angerichtete Chaos in den Schulen nur verlängern.
Eine Ausweitung plebiszitärer Elemente wie Volksbegehren und Volksentscheid würde mit Sicherheit in kürzester Zeit Ruhe in diese künstlich hochstilisierte und aufgeblähte Debatte bringen […].
Der Wirbel, der von selbst erkorenen Experten um die neue Rechtschreibung gemacht wird, scheint mir von einer Blindheit oder Ratlosigkeit gegenüber den wesentlichen Herausforderungen in Deutschland und auf der Welt befördert zu sein.
Der Berg kreißt und gebiert ein – nein, kein Mäuslein, sondern ein Monster, eine Missgeburt […].
Wie lange noch lassen sich die Zeitungen von Ministern, die mit dem Kopf durch die Wand wollen (Steinfeld), zum Narren halten?
Aber die Reform hat auch in vernünftigeren Köpfen Verwirrung gestiftet. […] Hermann Unterstöger meint überdies, man hätte „früher“ nicht „Erdöl fördernd“ oder „allein erziehend“ schreiben dürfen. Regel 209 des alten Duden sagt es anders: Beides war freigestellt. Erst die Neuregelung brachte die rigide Einschränkung auf das Getrennte. Jetzt ist der alte Zustand wiederhergestellt.
2005-06-14
Der Berliner Kabarettist würzt seine Kritik an Deutschlands untergehender Elite mit beißenden Pointen. […] Aus Lüdecke klagt an diesem Abend gebündelt der Chor, der seit geraumer Zeit in der Presse, im Fernsehen, am Stammtisch und beim Metzger um die Ecke die Malaise der Republik beschreibt: Pisa, Hartz IV, die Bürokratie, das Steuersystem, die Rechtschreibreform, das Billionengrab Ostdeutschland, Niedriglohnsektoren, Europa, Globalisierung, Unternehmensberatung à la McKinsey, die Überalterung der Gesellschaft und die sinkende Geburtenrate.
2005-06-13
Das Lesen einer alphabetischen Sprache lernt man eher durch Zuhören als durch Schreiben. Die Zuordnung von Laut und Buchstabe gilt als grundlegende Voraussetzung zum Lesen. Im Chinesischen scheint das genau umgekehrt zu sein. Dort scheint man das Lesen eher durch Schreiben als durch Zuhören zu lernen. Der manuelle Akt des Schreibens und die Aufmerksamkeit für das Schriftbild sind für das Lesen chinesischer Schriften offensichtlich wichtiger als das Erkennen von Lauten und Silben. […] Die Schriftzeichen sind ein dichtgepacktes Quadrat aus Strichen und Schwüngen. Dieses Quadrat besitzt enorme visuelle Komplexität. Es wird in einer hochgeordneten Bewegung niedergeschrieben, in der die Strichführung genau festgelegt ist. Wer Chinesisch lesen will, muß also eher auf die Integration von komplexer Orthographie, Bedeutung und Aussprache zurückgreifen können als auf die Koppelung zwischen Laut und Buchstabe.
11. 6. 2005
SZ: Kürzlich haben Sie an den Orden Pour le mérite appelliert, als eine Art Rat der Weisen zu wirken: Klang da nicht Sorge um die Kultur an, das Bewusstsein, es fehle ihr an geistiger Orientierung? Weiss: Dieser Orden versammelt die Geistesgrößen der deutschen Gesellschaft, zusammen mit internationalen Wissenschaftlern und Künstlern. Er trifft sich zweimal im Jahr, und man debattiert dort überaus interessante Fragen, was aber zu selten nach außen dringt. Schon seit meiner ersten Begegnung mit dem Orden ist es meine Hoffnung, dass er nicht ein interner Kreis der Erwählten bleibt, sondern eine sprechende, kommentierende Instanz wird. […] SZ: Was wäre Ihr Wunschthema für das Jahr 2005? Weiss: Niemand sollte dem Orden Themen vorgeben. Aber ich weiß, dass es 2004 ein Thema gab, über das der Orden diskutiert hat, ohne dies öffentlich zu machen: die Rechtschreibreform.
10. 6. 2005
Andreas Thalmayr alias Hans Magnus Enzensberger bietet sieben Rundgänge durch den Zaubergarten der Sprache an. Ganz ohne Polemik geht es dabei nicht ab. […] wenn er die Rechtschreibreform attackiert, zittern ganze Kultusministerien (wenigstens ein bisschen). […] Die Duden-Redaktion in Mannheim bezeichnet er als «Kommission zur Betonierung der deutschen Sprache». Die Kultusministerkonferenz ist für ihn ein Haufen von Legasthenikern, denen er unterstellt, dereinst nicht einmal vor der Abschaffung des Genitivs zurückzuschrecken. Das ist in der Heftigkeit, mit der ein Feindbild zum Popanz aufgeblasen wird, schon komisch.
Josephine Ahrens möchte nicht als Fehler angestrichen bekommen, was außerhalb der Schule weithin nicht als Fehler angesehen wird. Mit diesem Wunsch ist sie jedoch vor Gericht in Hannover nicht durchgedrungen.
2005-06-07
Zur Rechtschreibreform lesen wir in den "Nürnberger Nachrichten": Es hätte wirklich keines Beweises mehr bedurft, daß die Rechtschreibreform durch und durch verkorkst ist.
2005-06-06
Die "Neue Osnabrücker Zeitung" befaßt sich mit dem Kultusminister-Beschluß, große Teile der Rechtschreibreform in Kraft treten zu lassen: "[…] Zwar ehrt es die Minister, daß sie Bedenken aufnehmen wollen. Stutzig macht jedoch, daß sie auf der anderen Seite große Teile der Rechtschreibung per Dekret regeln, obwohl diese keineswegs so unumstritten sind, wie behauptet wird."
Die "Badische Zeitung" (Freiburg) schreibt zur Rechtschreibreform: […] Es bleibt eigentlich nur ein Ausweg aus dem Chaos: Meine Damen und Herren, geben Sie Rechtschreibfreiheit!
Der Schulbuchverleger Michael Klett nannte die nun für die Schüler entstandene Lage "desolat". Die Eltern schrüben anders als ihre Kinder, Lehrmaterialien kursierten in drei Rechtschreibungen.
Erstens: Die Einheit der Rechtschreibung wird auch nach dem 1. August nicht gegeben sein, nicht im Bereich der Schulen, geschweige denn in der Öffentlichkeit. Zweitens: Der Rat für Rechtschreibung hat bewiesen, daß er zu unabhängiger und konstruktiver Arbeit fähig ist. Drittens: Die Kultusministerkonferenz ist und bleibt eine Versammlung blindwütiger Flickschuster.
2005-06-04
Neu sollen — wie vor dem 1. August 1998 — Verben wie «vollquatschen», «auseinandersetzen» […] zusammen geschrieben werden, da sie vom Sinn her eine Einheit bilden. Die Vorschläge müssen nun noch den politischen Behörden zur Genehmigung vorgelegt werden — in Deutschland der Kultusministerkonferenz (KMK), in der Schweiz der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Die KMK hatte bereits zuvor beschlossen, für die strittigen, vom Rat noch diskutierten Fälle die Toleranz über den 1. August 2005 hinaus zu verlängern. Auch das EDK sieht laut einer Mitteilung vom Freitag dieses Vorgehen als «sinnvoll» an. Beschlossen sei aber hoch nichts.
Natürlich können die Gegner der Reform das Einlenken der Kultusminister bei der Zusammen- und Getrenntschreibung als Teilerfolg feiern. Nur: Ist damit etwas gewonnen? Bei der größten Fehlerquelle Groß- und Kleinschreibung jedenfalls nichts. Es bleibt eigentlich nur ein Ausweg aus dem Chaos: Meine Damen und Herren, geben Sie Rechtschreibfreiheit!
Wem? Der Badischen Zeitung schreiben die kultusminister nichts vor.
Wenn Schüler künftig grammatikalisch falsche Schreibweisen wie "Bankrott gehen" lernen müssen, kann das nur als Bankrotterklärung des kultusbürokratischen Sprachbewußtseins bezeichnet werden.
Eher eine bankrotterklärung der substantivgrossschreibung.
Der Beschluß der Kultusministerkonferenz, die unstrittigen Teile der Reform in Kraft treten zu lassen, hat im Rat Irritationen ausgelöst. Zehetmair zeigte Verständnis für das Vorgehen der KMK, ließ aber keinen Zweifel daran, daß der Rat auch künftig unbeirrt und unabhängig von Sachzwängen der Politik die einzelnen Bereiche der Reform bearbeiten wird. Zehetmair bekräftigte die Entschlossenheit des Rates, sich von keiner Seite unter Druck setzen zu lassen, auch nicht unter Zeitdruck. […] Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Otto, bezeichnete die in Teilen verbindlich gemachte Rechtschreibreform als "Zumutung gegenüber den Lehrern und Schülern". Außerdem sei darin eine "unglaubliche Arroganz gegenüber dem Rat für deutsche Rechtschreibung zu sehen". […] Die bildungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Reiche, forderte die Ministerpräsidenten auf, die gesamte Reform außer Kraft zu setzen.
Zur Rechtschreibreform meint der "Trierische Volksfreund": Daß die Rechtschreibreform eine der überflüssigsten Unternehmungen der letzten Jahrzehnte ist, dürfte mittlerweile jedem klargeworden sein.
Reemtsma, der bereits das Frühwerk Schmidts eingelesen hat, leistet mit dieser dezidiert zurückhaltenden Aufnahme einen Beitrag zur "Kaff"-Interpretation, der die vielbeschworene Mehrstimmigkeit des beginnenden Spätwerks ein bißchen relativiert. Sie zeigt aber auch die Grenzen der Gattung Hörbuch auf, wenn es um die Umsetzung von Schrift ins gesprochene Wort geht: Je komplizierter Schriftbild und Orthographie werden, je ausgefeilter das System von Zeichen, die wie in diesem Text Worte ersetzen oder Pausen markieren, um so größer die Verluste und die Notwendigkeit zur jeweiligen Entscheidung bei der Lesung.
Seit Freitag arbeitet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung doch noch mit im Expertenrat für Rechtschreibung. Damit haben nun auch die beinahe schärfsten Kritiker der Rechtschreibreform von 1996 ihre Bereitschaft bekundet, an einem Kompromiss in allen strittigen Fällen der neuen Rechtschreibung mitzuwirken - und diesen hinterher auch mitzutragen! Und noch besser: indirekt ist damit ja das Eingeständnis der Akademie verbunden, dass bestimmte Teile der Rechtschreibreform eigentlich unstrittig und vermutlich sogar ganz gut sind. Ja, wer sagt's denn!
Eine verbindliche, gesellschaftlich durchgesetzte deutsche Rechtschreibung gibt es nicht mehr […].
Das Siegel der Strittigkeit beziehungsweise Unstrittigkeit wird vorderhand exklusiv von der Kultusministerkonferenz vergeben, wohingegen der Rat für deutsche Rechtschreibung jedenfalls dessen reformkritische Sektion es lieber gesehen hätte, wenn noch mehr Sachverhalte im Stadium der Strittigkeit verblieben wären. Für unstrittig halten die Kultusminister die Regeln zur Laut-Buchstaben-Zuordnung, zur Schreibung mit Bindestrich sowie zur Groß- und Kleinschreibung. Strittig sind demnach die Komplexe der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Worttrennung am Zeilenende und der Zeichensetzung.
Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbands, kritisierte, dass die Trennung in umstrittene und unstrittige Teile wieder nichts Fertiges sei; man hätte stattdessen die Ergebnisse der Sachverständigen abwarten sollen.
Das also soll Rechtschreibfrieden schaffen: Die Kultusministerkonferenz will alle "unstrittigen" neuen Regeln zum 1. August für verbindlich erklären. […] Nein, strittig sind alle Bereiche der neuen Rechtschreibung […]. Ein Rechtschreibfrieden ist so nicht zu erreichen.
2005-06-03
Die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform sollen nach dem einstimmigen Beschluß der Länder-Kultusminister wie geplant zum 1. August für Schulen und Behörden verbindlich werden.
Als im Herbst letzten Jahres die Zusammensetzung des Rates für deutsche Rechtschreibung diskutiert wurde, gab es heftige Auseinandersetzungen. Nach Jahren übelster Hinterzimmerdiplomatie der Kultusminister und der von ihr eingesetzten Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung war das Mißtrauen groß.
Insgesamt sollte bei der Groß- und Kleinschreibung gar nichts neu geregelt werden, ausgenommen die manchmal zu dogmatische Darstellung im Wörterverzeichnis des Duden (im trüben fischen, sein Schäfchen ins trockene bringen).
Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz, die Rechtschreibreform in großen Teilen zum 1. August in Kraft zu setzen, macht sich Unmut breit. Die Lehrer bemängeln fehlende Planungssicherheit, Reformgegner sehen in der Teillösung eine zusätzliche Verwirrung der Bürger.
In der langen Übergangszeit formierte sich immer stärkere Kritik. Hatte sich die Diskussion im Vorfeld noch an Schreibweisen wie aufwändig, Gämse und Stängel festgebissen, so erwiesen sich nun in der Praxis vor allem die Regeln zur Getrenntschreibung als Quell steten Ärgers. Einerseits war es nicht mehr möglich, durch Getrennt- oder Zusammenschreibung unterschiedliche Sachverhalte zum Ausdruck zu bringen.
Zwei wichtige Beschlüsse zur Zukunft der deutschen Rechtschreibung werden am heutigen Freitag gefasst. Die Kultusministerkonferenz (KMK) bleibt bei einem seit langem festliegenden Zeitplan: Am 1. August soll die 1998 eingeführte Neuregelung der deutschen Rechtschreibung an den Schulen im Prinzip verbindlich werden. Damit wird die bisherige Übergangszeit enden […]. Ausgenommen von dieser Regelung sollen lediglich jene (angeblich geringfügigen) Teile des Reformwerks bleiben, die noch strittig sind. […] Außerdem arbeitet seit dem Frühjahr ein neu konstituierter Rat für Rechtschreibung […], dessen Aufgabe es ist, die Reform zu reformieren, der also genau jene strittigen Fragen klären soll, die auch nach dem Ende der Übergangsfrist noch zur Disposition stehen. Die Kultusminister haben sich ausdrücklich festgelegt, keine Beschlüsse ohne den Rat für Rechtschreibung mehr zu fällen.
Am 1. August sollen Teile der Reform in Kraft treten. Führt von da aus ein Weg zum Rechtschreibfrieden? Ickler: Wie leicht der Rechtschreibfrieden wiederherzustellen wäre, zeigen einige große Zeitungen, die entschlossen zur alten, das heißt wirklich modernen Orthographie zurückgekehrt sind und die dafür nichts als Jubel und Dank ihrer Leser geerntet haben.
Die Kultusminister sind, so muss man leider sagen, unbelehrbarer als die verstocktesten Schüler. Sie wollen den Rat nicht mehr, weil er nicht, wie ursprünglich bestellt, als Akklamationstruppe funktioniert. Sie bestehen darauf, denselben Fehler noch einmal zu begehen, den sie nun schon ein paar Dutzend Mal begangen haben: die Rechtschreibung per Dekret regeln.
Ja, der schüler sollte die aufforderung, Vogel statt fogel zu schreiben, mit der frage kontern: Ist das ein dekret?
In Quedlinburg einigten sich die Kultusminister darauf, neben der Laut-Buchstaben-Zuordnung und der Schreibung mit Bindestrich auch die Groß- und Kleinschreibung zu verabschieden. Nach Auffassung von Ickler muß aber gerade die Groß- und Kleinschreibung, die nach der Rechtschreibreform gegen grammatikalische Grundregeln verstoße, dringend korrigiert werden.
2005-06-02
An diesem Freitag werden die Kultusminister darüber entscheiden, wie die Schulen vom 1. August 2005 an mit der neuen Rechtschreibung verfahren sollen. Zur selben Zeit, zu der der Rat für deutsche Rechtschreibung in Mannheim tagt, findet die Konferenz der Kultusminister in Quedlinburg statt.

Mit der Energie und Verbissenheit, mit der seine Bergarbeitervorfahren im Erzgebirge Kohle und Metall schürften, geht er den Silberadern der Poesie in fremden Sprachen nach […]. Die Sorgfalt jedoch, die er dem Deutschen angedeihen lässt, ist nicht kleiner. Kein Wunder, dass er einer der schärfsten Kritiker der unglückseligen Rechtschreibreform wurde. Der Übermut der Ämter, der Kunze schon in der DDR zur Verzweiflung brachte, empört ihn – siehe den Oktroi der neuen Ortografie – im vereinigten Deutschland nicht minder.
2005-06-01
Am Freitag findet in Mannheim eine Sitzung des Rats für deutsche Rechtschreibung statt. Der Rat will endgültig über die Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung entscheiden. Sollte das gelingen, wäre der am heftigsten umstrittene Teil der hart kritisierten Rechtschreibreform geregelt. Wird kein Kompromiss erreicht, steht die gesamte Arbeit des Expertengremiums in Frage. Das Ziel, den Rechtschreibfrieden wieder herzustellen, wäre in weite Ferne gerückt.
Franz Josef Strauß, einer der früheren Bundesfinanzminister, hat einmal gesagt, der Staat sei wie ein Hund, er könne keinen Wurstvorrat anlegen. […] Mit sicherem Blick für das weniger Wesentliche bis zum Unwesentlichen beschäftigen wir uns eifrig mit dem Dosenpfand, dem Ladenschluß, der Rechtschreibreform und mit den vermeintlichen "Gerechtigkeitslücken im Steuerrecht".
6. 2005

[…] die 1901 erreichte Einheit der deutschen Rechtschreibung muss im ganzen deutschen Sprachraum gewahrt bleiben. […] Bis heute fehlt allerdings der Tatbeweis, dass die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung für die Schreibenden wirklich eine Erleichterung bedeutet. […] Die Reform muss weitergehen: früher oder später wird man unter anderem über jene beiden Probleme der Syntax, die unsere deutsche Sprache so schwierig machen, wieder diskutieren müssen: über die Grossschreibung der Nomen und über die äusserst komplexe, weil vorwiegend grammatischsyntaktisch begründete Kommaregelung, die kein Deutschsprachiger ganz beherrscht, selbst die Germanisten nicht.
2005-05-24
Peter Kaupp, Gastredner bei der Jubiläumsfeier, erinnerte daran, daß sich Burschenschaften immer schon in besonderem Maße der Gemeinschaft verpflichtet gefühlt hätten. […] Der Dieburger Fachhochschul-Professor und Verfasser des "Handbuchs der Deutschen Burschenschaften" verwies auf zahlreiche frühere Burschenschafter auch in Wiesbaden […]. Nicht unerwähnt ließ Kaupp auch den "Vater" der deutschen Rechtschreibung, Konrad Duden (1829 bis 1911), der zuletzt in Wiesbaden lebte.
2005-05-23
Das Erzählen ist für Uwe Timm nicht auf eine einzelne Funktion zurückzuführen: auf die Aufklärung oder die Unterhaltung oder die Abbildung. […] Im Erzählen kommt der Mensch zu sich selbst. In dem kleinen Text "Meine Alphabetisierung" berichtet der Autor von seinen frühen Widerständen gegen das Schreibenlernen und die Orthographie als Zwangssystem. Sinnvoll erschien es ihm erst, als er es verstand, mit Hilfe des linearen Alphabets die fluktuierenden Bilderwelten des mündlichen Erzählens einzufangen.
2005-05-22
Das ZDF strahlte die sechste Folge von "Blind Date" aus. […] Alle Folgen beginnen mit der Nennung der Spielregeln: Vier karge Sätze in brechtscher Kleinschreibung werden kurz auf dem schwarzen Bildschirm sichtbar […].
21. 5. 2005
Sie ist ein Wunder aus Glas und Stahl - und für viele das schönste Haus am Pariser Platz: Die Akademie der Künste zwischen dem Hotel Adlon und der DG-Bank, die heute um 18 Uhr eröffnet wird. […] Welche Aufgabe hat sie? Mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen u.a. informiert sie die Öffentlichkeit über Tendenzen in der Kunst. Sie pflegt ein umfangreiches Archiv sowie rund 800 Sammlungen und Nachlässe (u.a. von Heinrich Mann, Bertolt Brecht). Außerdem berät sie die Regierung in kulturellen Fragen, sprach sich u.a. gegen die Rechtschreibreform aus.
19. 5. 2005
Den Deutschen sind Kriminalfilme, Sport- und Lotterieergebnisse oder Schauspieler allemal wichtiger als der Kanzler der deutschen Einheit. […] Die fehlende Selbstachtung drückt sich auch in der zunehmenden Verhunzung der deutschen Sprache aus und in der sogenannten Rechtschreibreform, die die Verbindung zu unseren Vorfahren abschneidet.
2005-05-14

Fazit: Weder bei der Fremdwortschreibung noch im gesamten Bereich der „Laut-Buchstaben-Entsprechung“ gibt es einen Grund, von der bisher üblichen Regelung anzugehen. Eindeutschungen fanden immer statt, man braucht sie nicht zu forcieren.
2005-05-11
Aus den Mitteilungen des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen, April 2005, über "Neue Rechtschreibung in Kommunalverwaltungen": "Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sind nicht verpflichtet, die neue Rechtschreibung einzuführen.
2005-05-10
Arme, reiche deutsche Sprache was tun, wenn der Niedergang des Ausdrucks in der Seele weh tut? Genau hinschauen. Dieter E. Zimmer tut das kundig und unpolemisch, Andreas Thalmayr ambulant. […] Bedenkenswert, wenn auch in seiner Toleranz für die Neuregelung zu weit gehend, ist auch Zimmers Abschnitt über die Rechtschreibreform (Hinterher ist man klüger).
9. 5. 2005
Endlich. Der Aufschwung ist da. Zumindest geistig-kulturell. Der Osten ist Spitze. Beim zweiten Mitmach-"Deutschtest" von RTL zeigte sich, dass die Ossis die Rechtschreibung ihrer Muttersprache besser beherrschen als die Brüder und Schwestern im Westen. […] Dies beweist einmal mehr die Finesse der Menschen im Osten, die es nach der Rechtschreibreform geschafft haben, ihre Fehlerzahl Jahr für Jahr zu erhöhen und trotzdem nicht wie die Deppen dazustehen.
7. 5. 2005
Und das ß im "überbetonten Volkstums- u. Staatsbewußtsein" schreibt man heute mit Doppel-s. Die Kritik aber an der Rechtschreibreform verliert angesichts der Lektüre des Kriegsdudens wegen inhaltlicher Irrelevanz stark an Fahrt.
6. 5. 2005
"Die historisch gewachsene Orthographie ist ihnen im Grunde ein Ärgernis", so kurz und treffend charakterisierte der emeritierte Erlanger Sprachwissenschaftler Horst Haider Munske die Motivation der Rechtschreibreformer.
Ob da wohl ungute erinnerungen an seine schülerin Leiss mitspielen? Sie gibt uns anlass zu einer unterscheidung: Es ist aufgabe der wissenschaft, ständig das bestehende und scheinbar selbstverständliche zu hinterfragen und visionen zu entwickeln, und es ist im grunde aufgabe von (verzeihung!) gebrauchtwagenverkäufern, das «historisch gewachsene» zu rechtfertigen und eine beule als verbesserung des cw-werts zu preisen. Vgl. FAZ, 4. 10. 2004.
2005-05-04
Wir müssen die leidige Diskussion, die ich gerne mit Vollendung der deutschen Einheit beendet gesehen hätte, abschließen. Der Moment ist leider verpennt worden. Jetzt, im Jahr 2005, sage ich: Die Kommission, die jetzt eingerichtet ist, sollte schnell möglichst stark über das Zusammenschreiben bestimmter Begriffe hinaus auf die Gegner der Rechtschreibreform zugehen. Und die Kultusministerkonferenz sollte dann das, was dabei herauskommt, eins zu eins beschließen. Und das sollten dann alle akzeptieren. Das schlimmste wäre eine fortdauernde Beliebigkeit.
"Emil Schwörers Kolonial-Deutsch. Sprachliche und historische Anmerkungen zu einem ,geplanten Pidgin' im kolonialen Deutsch Südwest Afrika" […] Dazu gehörte die Beschränkung auf einen Basiswortschatz von höchstens 800 Wörtern, die Abschaffung des sprachlichen Genus, die Regularisierung der mannigfaltigen deutschen Pluralendungen, die weitgehende Tilgung von Flexionsendungen und die Umstellung der Zahlwörter (zwanzig-drei statt dreiundzwanzig). Angesichts dieser weitreichenden Änderungen ist es auffällig, daß die Orthographie des Kolonial-Deutsch im Vergleich zur standarddeutschen Fassung relativ unangetastet blieb.
Das publizistische Dreieck gilt als feste geometrische Größe der Berliner Republik, als Borchardt-Kartell […]. In dieser Konstellation wirbelte sich der Kampf gegen die Rechtschreibreform und das Caroline-Urteil hoch […]. […] kurz, hier entsteht nach Kanzlers Gefühl ein Kabinett der Konspiration […]. Medienmacht sei eine gewaltige Versuchung, erklärt Publizist Meyer: Die Wirtschaft hat uns vorgemacht, wie man Politik in die Enge treibt. Bild, Spiegel, FAZ: Manchen wird es unheimlich. Im deutschen Journalismus werde inzwischen zu oft Netzwerkpolitik betrieben, kritisiert Ex-Springer-Chef Jürgen Richter. Und fragt: Was wollen bestimmte Journalisten bei Springer? Wollen sie eine andere Republik?
3. 5. 2005
Für einiges Schmunzeln sorgte im Rathaus die Mitteilung, die der nordrhein-westfälische Städte- und Gemeindebund soeben zur Rechtschreibreform abgegeben hat. Ausgangspunkt war ein höchstrichterliches Urteil, in dem festgestellt wurde, dass die neuen Rechtschreibregeln nach der Übergangszeit bis zum 31. Juli eigentlich nur für den Bereich der Schulen verbindlich weiter gelten müssen. Den Stadtverwaltungen ist es danach selbst überlassen, ob sie sich dem anschließen wollen oder nicht.
2005-04-28
Da […] von der Konjunktion "daß" kaum noch die Rede ist, sei noch einmal darauf hingewiesen, daß es keinen sachlichen Grund gibt, diese Konjunktion mit ss zu schreiben. Niemand hat bisher auch nur versucht, der Bevölkerung zu erklären, warum das ß nun da gerade verschwinden muß […].
Böhr meint sehr richtig, "daß die deutsche Sprache der Ausdruck unserer geistigen Heimat" sei. Sie ist, wie ich meine, die wichtigste Identität unseres Volkes. Aber die Politiker, vor allem die Kultusminister, treiben eine unsägliche Zerstörung unserer Muttersprache weiter voran mit der zutiefst sprachwidrigen Rechtschreibreform, gegen den in einem Volksentscheid und in allen Umfragen erklärten Willen des Sprachvolkes.
Auch die Rechtschreibreform hat noch keine hohen Investitionen zur Folge. Die Korrektur der Reform sei zwar ein wichtiger Schritt, die damit aufrechterhaltene Unsicherheit verhindere jedoch zügige Investitionen in neue Lehrwerke und Methoden.
2005-04-27
Heike Schmoll, Redakteurin dieser Zeitung, wird von der Henning-Kaufmann-Stiftung mit dem Deutschen Sprachpreis des Jahres 2005 ausgezeichnet. Die Stiftung würdigt damit […] deren "kraftvollen Einsatz für die bewährte Rechtschreibung".
2005-04-26
Die umfassendste Auswahl aus Schillers Briefwechsel mit über hundert Adressaten unterbreiten gegenwärtig in einer handlichen, eleganten Form die beiden letzten Bände der Schiller'schen Werkausgabe im Deutschen Klassiker-Verlag, abgesehen von den zwischen 1956 und 1992 erschienenen zehn Briefbänden der Nationalausgabe. […] Auch zeichnet sich der Abdruck der Briefe dadurch aus, dass sie, im Gegensatz zu anderen Ausgaben, ohne modernisierende Bearbeitung, also ohne Berücksichtigung der jüngsten Rechtschreibreform, in der Originalschreibweise dargeboten werden.
In Malaysia scheint sie schon Wirklichkeit geworden zu sein, die längst fällige englische Rechtschreibreform ein Signal an den Rest der Welt: Tren Ekspres etwa weist ein Schild zur hochmodernen Schnellbahn […]. In KL selbst entdeckt man an jeder Ecke linguistisch Zukunftsträchtiges: Aiskrim etwa, teksi oder Beg + Aksesori und gar, auf der Frontseite einer malaiischen Frauenzeitschrift, die Ankündigung eines Artikels über Seks und das in einem muslimischen Land!
23. 4. 2005
Wo es darum geht, nicht entscheidbare Probleme vom Tisch zu bekommen, schlägt die große Stunde der Ergebnisoffenheit. Dann schießen sie die Probleme in die Umlaufbahn der Gutachtenproduktion. Und so hört sich das im O-Ton an: Wirklich ergebnisoffen bin eigentlich nur ich Aber wir werden die Regierung nicht aus der Verantwortung lassen, eigene Gesetze vorzulegen, die wir ergebnisoffen diskutieren und keineswegs nur ablehnen Schon vor zwei Jahren habe ich hier beschrieben, warum die Rechtschreibreform blödsinnig ist. Ich habe damals gefleht, die Landesregierung möge doch bitte ergebnisoffen in eine vorurteilsfreie Überprüfung eintreten.
22. 4. 2005
Eines haben die in der Anonymität agierenden Durchsetzer der Rechtschreibreform inzwischen gewiß erreicht: Sie haben Fakten geschaffen, die nicht von einem auf den anderen Tag vom Tisch zu wischen sind. […] Will man aber zusehen, wie mehrere große lexikographische Verlage in Konkurs gehen, nur weil sie ihr gesamtes Programm in mehrjähriger Arbeit auf die Neuregelung umgestellt haben?
2005-04-21
Kopfpauschale, Praxisgeld und Rechtschreibreform; […]: Martina Ottmann droht in der Informationsflut unserer schönen neuen Medienwelt zu versinken. […] Am Freitag, 22. April, 20.30 Uhr, gastiert die Kabarettistin […] im Geltinger Hinterhalt […].
2005-04-19
Mit der erneuten Rechtschreibreform muss die Schullektüre erneut überarbeitet werden und eine neue Kostenlawine droht.
2005-04-18
Lehrpläne werden oft verändert. Die Folge: der gesamte Bücherbestand muss ausgetauscht werden. Dazu kommt die Rechtschreibreform mit der x-ten Reform der Reform (zur Zeit kostet ein Schulbuch etwa 30 Euro).
2005-04-16
20 Jahre nach Beginn der ersten Beratungen über eine Rechtschreibreform und gerade noch rechtzeitig vor ihrem endgültigen Inkrafttreten soll ein wesentlicher Teil, die Getrenntschreibung, zurückgenommen werden, weil in vielen dieser Fälle eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliege. Ich begrüße ausdrücklich diese (späte) Einsicht, frage mich aber, ob man dies mit etwas mehr gesundem Menschenverstand nicht auch schon viel früher hätte erkennen können, ja müssen.
Zu idiomatisierte gesamtbedeutung: stichwort unterscheidungsschreibung.
2005-04-15
Wollen wir tatenlos zusehen, bis etwa die "Umsetzung" der Rechtschreibreform auf SPD-Befehl hin das "s" und das "f" aus dem Alphabet entfernt und vollständig durch "ß" und "ph" ersetzt ("Rechtßchreibrephorm") oder die angekündigte "neue Familienförderung" zur Abschaffung der Ehe für Heterosexuelle führt?
2005-04-14
Kultusministerin Karin Wolff (CDU), die bisher die Rechtschreibreform ohne jeden Abstrich verwirklicht sehen wollte, ist gestern von ihrer Position abgerückt. Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Änderungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung seien "keine Rücknahme der Rechtschreibreform, sondern Modifikationen im Sinne der Schülerinnen und Schüler" […].

Die Reformer argumentierten zuletzt, nach der Erprobungsphase des Regelwerks stehe nun die Einheit der Rechtschreibung auf dem Spiel; eine Rücknahme verursache nur Chaos und Kosten. Die Opfer ihrer schlampig entworfenen und arrogant durchgesetzten Neuregeln aber sind die Kinder: Sie stehen vor einem Chaos aus Varianten und Versionen; von Einheit ist keine Spur, Geld hat das Ganze sowieso verschlungen, und nur noch Spezialisten wissen, welcher Duden gerade noch oder schon wieder gilt.
2005-04-13
Die Kultusministerkonferenz hat bekräftigt, daß die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die 1996 eingeführt wurde, nach dem Ende der Übergangszeit am 1. August 2005 verpflichtende Grundlage des Unterrichts bleibt.
Vor wem haben die Kultusminister eigentlich Angst? […] Offenkundig wollen sie um jeden Preis retten, was nicht mehr zu halten ist.
2005-04-12
Mit ihrer bisherigen Änderungsverweigerung hat die KMK den Duden geradezu gezwungen, sämtliche Korrekturen klammheimlich von Auflage zu Auflage in Form von Varianten durchzusetzen. Das hat die allgemeine Verwirrung nur gesteigert und die fatale Auffassung verfestigt, es sei ohnehin gleichgültig, wie geschrieben werde.
Beim Deutschen Philologenverband sind die Änderungsvorschläge auf Zustimmung gestoßen. Geändert werde müsse auch die Zeichensetzung, so daß sich dem Leser die grammatikalische Struktur des Satzbaus sofort erschließe.
2005-04-11
Im Unterschied zur Vorgehensweise der Reformer scheint für den Rat der Sprachgebrauch wieder zur Leitlinie seines Handelns zu werden. Darin liegt die entscheidende Kehrtwendung.
Die "Berliner Zeitung" betrachtet das Hin und Her um die Rechtschreibreform: […] Ein allerletztes Mal muß korrigiert werden, und dann für immer.
Nichts auf der welt ist für immer.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) wird über die Vorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung erst entscheiden, wenn sie nach Anhörung von Verbänden endgültig vorliegen.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seiner Sitzung am Freitag letzter Woche deutlich gemacht, daß er die Rücknahme verfehlter Teile der Rechtschreibreform nicht länger ausschließt. […] Die Sprache und die Sprachgemeinschaft lassen sich nun einmal keine Vorschriften machen. Das hätten die Politiker vorher wissen können.
«Keine Vorschriften» – was hatten wir denn vorher?
2005-04-09
Die Konferenz der Kultusminister sollte sich die Empfehlungen der Experten zu eigen machen. Sie hat die Schlechtschreibreform selbstherrlich und ohne jede parlamentarische Legitimation gegen die überwältigende Mehrheit der Bürger durchsetzen wollen.
Die am Freitag beratene Getrennt- und Zusammenschreibung gilt als Kernstück der Reform und gleichzeitig als ihr umstrittenster Teil. […] Weder Schüler noch Schreibende haben die Getrennt- und Zusammenschreibung jemals von Regeln abgeleitet. […] Wegen der Schwierigkeiten, die Getrennt- und Zusammenschreibung zu regeln, war dieser Teil auf der orthographischen Konferenz im Jahr 1901 bewußt ausgeklammert worden.
Wenn ein Lehrer verhindern will, daß zwei Schüler, die gemeinsam die Schulbank drücken, unentwegt plaudern, wird er sie schließlich auseinander setzen. Erst dann werden sie sich nämlich mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzen. Die neuen Regeln der Rechtschreibung […] schreiben für beide Fälle die getrennte Schreibweise vor: Die Schüler sollen sich demnach mit ihrem Stoff "auseinander setzen", sich also von ihm entfernen. So offenkundig unsinnig diese und andere Regeln auch sind, es wird seit Jahren heftig um sie gestritten.
Eine Expertengruppe des Rats für deutsche Rechtschreibung schlage bei den meisten umstrittenen Beispielen der reformierten Getrenntschreibung vor, wieder differenzierter vorzugehen und entweder beide Varianten zuzulassen oder die alte Zusammenschreibung wieder zu erlauben, sagte der Vorsitzende des Rats, Hans Zehetmair […].
2005-04-08
Der Rat muß erkennen, daß zwei Maximen dieser Reform auf dem Gebiet der Getrennt- und Zusammenschreibung nichts taugen: Vereinfachung und Systematisierung. Wer vereinfacht, beseitigt sprachliche Differenzierungen, und wer hier zu systematisieren versucht, erfindet ungrammatische Neuschreibungen und beseitigt Bewährtes.
Den Kultusministern muss die Reform der deutschen Rechtschreibung mittlerweile wie eine Fahrt auf einer endlosen Geisterbahn erscheinen. Jedes Mal, wenn sie glauben, die Tortur hinter sich und die endgültige Durchsetzung der Reform per Verwaltungsmaßnahme sicher vor Augen zu haben, rauscht aus irgendeiner Ecke das lebhafte Bedürfnis nach der alten Regelung herbei, klappert mit den Zähnen und zerstört den Frieden des Amtes. Und wie oft ist das schon passiert: als die FAZ zur alten Rechtschreibung zurückkehrte, als im vergangenen Sommer die Diskussion neu aufflammte, als der jüngste Duden veröffentlicht wurde.
Gibt es politiker, die ihren job als tortur empfinden und «frieden des amtes» anstreben?

Welche Reichweite der Kompromissvorschlag der Arbeitsgruppe hat, geht schon aus der Befriedigung hervor, die Theodor Ickler, die Speerspitze der Reformfeinde, äußert. […] Das Papier der Arbeitsgruppe stelle einen radikalen Neuansatz dar. […] Dabei waren sie es, die kampagnenartig jede moderate Regelanpassung durch die Zwischenstaatliche Kommission als Katastrophe dargestellt hatten […].
2005-04-02
Was bringen uns der Bologna-Prozess und die Exzellenz-Universitäten? Beides ist ein Parallelunternehmen zur Rechtschreibreform: ein Verwaltungsprodukt ohne Kenntnis des Eigensinns der Sprache und der Universitäten und ihres Wandels.
2005-04-01
Mit der Pflegeversicherung ist die Pflege dem Markt übergeben worden, sagt Claus Fussek. […] Die Gesellschaft regt sich über die Rechtschreibreform mehr auf als über Menschenrechtsverletzungen in Altenpflegeheimen.
2005-04

Geht man von unserem Schichtenmodell der Sprache aus, so ist die Rechtschreibung zweifellos auf der untersten Ebene anzusiedeln. Das bedeutet ein Zweifaches: Zum einen stellt die Rechtschreibung eine Art vorgrammatische Disziplin dar, eine Disziplin also, die nicht zum Bereich des grammatischen Systems der Sprache gehört […]. Und zum andern leistet die Rechtschreibung im Hinblick auf die kommunikative Leistung der Sprache wenig bis nichts. […] wird die menschliche Kommunikation ganz wesentlich vom inner- und aussersprachlichen Kontext, in dem ein Wort steht, gesteuert. […] Die kommunikative Leistung der Rechtschreibung ist derart klein, dass wir sie fast vernachlässigen können. […] Ganz anders sieht es nun in Bezug auf die gesellschaftliche Wertung der Rechtschreibung aus. […] Ich kenne keine Sprache, in der die Orthografie einen derart hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat wie im Deutschen. Im Italienischen — das versichere ich Ihnen — jedenfalls nicht!

Streng genommen stellte Duden jedoch nicht die alte Rechtschreibregelung dar. Diese bildete vielmehr die amtliche Regelung von 1902, die erste Regelung der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum überhaupt; und diese war weit weniger detailliert und rigide als neuere Auflagen des Dudens. […] Unter anderem lässt sich diese Entwicklung darauf zurückführen, dass 1915 das allgemeine Orthographische Wörterbuch des Dudens mit dem so genannten Buchdruckerduden, einem detaillierten Regelwerk für die grafische Branche, verschmolzen worden ist. Das hat zur Vermischung von Rechtschreibgrundwissen und Spezialistenkenntnissen geführt, eine Entwicklung, die einem guten Umgang mit der Rechtschreibung nicht unbedingt förderlich gewesen ist.

Wer sich ein Leben lang mit der deutschen Sprache befasst und Quellentexte vom 13. bis 19. Jahrhundert gelesen, exzerpiert und ediert hat, verfolgt mit Staunen und eher amüsiert den gegenwärtigen Streit um unsere Rechtschreibung und ihre Reform. An einigen Beispielen soll im Folgenden ohne zu grosse Wissenschaftlichkeit dargetan werden, wie souverän unsere Altvordern einst mit der deutschen Sprache umgingen.

Hermann Scheuringer und Christian Stang: Die deutsche Rechtschreibung. Geschichte. Reformdiskussion. Neuregelung. Edition Praesens, Verlag für Literatur- und Sprachwissenschaft, Wien 2004. […] Zwar wird in dem Buch die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die am 1. August dieses Jahres in Kraft treten wird, gut nachschlagbar dargestellt; das kann man jedoch andernorts ebenfalls finden. Interessanter erscheint mir deshalb der historische Teil. […] «Über Rechtschreibung zu diskutieren, ist also nicht nur eine Frage zwischen ‹ss› und ‹ß›, sondern Bildungsgeschichte, Schulgeschichte, Gesellschaftsgeschichte usw. – zusammengefasst: Kulturgeschichte.» Wer sich über diese Kulturgeschichte orientieren möchte, ist mit diesem Buch sehr gut bedient.
31. 3. 2005
Es ist hierzulande ein merkwürdiges Phänomen, daß viele tiefgreifende Änderungen im Vorfeld so lange wie möglich ignoriert und erst kurz vor (oder nach) der Rechtwirksamkeit hitzig debattiert werden. Am Ende fügt man sich dann so oder so dem nicht mehr zu vermeidenden Schicksal. So war es seinerzeit bei der Einführung der Rechtschreibreform oder dem ab Freitag möglichen behördlichen Zugriff auf die Konten der Deutschen[,] und es dürfte sehr wahrscheinlich ähnliches geschehen, wenn es ab Herbst neue Reisepässe nur noch gegen Abgabe eines Fingerabdrucks erhältlich sein werden.
29. 3. 2005
Zu allererst: Barfuß schreibt sich auch nach der neuen Rechtschreibung mit scharfem "ß" (wie stets nach langen Vokalen) — dies erwähnen wir nur, um die durch falsche Anwendung der Rechtschreibreform produzierte Verwirrung ein wenig einzudämmen. An den Machern von Til Schweigers neuestem Film scheint diese Rechtschreibregel jedenfalls auch vorbei gegangen zu sein, liest man doch überall offiziell von "barfuss".
2005-03-24
Die falsche Zeit ist aber auch die, in der wir erwachsen sein und uns den Übereinkünften fügen müssen, die bereits in der ersten Grundschulklasse in Form der alten oder neuen Rechtschreibung nach uns greifen; denn die Beherrschenden beherrschen eben mehr als nur die Unterdrückten, sie beherrschen auch eine Sprache.
22. 3. 2005
Im Umfeld der neu entbrannten Auseinandersetzung um die deutsche Rechtschreibreform hatten über fünfzig Professoren eine Petition an die Parlamente in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht. […]Sie forderten die Rückkehr zur früheren Orthographie. Dazu wird es nun in der Schweiz endgültig nicht kommen. Die große Kammer, der Nationalrat, hat jetzt die Petition behandelt.
21. 3. 2005
Am 8. April wird der Rat für Deutsche Rechtschreibung erstmals Änderungen der Rechtschreibreform beraten. […] Zu dem 36-köpfigen Expertengremium gehört der aus der Schweiz stammende Germanistik-Professor der Universität Jena Peter Gallmann (52). […] Wird die rechte Rechtschreibung ein Dauerproblem? Wenigstens ein Dauerthema. Die Experten sind gut beraten, wenn sie die Entwicklung beobachten und die Orthografie-Regeln nach vier oder fünf Jahren wieder anpassen. Bei unseren Nachbarn im Norden, in Schweden, Dänemark, Norwegen ist das ganz normal. Davon kann man lernen.
19. 3. 2005
Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Nationalrats kam jedoch zum Schluss, dass eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung nicht in Frage komme. Auch diese weise zahlreiche Mängel auf.
18. 3. 2005
Ähnlich wie Borner nimmt Straubhaar kein Blatt vor den Mund und verbreitet in seinen Kolumnen in diversen Schweizer und deutschen Zeitungen ebenso liberale Thesen. […] So forderte er in der baz, in der er regelmässig als Gastautor schreibt, dass der Staat sich nicht um die Rechtschreibereform kümmern dürfe.
Die Deutschschweiz wird nicht zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Der Nationalrat hat am Freitag stillschweigend von einer entsprechenden Petition von Rechtsprofessoren Kenntnis genommen, ohne ihr Folge zu geben.
2005-03-15
Kritiker der Rechtschreibreform haben den Vorstandsvorsitzenden der Axel-Springer AG, Mathias Döpfner, zum «Sprachwahrer des Jahres» gewählt. Die Leser der Sprachzeitung «Deutsche Sprachwelt» hätten sich mit großer Mehrheit für Döpfner ausgesprochen, teilte der Schriftleiter des Blattes, Thomas Paulwitz, am Dienstag am Rande der Leipziger Buchmesse mit.
2005-03-14

Die umstrittene Rechtschreibreform mit all ihren Nachbesserungen und Sowohl-als-auch-Regelungen war der Sprachkultur bislang auch nicht eben dienlich. Speziell die Groß- und Getrenntschreibungsregeln haben dem geschriebenen Deutsch ästhetisch-grammatikalische Missgeburten beschert wie etwa "sehr Zeit raubend" oder "eine Hand voll Frauen" (selbst King-Kong hatte an einer genug). "Der Nobelpreis für Günter Grass war wohl verdient", stand in der "Süddeutschen Zeitung" zu lesen (der Kritiker Joachim Kaiser hatte gemeint: wohlverdient); in einem Geschichtsbuch des Cornelsen Verlags erfahren die Schüler, dass sich Menschenaffen und Menschenvorfahren "auseinander entwickelt" hätten (tatsächlich haben sie sich auseinanderentwickelt). Inzwischen sind die meisten Zusammenschreibungen allerdings wieder zulässig.

Sie registrieren also einen Verfallsprozess? Henscheid: Mir scheint, brennende Fragen um die allseits rasend interessierende Duden-Reform beziehungsweise -Reformreform werden fast läppisch angesichts wirklich bedrohlicher Dinge, etwa des aktuell grassierenden Sprachdrecks der Art, wie er tagtäglich von der "Bild"-Zeitung ausgebrütet wird: orwellsches Neusprech als Doppelmoppel-Stummel der Pop-Art.
2005-03-11
Um ein Jahr möchte der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Otto, die Einführung der Rechtschreibreform verschieben. Der Rat könne bis zum 1. August dieses Jahres "die unbestritten bestehenden Probleme der Rechtschreibreform" nicht lösen
Als ob mit der Rechtschreibreform nicht schon genug Schaden entstanden wäre, will nun der Bochumer Mathematikprofessor Gerritzen auch noch unsere Zahlen umgedreht wissen, damit es die lieben Kleinen nicht so schwer haben.
Die Parteien, Interessensgruppen und Verbände graben sich in ihre Positionen ein. Jede Seite will die Schulstruktur nach ihrer Fasson verändern. […] Was bedeutet es für das Österreichische Bildungssystem, wenn mit einfacher Mehrheit hurtig drauf los reformiert wird? […] Schon die (behutsame) Rechtschreibreform hat die Fragwürdigkeit einer derartigen Prozedur aufgezeigt: Mit der neuen Schreibung wurden die Schulbücher umgestellt. Würde man diese wieder ad acta legen, müssten die Schulmaterialien neuerlich umgeschrieben werden, dann vielleicht noch einmal und noch einmal.
2005-03-10
Das klassische Regelgebäude der deutschen Rechtschreibung ist das Ergebnis eines 200jährigen konsensualen Prozesses, in dem die Gewichtung phonologischer, morphologischer und syntaktischer Faktoren sorgfältig austariert und sukzessive explizit konventionalisiert wurden.
2005-03-07

Neben dem unbedingten Sparwillen versucht sich Wulff mit sorgsam ausgewählten Themen gezielt als Modernisierer und Aufklärer zu profilieren. Mal gehts daneben, wie bei der gescheiterten Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Meistens landet er jedoch mediale Volltreffer.
Deutsche Sprache schwere Sprache — das gilt nicht erst seit der umstrittenen Rechtschreibreform. Der Mathematik-Professor Lothar Gerritzen fordert noch mehr Chaos. Statt "vierunddreißig" sollen wir endlich "dreißigundvier" sagen.
5. 3. 2005
Das Volk, dem immer mal wieder seine Ohnmacht vor Augen geführt wird (Euro-Einführung, Rechtschreibreform), ist auf individuelle Anpassung zurückgeworfen.
2005-03-04
Einer der schärfsten Kritiker der Rechtschreibreform, der Schriftstellerverband P.E.N., hat jetzt doch noch seine Mitarbeit im Rat für Deutsche Rechtschreibung angekündigt. […] Der P.E.N. entsendet mit dem Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler einen der profiliertesten Kritker der Rechtschreibreform in das umstrittene Gremium.
2005-03-03
Bei seinem zweiten Treffen hat der an Überbesetzung leidende Rat für Rechtschreibung in Mannheim eine siebenköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt […].
2005-03-01
Im Hinblick auf die weitestgehend unsinnige sogenannte Rechtschreibreform liefert Frau Limbach ein wertvolles Argument, wenn sie schreibt, daß Sprache Kultur sei und Kultur ihrem Wesen nach nicht staatlich verwaltet werden könne.
3. 2005
Mit der neuen Orthographie wurden gewachsene Rechtschreibenormen von einer Gruppe selbsternannter Reformer — unter gütiger Mithilfe ahnungsloser Politiker — aus den Angeln gehoben.